Die Geschichte des deutschen Stiftungswesens am Beispiel der Carl-Zeiss-Stiftung
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Daniela Kollascheck, geb. Kleinschmidt
- Abgabedatum: Mai 2002
- Umfang: 121 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6215-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6215-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6215-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kollascheck, geb. Kleinschmidt, Daniela Mai 2002: Die Geschichte des deutschen Stiftungswesens am Beispiel der Carl-Zeiss-Stiftung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kulturgeschichte, Stiftungsgeschichte, Jena, Heidenheim, Ernst Abbe
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Magisterarbeit von Daniela Kollascheck, geb. Kleinschmidt
Einleitung:
Das Bedürfnis, etwas Bleibendes zu schaffen, was das eigene Leben überdauert, liegt in der Natur der Menschen. Sie geben beispielsweise ein wirtschaftliches Vermögen für einen bestimmten Zweck und legen fest, dass es auf Dauer dafür genutzt werden soll. Die historische Entwicklung von Stiftungen lässt sich zurückverfolgen bis in die Antike. Auch das deutsche Stiftungswesen blickt auf eine tausendjährige Tradition zurück. Die älteste noch existierende Stiftung sind die Vereinigten Pfründehäuser in Münster, welche um 900 gegründet wurden.
Spaziert man durch die thüringische Stadt Jena, bewegt man sich auf den Spuren einer Reihe großer Wissenschaftler und Künstler. Schriftzüge an Gebäuden, Straßen- und Hinweisschildern sind Denkmäler für bedeutende Menschen wie zum Beispiel Goethe und Schiller. Und auch die herausragenden Unternehmer Ernst Abbe, Carl Zeiss und Otto Schott sind zahlreich vertreten. Die Gründer der Firmen „Carl Zeiss. Optische Werkstätten“ und „Jenaer Glaswerke Schott & Genossen“ schufen ein Vermögen, das Ernst Abbe einst der Carl-Zeiss-Stiftung widmete.
Diese Arbeit soll die Geschichte des deutschen Stiftungswesens bis heute skizzieren und die Carl-Zeiss-Stiftung als ein bedeutendes Beispiel einordnen. Für das moderne Stiftungswesen wurden über viele Jahrhunderte hinweg die Voraussetzungen geschaffen. Der heutige Stiftungsbegriff bildete sich allerdings erst im 19. Jahrhundert heraus. Es wird von der Zeit der Wiedergeburt, der Neubegründung, des Umbruchs, der Blüte gesprochen. In den Jahren des ausgehenden 19. Jahrhunderts entstand auch die Carl-Zeiss-Stiftung. Als unmittelbare Unternehmensträgerstiftung betreibt sie zwei Unternehmen als Einzelkaufmann und erbringt umfangreiche soziale Leistungen für die Belegschaft sowie für die Bevölkerung der Umgebung. Außerdem fördert sie die feintechnische Industrie sowie Wissenschaft, Forschung und Kultur. Sie ist die erste und bisher einzige dieser Konzeption. Die Zeiss-Stiftung ist eine von wenigen, welche die Kriege, Diktaturen und Inflationen bis heute überlebt hat. Ihre Besonderheiten sowie die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum Stiftungswesen in Deutschland sollen hier deutlich werden.
Unzählige Werke setzen sich mit Stiftungen und deren Geschichte auseinander. Und keines der aufgeführten lässt die Carl-Zeiss-Stiftung unerwähnt. Ich beziehe mich hier vor allem auf Arbeiten der Bertelsmann Stiftung, des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen sowie der Autoren Campenhausen, Liermann, Schiller, Schulte und Strachwitz. Aber auch die vier Bände „Deutsches Stiftungswesen. Wissenschaft und Praxis”, Gesetzestexte und viele weitere Abhandlungen liegen dem ersten Teil meiner Ausführungen zugrunde.
Auch die Literatur zur Unternehmensträgerstiftung beschäftigt sich lückenlos mit der Carl-Zeiss-Stiftung. Sie war die erste und letzte ihrer Art in Deutschland. Erläuterungen dazu findet man bei Berndt, Heuel, Rüd/ Schuck, Schlinkert, Steuck und Strickrodt.
