Die Genese der SNCF zum Referenzunternehmen im öffentlichen schienengebundenen Verkehr angesichts der europäischen Harmonisierung zur Jahrtausendwende
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Nenad Jelic
- Abgabedatum: Mai 1999
- Umfang: 163 Seiten
- Dateigröße: 12,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9224-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9224-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9224-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Jelic, Nenad Mai 1999: Die Genese der SNCF zum Referenzunternehmen im öffentlichen schienengebundenen Verkehr angesichts der europäischen Harmonisierung zur Jahrtausendwende, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Wirtschaftspolitik, Europa, Eisenbahn, Schieneverkehr, Deutsche Bahn
In den Warenkorb
38,00 €
Diplomarbeit von Nenad Jelic
Einleitung:
Europa in den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen sowie geographischen Grenzen von vor einem Jahrzehnt gehört mittlerweile einer Zeit an, die im Vergleich zur Gegenwart relativ fremd wirkt. Heute bestimmen Diskontinuität und Dynamik in zunehmendem Maß das große neue europäische Konstrukt, das „neue Europa“, das den Weg ins nächste Jahrtausend bestreiten soll. Dieses „neue Europa“ befindet sich gegenwärtig noch in einer „Wendezeit“, die alle unsere Lebensbereiche erfasst hat.
Die neue europäische Konstellation ist geprägt vom Zurückweichen des Staates aus zahlreichen Bereichen. Explizit aufgrund dieses Wandels, der einen gewissen Grad an Unsicherheit nach sich zieht, sind Europas Akteure in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bedacht, diesem Fluss von Veränderungen eine bestimmte Richtung zu geben. Sie sind um alle kontrollierbaren bzw. voraussehbaren „Futuribles“ dankbar, da sie dadurch ihre Interessen sowie Machtpositionen festigen und ausweiten können. Dabei spielt es keine Rolle, ob optimale Voraussetzungen in Kooperation mit privatwirtschaftlichen oder öffentlichen Partnern zum ausgehenden 20. Jahrhundert geschaffen werden.
Der Eisenbahnsektor ist von der dynamischen Entwicklung nicht verschont geblieben. Die Liberalisierungs-, Deregulierungsprozesse sowie internationalen Verflechtungen gehen zwar wesentlich langsamer als in anderen Branchen voran, aber trotzdem entstehen auch in diesem Bereich enorme Chancen für alle Beteiligten.
Leider ist paradoxerweise der Anteil der Eisenbahnen an den europäischen Verkehrsmärkten in den letzten Jahrzehnten gesunken, obwohl viele Probleme, zu deren Lösung die Eisenbahn einen besonderen Beitrag leisten kann, weiterhin zunehmen. Die Probleme des zunehmenden Verkehrsaufkommens, der Umweltbelastung und der Lärmbelästigung durch den Verkehr stehen hierfür repräsentativ.
Mit den Strategien, Verkehr verstärkt von der Straße auf die Schiene zu gewinnen und der intramodalen Konkurrenz früher oder später Marktanteile auf ihren Heimatmärkten streitig zu machen, geht das europäische Rad-Schiene-System neue Wege. Doch um eine Verlagerung des Verkehrs überhaupt zu realisieren, ist v.a. nötig, dass die Eisenbahnunternehmen prinzipiell leistungsfähiger werden. Sie müssen im „neuen Europa“ effizienter und kundenorientierter agieren.
Hierbei ist die SNCF bemüht, die Hegemonieposition, die sie insbesondere in den 80er Jahren innehatte, zu Beginn des neuen Jahrtausends völlig im Sinne ihrer traditionsreichen Geschichte der Interdependenz von Staat und Ökonomie für sich zu gestalten. Sie beabsichtigt, das Referenzunternehmen im öffentlichen schienengebundenen Verkehr in Europa ab dem Jahr 2002 zu werden.
Gang der Untersuchung:
Vor dem Hintergrund der aufgezeigten Problemstellung lautet die konkrete Zielsetzung der vorliegenden Arbeit, kritisch zu hinterfragen, ob die gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und ökonomischen Voraussetzungen Frankreichs und teilweise Europas für erfolgversprechende „Futuribles“ gegeben sind, oder ob es nur eine überzogene Vorstellung der Repräsentanten des Staates und der Verantwortlichen des französischen Eisenbahnunternehmens ist, die SNCF zukünftig als Referenzunternehmen zu betrachten.
