Gesellschaftliche Transformation und Theorie der Sozialen Arbeit
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stefan Hißnauer
- Abgabedatum: Juni 1999
- Umfang: 99 Seiten
- Dateigröße: 595,8 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4750-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4750-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4750-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hißnauer, Stefan Juni 1999: Gesellschaftliche Transformation und Theorie der Sozialen Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Globalisierung, Globalisierung, Transnationalstaaten, Sozialarbeit, Sozialpädagogik
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Diplomarbeit von Stefan Hißnauer
Einleitung:
Am Ende des Jahrtausends befindet sich die Gesellschaft in einem umfassenden Transformationsprozeß. Dieser Prozeß läßt sich als Globalisierung verstehen. Dabei ist zu bemerken, daß Globalisierung in den letzten 10 Jahren nicht nur zu einem beherrschenden Begriff in den Sozialwissenschaften, sondern auch zu einem häufig gebrauchten (wirtschafts- und sozialpolitischen) Schlag- und Streitwort geworden ist. Allerdings wird der Begriff in diesem Zusammenhang selten definiert oder mißverständlich und widersprüchlich – dabei aber politisch wirkungsvoll – gebraucht. Mit dem Hinweis auf die stattfindende Globalisierung wird versucht, unterschiedliche politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorgänge zu begründen oder zu legitimieren; der Abbau von Arbeitsplätzen oder Sozialleistungen sind die bekanntesten, oder aber: Der Betriebsrat des Kernkraftwerkes Biblis lehnt beispielsweise in einem offenen Brief die geplante Stillegung des Werkes mit Hinweis auf die Globalisierung ab.
Darüber hinaus verbinden viele Menschen mit dem Begriff der Globalisierung Angst; Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes, Angst vor den Folgen weltweiter Umweltschädigung, Angst vor dem Verlust ihrer kulturellen Identität etc.. Globalisierung wird also von vielen Menschen als gefahrvoll und als gesellschaftliches Problem erlebt. Da Soziale Arbeit die Aufgabe hat, soziale Probleme zu bestimmen, muß sie sich diesem Thema annehmen.
Globalisierung hat vielfältige Folgen für die Gesellschaft. Deswegen ist es Ziel dieser Arbeit, diese Auswirkungen der Globalisierung auf die Gesellschaft und das Soziale herauszuarbeiten und in ihrer Bedeutung für die Soziale Arbeit darzustellen. Dabei ist zu fragen, auf welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eine theoretische Beschreibung und die praktische Umsetzung der Sozialen Arbeit reagieren muß. Ohne ein Verständnis der stattfindenden gesellschaftlichen Transformationen und der sich konstituierenden globalisierten Weltgesellschaft im Prozeß der Globalisierung wird die Neuorientierung der Sozialen Arbeit scheitern müssen. Aus diesem Grunde ist eine intensive Auseinandersetzung mit diesen Prozessen wesentlich, um zu begreifen, wie sich das Verständnis Sozialer Arbeit unter den sich verändernden Rahmenbedingungen neu bestimmen läßt.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Kapitel der vorliegenden Arbeit werde ich auf das systemtheoretische Konzept Sozialer Arbeit von Sylvia STAUB-BERNASCONI eingehen. Wesentlich ist dabei die gegenseitige Abhängigkeit von individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Machtstrukturen als auch den daraus resultierenden sozialen Problemen. In ihrem Werk sind Anknüpfungspunkte für eine Theorie der Globalisierung vorhanden, da sie Sozialer Arbeit auf allen gesellschaftlichen Ebenen Funktionen zuschreibt. Außerdem geht auch sie davon aus, daß sich aufgrund von Globalisierung und der entstehenden Weltgesellschaft Gründe und Folgen sozialer Probleme aus dem globalen Rahmen ableiten.
An die Bestimmung Sozialer Arbeit anschließend, werde ich im zweiten Kapitel den Prozeß der Globalisierung und die sich darin verändernden gesellschaftlichen Strukturen aufzeigen. In diesem Kapitel befasse ich mit ausschließlich mit der Begrifflichkeit und den Prozessen der Globalisierung. Nach einer Bestimmung und Abgrenzung des Globalen, zeige ich anhand der verschiedenen Dimensionen des Globalisierungsbegriffes die Komplexität und Paradoxien, die in ihm enthalten sind. Dabei gehe ich insbesondere auf die wirtschaftliche Dimension der Globalisierung ein, da sich auf der einen Seite der Prozeß der Globalisierung in der Wirtschaft besonders deutlich darstellen läßt und zum anderen, da diese Dimension für die Errichtung neuer Machtstrukturen und -verhältnisse eine besondere Bedeutung erlangt hat. Daran anschließend werden die Folgen des Globalisierungsprozesses dargelegt. Grundlage für dieses Kapitel sind die Überlegungen von Ulrich BECK zur Globalisierung und Martin ALBROW‘s Konzept des „Globalen Zeitalters“.