Die Carl-Zeiss-Stiftung speziell betreffend gibt es eine Reihe von Arbeiten zu den Firmengründern, zur Werksgeschichte der Firmen Zeiss und Schott sowie zu den Erzeugnisgruppen der Betriebe. Lediglich ein geringer Teil dieser Literatur kann hier berücksichtigt werden (Abbe, Hellmuth/ Mühlfriedel/ Walter, Hermann, Markowski, Stolz/ Wittig). Von größerer Bedeutung sind die Abhandlungen zur Stiftung selbst. Friedrich Schomerus zitiert und erläutert Briefe und Dokumente aus der Gründerzeit und äußert zu den Firmen sowie der Stiftung. Darauf geht auch Felix Auerbach in mehreren Auflagen von 1903 bis 1925 ein. Rechtswissenschaftliche Ausführungen machen Wolfgang Bernet, Walter David und Frank Heintzeler.
Im geteilten Deutschland existierte im Osten (Jena) sowie im Westen (Heidenheim an der Brenz) eine Carl-Zeiss-Stiftung. Sie erkannten sich gegenseitig nicht an und führten jahrelange Rechtsstreitigkeiten. Daraus resultiert einerseits Literatur aus Jenaer Sicht. Sie wurde herausgegeben von der Carl-Zeiss-Stiftung Jena oder dem VEB Carl Zeiss Jena bzw. verfasst von Wolfgang Bernet, Wolfgang Biermann, Franklin Borrmann, Gerhard Esche und Kurt Konschil. Andererseits gibt es Werke aus dem Blickwinkel der Vertreter aus Baden-Württemberg. Diese wurden herausgegeben von der Carl-Zeiss-Stiftung Heidenheim bzw. verfasst von Walter David, Helmut Troeger und Frank Heintzeler. In einer Vielzahl von Pressebeiträgen, Internetseiten, Geschäftsberichten und Imagebroschüren findet man weitere Informationen über die Zeiss-Stiftung und die daraus hervorgegangene Ernst-Abbe-Stiftung. Auch der Bundesverband Deutscher Stiftungen e.V., die Maecenata GmbH, das Stadt- und Verwaltungsarchiv Jena, das Archiv der Carl Zeiss Jena GmbH, die Mitarbeiter der Ernst-Abbe-Stiftung sowie das Personal der Kommunikationsabteilungen der Firmen Schott Glas Mainz und Carl Zeiss Oberkochen haben mir entscheidend weiter geholfen.
Ansätze zur Einordnung der Carl-Zeiss-Stiftung in die historische Entwicklung des Stiftungswesens in Thüringen sind nur in einem Aufsatz von Gerhard Lingelbach zu finden. Als Jurist an der Friedrich-Schiller-Universität Jena betrachtet er das Thema aber vorrangig aus rechtswissenschaftlicher Sicht.
Der Werdegang der Carl-Zeiss-Stiftung in den verschiedenen politischen Systemen von ihrer Gründung bis heute, eingebettet in das Stiftungswesen allgemein und speziell in die Entwicklung der Unternehmensträgerstiftung, ist bisher nicht in wissenschaftlichen Schriften behandelt worden. Aufgrund des vorgegebenen Umfangs kann diese Arbeit allerdings lediglich einen groben Überblick darüber geben.
Beschäftigt man sich mit Stiftungen, ist es unausweichlich, sich auch mit dem Stiftungsrecht und dessen Geschichte auseinander zu setzen, um das Wesen, die Bedeutung und die Grundlagen in den verschiedenen Epochen und Kulturen zu verstehen. Die überwiegende Zahl der stiftungsgeschichtlichen Werke sind daher auf rechtswissenschaftlicher Basis. Der rechtshistorische Blickwinkel soll in dieser kulturhistorischen Arbeit allerdings den nötigen Rahmen nicht überschreiten. Neben der Stiftungs- und Rechtsgeschichte wird hier auch ansatzweise die Stadtgeschichte Jenas und die Werksgeschichte der Firmen Zeiss und Schott thematisiert.
Gang der Untersuchung:
Bei der Bearbeitung des Problems soll deskriptiv und hermeneutisch vorgegangen werden. Die Literatur zum Thema Stiftungen, Stiftungsgeschichte und Carl-Zeiss- Stiftung wird beschreibend wiedergegeben oder in Bezug auf die Problemstellung interpretiert.
Zunächst wird eine Definition des heutigen Stiftungsbegriffs gegeben. Es soll eine Typologie erarbeitet werden, welche die Merkmale und Formen von Stiftungen erläutert.
