Die Gestaltung von Auslandsentsendungen im Mittelstand
Eine empirische Studie unter deutschen Firmen mit Auslandsengagement in der Slowakischen Republik
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Antje Plewnia
- Abgabedatum: November 2004
- Umfang: 141 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4094-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4094-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4094-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Plewnia, Antje November 2004: Die Gestaltung von Auslandsentsendungen im Mittelstand, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Pesonalmanagement, KMU, Expatriation, Inhaltsanalyse, situative Interviews
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Diplomarbeit von Antje Plewnia
Einleitung:
Bis 1993 im Staatenbund mit Tschechien eher wenig beachtet, entwickelt sich die Slowakische Republik seit Ende der 90er zu einem beliebten Investitionsland. Vor allem Automobilhersteller sehen in der Slowakei einen idealen Standort: Der französische PSA-Konzern errichtet dort ein Werk, Volkswagen gilt inzwischen als größter Exporteur des Landes und Hyundai will 2006 mit der Produktion beginnen. Wichtigster Wirtschaftspartner der Slowakei ist Deutschland. Allein im Jahre 2002 investierte Deutschland in der Slowakei 80 Milliarden SK (knapp 2 Milliarden €) und verzeichnet mit 26% traditionell den höchsten Anteil an Auslandsinvestitionen.
Gegenwärtig werden rund 400 deutsche Firmen registriert. Namenhafte Unternehmen wie Deutsche Telekom, Siemens, EON, Leoni und Degussa sind in der Slowakei ebenso aktiv wie kleine und mittlere Betriebe aus Deutschland. Gründe für die hohen Auslandsbeteiligungen liegen in der konsequent investitionsfreundlichen Steuer- und Wirtschaftspolitik der slowakischen Regierung, die ausländischen Firmen die Möglichkeit bietet, unter sehr günstigen Bedingungen eine starke Stellung in der Slowakei und damit günstige Ausgangspositionen auf den zukünftigen Märkten Europas aufzubauen. Die mittel- und osteuropäischen Wirtschaftsstrukturen wurden schrittweise an das westeuropäische System der Marktwirtschaft angepasst – ein Prozess der noch nicht abgeschlossen ist, aber durch die europäische Integration am 01. Mai 2004 wichtige Impulse erhalten hat.
Aktuell suchen in zunehmendem Umfang kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Kooperationsbeziehungen mit Unternehmen aus Mittelosteuropa. Dies sind zum einen Unternehmen, die in noch ungesättigten Märkten der neuen EU-Mitgliedstaaten ihre Chancen nutzen wollen – und zum anderen vor allem die mittelständische Zulieferindustrie, die ihren Großkunden in die osteuropäischen Märkte folgt. Mit der zunehmenden Internationalisierung der Wirtschaft stehen somit auch immer mehr mittelständische Unternehmen vor der Entscheidung bzw. der Notwendigkeit ihre Mitarbeiter und Führungskräfte ins osteuropäische Ausland zu entsenden.
Obwohl die Bedeutung des Personalmanagements für den Erfolg des Auslandsengagements nahezu allen international tätigen Unternehmen bewusst ist, scheitern zwischen 13 und 30% aller Auslandsentsendungen. Häufig genannte Ursachen sind neben kulturellen Konflikten dabei gerade bei kleineren Unternehmen der Mangel an personellen Alternativen und die Umsetzung der Entsendung im Alltagsgeschäft. Gegenüber international tätigen Großunternehmen ist festzustellen, dass KMU nicht über die finanziellen und personellen Ressourcen verfügen um uneingeschränkt auf bestehende Instrumente zur Gestaltung von Auslandseinsätzen zurückgreifen zu können.
