Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Generationengerechtigkeit in Deutschland

Eine Analyse mit Hilfe des Generational-Accounting-Ansatzes

Generationengerechtigkeit in Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thomas Haupt
  • Abgabedatum: Juli 2003
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 1,0 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität der Bundeswehr München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7665-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7665-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7665-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Haupt, Thomas Juli 2003: Generationengerechtigkeit in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Generationenvertrag, Generation, Nachhaltigkeitslücke, Sozialversicherung, Staatsverschuldung

Diplomarbeit von Thomas Haupt

Einleitung:

Seit den Anschlägen des 11. September 2001, der Flutkatastrophe im Sommer 2002 und der weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmendaten in der ersten Jahreshälfte 2003 ist das Interesse um die Zukunftsfähigkeit Deutschlands verstärkt in das öffentliche Bewusstsein gelangt. Im Vordergrund stehen dabei vor allem die Nachhaltigkeit der Sozialversicherungszweige sowie die öffentliche Verschuldung, die – verstärkt durch wachsende Arbeitslosigkeit – zukünftige Generationen mehr und mehr belasten. Eine holistische Sichtweise gesellschaftlicher Zusammenhänge zeigt, dass den jungen und nachfolgenden Generationen tragfähige Zukunftschancen zu eröffnen sind; aber auch den Interessen der älteren Generationen ist Rechnung zu tragen.

Belastungen für zukünftige Generationen sind beispielsweise bei der Staatsverschuldung – durch die Zinsbelastungen – klar erkennbar. Diese explizite ist von der impliziten Verschuldung abzugrenzen, die im Steuer- und Sozialsystem „versteckt“ ist. Der Wirtschaftswissenschaftler BERND RAFFELHÜSCHEN errechnet mit Hilfe der Generationenbilanz eine „Nachhaltigkeitslücke“ in Höhe von 6,8 Billionen Euro im deutschen Steuer- und Sozialsystem. Da Staatshaushalte und Sozialkassen mehr Ansprüche verbriefen als die Systeme sicherstellen können, ergibt sich eine Differenz zu Lasten zukünftiger Generationen: die Nachhaltigkeitslücke. Mittels des Generational Accounting (zu deutsch: Generationenbilanzierung) kann die Frage beantwortet werden, welche fiskalischen Lasten jungen und heute noch nicht lebenden Generationen überlassen werden. International vergleichbare Generationenbilanzen liegen bereits für die meisten Länder der Europäischen Union sowie u. a. für die USA vor. Sie zeigen, dass die Mitgliedstaaten der EU sowie andere Industrienationen vor ähnlichen Problemen stehen wie Deutschland.

Die Debatte um die Zukunftsfähigkeit des deutschen Sozialstaats beschränkt sich teilweise auf die in den Generationenverträgen verankerte Rentenversicherung. Denn in diesem Sektor wird der intergenerational umverteilende Charakter fiskalpolitischer Aktivitäten besonders deutlich. Aber die Generationenverträge beinhalten wesentlich mehr: Staatsverschuldung, ökologische Probleme, Lehrstellenmangel, Jugendarbeitslosigkeit, Defizite in der Schul- sowie Hochschulausbildung etc. Teile dieser gesellschaftlichen Probleme werden vom Konzept des Generational Accounting erfasst, andere bleiben darin unberücksichtigt.

Gang der Untersuchung:

In dieser Arbeit werden die Beziehungen herausgearbeitet, die in Deutschland zwischen den Generationen bestehen und damit den Begriff der Generationengerechtigkeit prägen. Dazu wird auf den Generational Accounting-Ansatz zurückgegriffen, mit dem sich die fiskalischen Belastungen zukünftiger Generationen ebenso darstellen lassen wie die intergenerativen Umverteilungseffekte, die in Deutschland bestehen.

Dabei wird hinterfragt, welche ökonomischen Zusammenhänge von einer Generationenbilanz erfasst werden. So kristallisiert sich heraus, welche Aussagekraft das Generational Accounting in Bezug auf einen umfassenden Begriff der Generationengerechtigkeit besitzt. Darüber hinaus wird untersucht, welche Faktoren für das Entstehen der Nachhaltigkeitslücke verantwortlich sind und wie diese Differenz zu Lasten nachfolgender Generationen abgebaut werden kann.

