Gesprächsanalytische Methodik am Beispiel einer außerschulischen, pädagogischen Interaktion
Eine einführende Darstellung methodologischer Grundlagen und basaler Prozeduren
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Axel Schmidt
- Abgabedatum: November 1997
- Umfang: 160 Seiten
- Dateigröße: 988,4 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-3117-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-3117-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-3117-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schmidt, Axel November 1997: Gesprächsanalytische Methodik am Beispiel einer außerschulischen, pädagogischen Interaktion, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kommunikation, Qualitative Sozialforschung, Methodologie, Gesprächsanalyse, Interaktion
In den Warenkorb
38,00 €
Diplomarbeit von Axel Schmidt
Zusammenfassung:
Die vorliegende Arbeit versteht sich als methodologische: Ihr Anliegen ist es auf der Basis einer Zusammenschau methodologischer und gegenstandstheoretischer Ansätze, der Frage nachzugehen, wie Soziologie ‘sinnvoll’ betrieben werden kann. Ausgehend von einem sehr allgemeinen Verständnis von Soziologie als einer Wissenschaft, „welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will“ (Weber 1980 [1921], S. 1), einem Verständnis also, dass den soziologischen Gegenstandsbereich als prinzipiell Sinnstrukturierten begreift, soll in der vorliegenden Arbeit für eine Methodologie plädiert werden, die diesem Umstand in all seinen Implikationen Rechnung trägt. Die Erörterung der Frage nach einer dem soziologischen Gegenstand angemessen Methodik erfolgt nun nicht auf rein theoretisch - methodologischer Ebene, sondern wird darüber hinaus versucht sein, ein an Grundprinzipien qualitativer Sozialforschung entwickeltes Analyseinstrumentarium vorzustellen und dessen Verwendungsweise an empirischem Material zu exemplifizieren. Im Vordergrund steht somit weniger eine empirisch - gegenstandsbezogene als vielmehr eine methodologische Fragestellung, welche jedoch grundsätzlich rückverwiesen bleibt auf empirisch - konkrete Erkenntnisse hinsichtlich der Konstitution des infragestehenden Gegenstandes. Ein solch reflexives Verständnis von Methode und Gegenstand zwingt dazu, in einem zirkulären Prozess gegenstandstheoretische Erkenntnisse method(olog)isch fruchtbar zu machen. Die vorliegende Arbeit versucht diesem Umstand in zweierlei Hinsicht gerecht zu werden:
Im ersten Hauptteil (I. ‘theoretisch - methodologische Verortung) soll dafür argumentiert werden, dass der soziologische Gegenstandsbereich aufgrund seiner spezifischen Konstitution (Abschnitt 2: Gegenstandskonzeptionen eines interpretativen Paradigmas) einer interpretativ - qualitativ verfahrenden Forschung (Abschnitt 1: ‘Qualitativ versus quantitativ’) bedarf. Eine konkrete Ausarbeitung eines solchen Forschungsprogramms wird in Abschnitt 3 (Gesprächsanalyse als interpretatives Forschungsprogramm) eingeführt.
Im Anschluss daran soll im zweiten Hauptteil (II. Darstellung ausgewählter Prozeduren gesprächsanalytischer Forschung am Beispiel eines Gesprächsausschnitts zwischen Jugendlichen und einem Jugendgruppenleiter) eine solcherart konstitutionsanalytisch entwickelte Methodik angewandt werden. Hierzu wird zunächst das empirische Material (Abschnitt 1: Die Datenbasis) vorgestellt, um schließlich in Abschnitt 2 (Exemplarische Analyse eines Gesprächsausschnitts) in die konkrete Analyse einzusteigen.
Soll im ersten Hauptteil die Herleitung eines interpretativ - reflexiven Wissenschaftsverständnisses stattfinden, so wird der zweite Teil versucht sein, die Umsetzung eines derartigen Verständnisses von soziologischer Forschung an konkretem, empirischen Material vorzuführen, um es dadurch prinzipiell einer kritischen Würdigung zugänglich zu machen.