Für diese Arbeit stellt sich die Frage, welche Antworten mittelständische Unternehmen gefunden haben, um die Herausforderungen von Mitarbeiterentsendungen in die Slowakische Republik zu meistern. Inwieweit greifen sie dabei auf bestehende Instrumente des internationalen Personalmanagements zurück, modifizieren diese bzw. welche individuellen Lösungen entwickeln sie? Die Arbeit knüpft dabei an Forschungsergebnisse zur Internationalisierung des Mittelstandes an und gründet im Forschungsgebiet des Internationalen Personalmanagements. Sie erforscht den Entsendungsprozess von deutschen Arbeitskräften in den Ländermarkt Slowakei sowie typische Lösungsstrategien des Mittelstandes bei der Gestaltung dieser Mitarbeiterentsendung.
Die Datenbasis, auf die sich diese Arbeit stützt, besteht aus einer Befragung von 27 mittelständischen Unternehmen sowie aus sieben Interviews, die nach Auswertung des Befragungsbogens geführt wurden. Im Rahmen der Interviews wird eine Bestandsaufnahme hinsichtlich Ausgestaltung von Auslandsentsendungen und Einsatz von Personalmanagement-Instrumenten im Mittelstand durchgeführt. Untersuchungsbefunde werden vorgestellt, die Aufschlüsse über praktische Erfahrungen der befragten Unternehmen geben.
Seit den 90er Jahren rückt die Internationalisierung des Mittelstandes zunehmend ins Blickfeld der Wissenschaft und wird auch in der Praxis ausgiebig thematisiert und diskutiert. Bisher standen vor allem Internationalisierungsstrategien und ihre Anwendung im Mittelstand im Vordergrund, aussagekräftige Studien zum internationalen Personalmanagement im Mittelstand sind nach wie vor rar. Verschafft man sich einen Überblick über die Forschung zur Auslandsentsendung von Mitarbeitern und Führungskräften, so fällt auf, dass der Betrachtungsfokus bisher ausschließlich auf Großunternehmen liegt. Obwohl bis dato bereits eine erhebliche Anzahl von Publikationen zum Thema „Auslandsentsendungen“ existiert, wurde der Mittelstand bisher vernachlässigt. Ebenso ist auch die Auswahl an empirischen Erhebungen zum Themenkomplex klein.
Nach Ansicht des Verfassers klafft hier eine Lücke zwischen Konzepten in der Theorie zur Gestaltung von Auslandsentsendungen und deren Einsatz in der Praxis mittelständischer Unternehmen. Es liegt die Vermutung nahe, dass theoretische Ansätze für eine Anwendung im Mittelstand noch zu wenig gereift sind. Weber/Kabst resümieren, dass hier ein besonders hoher Forschungsbedarf besteht.
Mit dieser Studie wird ein deskriptiv-deduktiver Forschungsansatz verfolgt. Die Arbeit teilt sich in drei methodische Schwerpunkte auf: Mit Hilfe eines konzeptionellen Bezugsrahmens im ersten Teil der Arbeit wird das Forschungsproblem konkretisiert und vorstrukturiert. Auf dem Gebiet der Internationalen Personalmanagementforschung und der Mittelstandsforschung erzielte Erkenntnisse zu Auslandsentsendungen werden als Ansatzpunkt für die empirische Untersuchung gewählt. Datenerhebung und -analyse im zweiten Teil der Arbeit erfolgen iterativ, indem die Analyse unmittelbar nach der Erhebung des ersten Materials mit ersten Hypothesenbildungen beginnt und sich die nächsten Datenerhebungsschritte daran ausrichten. Methodisch wird auf Basis der qualitativen Sozialforschung mit Hilfe von problemzentrierten Interviews in mittelständischen Unternehmen gearbeitet. Der Methodenmix setzt sich aus Leitfadeninterviews mit Personalverantwortlichen und entsandten Mitarbeitern zusammen, denen eine Kurzbefragung vorangestellt wurde. Basierend auf der inhaltsanalytischen Auswertung der Interviews werden im dritten Teil Erkenntnisse zur Gestaltung von Auslandsentsendungen im Mittelstand diskutiert und Gestaltungsempfehlungen formuliert.
