Gestützte Kommunikation (Facilitated Communication = FC)
Eine Möglichkeit zur Kommunikation für nichtsprechende Menschen mit autistischem Verhalten?
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Claudia Piefer
- Abgabedatum: Februar 2007
- Umfang: 33 Seiten
- Dateigröße: 240,3 KB
- Note: 2,7
- Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
- Bibliografie: ca. 31
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2593-7
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Piefer, Claudia Februar 2007: Gestützte Kommunikation (Facilitated Communication = FC), Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Gestützte Kommunikation, Facilitated Communication, Autismus, Rosemary Crossley, Kommunikationshilfe
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Bachelorarbeit von Claudia Piefer
Einleitung:
„auch ein stummer will sich artikulieren/ auch er hat ein recht auf sprache/ ohne sprache sind wir tote isolierte ausgestoßene apparaturen eine wichtige arbeit stummen die sprache beizubringen“.
Diese Zeilen hat Birger Sellin, ein Nichtsprechender mit autistischen Verhaltensauffälligkeiten, mit Hilfe der Methode der Gestützten Kommunikation geschrieben. Im englischen Sprachraum ist diese als „Facilitated Communication“ bzw. in der Abkürzung „FC“ bekannt und wurde von Rosemary Crossley in Australien entwickelt. Obwohl diese Methode weltweit verbreitet ist, wird sie dennoch kontrovers diskutiert.
FC stellt eine Möglichkeit zur Verständigung für Menschen mit Kommunikationsbeeinträchtigungen dar. Dabei gibt ein so genannter Stützer (Facilitator) dem Anwender Hilfestellung an Hand, Arm oder Schulter, die elektronische oder nicht-elektronische Kommunikationshilfe, z. B. eine Bilder-, Symbol- oder Buchstabentafel oder eine Tastatur, zu nutzen und sich so der Umwelt verbalsprachlich mitzuteilen.
Kritiker stellen hier berechtigte Fragen:
Schreibt tatsächlich der Gestützte oder etwa der Stützer?
Inwieweit ist es denkbar, dass der Assistent durch das Führen der Hand, des Armes etc. das Zeigen oder Tippen der Buchstaben unbewusst bzw. bewusst manipuliert?
Wie kann überprüft werden, dass die Mitteilung wirklich vom Gestützten stammt?
Wie ist es möglich, dass der Mensch, der sich verbal nicht oder nur rudimentär mit etlichen Variationen von sprachlichen Auffälligkeiten mitteilen kann, plötzlich durch FC differenziert ausdrückt?
Allen Zweifeln wird die Basis entzogen, sobald das Ziel, unabhängig zu schreiben, erreicht wurde und FC als Training zur Erreichung dieses Ziels dient.
Gang der Untersuchung:
Bevor die verschiedenen Positionen von Pro und Kontra ausgearbeitet werden, wird die psychische Störung „Autismus“ definiert und das Kanner-Syndrom von der Asperger-Störung unterschieden.
Den typischen Autisten gibt es nicht. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine individuelle Entwicklungsstörung, die von Mensch zu Mensch variierende Verhaltensauffälligkeiten zeigen kann. Ein spezifisches Merkmal bei Menschen mit frühkindlichen autistischen Zügen sind diverse sprachliche Besonderheiten, wie z.B. Echolalie, Pronomenreversion, Neologismus, Wortfindungsstörung und Mutismus. Das dritte Kapitel widmet sich diesen Besonderheiten.
Vorwiegend nichtsprechende Menschen mit autistischem Verhalten leiden häufig unter Isolation und Einsamkeit. Ohne verbale Kommunikation gestaltet es sich für sie schwierig, soziale Kontakte zu knüpfen, wie beispielsweise Freundschaften zu schließen oder zu festigen. Für sie muss eine alternative Kommunikationsmöglichkeit gefunden werden.
Im vierten Kapitel wird die Methode der Gestützten Kommunikation beschrieben. Es wird aufgezeigt, für wen die Methode geeignet ist, welche Voraussetzungen der Stützer mitbringen sollte und welche Art von physischer und psychischer Stütze bei verschiedenen Anwendungsgebieten notwendig sein kann. Nachdem die Rahmenbedingungen erläutert wurden, wird der Frage nachgegangen, wie die Anbahnung und die Reduzierung verlaufen sollten.
Das fünfte Kapitel beschreibt exemplarisch, welche rechtlichen Konsequenzen sich durch FC für die Nutzer sowie für Stützer und Außenstehende ergeben können.
Im sechsten Kapitel werden die verschiedenen kontroversen Positionen anhand von Studien qualitativer und quantitativ-experimenteller Art gegenübergestellt, indem zentrale Kritikpunkte angeführt werden. Diese Gesichtspunkte werden sowohl aus der Sicht der Befürworter als auch aus der der Gegner diskutiert.
