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Geschwister frühgeborener Kinder

Eine empirische Untersuchung

Geschwister frühgeborener Kinder
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Torben Keuter
  • Abgabedatum: Oktober 2001
  • Umfang: 161 Seiten
  • Dateigröße: 757,4 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6521-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6521-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6521-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Keuter, Torben Oktober 2001: Geschwister frühgeborener Kinder, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Frühgeburt, Schwangerschaft, Diagnostik, Familienbeziehungen, Sozialkompetenzen

Staatsexamensarbeit von Torben Keuter

Einleitung:

Eine Schwangerschaft ist ein Ereignis, das, wenn es von den Eltern erwünscht und geplant ist, von diesen mit einer großen Vorfreude erwartet wird und tiefgreifende Veränderungen im Zusammenleben und Alltag der Partner mit sich bringt. Partnerschaftliche Beziehungsgewohnheiten und Automatismen werden dadurch von den künftigen Eltern neu beurteilt werden müssen, konkrete Zukunftsplanungen und Perspektiven hinsichtlich der Familiensituation werden erörtert, Strategien und Umgangsformen werden individuell geprüft. Diesbezügliche Aspekte sind meist finanzieller, logistischer, pragmatischer und pädagogischer Natur.

Der Umstand einer Frühgeburt läßt dass Gefühl einer Absicherung nicht mehr zu, der freie Fall tritt ein. Elternaussagen dokumentieren Gefühle und Ängste hinsichtlich der Geburt sowie einen energischen, aufopferungs- und liebevollen Einsatz für ihr Kind.

Um die schwierigen und belastenden Umstände einer Frühgeburt außenstehend besser beurteilen zu können, stellen wir vorab einige empirische Zahlen und ärztliche Diagnosen dar sowie Kategorien unterschiedlicher Schweregrade von Frühgeburt.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Untersuchung legt ihren Schwerpunkt in die Beurteilung der Geschwistersituation und ihre individuellen Erfahrungen, Verhaltensweisen und Einstellungen bezüglich der Thematik Frühgeburt, ihre Auswirkungen auf das familiäre Gefüge und ihre Folgeerscheinungen für das Handeln und Agieren der Geschwister.

Zunächst wollen wir allgemeine, theoretische Aspekte und Bedingungsfaktoren von Geschwisterkonstellationen aufzeigen, um eine fundierte Basis zur Erstellung einer empirischen Untersuchung zu erlangen, die eine gewisse Transparenz impliziert und die uns dadurch ermöglicht, verschiedene Interpretationsoptionen aufzustellen.

Danach versuchen wir, die Methodik unserer Geschwisterbefragung zu erklären und zu beschreiben, um unsere Absichten und Ziele der Untersuchung, die wir vorab festgelegt haben, anschaulich dokumentieren zu können.

Danach wollen wir einen Einblick in die Befragung der Eltern, die die Funktion der Kontrollgruppe übernehmen, gewähren und einige Aussagen explizit darstellen, um einen Einstieg in den Schwerpunkt „Geschwistersituation Frühgeborener“ zu erhalten.

Anschließend folgt die Darstellung und Auswertung der Geschwistersituation anhand der von uns gesetzten Schwerpunkte „Aggression“ und „Soziale Kompetenzen“.