Ausgehend von dieser Begriffsbestimmung folgt ein kurzer chronologischer Abriss zum Stiftungswesen von der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit. Diese Vorgeschichte soll deutlich machen, wann und warum sich welche Elemente der heutigen Stiftungen entwickelt haben und warum man von einer Neubegründung im 19. Jahrhundert redet.
Der nächste Teil meiner Ausführungen erarbeitet die Entwicklung des Stiftungswesens in folgenden Zeitabschnitten: die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts; von der Jahrhundertmitte bis zum Ersten Weltkrieg; vom Ersten Weltkrieg bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten; unter nationalsozialistischer Herrschaft; die Nachkriegszeit; die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik. Es wird dabei auf die Vorgänge im Bundesland Baden-Württemberg und heutigen Thüringen eingegangen, da die Carl-Zeiss-Stiftung dort ihren Sitz hatte und noch immer hat.
Daran schließt eine kurze Darstellung der heutigen Situation von Stiftungen an. Hier sollen einige statistische Daten sowie die Funktion, Aufgabe und Bedeutung der Stiftungen im Vordergrund stehen. Eine ganze Reihe weiterer Themenbereiche in Bezug auf die Stiftung im 21. Jahrhundert müssen unberücksichtigt bleiben.
Besondere Beachtung findet die Unternehmensträgerstiftung, deren Entwicklung, Errichtungsmotive und Formen, um die Carl-Zeiss-Stiftung als eine Vertreterin dieser Art einordnen zu können.
Der vierte Abschnitt der Arbeit geht speziell auf die Carl-Zeiss-Stiftung ein. Sie soll in die allgemeinen Ereignisse in Deutschland einordnet werden. Die Gründung der Firmen „Carl Zeiss. Optische Werkstätten” und „Jenaer Glaswerke Schott & Genossen” bilden die Ausgangslage für die Errichtung der Stiftung im Jahre 1889 durch Ernst Abbe. Die Gründer der Werke, Carl Zeiß, Ernst Abbe und Otto Schott, schufen mit ihrer Arbeit die Voraussetzungen für diese Institution. Deshalb werden entscheidende Ereignisse ihres Lebens und die Bedeutung ihres Lebenswerkes zu Beginn skizziert.
Anschließend geht es um die Gründung der Zeiss-Stiftung. Motive und Ziele Ernst Abbes sowie die Vorverhandlungen sind dabei zu betrachten. 1896 wurde das Statut der Stiftung der Öffentlichkeit übergeben. An dieser Erstausgabe wurden häufig Änderungen vorgenommen. Die heutige Version ist im Anhang zu finden. Anhand ausschlaggebender Bestimmungen soll das Wesen der Carl-Zeiss-Stiftung erläutert werden. Typisches und Besonderes im Vergleich zu den dargestellten Stiftungsmerkmalen wird herausgearbeitet.
Die Carl-Zeiss-Stiftung war die erste neuzeitliche Unternehmensstiftung. Sie wird als Wegweiserin der Entwicklung unternehmensverbundener Stiftungen im 19. Jahrhundert bezeichnet. Ihre besondere Stellung soll unter Punkt 4.3 verdeutlicht werden.
Der nächste Abschnitt beinhaltet eine chronologische Abhandlung der Entwicklung der Stiftung. Die Zeiträume sind folgendermaßen abgesteckt: 1896 bis zum Tod Ernst Abbes 1905; 1905 bis zur Machtergreifung 1933; die Zeit des Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit. Der Rechtsstreit der beiden Zeiss-Stiftungen in Jena und Heidenheim soll anschließend aus beiden Blickwinkeln beleuchtet werden. Außerdem wird etwas zu den Entwicklungen im ostdeutschen Jena und im westdeutschen Heidenheim, Mainz und Oberkochen gesagt, wo die Sitze von Stiftung und Firmen waren.
