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Die Geschichte des Fußballs

Vom Strohball zur Bundesliga: Der Weg vom historischen Ballspiel bis in die Neuzeit

Die Geschichte des Fußballs
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christopher Solmsdorf
  • Abgabedatum: Juni 2010
  • Umfang: 101 Seiten
  • Dateigröße: 7,5 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 32
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-2137-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Solmsdorf, Christopher Juni 2010: Die Geschichte des Fußballs, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Bundesliga, Entwicklung, Fußball, Geschichte

Diplomarbeit von Christopher Solmsdorf

Einleitung:

Zahlreiche Menschen spielen Fußball. Dabei sind Geschlecht, Herkunft, politische Ansichten, soziale Stellung und Ansehen von keiner, Alter und Können von untergeordneter Bedeutung. Der Deutsche Fußball Bund, der größte Dachverband der Welt, verzeichnet gut sechseinhalb Millionen Aktive – etwa ein Sechstel davon weiblich – in knapp 26.000 Vereinen. In den letzten Jahren hat sich die Mitgliederzahl stetig erhöht und heute sind so viele wie noch nie offiziell registriert. Fußball ‚boomt’ offensichtlich in Deutschland und dies nicht erst seit dem Sommermärchen im Jahre 2006.

Die Frage nach der Jungen liebster Freizeitbeschäftigung wird in den meisten Fällen mit ‚Fußball’ beantwortet, selbst wenn gar nicht im Verein gekickt wird, oder, noch kurioser, wenig Geschick bzw. anderweitig ungünstige Voraussetzungen für dieses Spiel mitgebracht werden. Manch Jüngere kleben seit ihrem zweiten Lebensjahr am Ball, manch ältere können es mit 70 noch nicht lassen. In ein- und derselben Mannschaft spielen Rechtsanwälte neben Maurer, Lehrer neben Möbelpacker. Selbst Blindenfußball wird seit einigen Jahren in Deutschland praktiziert. Es scheint ein Spiel ohne Grenzen – und das in jeder Beziehung.

Zunächst gilt es zu klären, wie man Fußball spielt. Fußball ist ‚ein Mannschaftsspiel, bei welchem zwei Teams mit jeweils zehn Feldspielern und einem Torwart den Ball mit seinem vollen Umfang hinter die Linie des gegnerischen Tors zu befördern versuchen’. Dabei ist es auch gleichzeitig die Aufgabe der gesamten Mannschaft, sich zu bemühen, daß der Gegner nicht dasselbe schafft. Als wichtigste Regeln kommen hinzu: Der Ball darf mit allen Körperteilen außer mit den Armen gespielt werden und bei Körperkontakt muss der Ball im Mittelpunkt stehen, nie der Gegner.

Die Spielidee lässt sich demnach wie folgt formulieren: Tore erzielen, Tore verhindern, dies alles ohne Zuhilfenahme der Arme und dabei möglichst wenig Körperkontakt zum Gegner – wir wollen stets fair bleiben. Mit diesen Hinweisen können sogar talentierte Fünfjährige ein durchaus ansprechendes Spiel gestalten.

Einer der zweifelsohne interessantesten Aspekte des Fußballs stellt die nicht immer sofort aufkeimende Frage nach seinem Ursprung und seinem historischen Verlauf dar. Wer denkt schon bei Bundesliga und Champions League sogleich an mittelalterliche Fruchtbarkeitsspiele oder bei der unmittelbar bevorstehenden 19. Weltmeisterschaft in Südafrika an strohgefüllte Lederbälle?

Allgemein bekannt ist wohl nur, daß das moderne Fußballspiel ‚irgendwann’ in England angefangen hat und daß es dann von dort aus in der ganzen Welt verbreitet wurde und auch ‚irgendwie’ nach Deutschland kam. Nur sporadisch wird die Frage nach dem ‚davor’ laut, noch seltener wird sich nach dem ‚wie’ und ‚warum’ erkundigt.

Bei genauerer Betrachtung drängen sich folgende Fragen auf: Ist das Fußballspiel nun eine neuzeitliche, englische Erfindung oder beginnt der geschichtliche Feldzug schon viel früher? Welche historischen Ballspielkulturen hatten daher wieviel Einfluss auf den modernen mitteleuropäischen Fußball? Im Kern geht es um das Anliegen eines zu eruierenden roten Fadens der Fußballhistorie.

Die vorliegende theoriegeleitete Arbeit wird sich der Historie der wichtigsten vergangenen Ballspielkulturen annehmen und – so vorhanden – deren technische und soziokulturelle Entwicklung bis hin zu einem Fußballspiel aufzeigen; einer Verbreitung ebendessen wird nachgegangen, mögliche Einflüsse auf andere Kulturen dargestellt. Im Anschluss werden alle Kandidaten auf deren Berechtigung zur Einflussnahme geprüft. Eine Chronik der wichtigsten Ereignisse rund um den modernen Fußball stellt den Abschluss dieser Arbeit dar.

