Gescheitert am Geist der Zeit? Der Misserfolg von Polaroid: Zum Einfluss technologischer Innovationen auf die Existenz von Unternehmen am Beispiel der Marke Polaroid
Innovations- und Technologiemanagement in dynamischen Märkten
- Art: Studienarbeit
- Autor: Katrin Tobies
- Abgabedatum: September 2004
- Umfang: 46 Seiten
- Dateigröße: 573,3 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität der Künste Berlin Deutschland
- Bibliografie: ca. 63
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1009-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Tobies, Katrin September 2004: Gescheitert am Geist der Zeit? Der Misserfolg von Polaroid: Zum Einfluss technologischer Innovationen auf die Existenz von Unternehmen am Beispiel der Marke Polaroid, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Polaroid, Innovation, Technologiemanagement, Fotografie, Markenführung
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Studienarbeit von Katrin Tobies
Einleitung:
Mitte August 2004. Die traditionelle Fotofirma Agfa verkündete soeben, sich aus dem Fotogeschäft zu verabschieden. Der Branchenführer Kodak hatte bereits im Vorjahr seine Fotolabore verkauft und den Vertrieb analoger Kameras eingeschränkt. Die Heidelberger Großlaborgruppe V-Dia musste vorigen Monat ihr Unternehmen sogar ganz schließen. Die Fotobranche befindet sich im Umbruch. Zeitungen melden regelmäßig: Vormarsch der digitalen Technik bremst Filmabsatz.
Auch das Unternehmen Polaroid, der Branchenführer für Sofortbilder, kämpfte seit Beginn der digitalen Fototechnik ums Überleben. Doch Polaroid meldete bereits im Jahr 2001 Konkurs an. Liegt die alleinige Ursache für das Scheitern der Fotokonzerne tatsächlich, so wie Medien gern behaupten, im Geist der Zeit, dem Trend zur neuen digitalen Technologie, begründet?
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des Technologiewandels von analog zu digital auf die Existenz traditioneller Fotounternehmen am Fallbeispiel Polaroid. These bildet, dass dessen Konkurs nicht allein durch die digitale Konkurrenz verursacht wurde. Basierend auf den Besonderheiten der Marke Polaroid und der Sofortbildtechnologie wird im Vergleich untersucht, welche Gefahren von der digitalen Fototechnologie ausgehen sowie mit welchen Strategien Unternehmen im Allgemeinen auf Innovationen reagieren können und wie das Unternehmen Polaroid im Speziellen handelte. Ziel ist es, systematisch die Ursachen für sein Scheitern zu ermitteln und im Ergebnis daraus Lehren für ähnliche Situationen abzuleiten: für ein erfolgreiches Innovations- und Technologiemanagement in dynamischen Märkten.
In der Literatur wurde der Misserfolg Polaroids bisher nicht umfassend analysiert. Eine Vielzahl an Zeitungsartikeln bewertet den Werdegang der Firma allein in Abhängigkeit zum Technologiewandel. Es fehlt jedoch eine Ursachenanalyse, die auch die Aktivitäten des Unternehmens genauer betrachtet. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werden diese, mit Fokus auf die 90er Jahre, untersucht. Die Sicht der Anwender, soziale Rahmenbedingungen, ein Vergleich mit anderen Fotokonzernen oder anderen sich verändernder Technologiebranchen bleiben dabei unbeachtet. Ebenso wenig soll ein alternatives Strategie- und Kommunikationskonzept für Polaroid entwickelt werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | 1 | |
| 1. | Problemstellung, methodisches Vorgehen und Quellen | 2 |
| 2. | Die Marke Polaroid | 3 |
| 2.1 | Entstehung der Marke | 3 |
| 2.2 | Entwicklung des Markenwertes | 5 |
| 3. | Die Technologie Sofortbild | 7 |
| 3.1 | Bedeutung | 7 |
