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Gestalttherapie - Gestaltberatung

Einsatzmöglichkeiten in der sozialpädagogischen Praxis

Gestalttherapie - Gestaltberatung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Petra Wittmann
  • Abgabedatum: November 2004
  • Umfang: 128 Seiten
  • Dateigröße: 587,1 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8897-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8897-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8897-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wittmann, Petra November 2004: Gestalttherapie - Gestaltberatung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Bewusstheitssteigerung, Wachstum, Persönlichkeitsentwicklung, Selbstverantwortlichkeit, "Hier und Jetzt"

Diplomarbeit von Petra Wittmann

Einleitung:

Intention der vorliegenden Diplomarbeit ist die Darstellung und Reflexion der Gestalttherapie. Es wird der Frage nachgegangen, ob die Ideen des Konzepts für die Soziale Arbeit/Sozialpädagogik relevant und einsatzfähig sind, und wie dieser Ansatz in einem speziellen Arbeitsfeld, nämlich der Beratung, angewendet wird. Nach einer kurzen Erläuterung der Geschichte und Entwicklung der Gestalttherapie gehe ich im ersten Teil meiner Arbeit auf die theoretischen Wurzeln des humanistischen Psychotherapieverfahrens ein. Anschließend stelle ich das Therapiekonzept mit seinen Hauptzielen Steigerung der Bewusstheit, Persönlichkeitsentwicklung und Wachstum sowie Übernahme von Verantwortung vor, beschreibe schließlich einige Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit/Sozialpädagogik, in denen die Gestalttherapie ihre Anwendung findet, und zeige auf, wo meiner Meinung nach ihre Grenzen liegen.

Im zweiten Teil mache ich auf die wesentlichen Merkmale von Beratungsprozessen in der Sozialen Arbeit/Sozialpädagogik aufmerksam und versuche, Beratung von Therapie zu differenzieren. Schließlich präsentiere ich das Konzept der Gestaltberatung und gehe dann auf die Notwendigkeit der Supervision ein. Die Fragestellungen werden auf der Grundlage der aktuellen Fachliteratur diskutiert. Als Ergebnis wird deutlich, dass die Gestalttherapie nicht vollständig auf die Soziale Arbeit/Sozialpädagogik übertragbar ist, und sich das Konzept in der Praxis nur teilweise durchgesetzt hat. Zu begrüßen wäre vor allem der verstärkte Einsatz der Gestaltberatung in sozialpädagogischen und anderen psychosozialen Arbeitsfeldern.

Zusammenfassung:

In dieser Arbeit wurde das Konzept der Gestalttherapie vorgestellt, reflektiert und im Hinblick auf seine Bedeutung und Einsatzfähigkeit für die sozialpädagogische Praxis überprüft sowie aufgezeigt, welche Anwendung es in der Beratung findet. Ich habe das Thema gewählt, weil mich das humanistische Psychotherapieverfahren mit seinem Anspruch der Ganzheitlichkeit überzeugt und in meiner Meinung bestärkt, dass man sich erst weiterentwickeln, wachsen und zu neuen Aufgaben übergehen kann, wenn man die „offenen Gestalten“ im Leben bearbeitet, abgeschlossen und integriert hat. Der existenzielle Ansatz spricht mich an, weil er den Menschen mit all seinen Stärken und Schwächen so annimmt wie er ist und wo er gerade steht. Er orientiert sich an der Person und ihrer Situation, reagiert flexibel auf das, was im Augenblick geschieht und regt damit ihre Spontanität und Kreativität an. Ohne Ziele vorzugeben, lässt er sie im geschützten Rahmen ausprobieren und experimentieren, wodurch sich ungenutzte Potentiale entfalten können. Das Individuum bekommt auf diese Weise mehr Selbstvertrauen und wird befähigt, die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Überdies wirkt sich die Gestalttherapie positiv auf die Begegnung zwischen Menschen und ihre Kontaktfähigkeit zur Umwelt aus.