Gang der Untersuchung:
Die Arbeit ist in fünf Kapitel unterteilt. Nachdem im ersten Kapitel eine Einführung in Problemstellung, Ziel und Methodik der vorliegenden Arbeit gegeben wurde, befasst sich das zweite Kapitel mit den theoretischen Grundlagen für Auslandsentsendungen im Mittelstand. Neben der Erklärung zentraler Begriffe zu Mittelstand, Internationalisierung und Auslandsentsendung wird die Entsendung von Mitarbeitern im Kontext der internationalen Unternehmensstrategie von kleinen und mittleren Unternehmen erfasst. Dabei wird auf die damit verbundenen Entsendungsziele sowie auf Rahmenbedingungen in der Slowakischen Republik, die in Beziehung mit dem Entsendungsprozess stehen, eingegangen. Weiterhin vermittelt dieses Grundlagenkapitel einen Überblick darüber, welche Konzepte, Instrumente und Modellvorstellungen zu den verschiedenen Phasen der Auslandsentsendung bereits bestehen. Forschungsfragen und Vorannahmen, die der empirischen Untersuchung zu Grunde liegen, beschließen das Kapitel.
Das dritte Kapitel wird zur ausführlichen Diskussion der gewählten Untersuchungsmethodik verwendet, wobei Erhebungsinstrumente und Auswertungsstrategien ausführlich beschrieben werden. Das vierte Kapitel nimmt eine empirische Bestandsaufnahme hinsichtlich der Gestaltung von Auslandsentsendungen im Mittelstand vor. Die erhobenen Daten werden präsentiert und bilden somit die Grundlage für den interpretativen Teil. Hier wird veranschaulicht, welche Lösungskonzepte in der Praxis mittelständischer Unternehmen Anwendung finden.
Die Ergebnisse aus der qualitativen Inhaltsanalyse nehmen insbesondere Bezug auf:
- Voraussetzungen, die Mitarbeiterentsendungen in KMU bedingen.
- Die Ausgestaltung von Auslandsentsendungen und evtl. eingesetzte Personalmanagement-Instrumente zur Sicherstellung des Erfolges von Auslandsentsendungen in die Slowakei.
- Erfolgsfaktoren und Defizite in der Entsendungsgestaltung.
In Kapitel fünf erfolgt zunächst eine kurze Zusammenfassung und theoretische Einordnung der wesentlichen Untersuchungsergebnisse. Anschließend werden praktische Implikationen der Ergebnisse dargestellt. Methodenkritische Aspekte der Studie und ein Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten beschließen dieses Kapitel.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| 1. | Einführung | 1 |
| 1.1 | Hintergrund und Motivation | 1 |
| 1.2 | Zielstellung der Arbeit | 2 |
| 1.3 | Stand der Forschung | 2 |
| 1.4 | Methodische Vorgehensweise | 3 |
| 1.5 | Aufbau der Arbeit | 4 |
| 2. | Theoretische Grundlagen | 6 |
| 2.1 | Internationalisierung im Mittelstand | 6 |
| 2.1.1 | Abgrenzung des Begriffs Mittelstand | 6 |
| 2.1.2 | Internationalisierung aus einzelwirtschaftlicher Sicht | 9 |
| 2.1.3 | Internationalisierungsmotive | 10 |
| 2.1.4 | Formen der Internationalisierung | 11 |
| 2.2 | Rahmenbedingungen für Auslandsentsendungen in die Slowakei | 15 |
| 2.2.1 | Makroumwelt | 15 |
| 2.2.2 | Arbeitsmarkt | 20 |
| 2.3 | Bestehende Instrumente zur Entsendungsgestaltung | 22 |
| 2.3.1 | Abgrenzung von Auslandsentsendungen | 22 |
| 2.3.2 | Entsendungsziele internationaler Unternehmen | 23 |
| 2.3.3 | Rekrutierung und Personalauswahl | 25 |
| 2.3.4 | Vorbereitung und Betreuung des Entsandten | 29 |
| 2.3.5 | Wiedereingliederung | 32 |
| 2.3.6 | Vertragliche Gestaltung und Entlohnung | 33 |