Dies soll ausblickartig im Resümee geschehen, indem einerseits die Basiskategorien einer interpretativen Sozialforschung und andererseits Aspekte gesprächsanalytischer Prozeduren einer methodologischen Reflexion unterworfen werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 3 | |
| I. | Theoretisch - methodologische Verortung | 5 |
| 1. | Qualitativ versus Quantitativ’ | 5 |
| a) | Methodologische Charakteristika einer quantitativen Sozialforschung | 6 |
| b) | Kritik an Standards quantitativer Sozialforschung | 13 |
| c) | Charakteristika einer qualitativen Methodologie | 18 |
| 2. | Gegenstandskonzeptionen eines interpretativen Paradigmas | 25 |
| a) | Handeln und Sinn als Basiskategorien eines interpretativen Paradigmas | 26 |
| b) | Soziales Handeln: Interaktion / Kommunikation | 30 |
| 3. | Gesprächsanalyse als interpretatives Forschungsprogramm | 52 |
| a) | Gespräch als Analysegegenstand | 53 |
| b) | Konstruktions- und Analyseprinzipien | 55 |
| c) | Prozeduren der Analyse von Gesprächen: Ebenen der Interaktionskonstitution und formale methodische Heuristiken | 62 |
| II. | Darstellung ausgewählter Prozeduren gesprächsanalytischer Forschung am Beispiel eines Gesprächsausschnitts zwischen Jugendlichen und einem Jugendgruppenleiter | 65 |
| 1. | Die Datenbasis | 65 |
| 2. | Exemplarische Analyse eines Gesprächsausschnitts | 69 |
| a) | Materialien und Vorarbeiten | 69 |
| b) | Anwendung und Illustration der Heuristiken | 71 |
| Resümee: Interpretativ - (re)konstruktives Sinnverstehen sozialen Sprechhandelns zwischen Paraphrase und Strukturanalyse | 119 | |
| Anhang A: Transkriptionssymbole | 138 | |
| Anhang B: Transkription | 139 | |
| Literaturverzeichnis | 140 |
21 Forschungsprozesses auf einer fortschreitenden Durchdringung des Gegenstandsbereiches fußt. • Prinzip der OFFENHEIT72: Das Etikett ‘offen’ charakterisiert den Gestus qualitativer Forschung wohl am treffendsten. ‘Offen’ gestaltet sich die Untersuchungsplanung (kein vorab festgeschriebenes Forschungsdesign), die Formulierung der Fragestellung (die nicht in einer Hypothesenbildung ex ante gipfelt), die Populationswahl (theoretical statt statistical sampling73), die Datenerhebung (‘natürliche’ statt standardisierte Erhebungsverfahren), die Datenauswertung (Bildung zunächst unspezifischer, alltagsnaher Begriffe und Konzepte), der Prozeß der Forschung insgesamt (entdecken statt testen) und nicht zuletzt die Beziehung des Forschers zum Gegenstand (Identifikation statt Distanz74) der Untersuchung. Im Wörtchen ‘offen’ kristallisiert sich dabei ein langjähriges und vielschichtiges Unbehagen an einer als artifiziell und realitätsfern empfundenen Sozialforschung. - Datenerhebung: • Prinzip der NATÜRLICHKEIT75 und der KOMMUNIKATION76: ‘Natürliche’ bzw. in ‘natürlichen’ kommunikativen Kontexten gewonnene Daten reflektieren das Prinzip der Offenheit auf der Ebene der Datenerhebung. D.h. eine adäquate Erfassung des Gegenstandsbereiches erfolgt durch eine weitestgehend ‘natürliche’ Kommunikation bzw. durch deren Beobachtung und/oder Fixierung. [...]