Auf die Soziale Arbeit/Sozialpädagogik ist das Gestaltkonzept nicht komplett übertragbar und lässt sich nur teilweise in der Praxis anwenden. Gründe könnten darin gesehen werden, dass es den meisten Sozialarbeitern/Sozialpädagogen relativ unbekannt ist und die langwierige und teuere Zusatzausbildung nicht für jeden in Frage kommt. Zudem ist es wissenschaftlich weniger anerkannt, was in Fachkreisen möglicherweise zur Bevorzugung anderer Therapieverfahren führt. Das enge Budget vieler Institutionen trägt weiterhin dazu bei, dass Gestalttherapeuten in sozialpädagogischen Arbeitsfeldern kaum beschäftigt werden. Ich weise auch noch einmal darauf hin, dass sich die Gestalttherapie am gesunden Menschen orientiert und bei Klienten mit schweren psychischen Störungen oder Erkrankungen als alleinige Therapie nicht empfehlenswert erscheint. Ergänzend zu einer stationären Behandlung, können die mitunter körperorientierten, kreativen Methoden und Techniken, die Heilung jedoch fördern.

In der zeitlich begrenzten Beratung kann der auf dem dialogischen Prinzip beruhende Gestaltansatz mit seinem Fokus auf den jeweiligen Moment, meiner Meinung nach, gut eingesetzt werden. Die besondere Art der Beziehungsgestaltung verbessert die Kommunikation zwischen Berater und Ratsuchenden und unterstützt im Rahmen einer holistischen Betrachtungsweise den Problemlösungsprozess. Ich halte Beratung für eine sehr wichtige und unverzichtbare Methode in der Sozialen Arbeit/Sozialpädagogik und anderen psychosozialen Arbeitsfeldern. Deshalb habe ich mir überlegt, wie man insbesondere die Gestaltberatung, die im Gegensatz zu anderen Beratungsansätzen in geringerem Umfang angewendet wird und über die es kaum Fachliteratur gibt, bekannter machen und verstärkt einsetzen könnte. Eine Möglichkeit bestünde darin, zusätzliche Seminare an Fachhochschulen/Universitäten oder kostengünstige Kurse an Volkshochschulen und anderen Bildungseinrichtungen anzubieten, um allen Interessenten zu ermöglichen, die wichtigsten Elemente der Gestaltberatung kennen zu lernen. Denkbar wäre auch, die entsprechenden theoretischen Grundlagen über Internet mit ergänzender Praxisbegleitung zu vermitteln. Mit integrierbaren „Gestaltberatungsmodulen“ könnte Fachkräften in den verschiedenen Ausbildungsrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens darüber hinaus ein breiteres Spektrum an Beratungstechniken zur Verfügung gestellt werden, was für das berufliche Handeln gewinnbringend wäre.

Die intensive Auseinandersetzung mit der Diplomarbeit hat meinen Blickwinkel für den ganzheitlichen Umgang mit Klienten und ihrer Problematik geschärft. Ich habe gelernt, meine Selbstwahrnehmung zu verbessern und die Bewusstheit für das, was ich im „Hier und Jetzt“ denke, fühle und empfinde zu erhöhen. Den Klienten so zu akzeptieren, wie er ist und gleichzeitig die eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu spüren und verbalisieren zu können, stellt für mich eine Grundvoraussetzung professionellen Arbeitens dar. In diesem Sinne ist die Gestalttherapie eine Bereicherung für meine zukünftige Tätigkeit als Diplom-Sozialpädagogin.