Im dritten Kapitel greife ich die Soziale Arbeit wieder auf und bringe sie in einen Zusammenhang mit den dargestellten Prozessen der Globalisierung. Dabei geht es hauptsächlich um die Chancen und Risiken, die sich aufgrund der sich verändernden Machtstrukturen globalen Ausmaßes ergeben. Zudem gehe ich der Frage nach, was das Konzept der Globalisierung für die Theorie Sozialer Arbeit bedeuten kann. Wesentlich dabei sind erstens die Veränderungen des Raumes und zweitens die Veränderungen der Zeit. Da das Thema Globalisierung sehr aktuell ist, ist vor allem über den Zusammenhang von Sozialer Arbeit und Globalisierung erst wenig veröffentlicht worden. Dabei wird der Aspekt der Veränderung der gesellschaftlichen Machtstrukturen und Ordnungsprinzipien in ihrer Bedeutung für Soziale Arbeit kaum bzw. gar nicht berücksichtigt. Dieses Kapitel zieht Schlußfolgerungen aus dem vorherig Beschriebenen.
Im systemtheoretischen Ansatz von STAUB-BERNASCONI lassen sich inhaltliche Punkte aufspüren, die einen Zusammenhang zwischen Sozialer Arbeit und gesellschaftlichen Machtstrukturen aufzeigen. Aufgrund des Umfanges der Arbeit werde ich ihre Theorie Sozialer Arbeit jedoch nicht diskutieren. Auch werde ich mich mit der Frage, ob Globalisierung stattfindet oder nicht, nicht detailliert auseinandersetzen. Es gibt viele kritische Einwände zur Globalisierung, die ich hier nicht im Einzelnen aufzeigen kann. Ich möchte vielmehr ein Augenmerk darauf richten, wie sich das Konzept der Globalisierung konstruktiv für die Soziale Arbeit nutzen läßt. Auch gehe ich nicht näher auf die Begriffe der Individualisierung, der Wissens- bzw. Informationsgesellschaft, der 20:80-Gesellschaft, der Risikogesellschaft oder der Bürgergesellschaft ein. In dieser Arbeit geht es mir primär um die Veränderung der grundlegenden gesellschaftlichen Machtstrukturen und Ordnungsprinzipien; die Besprechung der ausgeklammerten Begrifflichkeiten ließe sich nachfolgend an dem von mir gewählten Diskussionsfaden anknüpfen.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 3 | |
| 1. | Das systemtheoretische Konzept Sozialer Arbeit nach STAUB-BERNASCONI | 6 |
| 1.1 | Abgrenzung des systemtheoretischen Ansatzes Sozialer Arbeit | 7 |
| 1.2 | Systemtheorie | 9 |
| 1.3 | Der systemtheoretische Ansatz | 10 |
| 1.3.1 | System | 10 |
| 1.3.2 | Menschen in sozialen Systemen | 11 |
| 1.3.2.1 | Bedürfnisse | 13 |
| 1.3.2.2 | Macht | 16 |
| 1.4 | Bedürfnistheoretische Begründung systemischer Sozialer Arbeit | 19 |
| 1.4.1 | Soziale Probleme als Ausgangspunkt für die Bestimmung der Funktionen Sozialer Arbeit | 21 |
| 1.4.2 | Methoden der Sozialen Arbeit | 23 |
| 1.5 | Fazit | 25 |
| 2. | Die Globalisierung als weitreichende Transformation moderner Gesellschaften | 27 |
| 2.1 | Abgrenzung und Eingrenzung des Globalen | 28 |
| 2.2 | Dimensionen der Globalisierung | 37 |
| 2.2.1 | Globalisierung der Wirtschaft | 38 |
| 2.2.2 | Globalisierung der Kulturen | 48 |
| 2.2.3 | Globalisierung der Informations- und Kommunikationstechnologien | 51 |
| 2.2.4 | Globalisierung der Biographien | 53 |
| 2.3 | Der epochale Wandel der gesellschaftlichen Ordnungsprinzipien im Zuge der Globalisierung | 55 |
| 2.4 | Folgen der Globalisierung | 61 |
| 2.5 | Fazit | 72 |
| 3. | Die Bedeutung der Globalisierung für die Soziale Arbeit | 74 |
| 3.1 | Die Bedeutung der veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit | 75 |
| 3.2 | Die Bedeutung des veränderten Zeithorizontes | 81 |
| 4. | Schlußbemerkung | 85 |
| 5. | Abkürzungsverzeichnis | 87 |
| 6. | Literaturangabe | 89 |
STAUB-BERNASCONI zeigt in ihrem systemtheoretischen Konzept Sozialer Arbeit die gegenseitige Abhängigkeit und Determination individueller Bedürfnisse und gesellschaftlicher Machtstrukturen auf. Dabei gilt es zwischen legitimen und illegitimen Bedürfnissen und Machtstrukturen zu unterscheiden. Soziale Arbeit soll bei der Erfüllung legitimer Bedürfnisse unterstützen und gleichzeitig am Abbau illegitimer Machtstrukturen bzw. bei deren Umwandlung in legitime Strukturen mitarbeiten. Dabei zeigt sich jedoch, daß die wissenschaftstheoretischen Grundlagen ihrer Theorie nicht besonders deutlich ausgearbeitet sind. Dies zeigt sich u.a. in ihrem Systembegriff. Worin sich soziale Systeme voneinander unterscheiden und wie sie miteinander interagieren, kann sie nicht befriedigend erklären. Desweiteren versteht sie den Menschen als Element bzw. Komponente sozialer Sys- [...]