20 ten Sprache sowie b) in ihrem ‘natürlichen’, d.h. ihrem gewohnten sozialen (und - möglicherweise sogar - kommunikativen) Kontext erfaßt werden. Kurz: Fremdverstehen als notwendige sozialwissenschaftliche Zugangsmodalität zur sozialen Realität läßt sich je adäquater und methodisch kontrollierter betreiben je natürlicher sich die Kontexte der Datenerhebung gestalten. - Problem: Verhältnis von Theorie und Empirie69 (Induktionsproblem); Lösung: Theoriegenerierung statt -überprüfung; d.h. eine Ablehnung a) der Trennung von Entdeckungs- und Begründungszusammenhang sowie b) der Idee der deduktiv - nomologischen Hypothesenprüfung als erkenntnisleitendes Prinzip. Theorien und Hypothesen sollen vielmehr induktiv und zunächst weitestgehend theorielos entwickelt werden, so daß Beobachtungen nicht zum Testen von aus bereits bestehenden Theorien abgeleiteten Hypothesen herangezogen werden, sondern material in einen kumulativ - zirkulären Prozeß der Theoriegenerierung Eingang finden sollen70. 3. Methodische Prinzipien: Aus den wissenschaftstheoretischen und methodologischen Grundlegungen (Besonderheit des Gegenstandes sowie der Zugangsmodalität; Natürlichkeit statt Standardisierung; Theoriegenerierung statt -überprüfung) lassen sich Prinzipien hinsichtlich eines ‘kleinsten gemeinsamen Nenners’ qualitativer Forschungspraxis ableiten: - hinsichtlich des Forschungsdesigns: • Prinzip der ZIRKULARITÄT71: Der Forschungsprozeß ist zirkulär angelegt, d.h. die Phasen Populationswahl, Datenerhebung und Auswertung werden kontinuierlich durchlaufen und aufeinander bezogen, so daß eine sukzessive Strukturierung des [...]
17 Erkenntniserweiterung im Laufe der Untersuchung wird ausgeschlossen, so daß eine Reflexivität von Methode und Gegenstand abgelehnt wird. Erhobene Daten werden als Repräsentationen eines statischen Wirkungszusammenhanges begriffen und nicht als Ausschnitte eines Prozesses58 der (Re-) Produktion von Realität (s. Teil I, Abschn. 2.). - Analytisch - isolierend/partikularistisch/reduktiv: Soziale Realität wird nicht in ihrer Komplexität zu erfassen, sondern auf (kausale) Zusammenhänge zwischen Variablen zu beschränken versucht, d.h. mögliche Zusammenhänge sollen in Isolation bearbeitet bzw. Problemkomplexe sollen zergliedernd (analytisch) erfaßt werden. Quantitative Forschung zerlegt so den gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang in Einzelteile, partikularisiert eine Totalität59, die nur als Totalität begriffen werden kann. Aufgrund der anfallenden Datenmenge (hohes ‘n’ als Voraussetzung für Verallgemeinerbarkeit) ist die quantitative Analyse gezwungen, die Daten zum Zwecke des Informationsgewinns60 zu reduzieren, d.h. bspw., den behaupteten Zusammenhang zwischen zwei Phänomenen auf eine statistische Maßzahl zu reduzieren, um diese einer weiteren Analyse zuzuführen. - Situationsunspezifisch/kontextfrei: Das standardisierte Design quantitativer Datenanalyse versucht, vom Kontext der Datenerhebung weitestgehend zu abstrahieren bzw. die Untersuchungssituation möglichst konstant und ‘störungsfrei’ zu halten. Situationsspezifische (und damit variable) Einflüsse (v.a. auch des Forschers / der Forscherin) und Bedingungen werden als Störungen in der experimentellen Anordnung der Untersuchung begriffen und durch Schaffung invarianter Untersuchungssituationen zu minimieren versucht. Die Spezifik dieser Methodologie wurde dafür verantwortlich gemacht, professionell [...]
In den Warenkorb
38,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832431174
Arbeit zitieren:
Schmidt, Axel November 1997: Gesprächsanalytische Methodik am Beispiel einer außerschulischen, pädagogischen Interaktion, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kommunikation, Qualitative Sozialforschung, Methodologie, Gesprächsanalyse, Interaktion