Abschließend erfolgt die Erstellung eines Resümees und es wird der Versuch einer Vorschau auf weitere empirische Untersuchungen, die gewisse Aspekte und Erkenntnisse vertieft erläutern sollen, vorgenommen.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort
1. Einleitung (Ursachen und Bedingungen der Frühgeburt) C.V.
2. Geschwisterbindung T.K.
2.1 Zugangsweisen von Geschwistern
2.2 Der allgemeine Wandel in den Familienstrukturen und dessen Einfluß auf die Geschwistersituation
2.2.1 Wandel der Familiengröße
2.2.2 Aspekt der erhöhten Lebenserwartung
2.2.3 Der Einfluß der geographischen Mobilität
2.2.4 Scheidung und Wiederheirat
2.2.5 Steigende Mütterarbeit und entsprechende Kinderversorgung
2.2.6 Konkurrenzdruck innerhalb der Familie
2.2.7 Streß und elterliches Versagen
2.3 Die Lebenssituation von Geschwistern behinderter Kinder und deren Auswirkungen auf die Beziehung untereinander
2.4 Die „traditionslose Elternschaft“ und deren potentielle Konsequenzen für die Nicht-behinderten Geschwister - die Auswirkungen der Behinderung auf die Familienbeziehung
2.5 Ableitbare Problembereiche für das nicht-behinderte Geschwisterkind und resultierende Reaktionsmuster
3. Methodik
3.1 Erhebungsverfahren
3.2 Zur Durchführung des Interviews
3.3 Der Interviewleitfaden
4. Die Kontrollgruppe C.V.
4.1 Konzeption zur Befragung der Kontrollgruppe
4.1.1 Erste Kontakte
4.2 Zusammenfassung der Ergebnisse der Kontrollgruppe
4.2.1 Ursachen und Indikatoren der Frühgeburt
4.2.2 Mögliche Komplikationen und Probleme vor, während und nach der Schwangerschaft
4.2.3 Medizinische Vorgehensweisen und notwendige Eingriffe
4.2.4 Auswirkungen auf das Familienleben
4.2.5 Diagnostik der Behinderung
4.2.6 Die Entwicklung des Frühchen
4.2.7 Zur Situation des Frühgeborenen zum jetzigen Zeitpunkt
4.2.8 Gesundheitliches Befinden
4.2.9 Vergleich im Hinblick auf die normale Kindsentwicklung
4.2.10 Soziales Umfeld
4.2.11 Gefühle - wahrnehmbare Reaktionen des Geschwisterkindes
4.2.12 Charakteristische Merkmale des Geschwisterkindes bzw. der Geschwisterkinder
4.2.13 Grundlegende Verhaltensmuster, die das Geschwisterkind in Konfliktsituationen zeigt (Familie und Umfeld)
4.2.14 Die Auswirkungen der Frühgeburt auf das Sozialverhalten und das Selbstbild der Geschwister
5. Die Existenz des frühgeborenen Kindes als Belastungsmoment für allgemeine Familienbeziehungen T.K.
6. Auswertungsaspekt Aggression T.K.
6.1 Zur Begrifflichkeit
6.2 Die Ergebnisse aus der Hackenberg-Studie bezüglich des Aspekts Aggression und der direkte Vergleich mit unserer empirischen Untersuchung
6.2.1 Der Umgang mit Aggressionen bei altershomogenen Gruppen
6.2.2 Der Umgang mit Aggression in der Geschwisterkonstellation
6.3 Indikatoren von Aggressionen
6.3.1 Das Verhältnis der Kinder zu den Eltern und das Erziehungsverhalten als Indikator für Aggression
6.3.2 Geschlechtsspezifische Merkmale
6.3.3 Altersspezifische Unterschiede
6.3.4 Sozialisation - Mängel im Sozialverhalten
6.4 Geschwisterkinder von Frühchen und Geschwisterkinder von geistigbehinderten Frühchen im Vergleich - im Hinblick auf Aggressivität
6.4.1 Ergebnisse aus der Befragung der Geschwister behinderter Frühchen
6.5 Zusammenfassende Interpretation aus der Gegenüberstellung von Geschwistern von Frühchen und Geschwistern von geistigbehinderten Frühchen in Anlehnung an die Hackenberg-Studie
6.6 Allgemeine Schlussbetrachtung und Zusammenfassung der Gesamtergebnisse bezüglich des Auswertungspunktes Aggression und mögliche ableitbare Hypothesen
7 Auswertungsaspekt Sozialkompetenzen und Sozialverhalten C.V.
7.1 Zur Begrifflichkeit sozialer Kompetenzen und deren Bedingungen
7.2 Elternerziehung und Elternverhalten in Hinblick auf die Entfaltung der geschwisterlichen Sozialkompetenzen
7.3 Geschlechtsspezifische Merkmale bezüglich sozialer Kompetenzen
7.4 Altersspezifische Unterschiede bezüglich sozialer Kompetenzen
7.5 Auswertung der Geschwisterbefragung bezüglich sozialer Kompetenzen
7.5.1 Soziale Kompetenzen innerhalb altershomogener Altersgruppen
7.5.2 Soziale Kompetenzen der geschwisterlichen Interaktion
7.5.3 Geschwister von frühgeborenen und Geschwister von geistigbehinderten Frühchen im Vergleich hinsichtlich ihrer Sozialkompetenzen
7.6 Ausblicke

Automatisiert erstellter Textauszug:

nimmt in unserer Untersuchung einen weitaus größeren Stellenwert ein, als der Punkt Überforderung. Lediglich in einem Fall kann man festhalten, daß die Kombination aus Benachteiligung und Überforderung von einem Geschwisterteil auch als Grundeinstellung der Eltern ihm gegenüber erlebt wird. Sie werden von unserer Seite als innerfamiliäre Interaktionsstörungen gewertet. Die von dem Geschwisterkind empfundene Überforderung kann sich unter anderem in Form von Aggressionen entladen. . 6. Auswertungsaspekt Aggression: 6.1 Zur Begrifflichkeit „Um den Begriff der Aggression näher aufzuschlüsseln, ist es hilfreich, sich die Wurzeln der Aggression vor Augen zu führen. Dezimierend auf eine knappe Formel hat die Aggression zwei Bedeutungen. Die eine stellt die direkte oder indirekte Reaktion auf eine Enttäuschung dar. In der zweiten Bedeutung ist sie eine der beiden Hauptquellen der Energie eines Menschen.“ ( Winnicott, 1988, 125). Petermann und Warschburger (1997) weisen darauf hin, daß sich aggressives Verhalten auf vielfältige Art und Weise äußert. Sowohl wütende Reaktionen als auch massives kriminelles Verhalten, wie Diebstahl oder Brandstiftung, fallen unter das Spektrum aggressiver Verhaltensweisen. Gemeinsames Merkmal unterschiedlicher aggressiver Verhaltensweisen ist die Verletzung sozialer Normen und der grundlegenden Rechte anderer. [...]