Inhaltsverzeichnis:

Erster Teil Gestalttherapie
1. Geschichte und Entwicklung 1
2. Theoretische Wurzeln 3
2.1 Psychoanalyse 4
2.2 Feldtheorie 5
2.3 Existenzialismus 5
2.3.1 Phänomenologie 6
2.3.2 Die dialogische Beziehung 6
2.3.3 Schöpferische Indifferenz 7
2.4 Psychodrama 8
2.5 Zen-Buddhismus 8
2.6 Gestaltpsychologie 9
3. Das Therapiekonzept 9
3.1 Zum Begriff „Gestalt“ 9
3.2 Zielsetzung 10
3.3 Gestaltprinzipien und die Bedeutung der Wahrnehmung 11
3.3.1 Die holistische Doktrin 11
3.3.2 Figur und Grund 12
3.3.3 Die Tendenz zur Bildung guter Gestalten 13
3.3.3.1 Die Tendenz zur Geschlossenheit 13
3.3.3.2 Das Prägnanzprinzip 15
3.3.3.3 Das Kontinuitätsprinzip 15
3.3.3.4 Das Homöostaseprinzip 15
3.4 Zentrale Konzepte der Gestalttherapie 17
3.4.1 Bewusstheit (Awareness) 17
3.4.1.1 Interne Awareness 17
3.4.1.2 Externe Awareness 18
3.4.1.3 Mediative Awareness 19
3.4.1.4 Das Bewusstheitskontinuum 19
3.4.2 Das Jetzt-Prinzip 20
3.5 Kontakt und Kontaktgrenze 21
3.6 Das Kontaktmodell 22
3.6.1 Vorkontakt 22
3.6.2 Kontaktnehmen 23
3.6.3 Kontaktvollzug 23
3.6.4 Nachkontakt 23
3.7 Anwendung des Phasenmodells 24
3.7.1 Reflexionshilfe 24
3.7.2 Planungsinstrument für Lehr- und Lernsituationen 25
3.7.3 Struktur für die Entwicklung von Konzepten 25
3.8 Kontaktstörungen 25
3.8.1 Introjektion 25
3.8.2 Projektion 26
3.8.3 Retroflexion 27
3.8.4 Konfluenz 28
3.9 Diagnostik 30
3.10 Die Entstehung einer Neurose 32
3.11 Die fünf Schichten der Neurose 32
3.11.1 Das Klischeestadium 32
3.11.2 Die Rollenspielphase 33
3.11.3 Ausweglosigkeit (Impasse) 33
3.11.4 Implosion 34
3.11.5 Explosion 34
3.12 Transkript einer Gruppengestaltsitzung 34
3.13 Ergänzende Methoden und Techniken 37
3.13.1 Integration von Polaritäten 38
3.13.2 Frustrationen 38
3.13.3 Arbeit mit Träumen 39
3.13.4 Kreative Methoden 40
3.14 Die Haltung des Therapeuten 41
3.14.1 Übertragung und Gegenübertragung 42
3.14.2 Das Paradox der Veränderung 43
3.15 Für wen sich Gestalttherapie eignet 44
4. Gestalttherapie und Soziale Arbeit/Sozialpädagogik 45
4.1 Gestalttherapie mit geistig behinderten Menschen 46
4.2 Gestalttherapie mit Drogensüchtigen 51
4.3 Gestalttherapie mit Kindern und Jugendlichen 56
4.4 Gestalttherapie mit Familien 61
Zweiter Teil Gestaltberatung
5. Beratung in der Sozialen Arbeit/Sozialpädagogik 68
6. Beratung versus Therapie 70
7. Das Gestaltberatungskonzept 71
7.1 Indikation und Diagnostik 72
7.2 Die Beziehung zwischen Berater und Klient 75
7.3 Kompetenzen des Beraters 76
7.4 Beratungsziele 78
7.5 Der Beratungsprozess 79
7.5.1 Orientierung 79
7.5.2 Bestandsaufnahme (Commitment) 81
7.5.3 Bedeutung 84
7.5.3.1 Aktuelle Bedeutungsebene 84
7.5.3.2 Lebensgeschichtliche Bedeutungsebene 85
7.5.3.3 Sozio-kulturelle und institutionelle Bedeutungsebene 85
7.5.3.4 Existenzielle Bedeutungsebene 86
7.5.4 Perspektive 87
7.6 Checkliste für Konfliktklärung 89
7.7 Methoden und Interventionsmöglichkeiten 91
7.7.1 Die Klientenzentrierte Gesprächsführung 91
7.7.2 „Sherlock Holmes“ und „Inspektor Columbo“ 94
7.7.3 Bewusstheitssteigernde Methoden 95
7.7.4 Verantwortungs- und entscheidungsfördernde Methoden 99
8. Supervision 101
9. Schlusswort 105
Abkürzungsverzeichnis 108
Abbildungsverzeichnis 109
Literaturverzeichnis 110
Anhang 114

