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Die Genese von La Marca del Zorro als 'novela-testimonio' des sandinistischen Nicaragua

Die Genese von La Marca del Zorro als 'novela-testimonio' des sandinistischen Nicaragua
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Joachim Holstein
  • Abgabedatum: Juni 1998
  • Umfang: 122 Seiten
  • Dateigröße: 718,4 KB
  • Note: 1,8
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1884-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1884-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1884-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Holstein, Joachim Juni 1998: Die Genese von La Marca del Zorro als 'novela-testimonio' des sandinistischen Nicaragua, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Nicaraguanische Literatur, Sandinismus, Sergio Ramirez, Testimonio-Literatur

Magisterarbeit von Joachim Holstein

Einleitung:

Thema der vorliegenden Arbeit ist die Genese von La Marca del Zorro als novela-testimonio des sandinistischen Nicaragua. Dabei soll untersucht werden, wie das publizierte Werk als Produkt mehrerer und vielschichtiger Bearbeitungen entstanden ist; inwieweit es als novela-testimonio zu definieren ist; wie es im sandinistischen Nicaragua rezipiert und definiert wurde; und welcher Stellenwert testimonialen Texten bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Landes und der Gesellschaft beigemessen wurde.

Daß ich dieses Thema nicht aus der Sicht eines "unbeteiligten Beobachters" untersuche, sei auch an dieser Stelle gesagt.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Themenstellung 1
1.2 Vorgehensweise 2
2. Zur Begriffsbestimmung der ‘novela-testimonio’ 4
2.1 Authentizität und Repräsentativität 6
2.2 Politische und gesellschaftliche Funktion der Testimonio-Literatur 10
2.3 Zur Vermittlung der Testimonio-Literatur 11
3. Die Geschichte des Zorro im Geschehen Nicaraguas 14
3.1 Historischer Kontext 15
3.1.1 Nicaragua vor Sandino 16
3.1.2 Vom "General der freien Menschen" zur Frente Sandinista de Liberación Nacional 19
3.1.3 Die FSLN und der Sturz der Diktatur 21
3.1.4 Francisco Rivera Quintero und der Kampf der FSLN 29
3.1.5 Die Epoche nach 1979 33
3.2 Literarischer Kontext 35
3.2.1 Literarische Tradition in Nicaragua 36
3.2.2 Kulturpolitische Ansätze der FSLN 46
3.2.3 Begriff des ‘testimonio’ im literarisch-politischen Diskurs des sandinistischen Nicaragua 50
4. Zeitgenössische Rezeption von La Marca del Zorro 60
4.1 Presseveröffentlichungen 61
4.2 Präsentation des Buches in Estelí 63
4.3 Präsentation des Buches in Managua 65
4.4 Genrezuordnung von La Marca del Zorro 67
5. Die Genese von La Marca del Zorro: Informationsvergabe, Textgestalt und Sprachverwendung 68
5.1 Informationsvergabe in La Marca del Zorro 69
5.1.1 Titel und Umschlagtext 70
5.1.2 Reconocimientos 71
5.1.3 Prólogo 71
5.1.4 Hazañas del Comandante Francisco Rivera Quintero contadas a Sergio Ramírez 75
5.1.5 Cronología selectiva 83
5.1.6 Weitere Informationsvergabe 84
5.2 Textgestalt von La Marca del Zorro 84
5.2.1 Die Konkretisierung der Gesprächssituation 85
5.2.2 Die Verwendung von Quellenmaterial 87
5.2.3 Sprachverwendung 90
6. La Marca del Zorro als novela-testimonio 97
7. Perspektive: La Marca del Zorro als Beitrag zur sandinistischen Geschichtsschreibung 99
8. Anhang 101
9. Bibliografie 104

Automatisiert erstellter Textauszug:

29 zum Flughafen glich einem Triumphzug,142 und auch im Ausland hatte die spektakuläre Aktion auf die Situation in Nicaragua aufmerksam gemacht.143 Im September fanden Aufstände in zahlreichen Orten des Landes statt, so in Estelí, León, Chinandega, Managua und Masaya.144 Oftmals kam dabei die Bevölkerung der geplanten Offensive der FSLN zuvor. Die Diktatur antwortete mit Bombardements und flächendeckendem Terror, was ihren Niedergang aber nicht verhinderte.145 Nach der Anfang März 1979 erfolgten Vereinigung der drei FSLN-Tendenzen146 und dem Osteraufstand von Estelí, bei dem es der Guardia Nacional gelungen war, in erbitterten Kämpfen die Oberhand zu behalten, beschloß die Nationalleitung der FSLN, keinen weiteren Rückzug mehr zuzulassen, und rief zu einem Generalstreik und zur allgemeinen Bewaffnung auf. In verlustreichen Kämpfen wurde in dieser Ofensiva Final der größte Teil des Landes befreit.147 In der Überzeugung, daß Somoza nicht mehr zu halten war, beantragte die US-Regierung bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OEA) die Entsendung von „Friedenstruppen“, um in letzter Minute einen Triumph der FSLN zu verhindern. Am 17.6.1979 verweigerte jedoch die OEA die Zustimmung.148 Am 17. Juli 1979 setzte sich Anastasio Somoza Debayle nach Miami ab, am 18. Juli wurde das befreite León zur „ersten Hauptstadt der Revolution“ erklärt. Als am 19. Juli der von Somoza eingesetzte Interimspräsident Francisco Urcuyo Maliaño nach 43 Stunden Amtszeit zugunsten der revolutionären Junta abdankte, war das gesamte Territorium „Nicaragua libre“, und tags drauf zogen die siegreichen Aufständischen in Managua ein.149 [...]