| 2.4 | Forschungsfragen und -hypothesen | 35 |
| 3. | Konzeption der empirischen Untersuchung | 39 |
| 3.1 | Auswahl eines geeigneten Forschungsdesign | 39 |
| 3.2 | Methodik der Datenerhebung | 40 |
| 3.2.1 | Auswahl der Untersuchungsobjekte und Zugang zum Feld | 40 |
| 3.2.2 | Die Konstruktion des Interviewleitfadens | 41 |
| 3.2.3 | Durchführung der Interviews | 43 |
| 3.3 | Methodik der Datenanalyse | 44 |
| 3.3.1 | Auswertung der Befragung | 45 |
| 3.3.2 | Einzelanalyse der Interviews | 45 |
| 3.3.3 | Generalisierende Analyse aller Interviews | 48 |
| 4. | Ergebnisse der Untersuchung | 49 |
| 4.1 | Ergebnisse der Befragung | 49 |
| 4.2 | Ergebnisse der Einzelinterviews | 50 |
| 4.2.1 | Interview mit Herrn Walther | 50 |
| 4.2.2 | Interview mit Herrn Pohle | 55 |
| 4.2.3 | Interview mit Herrn Demirel | 59 |
| 4.2.4 | Interview mit Herrn Burkhard | 62 |
| 4.2.5 | Interview mit Herrn Kümpers | 64 |
| 4.2.6 | Interview mit Frau Schnelle | 66 |
| 4.2.7 | Interview mit Herrn Künkel | 69 |
| 4.3 | Ergebnisse der Interviewstudie nach Themen | 71 |
| 4.3.1 | Internationalisierungsmotiv | 71 |
| 4.3.2 | Entsendungsmotiv | 72 |
| 4.3.3 | Umfang der Entsendung | 75 |
| 4.3.4 | Auswahlentscheidung | 76 |
| 4.3.5 | Vorbereitung und Betreuung | 78 |
| 4.3.6 | Vertragsgestaltung | 80 |
| 4.3.7 | Beurteilung des Entsendungserfolges | 81 |
| 4.3.8 | Problematische Gastlandsfaktoren | 82 |
| 4.3.9 | Familie und soziales Netzwerk | 84 |
| 5. | Diskussion und Ausblick | 86 |
| 5.1 | Zentrale Ergebnisse der Interviewstudie | 86 |
| 5.2 | Diskussion und Einordnung der Ergebnisse | 88 |
| 5.3 | Empfehlungen | 94 |
| 5.4 | Methodische Einschränkungen | 97 |
| 5.5 | Weiterer Forschungsbedarf | 99 |
| Literatur | 101 | |
| Anhang | 109 |
ungebunden und offen für einen längeren Aufenthalt ist. Herr Pohle wurde auch ausgewählt, da er die entsprechende fachliche Spezialisierung besitzt um vor Ort zu schulen, auslandserfahren ist und bereits erfolgreich Einsätze in der Slowakei auch ohne Sprachkenntnisse gemeistert hat. „Er ist ein sehr bewanderter Mensch, der auch gut kommuniziert und der auch schon mal drei Monate in der Slowakei gewesen ist und mit den Leuten gut klar kam und sich auch in der Gegend wohl gefühlt hat. Da passten eben viele Sachen zusammen“. Um den berühmten „Sprung ins kalte Wasser“ für Herrn Pohle vorzubereiten, trifft man von Unternehmensseite verschiedene Maßnahmen. Angefangen mit Ausbildungsmaßnahmen in sämtlichen Produktionsschritten über die Unterstützung bei der Meisterschule bis hin zu Aufenthalten in der Slowakei wurde Herr Pohle vor allem fachlich intensiv und gezielt an seine zukünftigen Aufgabengebiete herangeführt. „Er ist[..]im Moment mehr da [..], damit er[..]alles aufnehmen kann, seine Meisterschule in Ruhe machen kann“. „[..] dass wir ihm sehr viele verschiedene Aufgaben geben, damit er auch viele verschiedene Sachen lernt und auch abdecken kann.“ Eine kulturelle und landesspezifische Vorbereitung erfolgt nicht durch die Firma, allerdings hält die Geschäftsleitung persönlichen Kontakt mit den Mitarbeitern und man tauscht sich in persönlichen Gesprächen aus. Zudem hatte Herr Pohle in einem ersten, auf drei Monate befristeten Einsatz die Gelegenheit, sich mit seiner zukünftigen Arbeits- und Lebenssituation vertraut zu machen und zu prüfen, ob ein langfristiger Aufenthalt für ihn in Frage kommt. Das soll an landesspezifischer Vorbereitung zunächst ausreichen. „Er war schon drei Monate da, also ich glaube, er kennt da schon eine ganze Menge. Ich tausche mich mit ihm da auch manchmal über die Eigenarten aus.