Abschließend wird im letzten Kapitel anhand der Fragestellung, was FC für Menschen mit autistischem Verhalten bedeutet, ein Resümee gezogen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Autismus - eine Begriffsklärung | 3 |
| 2.1 | Kanner-Syndrom | 4 |
| 2.2 | Asperger-Störung | 5 |
| 3. | Sprachliche Besonderheiten bei Menschen mit Frühkindlichem Autismus | 7 |
| 3.1 | Echolalie | 7 |
| 3.2 | Pronomenreversion | 8 |
| 3.3 | Neologismus | 9 |
| 3.4 | Wortfindungsstörung | 9 |
| 3.5 | Mutismus | 10 |
| 4. | Gestützte Kommunikation (FC) | 11 |
| 4.1 | Begriffsklärung und Klassifikation | 11 |
| 4.2 | Geschichte | 12 |
| 4.3 | Für wen kommt die Methode in Frage? | 13 |
| 4.4 | Grundregeln für Stützer | 14 |
| 4.5 | Physische und psychische Unterstützung in verschiedenen Anwendungsgebieten | 14 |
| 4.6 | Rahmenbedingungen | 17 |
| 4.7 | Anbahnung und Reduzierung der Stützung | 17 |
| 5. | Rechtliche Konsequenzen von FC | 19 |
| 6. | Qualitative und quantitativ-experimentelle Studien | 21 |
| 6.1 | Qualitative Studien | 21 |
| 6.2 | Quantitativ-experimentelle Studien | 22 |
| 7. | Was bedeutet FC für Menschen mit autistischem Verhalten? | 27 |
| 8. | Abbildungsverzeichnis | 29 |
| 9. | Literaturverzeichnis | 30 |
Textprobe:
Kapitel 3.3 Neologismus:
Unter Neologismus ist die Neuschöpfung eines nicht-existierenden Wortes gemeint. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den beiden Wörtern „neos“ für „neu“ und „logos“ für „das Wort“ zusammen. Möller u. a. ordnen sie unter den formalen Denkstörungen ein und definieren sie als „Wortneubildungen, die der sprachlichen Konvention nicht entsprechen und oft nicht unmittelbar verständlich sind“.
Brauns produziert echte Neologismen, z. B. verwendet er das Wort „Haha“, wenn er seine Mutter meint und „lichteln“ bezeichnet das Ein- und Ausschalten der Lampe, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. In engem Zusammenhang dazu stehen so genannte Kontaminationen, auch als Kofferwörter bekannt. Dabei handelt es sich um Zusammensetzungen bestehender Wörter. Solche Wortneuschöpfungen entstehen meistens in einem bestimmten Kontext oder assoziieren besondere Erlebnisse. Dilling u. a. kategorisieren Kontaminationen ebenfalls unter den formalen Denkstörungen und bezeichnen damit die Verquickung unterschiedlicher, teilweise logisch unvereinbarer Bedeutungen. Z. B. bezeichnet Brauns Krankenhäuser seit seiner ersten Operation als „OP-Haus“, die Physiotherapeutin ist die so genannte „Knieheilerin“ und die Begriffe „zweigut“ oder „dreigut“ benutzt er zur Beschreibung einer guten oder sehr guten Situation oder eines Gegenstandes.
Tatsächlich ist es häufig schwierig neue Wortkreationen als echten Neologismus oder Kontamination zu differenzieren. An den Beispielen lässt sich erkennen, dass diese beiden sprachlichen Besonderheiten durchaus von einer gewissen Kreativität und Phantasie zeugen, was bedeutet, dass der Mensch mit autistischem Verhalten, der diese Phänomene aufweist, sehr wohl ein Verständnis von der Sprache hat.
Wortfindungsstörung:
Laut Crossley sind Menschen mit Wortfindungsstörung nicht dazu in der Lage, „bekannte Gegenstände oder Personen zu benennen oder sich an deren Namen zu erinnern“. Besonders auffällig ist diese Störung bei Begriffen, die sich nicht so einfach durch andere ersetzen lassen, z. B. Substantive.
Brauns hat sein gesamtes fünftes Lebensjahr das Problem mit der Zahl 4. Jedes Mal, wenn er gefragt wurde, wie alt er sei, konnte er nicht antworten. Auch Sellin beschreibt Wortfindungsstörungen: […] deshalb war ich einmal so unausstehlich konnte ein wort nicht finden“.
Als Ursache wird angenommen, dass einige Hirnfunktionen oder –bereiche nicht ausreichend entwickelt oder geschädigt sind. In der Medizin wird dieses Phänomen „expressive Aphasie“ oder „Dysphasie“ genannt.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836625937
Arbeit zitieren:
Piefer, Claudia Februar 2007: Gestützte Kommunikation (Facilitated Communication = FC), Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Gestützte Kommunikation, Facilitated Communication, Autismus, Rosemary Crossley, Kommunikationshilfe