Automatisiert erstellter Textauszug:

5. Entdecken und Entwickeln der eigenen Kraft Geistig behinderte Menschen sind oft nicht in der Lage, ihre Kraft zweckmäßig einzusetzen. Überschießende, grobe Bewegungen voller Druck wechseln zu schwachen, kraftlosen Bewegungsabläufen. Oftmals lassen sich die Betroffenen willenlos hin- und herschieben. Deshalb werden in dieser Phase Übungen angeboten, die Bewegungsentscheidungen provozieren und das Gefühl der eigenen Kraft wecken. So können sich Klient und Therapeut z. B. gegenseitig im Stand mit Händen oder Schultern wegschieben oder sich im Raum rollen lassen. Auf diese Weise kann der Behinderte lernen, seine Bedürfnisse zu spüren und seinen Willen stärken. Darüber hinaus wird seine Handlungsfähigkeit differenziert und Verantwortungsübernahme geprobt. [...]

3. Wahrnehmen und Entspannen von Körperspannungen Anschließend richtet sich das Augenmerk des Therapeuten auf die verkrampften Körperpartien, die nun kräftig massiert, sanft berührt oder gestreichelt werden, bis sie sich entspannen. Der häufig auftretende Widerstand, der als Ausdruck einer angstbesetzten Erfahrung angesehen werden kann, wird durch liebevoll aber bestimmtes Festhalten am Kontakt überwunden. „Das konsequente, aber keinesfalls kämpferische (...) Festhalten ist die therapeutische Hilfestellung, die der Behinderte (...) braucht, um die entsprechende Erfahrung zuzulassen und die frühkindlichen emotionalen Defizite ausgleichen zu können.“ (a. a. O., 56) Die mit der Entspannung verbundenen angenehmen Gefühle, die auch die Beziehung zum Therapeuten einschließen, verbessern allmählich das psychische Grundbefinden. [...]

Die Selbstheilungskräfte des Klienten werden gezielt aktiviert, indem der Therapeut direktiv und strukturiert vorgeht, die angstmotivierten Widerstände annimmt und sicheren körperlichen Halt bietet. Um Verantwortung übernehmen und seine Selbstheilungskräfte entdecken zu können, braucht der Betroffene Klarheit über seine Fähigkeiten, die er durch ermutigende Erfahrungen gewinnt. Die notwendige Bewusstheit wird dadurch erreicht, dass der Therapeut mit seinen Worten die Aufmerksamkeit des Behinderten auf jene Körperteile lenkt, an denen gerade eine Veränderung stattfindet und die vermutlich auftretenden Gefühle benennt. Die anschließenden körperlichen Reaktionen bestätigen oder kritisieren seine Wortwahl. Der Therapeut bekommt so eine Rückmeldung für sein Verständnis und der Behinderte lernt, seinen psychischen Zustand, seine Gefühle und Bedürfnisse zu erfassen und körperliche, geistige und seelische Aspekte aufeinander zu beziehen, was die Integration seiner Persönlichkeit fördert und sein Selbst stärkt. [...]

Arbeit zitieren:
Wittmann, Petra November 2004: Gestalttherapie - Gestaltberatung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Bewusstheitssteigerung, Wachstum, Persönlichkeitsentwicklung, Selbstverantwortlichkeit, "Hier und Jetzt"

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