25 die Systemtheorie nicht die Möglichkeit dar, eine allumfassende Methode Sozialer Arbeit zu beschreiben. Vielmehr dient sie als Rahmen, in den sich verschiedene Einzelmethoden einordnen lassen. Aufgrund der systemischen Konstitution der Wirklichkeit kann davon ausgegangen werden, daß Einflußnahmen auf eine bestimmte Problemkonfiguration auch Auswirkungen auf benachbarte Bereiche im System und benachbarter Systeme haben. Das zu verfeinernde Wissen über diese Zusammenhänge dient der Evaluation geplanter Interventionen. Dabei ist zu beachten, daß die Wirksamkeit bzw. der Erfolg einer Methode nicht als Wahrheitskriterium der dahinterstehenden Theorie gelten kann. Die Arbeitsweisen Sozialer Arbeit können sein: Ressourcenerschließung, Bewußtseinsbildung, Modell-, Identitäts- und Kulturveränderung, Handlungskompetenz-Training und Teilnahmeförderung, soziale Vernetzung und Ausgleich von Rechten und Pflichten, Umgang mit Machtquellen und Machtstrukturen, Kriterien- oder Öffentlichkeitsarbeit und Sozialmanagement. Sie dienen dabei als Raster, um verschiedene Einzelmethoden und Anleihen aus anderen Disziplinen einzuordnen. Diese Arbeitsweisen sind gegenüber den Methoden offen genug, um für alle Felder Sozialer Arbeit zu gelten (STAUB-BERNASCONI 1995b, S. 175ff). [...]
22 schen in sozialen Systemen existieren, in denen die unterschiedliche Verfügbarkeit über Ressourcen die Basis für Machtstrukturen darstellt. Die Erfüllung der prinzipiell grenzenlosen Wünsche kann die Bedürfnisbefriedigung anderer Menschen beeinträchtigen. Desweiteren sind Menschen frei, das Wahre, Richtige oder auch Falsche zu tun, und sie können behindernde oder begrenzende Machtstrukturen aufbauen, um eigene Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen. Somit werden die Möglichkeiten anderer eingeschränkt (STAUBBERNASCONI 1995b, S. 135). Soziale Arbeit erfüllt im Hinblick auf die verschiedenen sozialen Ebenen (lokal, national, international und global) bestimmte Funktionen. Im Zusammenhang mit Individuen unterstützt sie bei der Erschließung von Ressourcen zur Bedürfnisbefriedigung und schafft die Voraussetzungen für bzw. fördert Lernprozesse, die eine eigenbestimmte Lebensführung in möglichst fairen Austauschbeziehungen ermöglicht. In bezug auf soziale Systeme geht es um die Balance von Rechten und Pflichten und die Umwandlung von behindernden in begrenzende Machtstrukturen, soweit diese Sozialer Arbeit zugänglich sind. Die gesellschaftlichen Träger wiederum erwarten von ihr, daß sie eine möglichst schnelle (ökonomische) Integration und Resozialisation sicherstellt bzw. reibungslos effiziente soziale Dienstleistungen verrichtet. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832447502
Arbeit zitieren:
Hißnauer, Stefan Juni 1999: Gesellschaftliche Transformation und Theorie der Sozialen Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Globalisierung, Globalisierung, Transnationalstaaten, Sozialarbeit, Sozialpädagogik