Die vorliegende Arbeit ist in die Teile A, B und C gegliedert, welche wiederum jeweils in zwei Kapitel unterteilt sind. Auf den nachfolgenden Seiten wird ausschließlich auf den Sektor der Eisenbahnen eingegangen, da die Berücksichtigung von Straßenbahnen, Untergrundbahnen und anderen Transportlösungen, die ebenfalls zum schienengebundenen Verkehr gehören, den quantitativen Rahmen der Arbeit sprengen würde.
Im ersten Kapitel von Teil A wird sowohl ein allgemeiner historischer Überblick über den Eisenbahnsektor in Europa als auch ein etwas spezifischerer zur Situation in Frankreich gegeben.
In der Analyse im zweiten Kapitel finden sowohl Zusammenhänge gesellschaftlicher, kultureller, politischer und ökonomischer Natur Berücksichtigung als auch Aspekte des relevanten Umfeldes der SNCF und ihrer Konkurrenten in den jeweiligen Marktsegmenten.
Teil B widmet sich einer expliziten Betrachtung der SNCF. Es erfolgt eine Gegenüberstellung von frankreichspezifischen Barrieren und beispielhaften Projekten, die den Prozess der Europäisierung des Schienenfahrzeugmarktes hemmen bzw. vorantreiben.
Die Auswahl und Verdichtung des Informationsgehaltes der vorangegangenen Gegenüberstellung ist in der Folge in Teil C in dem Rahmen entscheidend, wie die europapolitischen, -gesellschaftlichen und -ökonomischen Vorgaben im ersten Kapitel ausfallen. Auf deren Grundlage erfolgt abschließend im zweiten Kapitel ein Resümee zu konkreten Stärken der SNCF und insbesondere ein Ausblick zu ihren „Futuribles“ als Referenzunternehmen.
Inhaltsverzeichnis:
| Danksagung | I | |
| INHALTSVERZEICHNIS | III | |
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| Tabellenverzeichnis | VII | |
| Abkürzungsverzeichnis | VIII | |
| Einleitung | 1 | |
| Einführung in die Problematik | 1 | |
| Ziel und Gang der Untersuchung | 2 | |
| Teil A | Die Entwicklung und der Status quo der Eisenbahn | 5 |
| I. | Die Historie des schienengebundenen Transports | 6 |
| 1 | Die allgemeine Entwicklung in Europa | 6 |
| 1.1 | Die Anfänge | 7 |
| 1.2 | Die Fortschritte | 7 |
| 1.3 | Die Widerstände | 8 |
| 2. | Die spezifische Entfaltung in Frankreich bis 1990 | 10 |
| 2.1 | Der historische Überblick | 10 |
| 2.2 | Die sozio-kulturelle Entwicklung | 11 |
| 2.3 | Die politisch-ökonomischen Einflußfaktoren | 12 |
| II. | Die Eisenbahn im Fokus der 90er Jahre | 16 |
| 1. | Die Umwelt der europäischen Eisenbahnen | 16 |
| 1.1 | Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen | 16 |
| 1.2 | Die politischen Vorgaben | 21 |
| 1.2.1 | Die fundamentalen Richtlinien der EU | 21 |
| 1.2.2 | Die protektionistische Schienenverkehrspolitik Frankreichs | 23 |
| 1.2.3 | Die Tendenzen einer gemeinsamen europäischen Schienenverkehrspolitik | 25 |
| 2. | Das Umfeld der SNCF | 27 |
| 2.1 | Die Struktur und die Entwicklung der Eisenbahnunternehmen | 27 |
| 2.1.1 | Die politisch-ökonomischen Verflechtungen | 27 |
| 2.1.2 | Die Organisationsstruktur | 30 |
| 2.2 | Die Kennzahlen der SNCF und ihrer Hauptwettbewerber | 34 |
| 2.2.1 | Die finanzwirtschaftliche Situation | 34 |
| 2.2.2 | Die Infrastruktur | 38 |
| 3. | Die Marktsegmente für schienengebundene Verkehrssysteme | 40 |
| 3.1 | Die Beförderung von Personen | 40 |
| 3.1.1 | Der Personenverkehr | 40 |
| 3.1.2 | Der Nahverkehr | 43 |
| 3.1.3 | Der Fernverkehr | 46 |