| 3.2 | Funktionsweise | 7 |
| 3.3 | Merkmale und Besonderheiten | 8 |
| 3.4 | Anwendungsgebiete | 9 |
| 3.5 | Fotomarktsituation | 11 |
| 4. | Die Technologie Digitalbild | 13 |
| 4.1 | Bedeutung | 13 |
| 4.2 | Funktionsweise | 13 |
| 4.3 | Merkmale und Besonderheiten | 14 |
| 4.4 | Anwendungsgebiete | 15 |
| 4.5 | Fotomarktsituation | 16 |
| 4.6 | Chancen für Sofortbildtechnologie und Polaroid | 23 |
| 5. | Die Reaktionen Polaroids | 24 |
| 5.1 | Potentielle Reaktionsstrategien | 24 |
| 5.2 | Management | 25 |
| 5.3 | Marketing | 27 |
| 6. | Fehler- und Ursachenanalyse | 33 |
| 7. | Ausblick | 35 |
| Glossar | 37 | |
| Abbildungsverzeichnis | 39 | |
| Literaturverzeichnis | 40 |
Textprobe:
Kapitel 3.4.2, Berufsfotografie:
Für Berufsfotografen waren Sofortbilder ein unverzichtbarer Bestandteil für ein effektives Arbeiten mit professionellen Ergebnissen. Sie verwendeten Sofortbilder vor allem als Testbilder vor dem eigentlichen Fotografieren, um Beleuchtung, Belichtung, Komposition, Schärfe und Farbtonwertumfang fundiert beurteilen, kontrollieren und korrigieren zu können. Bei Portraitaufnahmen beispielsweise dienten Testbilder dazu, dem Kunden bereits im Fotoatelier einen Eindruck der Ergebnisse zu vermitteln.
Spezielle Passbildsofortkameras ermöglichten Passfotos zum sofortigen Mitnehmen. Und für den Reisefotografen eigneten sich Sofortbilder zum Portraitieren fremder Menschen. Der Fotograf Uwe Laysiepen verrät: „Wenn Sie wollen, dass wildfremde Leute sich Ihnen für ein Bild stellen, machen Sie zwei Aufnahmen und schenken Sie ihnen die eine davon“. Die Geste, eine Aufnahme zurückzuschenken, schafft eine Vertrauensbasis zwischen dem Fotograf und seinem Model, die die Qualität des aufgenommenen Motivs verbessern kann. In der Berufsfotografie waren Sofortbilder Gebrauchsobjekte.
Kunstfotografie:
Der Erfinder Edwin Land sah den Nutzen der Sofortbilder im ästhetischen Kunstwerk. So sagte er 1947: „The purpose of inventing instant photography was essentially aesthetic: to make available a new medium of expression to numerous individuals who have an artistic interest in the world around them.“ Die Kunstwelt nahm die Sofortfotografie begeistert an. Namhafte Persönlichkeiten experimentierten mit der Sofortbildtechnik und ihren verschiedenen Materialien, woraus eine Kunstsammlung entstand, die Polaroid Collection, die heute über 22.000 Werke von über 1.000 Fotografen aufweist.
Darunter zählen Künstler und Fotografen wie Ansel Adams, Andy Warhol, Helmut Newton, David Hockney oder Williams Wegman. Aus den Arbeiten ergab sich ein breites Spektrum zwischen realitätsgetreuen Dokumentarbildern, Pop Art-voyeuristischen Inszenierungen, spontanen Schnappschüssen und komponierten, lang geplanten Abbildungen (siehe International Polaroid Collection 1984 und 1986). Da die Unmittelbarkeit der Sofortbilder die Intimität der Fotosituation wahrte, entstand auch eine Vielzahl an intimen Recherchen ins Ich, an narzisstischen Selbstdarstellungen und expressionistischen Schauspielen mit der Kamera als einzigem Zuschauer. Die Sofortbildfotografie entwickelte sich zu einer eigenen Kunstgattung, deren Herausforderung in der Unveränderbarkeit ihrer Bilder lag.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836610094
Arbeit zitieren:
Tobies, Katrin September 2004: Gescheitert am Geist der Zeit? Der Misserfolg von Polaroid: Zum Einfluss technologischer Innovationen auf die Existenz von Unternehmen am Beispiel der Marke Polaroid, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Polaroid, Innovation, Technologiemanagement, Fotografie, Markenführung