Im ersten Kapitel wird zunächst der Begriff der Generationengerechtigkeit in einem umfassenden Sinne mit seinen Dimensionen definiert. Es werden zentrale Forderungen erarbeitet, die mit einer Verantwortung für zukünftige, gegenwärtige und gegenüber früheren Generationen einhergehen. Mit der Messbarkeit der Gerechtigkeit zwischen den Generationen wird auf den Generational Accounting-Ansatz übergeleitet.

Im dritten Kapitel wird das Konzept des Generational Accounting vorgestellt und dessen Vorgehensweise erläutert. Nach einer Betrachtung der Methodik wird auf die Probleme und Grenzen der Generationenbilanzierung eingegangen. Anhand der deutschen Generationenbilanz werden die umverteilungswirksamen Zahlungsströme auf der Ausgabenseite des Staatshaushaltes den durchschnittlichen Kohortenbelastungen durch Steuern und Beiträge gegenübergestellt. Die Ursachen der sich ergebenden Nachhaltigkeitslücke werden im Anschluss analysiert.

Im vierten Kapitel – Kern der Arbeit – wird betrachtet, welche Aspekte der intergenerativen Gerechtigkeit in einer Generationenbilanz berücksichtigt werden. Gesichtspunkte der Generationengerechtigkeit werden hierzu nach ihrer Wirkung auf den Bürger geordnet. Als Beispiel aus dem Bereich der Sozialversicherung wird auf die umlagefinanzierte Rente eingegangen, deren fiskalpolitische Auswirkungen für den Bürger unmittelbar spürbar und die auch durch das Generational Accounting erfasst werden. Die Staatsverschuldung, deren Wirkungen für den Bürger indirekt bemerkbar sind, findet im Generationenkonto einer Kohorte Einzug über die intertemporale Budgetrestriktion des Staates. Der Verbrauch natürlicher Ressourcen wird ebenso wenig vom Generational Accounting einbezogen wie ökologische Schäden. Aber auch solche Faktoren belasten die Zukunftschancen nachfolgender Generationen. Darüber hinaus sollen innerhalb dieser ausgewählten Dimensionen der Generationengerechtigkeit weitere Ursachen der Nachhaltigkeitslücke identifiziert werden.

Im fünften Kapitel folgt eine Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse. Im Anschluss daran wird ein Ansatz zur Herstellung gerechter Verhältnisse zwischen den Generationen – und damit zum Abbau der Nachhaltigkeitslücke – vorgestellt.

Inhaltsverzeichnis:

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen III
Abkürzungsverzeichnis IV
Symbolverzeichnis V
1. Problemdarstellung, Zielsetzung, Vorgehensweise 1
1.1 Problemdarstellung 1
1.2 Zielsetzung 2
1.3 Vorgehensweise 2
2. Intergenerative Gerechtigkeit 5
2.1 Bedeutungszuwachs intergenerativer Gerechtigkeit 5
2.2 Begriffsbestimmung „intergenerative Gerechtigkeit“ 7
2.2.1 Dogmengeschichte 8
2.2.2 Grenzen in der praktischen Umsetzung 11
2.3 Dimensionen intergenerativer Gerechtigkeit 13
3. Der Generational Accounting-Ansatz 15
3.1 Definition und Aussagekraft des Generational Accounting 15
3.2 Aufstellen von Generationenkonten 16
3.3 Vorteile und Grenzen des Generational Accounting 18
3.4 Die deutsche Generationenbilanz 20
3.5 Ursachen der Nachhaltigkeitslücke 24
3.5.1 Demographische Entwicklung 24
3.5.2 Umfang und Struktur des Sozialsystems 27
3.5.3 Lasten der Wiedervereinigung 28
4. Erfassung ausgewählter Dimensionen der Generationengerechtigkeit durch das Generational Accounting 32
4.1 Gesetzliche Rentenversicherung 33
4.1.1 Stellung der Gesetzlichen Rentenversicherung innerhalb des deutschen Systems der Alterssicherung 33
4.1.2 Intertemporale Budgetrestriktion der Gesetzlichen Rentenversicherung 36
4.1.2.1 Leistungen der Gesetzlichen Rentenversicherung 36
4.1.2.2 Finanzierungssystem der Gesetzlichen Rentenversicherung 38
4.1.2.3 Versicherter Personenkreis in der Gesetzlichen Rentenversicherung 41
4.2 Staatsverschuldung 45
4.2.1 Auswirkungen staatlicher Verschuldung auf die intertemporale Budgetrestriktion des öffentlichen Sektors 45
4.2.2 Ziele staatlicher Verschuldung 46
4.2.3 Rechtliche Schranken der Staatsverschuldung 49
4.2.4 Entwicklung der öffentlichen Verschuldung in Deutschland 51
4.2.5 Auswirkungen der öffentlichen Verschuldung 54
4.3 Ökologische Dimension der Generationengerechtigkeit 55
4.3.1 Erfassung ökologischer Aspekte durch das Generational Accounting 55
4.3.2 Das Verhältnis von Ökonomie zu Ökologie 56
4.3.3 Ökologische Trends im Spannungsverhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie 58
5. Ansatz zur Herstellung intergenerativer Gerechtigkeit 63
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse 63
5.2 Umgestaltung des Faktors Arbeit 65
5.3 Umsetzungsschwierigkeiten und Ausblick 68
Literaturverzeichnis 70