| 3.2 | Die Beförderung von Gütern | 49 |
| 3.2.1 | Der Güterverkehr | 50 |
| 3.2.2 | Der kombinierte Verkehr | 55 |
| Teil B | Die Hindernisse undreferenzprojekte der SNCFim „neuen europa“ | 59 |
| I. | Die Hindernisse auf dem Weg zum Referenzunternehmen | 60 |
| 1. | Die Problematik der engen Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik | 61 |
| 1.1 | Die voluntaristische Wirtschaftspolitik Frankreichs | 61 |
| 1.2 | Die anachronistische Besetzung von Spitzenpositionen | 62 |
| 1.3 | Der protektionistische Schienenfahrzeugmarkt Frankreichs | 64 |
| 2. | Die Streikproblematik | 67 |
| 2.1 | Das Streikrecht | 67 |
| 2.2 | Die Auswirkungen von Streiks | 70 |
| 3. | Die finanzwirtschaftlichen und die technischen Probleme | 72 |
| 3.1 | Die Finanzierungsproblematik als Folge der zunehmenden Verschuldung | 72 |
| 3.2 | Der Mangel an technischer Interoperabilität | 75 |
| 3.3 | Die Kontraproduktivität der Computerprogramme Sokrates und Dagobert | 78 |
| 4. | DIE INTERMODALE KONKURRENZ UND DIE FEHLENDE INTERNALISIERUNG EXTERNER KOSTEN | 81 |
| 4.1 | Die Konkurrenz im Personenverkehr | 81 |
| 4.2 | Die Konkurrenz im Güterverkehr | 84 |
| 4.3 | Die mangelhafte Anrechnung externer Kosten als Haupthindernis eines fairen Wettbewerbs | 88 |
| II. | DIE REFERENZPROJEKTE AUF DEM WEG INS „NEUE EUROPA“ | 93 |
| 1. | DER TRANS-EUROP-EXPRESS | 93 |
| 2. | DER „TRAIN A GRANDE VITESSE“ | 97 |
| 3. | DER EUROSTAR | 101 |
| 4. | DER TGV-THALYS | 104 |
| TEIL C | DIE SCHIENENVERKEHRSTECHNISCHE ZUKUNFT EUROPAS UND DER SNCF | 107 |
| I. | DIE SCHIENENVERKEHRSTECHNISCHE ZUKUNFT EUROPAS | 108 |
| 1. | DIE INTERDEPENDENZ VON POLITIK UND WIRTSCHAFT | 109 |
| 2. | DER INDIVIDUALISIERUNGSTREND DER NACHFRAGE ALS HERAUSFORDERUNG | 113 |
| 3. | DIE INTERNATIONALISIERUNG DES SCHIENENFAHRZEUGMARKTES | 117 |
| II. | DIE PERSPEKTIVEN DER SNCF ALS REFERENZUNTERNEHMEN | 121 |
| 1. | DIE FRANZÖSISCHE INNOVATIONSFREUDIGKEIT | 121 |
| 2. | DIE SNCF ALS REFERENZUNTERNEHMEN | 126 |
| 3. | DER KRITISCHE AUSBLICK ZUR SNCF ALS REFERENZUNTERNEHMEN | 130 |
| EPILOG | 134 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 135 | |
| ANHANG | 150 | |
| EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG | 163 |
Für Frankreich scheint dieser Status quo vordergründig betrachtet nicht mit negativen Konsequenzen behaftet zu sein. Im Gegenteil, die eigene Eisenbahnindustrie wird geschützt, und man kann Frankreich als sichere Basis für weltweite Projekte und Aktivitäten nutzen. Einen hervorragenden Beweis liefern in Europa der Eurostar247 und der TGV-Thalys248, die mit französischer Technologie ausgestattet sind. Doch geht man näher auf die französische Situation ein, wird deutlich, daß der Status quo sich zukünftig kontraproduktiv auswirken kann. Der nationale intramodale Wettbewerb ist gegenwärtig beinahe ausgeschaltet. Beispielsweise ließ die SNCF im Herbst 1996 ca. 13.000 Güterwagen der DB und zahlreiche Wagen privater Einsteller nicht mehr auf ihrem Streckennetz zu. Vordergründig wurden technische Mängel für die Zurückweisung dieser Wagen angeführt, tatsächlich scheinen marktpolitische und wettbewerbstechnische Gründe hierfür den Anlaß gegeben zu haben.249 Außerhalb des französischen Schienenfahrzeugmarktes findet jedoch ein reger Konkurrenzkampf statt. Eine monopolistische Insellage aufgrund fehlender Konkurrenz hat [...]