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung 7
2 Die Geschichte des Fußballs 9
2.1 Die Entwicklung der Ballspiele in verschiedenen historischen Kulturen 9
2.1.1 Die Anfänge in der chinesischen Kultur 10
2.1.2 Das Alte Ägypten 20
2.1.3 Die Kultspiele der Maya und Azteken 23
2.1.4 Das alte Griechenland 26
2.1.5 Panem et circenses 30
2.1.6 Kemari – Football in Japan 34
2.1.7 La Soule 38
2.1.8 Calcio fiorentino 40
2.1.9 English Games
2.2 Die Entwicklung des modernen Fußballspiels 48
2.2.1 Public Schools 49
2.2.2 Vom Rugby zum Soccer 52
2.2.3 Britannia rules the Waves 56
2.3 Fußball in Deutschland bis 1933 58
2.3.1 Konrad Koch – Deutschlands erster Fußball-Lehrer 60
2.3.2 Walther Bensemann – Vordenker, Antreiber, Querkopf 64
2.4 Fußball in Deutschland ab 1945 72
2.4.1 1954 73
2.4.2 Die Bundesliga 75
2.4.3 Fußball in Deutschland: Zusammenfassung 76
3 Comprehensio 79
4 Conclusio 83
Chronik 87
Abbildungsverzeichnis 97
Literaturverzeichnis 98

Textprobe:

Kapitel 2.1.1, Die Anfänge in der chinesischen Kultur:

Wer tatsächlich als erster auf die Idee kam – zum Zeitvertreib, zur Zerstreuung oder auch zur Körperertüchtigung – mit Füßen gegen einen Ball oder einen ballähnlichen Gegenstand zu treten, kann heute niemand mehr mit hinreichender Genauigkeit sagen. Jedoch gilt China unter vielen Sporthistorikern als das Mutterland des vorchristlichen Fußballs; zumindest kommen die ältesten bisher gefundenen Überlieferungen von dort: Vor 5000 Jahren – vielleicht auch noch früher –, als in Mitteleuropa das Spätneolithikum langsam in das Endneolithikum übergeht und es gerade 2000 Jahre her ist, daß England, bedingt durch den rapiden Anstieg des Meeresspiegels, sich vom Festland trennt, beginnen chinesische Soldaten damit, einen Ball mit dem Fuß zu spielen.

Den Ball am Fuß:

Erste Hinweise für diese Tätigkeit finden sich für das alte China im Grab eines noch unbekannten Mannes, welcher im Jahr 168 v. Chr. in der heutigen Provinz Hunan verstarb. Der Markgraf und die Markgräfin von Dai – heute als Sensationsfund bekannt, da kaum verwest – wurden ein paar Jahre später ganz in der Nähe beigesetzt, so daß man davon ausgehen kann, daß es sich um einen nahen Verwandten dieser beiden hochgestellten Persönlichkeiten handeln musste. Unter vielen kostbaren und qualitativ hochwertigen Grabbeigaben, wie Armstützen, Spielbrettern, aufwendig dekorierten Gefäßen und Geräten, fand man im Frühjahr 1974 mannigfaltige Texte – Manuskripte, Aufsätze, Kommentare – zu Klassikern der chinesischen Philosophie, Geschichte und Literatur, ferner Landkarten und Pläne.

Mit dabei die verloren geglaubten ‚Vier Klassiker des Gelben Kaisers’, welche aus dem Jahr 330 v. Chr. stammen und vermutlich Laozi , bzw. Lao-Tse, verfasst hat, so er denn je gelebt hat.

Der zweite Teil daraus, der ‚Zehn-Größen-Klassiker’, beinhaltet Gespräche des ‚Gelben Kaisers’, Huangdi sijin, mit seinen Ministern über militärisch-strategische Themen. Huangdi wird zu der Gruppe der fünf Kaiser gezählt, welche das Land im Zeitraum zwischen den Urkaisern – Tianhuang, Dihuang, Taihuang – und den Dynastien regiert haben sollen. Im fünften Kapitel des ‚Zehn-Größen- Klassiker’ wird die ‚Unterdrückung der Rebellion’, zhengluan, thematisiert, bei welcher der aufständische Chiyou, der ‚Rote Lord’, und seine monströsen achtzig Brüder in der ersten großen Schlacht des chinesischen Altertums in der heutigen Provinz Hebei gefangengenommen und Teile seines Körpers einer makaberen Verwendung zugeführt wurde: ‚[. . . ] Seinen Magen ließ er zu einem Ball ausstopfen und befahl seinen Leuten, damit Fußball zu spielen. Diejenigen, die am besten kickten, wurden belohnt[. . . ]'.

Daraus ist zu entnehmen, und wenn dieser Legende Glauben zu schenken ist, daß es zu dieser Zeit – man schrieb das 27. Jhd. v. Chr. – schon verschieden gute Spieler unter den Soldaten gegeben haben muss; das wiederum lässt auf ein wie auch immer geartetes Training der Soldaten schließen, welches wahrscheinlich entweder zur Erholung oder als Vorbereitung für den Kampf stattfand. Weitere Details lassen sich für die Zeit der Longshan-Kultur, ca. 3000 - 2000 v. Chr., und den beiden darauffolgenden Zeiträumen, Xia-Dynastie, ca. 2070 - 1600 v. Chr., Shang-Dynastie, ca. 1700 - 1100 v. Chr., leider nicht finden. Man kann aber vermuten, daß, über die Jahrhunderte hinweg, vor allem Soldaten vom Fußballspiel angetan waren, wenngleich die Betätigung in der damaligen Form wohl eher einer Rauferei um einen ballähnlichen Gegenstand geglichen haben muss; Soldaten waren damals wie heute zuallererst Soldaten, und es würde doch sehr verwundern, wenn sie, angesichts ihres Berufes, zu fairen Mitteln oder gar zum berührungslosen Kräftemessen aufgerufen hätten. Eine Vorstellung davon vermitteln zeitgenössische Darstellungen. So zeigt eine im Jahr 1827 entstandene Radierung von Robert Cruikshank, 1789 - 1856 n. Chr., ein Dutzend Soldaten, die um den Ball raufen (s. Abb. 1). Das Ausmaß an Chaos und Brutalität dürfte in der Longshan-Kultur des alten Chinas kaum niedriger ausgefallen sein.

Arbeit zitieren:
Solmsdorf, Christopher Juni 2010: Die Geschichte des Fußballs, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Bundesliga, Entwicklung, Fußball, Geschichte

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