Anzunehmen war, daß die Eltern frühgeborener Kinder auf eine gewisse Selbständigkeit der Geschwisterkinder angewiesen sind, da in dem meisten Fällen die Elternrolle nicht adäquat ersetzt bzw. ausgefüllt werden kann. Die Problematik besteht dahingehend, daß die Eltern die Leistungsfähigkeit der älteren Geschwisterkinder nicht realistisch wahrnehmen und ihre kindlichen bzw. jugendlichen Fähigkeiten gemäß ihrem individuellen Entwicklungsstand überschätzen. Bezüglich unserer Ergebnisse ist festzuhalten, daß die älteren Geschwister durchgehend als das Verständigere angesprochen werden und von ihm Einsicht für die besonderen Bedingungen der Frühgeburt abverlangt werden. Dennoch besteht ein grundlegender Unterschied zu den Geschwistern von behinderten Kindern. Sie fühlen sich im Gegensatz zu ihren Altersgenossen sowohl in spontanen, z.B. kurzfristiges Fortgehen, wie auch in langfristigen Entscheidungen, z.B. Lebensplanung, an die besonderen Bedürfnisse des behinderten Kindes gebunden. Das heißt, sie halten sich in ihren persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten für mehr eingeschränkt. Die Geschwister von Frühchen hingegen sehen sich weniger eingeschränkt, was zukünftige Entscheidungen betrifft, vielmehr beschäftigt sie das Hier und Jetzt. Der Aspekt des Bedürfnisaufschubs kommt besonders zum Tragen, aber auch die Bitten nach vermehrten Mithilfe, sei es im Haushalt oder auf dem elterlichen „Bauernhof“. Trotzdem beruhen die gestellten Aufgaben auf einer eher freiwilligen Basis. Festzuhalten ist, daß sich zu 100 % herauskristallisierte, daß keine bestimmten Regeln oder Verhaltensweisen von Seiten der Eltern gefordert werden, glaubt man den Angaben der Geschwisterkinder. Allerdings geben so gut wie alle an, daß Sie zumindest in der Anfangszeit Rücksicht auf das Frühgeborene nehmen mußten. Hierunter fällt angemessene Musiklautstärke und gezügeltes Verhalten. Diese tendenziell übermäßige Belastung wird in den meisten Fällen als verständlich hingenommen, obwohl sie als lästig empfunden wird. Der Aspekt der Benachteiligung [...]

Fürsorge auf sich, von denen auch die anderen Geschwister im hohen Maße abhängig sind, so baut sich das Gefühl des Zurückgesetztseins massiv auf. Aufgrund der intensiven Beschäftigung der Mutter mit dem Frühgeborenen wird größtenteils eine größere Selbständigkeit und Eigenverantwortung erwartet. Aus der Sicht des Geschwisters ist dies eine Abkehrung der Eltern von der eigenen Person. Wo das Frühgeborene noch zusätzlich von einer Behinderung betroffen ist und auch im weiteren Verlauf der Kindheit die Aufmerksamkeit und die Zuwendung der Eltern herausfordert, sei es durch verstärkte Pflegebedürftigkeit, den erhöhten Aufwand an Arztbesuchen und die Inanspruchnahme von Therapiestunden, so muß befürchtet werden, daß das erhöhte Maß an Zeit für das behinderte Kind von dem Geschwisterkind als ein Mehr an Liebe und Zuwendung interpretiert werden kann. In unserer Auswertung fand sich keine Bestätigung für diese Annahme, eher gegenläufige Tendenzen spiegelten das Gesamtbild wieder. Die Geschwisterkinder, die eine kindliche Normalentwicklung durchliefen, zeigen großes Verständnis dafür, daß die Eltern vermehrt Zeit für das behinderte Kind aufbringen müssen (drei von vier Geschwisterkindern ( 24,9%) die einen behinderten Bruder oder eine behinderte Schwester haben, behaupten dies mit Nachdruck).Während in der Studie Hackenbergs lediglich ein Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen ihr Verständnis für die eigene Zurücksetzung darlegen. Bestätigt wird die Annahme, daß die Geschwister, die bedeutend älter sind als ihr frühgeborenes und behindertes Geschwisterteil, eine geringere Belastung und eine positivere Beziehung zum behinderten Kind erlangen, als Geschwister in einer altersnahen Konstellation. Die These, daß hinsichtlich der Geschwisterbeziehung eine positive und engagierte Beziehung zum behinderten Kind - solange sie nicht auf Verleugnung negativer Gefühl beruht - mit günstigen Verarbeitungsmöglichkeiten im Ent77 [...]

Arbeit zitieren:
Keuter, Torben Oktober 2001: Geschwister frühgeborener Kinder, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Frühgeburt, Schwangerschaft, Diagnostik, Familienbeziehungen, Sozialkompetenzen

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