Abschließend interessiert die heutige Carl-Zeiss-Stiftung mit dem Sitz in Jena und Heidenheim sowie die Ernst-Abbe-Stiftung in Jena, die 1992 das nichtindustrielle Vermögen der Zeiss-Stiftung übernommen hat. Das Wesen und die Aktivitäten der Stiftungen werden aufgezeigt und erläutert.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Der Stiftungsbegriff heute | 6 |
| 2.1 | Begriffsbestimmung | 6 |
| 2.2 | Wesensmerkmale | 7 |
| 2.3 | Formenvielfalt | 10 |
| 3. | Entwicklung des Stiftungswesens in Deutschland | 13 |
| 3.1 | Stiftungen von der Antike bis zum 19. Jahrhundert | 13 |
| 3.1.1 | Stiftungen in der Antike | 13 |
| 3.1.2 | Stiftungen im Mittelalter | 16 |
| 3.1.3 | Stiftungen in der Neuzeit | 18 |
| 3.2 | Stiftungen seit dem 19. Jahrhundert | 21 |
| 3.2.1 | Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts | 21 |
| 3.2.2 | Von der Jahrhundertmitte bis zum Ersten Weltkrieg | 24 |
| 3.2.3 | Vom Ersten Weltkrieg bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten | 27 |
| 3.2.4 | Unter nationalsozialistischer Herrschaft | 29 |
| 3.2.5 | Die Nachkriegszeit | 32 |
| 3.2.6 | Die Deutsche Demokratische Republik | 33 |
| 3.2.7 | Die Bundesrepublik Deutschland | 35 |
| 3.3 | Stiftungen heute | 37 |
| 3.4 | Die Unternehmensträgerstiftung | 39 |
| 3.4.1 | Der Begriff | 39 |
| 3.4.2 | Die Entwicklung | 39 |
| 3.4.3 | Motive für die Errichtung | 41 |
| 3.4.4 | Die Formen | 41 |
| 4. | Die Carl-Zeiss-Stiftung | 42 |
| 4.1 | Die Ausgangslage | 42 |
| 4.1.1 | Die Werke Zeiss und Schott und ihre Gründer | 42 |
| 4.2 | Die Gründung der Carl-Zeiss-Stiftung | 46 |
| 4.2.1 | Motive und Ziele Ernst Abbes | 46 |
| 4.2.2 | Die Vorverhandlungen | 47 |
| 4.2.3 | Das Statut | 50 |
| 4.3 | Die Carl-Zeiss-Stiftung als Unternehmensträgerstiftung | 53 |
| 4.4 | Die Entwicklung der Carl-Zeiss-Stiftung | 54 |
| 4.4.1 | Die Zeit bis zum Tod Ernst Abbes 1905 | 55 |
| 4.4.2 | Die Zeit bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 | 57 |
| 4.4.3 | Unter nationalsozialistischer Herrschaft | 61 |
| 4.4.4 | Die Nachkriegszeit | 63 |
| 4.4.5 | Der Rechtsstreit | 64 |
| 4.4.6 | Die Carl-Zeiss-Stiftung Jena | 66 |
| 4.4.7 | Die Carl-Zeiss-Stiftung Heidenheim an der Brenz | 68 |
| 4.5 | Die Carl-Zeiss-Stiftung heute | 69 |
| 4.6 | Die Ernst-Abbe-Stiftung | 72 |
| 5. | Schlussbetrachtung | 74 |
| Anhang: Das aktuelle Statut der Carl-Zeiss-Stiftung | IV | |
| Literaturverzeichnis | XXXIII | |
| Quellenverzeichnis | XL |
Universität Jena. Vor allem der Physiologe, Biologe, und Zellforscher Jacob Schleiden sah in ihm einen Verbündeten und Helfer für seine Studien.185 Es folgten einige Wanderjahre bis sich Carl Zeiß 1845 endgültig in Jena niederließ. 1846 gründete er das „Atelier für Mechanik“, das aus einer Werkstätte und einem Laden bestand. 1847 begann er mit dem Mikroskopbau, den Schleiden unterstützte. Dies war ein entscheidender Schritt für die Entwicklung Jenas zur Stadt der feinmechanisch-optischen Industrie und des wissenschaftlichen Gerätebaus.186 Zeiß gilt als Prototyp einer neuen Unternehmergeneration im 19. Jahrhundert. Er lebte in einer Zeit der technischen, ökonomischen, wissenschaftlichen und sozialen Umbrüche und war sehr aufgeschlossen für Neues. Er deutete die Zeichen seiner Zeit und nutzte die neuen Möglichkeiten.187 1858 wurde er stellvertretender Obereichmeister zu Jena. Zum Universitätsmechanikus berief man ihn 1860 und zum Hofmechanikus1863.188 1866 hatten die Werkstätten bereits 1000 Mikroskope gebaut. In diesem Jahr begann auch Ernst Abbe als freier Mitarbeiter bei Carl Zeiß. Abbe wurde 1840 in Eisenach geboren. Aufgrund seiner hervorragenden Leistungen als Abiturient begann er bereits 1857 sein Studium der Mathematik und Physik in Jena und Göttingen. Er promovierte 1861, habilitierte 1863 und wurde Privatdozent an der Universität Jena. 1866 beauftragte ihn Carl Zeiß mit der Erforschung wissenschaftlicher Grundlagen für den Mikroskopbau.189 Ernst Abbe entwickelte eine Reihe von optischen Instrumenten190 und seine Theorie der Abbildung im Mikroskop war die Voraussetzung für den Bau leistungsfähiger Mikroskope.191 Durch diese entstand die Möglichkeit, Infektionskrankheiten besser zu erforschen und zu gegen sie vorzugehen. Die Lebensbedingungen der Menschen konnten [...]