28 um die Unterdrückten zu befreien. Viele Mitglieder der unterschiedlichsten christlichen Gruppen schlossen sich der FSLN an.136 Mit der teilweise geglückten Offensive vom Oktober 1977 hatte die FSLN wieder die Initiative übernommen. Als am 10.1.1978 Pedro Joaquín Chamorro, der Herausgeber der größten Oppositionszeitung, La Prensa, einem Attentat zum Opfer fiel und die Verantwortung Somozas für diesen Mord sehr schnell offenbar wurde, hatte der Diktator damit auch sein eigenes politisches Todesurteil gesprochen.137 Ein von den Unternehmern ausgerufener Streik ging in einen von der Bevölkerung vorangetriebenen Generalstreik über, der mit massiven Protesten verbunden wurde: In Managua wurden Barrikaden gebaut und die Bluthandelsfirma des Diktators in Brand gesteckt; in Monimbó, einem Stadtteil Masayas, in Granada und Rivas erhoben sich die Einwohner.138 Die USA, die seit dem Amtsantritt von Präsident Carter 1977 eine Politik der Menschenrechte propagierten, konnten ihren bisherigen Verbündeten nicht mehr in bisherigem Umfang unterstützen.139 Die Gruppe der Zwölf verkündete „Die Diktatur ist ein Kadaver, wir kommen zu ihrer Beerdigung“ und kehrte im Juli 1978 nach Nicaragua zurück. Sie wurde von weiten Teilen der Bevölkerung, die ihre Angst vor der Guardia Nacional abgeschüttelt hatten, begeistert begrüßt und als „Provisorische Regierung“ angesehen.140 Als US-Präsident Carter kurz darauf Somoza zu „Fortschritten in der Menschenrechtspolitik“141 gratulierte, entschloß sich die FSLN, in einer „Operation Schweinestall“ getauften Aktion am 22.8.1978 den Nationalpalast in Managua zu besetzen. Da er nicht nur das Parlament beherbergte, sondern auch als Behördengebäude diente, konnten das nach Rigoberto López Pérez benannte 25köpfige FSLN-Kommando zweitausend Geiseln nehmen und seine Forderungen nach Freilassung von politischen Gefangenen, Zahlung eines Lösegeldes, freier Ausreise und Veröffentlichung der FSLN-Erklärungen durchsetzen. Die Busfahrt der Teilnehmer des Kommandos mit Vermittlern und einigen Geiseln [...]

27 sie sich wieder zu einer gemeinsamen Struktur mit einer einheitlichen Leitung von neun „Comandantes de la Revolución“.131 Carlos Fonseca, als Generalsekretär und führender Theoretiker die von allen anerkannte Führungspersönlichkeit der FSLN, versuchte, die zerstrittenen Tendenzen wieder zusammenzubringen, und berief nach seiner Rückkehr aus dem cubanischen Exil für November 1976 eine Versammlung der führenden Mitglieder ein. Gemeinsam mit Francisco Rivera begab er sich ins Bergland nördlich von Waslala. Als Carlos Fonseca seinen Weg zum Treffpunkt alleine fortsetzte, wurde er am 7.11.1976 von der Guardia Nacional überrascht und getötet. Das Jahr nach seinem Tod wurde das schwierigste für die FSLN.132 Um aus der Defensive herauszukommen, planten die Insurreccionistas für Herbst 1977 eine Offensive, mit der der Bevölkerung die Verwundbarkeit der Guardia Nacional demonstriert werden sollte. Zugleich bemühten sie sich um das Zustandekommen eines Bündnisses mit den Teilen der Bourgeoisie, die Somoza feindlich gegenüberstanden. Eine Gruppe der Zwölf (Grupo de los Doce), der Intellektuelle, Bankiers, Unternehmer und Priester angehörten, erklärte in einem Kommuniqué ihre Unterstützung für die FSLN. Die bekanntesten Mitglieder dieser Gruppe waren die beiden katholischen Priester Miguel d’Escoto und Fernando Cardenal, der ehemalige Rektor der UNAN Carlos Tunnermann, der Bankfachmann Arturo Cruz und Sergio Ramírez.133 Die Diktatur stempelte alle als Kommunisten ab134 und zwang sie per Haftbefehl ins Exil. 135 Nicht unterschätzt werden darf das Wirken fortschrittlicher Priester, unter ihnen neben den genannten Miguel d’Escoto und Fernando Cardenal auch Fernandos Bruder Ernesto Cardenal, der 1965 auf dem im Nicaraguasee gelegenen Archipel Solentiname eine religiöse Kommune gegründet hatte. Sie war nicht nur durch die Bibelinterpretation im Lichte der Theologie der Befreiung weltberühmt geworden, sondern auch durch die künstlerische Tätigkeit ihrer Mitglieder. Der bewaffnete Kampf gegen die Diktatur galt als legitimes Mittel, [...]

Arbeit zitieren:
Holstein, Joachim Juni 1998: Die Genese von La Marca del Zorro als 'novela-testimonio' des sandinistischen Nicaragua, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Nicaraguanische Literatur, Sandinismus, Sergio Ramirez, Testimonio-Literatur

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