Siemens, eines der drei größten Unternehmen im Schienenfahrzeugmarkt, versucht sich seit Jahren vergebens auf dem französischen Markt zu etablieren. Siemensintern sieht man nur die Möglichkeit mit sehr guter Lobbyarbeit und nicht über reinen Wettbewerb einen Markteintritt in den sehr gut geschützten bzw. vom französischen Konzern Alstom dominierten Markt zu realisieren.243 Die deutschen Unternehmensgruppen Siemens und ADtranz sowie der französische Konzern Alstom sind seit Jahren weltweit Marktführer. Zusammen realisieren sie ca. 30 % des Weltumsatzes und halten 27 % der Marktanteile. Ihre Aktivitäten sind über den gesamten Globus verstreut, konzentrieren sich aber auf einige Regionen stärker. In Europa sind sie in den meisten Ländern vertreten oder haben zumindest keine größeren Schwierigkeiten, sich auf attraktiven Märkten niederzulassen, außer in Frankreich. Frankreich erscheint hier wegen der intensiven Zusammenarbeit von Alstom und dem französischen Staat wie eine Insel oder gar wie eine „Alstom-Bastion“244.245 Darüber hinaus gehen Aufträge trotz offener Ausschreibungen seit 1993 zunehmend an die präferierte heimische Industrie. Die EU-Richtlinie 91/440 sah diese Entwicklung nicht vor, sondern war um einen gleichberechtigten Wettbewerb bemüht.246 Trotz der seit 1995 existierenden Garantie bzgl. des freien Zuganges zur französischen Infrastruktur sind keine Tendenzen zu erkennen, daß die RFF politische, technologische oder wirtschaftliche Absichten hat, intramodalen Wettbewerb im französischen Bahnverkehr zuzulassen. [...]
erhalten. Für die Mitglieder dieses Elitekartells ist die Unantastbarkeit ihres Herrschaftsmonopols sehr wichtig. Außenseiter haben keinen Zugang zu diesem elitären System, mögen sie noch so tüchtig und qualifiziert sein. Dadurch wird Frankreichs Weg ins „neue Europa“ jedoch erschwert.237 Unter diesem Problem leidet die SNCF seit etwa zehn Jahren. In dieser Zeit haben sich die staatspolitiktreuen Präsidenten der SNCF reproduziert. Da sie überwiegend die gleichen Hochschulen besucht haben, sich persönlich kennen und einen vergleichbaren beruflichen Werdegang vorweisen, fühlen sie sich zu gewissen Corps eng verbunden, welche unterschiedslos geprägt sind durch übergeordnete politisch-strategische Denkweisen, die im Interesse der „nation“ liegen.238 Problematisch ist v.a. die Häufigkeit der Wechsel an der Unternehmensspitze geworden.239 Diese als Präsidentenkarussell bezeichneten Wechsel sind die Ursache für eine fehlende Kontinuität in der strategischen sowie operativen Unternehmenspolitik. Erfahrungsgemäß bringt jede Umstrukturierung bzw. Neubesetzung von Stellen ein symbolisches „Rollen von Köpfen“ mit sich, Strukturen werden verändert und Positionen und Bereiche umbenannt.240 Die SNCF besitzt wie jedes andere Unternehmen eine individuelle Firmengeschichte, die sich in bisherigen Zielen, der Unternehmenspolitik und den angebotenen Leistungen niederschlägt und i.d.R. konform mit den Vorstellungen des Staates einhergeht. Erfolgt ein Wechsel an der Unternehmensspitze, der folglich mit Präferenzen und Ambitionen der jeweiligen Präsidenten verbunden ist, dann wird sich weder das Unternehmen noch der einzelne Mitarbeiter abrupt von seiner Vergangenheit lösen können oder wollen.241 Nach dem strategischen Konzept vom „Unternehmen als Familie“ nach Bösenberg/Metzen ist jede Familie instabil oder vermittelt keine Kontinuität bzw. kein einheitliches Bild, in der das Oberhaupt zu häufig wechselt. Die Folgen sind ein zunehmender Grad an unternehmensinterner Verunsicherung. Übertragen auf die SNCF hat dies Imageverluste auf nationaler und internationaler Ebene zur Folge, was sich im äußersten Fall in einer Identitätsfrage äußern kann. Insbesondere, wenn Leitziele verfehlt [...]
In den Warenkorb
38,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832492243
Arbeit zitieren:
Jelic, Nenad Mai 1999: Die Genese der SNCF zum Referenzunternehmen im öffentlichen schienengebundenen Verkehr angesichts der europäischen Harmonisierung zur Jahrtausendwende, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Wirtschaftspolitik, Europa, Eisenbahn, Schieneverkehr, Deutsche Bahn