Stiftungswesens in Deutschland ein. Es schildert zu Beginn die Ausgangslage für die Gründung der Stiftung 1889 durch Ernst Abbe. Die Entwicklungsgeschichte der Stiftungsbetriebe Zeiss und Schott wird dazu kurz umrissen. Der Werdegang und die Leistungen der Gründer Carl Zeiß, Otto Schott und vor allem Ernst Abbe werden den Ausführungen vorausgeschickt.184 4.1.1 Die Werke Zeiss und Schott und ihre Gründer Die Firmen „Carl Zeiss. Optische Werkstätten“ und „Jenaer Glaswerke Schott und Genossen“ wurden 1889 zu Stiftungsunternehmen der Carl-Zeiss-Stiftung Jena. Ihre Geschichte begann aber bereits mehrere Jahrzehnte zuvor. Der Schöpfer der Optischen Werkstätten war Carl Zeiß. Er wurde am 10. September 1816 in Weimar geboren. 1834 begann er in Jena eine vierjährige Lehre als Universitätsmechaniker und von 1835 bis 1838 war er dort Student der Mathematik. Schon sein Lehrmeister Friedrich Körner baute als Hofmechaniker optische Geräte für die naturwissenschaftlichen Forschungen Goethes. Zeiß hatte während seiner Lehre als Mechaniker bereits Förderer an der Friedrich-Schiller- [...]
Heute gibt es in Deutschland 255 Stiftungen für Unternehmen und Belegschaft. Dies entspricht lediglich 1,42 Prozent aller Stiftungen im Bundesgebiet.180 Einige bedeutende sind die Friedrich-Baur GmbH, die Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die Kurt-A.-Körber-Stiftung sowie die Bertelsmann Stiftung.181 3.4.3 Motive für die Errichtung Es gibt eine Reihe wirtschaftlicher und ideeller Motive für die Gründung von Unternehmensträgerstiftungen. Zum einen wird der Erhalt des Unternehmens durch eine Stiftung angestrebt, wenn beispielsweise das Unternehmen sehr groß und bedeutend ist. Ein weiterer Grund kann sein, dass die Teilung des Unternehmens und eine daraus folgende Abfindung vermieden werden sollen. Häufig fehlen auch Unternehmensnachfolger oder Erben. Gesellschaftspolitische, ethische oder religiöse Ordnungsvorstellungen können ebenfalls der Antrieb für die Errichtung einer solchen Institution sein. Ein Anlass kann auch die Erzielung von Dotationsmitteln sein. Dabei spielt das Motiv der Erhaltung des Unternehmens unter Umständen wiederum eine Rolle. Oft sollen auch Mittel für gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke, für Familienangehörige Lehren. Die nachhaltige Erlangung von anderen Vorteilen bezieht sich entweder auf Dritte oder den Stifter und seine Interessen. Dies kann die Errichtung eines Denkmals für seine Person sein. Auch steuerliche Vorteile oder die Vermeidung von Publizitätspflichten spielen neben vielen weiteren Motiven eine Rolle.182 3.4.4 Die Formen Die zahlreichen Gründe für die Stiftungserrichtung ergeben auch eine Reihe von Formen. Das Motiv der Unternehmenserhaltung führt meist zur Unternehmensträgerstiftung. Die Stiftung & Co. KG und die Mitarbeiterstiftung sind hier einzuordnen. Die reine Vermögensverwaltung der gewonnen Dotationsmittel [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832462154
Arbeit zitieren:
Kollascheck, geb. Kleinschmidt, Daniela Mai 2002: Die Geschichte des deutschen Stiftungswesens am Beispiel der Carl-Zeiss-Stiftung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kulturgeschichte, Stiftungsgeschichte, Jena, Heidenheim, Ernst Abbe