“ Herr Pohle und andere Mitarbeiter wurden bei kürzeren Auslandseinsätzen bisher in Hotels untergebracht. Sollte sich herausstellen, dass Herr Pohle tatsächlich langfristig in der Slowakei bleibt, wird ihm bei Bedarf eine Wohnung organisiert. Bei Gleistein geht man also sehr pragmatisch, flexibel und situationsabhängig auf Veränderungen ein, was sich nicht nur in der allgemeinen Unternehmensstrategie, sondern auch in der Entsendungsgestaltung niederschlägt. Man lässt z.B. offen, wie lange Herr Pohle in der Slowakei eingesetzt werden soll, welche Aufgaben er konkret erfüllen soll und mit welchen Problemen gerechnet werden kann und erwartet diese Flexibi50 [...]
nen Betrieb zu steuern[..].“ „[..]wir sind von der Verwaltung so klein, dass wir eigentlich fast alles Ein-Mann-Abteilungen sind. Wenn .. jemand Einkaufsachen schulen muss, dann ist das typischerweise unser Einkäufer..“ Im Anschluss an die derzeitigen umfangreichen Produktions- und Prozessverlagerungen, hat sich die Firmenleitung für eine langfristige Entsendung ab 2005 entschieden. Im Interview erläutert Herr Walther die Hintergründe wie folgt: „..inzwischen sind die Produkte und die Zusammenhänge sehr viel komplexer. .. es wird auch von den Aufgaben komplexer.[..]letztendlich sehen wir es[..] als notwendig an, jemanden ständig vor Ort zu haben.“ Neben dem ursprünglichen Entsendungsziel – Know-how-Transfer – spielen hier zwei neue Aspekte ein Rolle: Zum einen soll ein Mitarbeiter in Zukunft koordinierend und kommunizierend als Brücke zwischen den beiden Gesellschaften im technischen Bereich fungieren, was für den Entsandten ein Mehr an Aufgaben und Verantwortung mit sich bringt. Andererseits soll der Mitarbeiter möglichst fest in der Slowakei als Arbeitskraft installiert werden, da langfristig sein Aufgabengebiet in Deutschland wegbricht. „Sobald jetzt auch mehr von der Produktion in der Slowakei ist, ist auch weniger Arbeit hier und dann wird es wohl nicht nötig sein Herrn Pohle hier zu ersetzen.“ "[..]das Hauptaufgabenfeld ist in der Slowakei. Dort spielt ja auch, was die Produktion angeht, die meiste Musik und er ist ein Produktionsmann." Herr Pohle wird daher auch arbeitsvertraglich bei der slowakischen Gesellschaft unbefristet beschäftigt werden, allerdings wird der Heimatvertrag ruhend gestellt wird und eine Rückkehr vertraglich vereinbart, um es Herrn Pohle zu ermöglichen, eventuell bei schwerwiegenden Problemen auch wieder in die Muttergesellschaft zurückzukehren. „wenn er nach einem dreiviertel Jahr merkt, dass er kreuzunglücklich ist und überhaupt nicht klar kommt[..] da muss man sich sowieso unterhalten. Insofern würden wir das erst einmal unbefristet machen. Eine Rückkehr ist nicht ausgeschlossen.[..].Aber das Hauptaufgabenfeld ist in der Slowakei.” Die Frage der Vergütung war zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht geklärt, man bemüht sich um einen Kompromiss, der den Entsandten nicht schlechter stellt und gleichzeitig dem Gehaltsniveau in der Slowakei entspricht. Für den geplanten langfristigen Einsatz fiel die Wahl auf Herrn Pohle, da er 49 [...]
„Für uns ist es [..]eine Möglichkeit[..]in Mittel- und Osteuropa Vertriebswege auszubauen.“ Die Tochtergesellschaft ist slowakisch geführt, da Gleistein auf einen ehemaligen Mitarbeiter zurückgreifen konnte, zu dem eine solide Vertrauensbasis besteht und der Kenntnisse der lokalen Besonderheiten besitzt. „Wir haben aber den Vorteil, dass wir durch die beiden slowakischen Geschäftsführer[..]auch Leute haben, die die Mentalität kennen und die auch wissen, wie sie die Leute anfassen müssen.“ „Das wichtigste, wenn man in der Slowakei[..]ein Unternehmen gründet, ist das man vertrauenswürdige Leute hat, um es zu managen. Ansonsten wird man sehr schnell arm da dran.“ Schon seit Gründung des Auslandsengagements in der Slowakei werden bei Gleistein und Sohn Mitarbeiter aus Bremen in der Slowakei zu Schulungszwecken eingesetzt. Diese eher kurzfristig angelegten Entsendungen dienten zu Beginn dem Firmenaufbau und wurden später begleitend zur Produktions- und Prozessverlagerung in allen Betriebsbereichen durchgeführt. „Die Leute müssen eine gewisse Ausbildung[..]es ist natürlich jetzt unsere Aufgabe, wenn wir Maschinen verlagern und Produkte, dass wir auch die dazugehörigen Prozesse transferieren. Und dafür gehen Leute in die Slowakei um denen das beizubringen.“ Ein Auswahlverfahren gibt es nicht, vielmehr kennt die Geschäftsleitung die Mitarbeiter persönlich gut genug, um deren Eignung einschätzen zu können. Die Entscheidung, welcher Mitarbeiter für den Einsatz in Frage kommt, wird dann in persönlichen Gesprächen geklärt. „Wir sind klein genug um die Leute gut zu kennen und zu wissen, was die können. [..]wir besprechen das im Prinzip im Management und dann reden wir direkt mit den Leuten..“ Da vorrangig zu Schulungszwecken entsendet wird, spielt bei der Auswahl die fachliche Qualifikation eine Rolle. Entscheidend ist zudem, ob der jeweilige Mitarbeiter in der Lage ist, auch ohne Sprachkenntnisse vor Ort zu kommunizieren und über gewisse Führungskompetenzen verfügen. Da die Verwaltung bei Gleistein überwiegend Ein-Mann-Abteilungen sind, wird hier der Mitarbeiter entsendet, der fachlich mit dem Schulungsgebiet vertraut ist. „..das wichtigste ist, dass sie eine gute Kommunikationsfähigkeit haben, dass sie die Geduld haben über Sprachbarrieren hinweg sich zu verständigen.“ „Wer bei uns Meister ist .. da ist es einfach die Fähigkeit ei48 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832440947
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Plewnia, Antje November 2004: Die Gestaltung von Auslandsentsendungen im Mittelstand, Hamburg: Diplomica Verlag
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