Automatisiert erstellter Textauszug:

allen voran die Regelaltersrente – die größte Rolle.219 Daneben werden durch die GRV sog. versicherungsfremde Leistungen finanziert, deren Umfang sich nicht exakt bestimmen lässt, da umstritten ist, was als „versicherungsfremd“ anzusehen ist und was nicht.220 Meist handelt es sich um beitragsfreie Zeiten,221 für die vom Versicherten Ansprüche erworben werden, ohne dafür Beiträge gezahlt zu haben. Dazu gehören beispielsweise Kindererziehung, Krankheit oder Besuch einer Hochschule.222 Mit der deutschen Wiedervereinigung kamen erhebliche Belastungen auf die GRV zu. Das westdeutsche System der Alterssicherung wurde in vollem Umfang auf die neuen Länder übertragen.223 Zudem wurden Teile der Vereinigung über die Sozialversicherungssysteme – und damit auch über die Rentenversicherung – finanziert.224 Mit einer solchen Erweiterung der Leistungen der Rentenversicherung ergeben sich Belastungen, von denen die „Einführungsgeneration“ profitiert, die aber von zukünftigen Generationen getragen werden müssen. Gleiches galt bei der Umstrukturierung des Rentensystems 1957 von der Kapitaldeckung in ein reines Umlageverfahren.225 Durch die Leistungen aus dem neu geschaffenen Umlagesystem entstanden „Einführungsgewinne“, von denen ausschließlich die „Erstgeneration“226 profitierte. Die nachfolgenden Generationen haben diese Gewinne zu finanzieren.227 [...]

4.1.2 Intertemporale Budgetrestriktion der Gesetzlichen Rentenversicherung Wie bereits Tabelle 1 verdeutlichte, werden die Transfers zwischen GRV und Bürgern in der Generationenbilanz erfasst. Zur Beurteilung von Art, Richtung und Umfang dieser Transfers soll hier die intertemporale Budgetrestriktion des öffentlichen Sektors herangezogen werden. Dieser Ausgangspunkt des Generational Accounting-Ansatzes lässt sich auch auf die Finanzierung der Rentenversicherung übertragen. Die intertemporale Budgetrestriktion des öffentlichen Sektors verlangt, dass der Gegenwartswert aller heutigen und zukünftigen Ausgaben durch den Gegenwartswert aller heutigen und zukünftigen Einnahmen sowie der Höhe des Netto-Vermögens des Staates gedeckt ist.213 Übertragen auf die Finanzierung der Gesetzlichen Rentenversicherung bedeutet dies: Der Gegenwartswert aller heutigen und zukünftigen Rentenzahlungen214 muss durch den Gegenwartswert aller heutigen und zukünftigen Einnahmen der GRV215 sowie deren NettoVermögen gedeckt werden. Das Netto-Vermögen der GRV soll hier mit der Schwankungsreserve216 gleichgesetzt werden.217 Unter Anwendung der intertemporalen Budgetrestriktion der GRV lässt sich feststellen, ob einzelne Generation im Vergleich zu anderen benachteiligt werden. Um dies empirisch zu überprüfen, sind Leistungs- und Finanzierungsstruktur zu analysieren. 218 4.1.2.1 Leistungen der Gesetzlichen Rentenversicherung Unter den Leistungen der Gesetzlichen Rentenversicherung spielen die Rentenzahlungen – [...]

Ein zentrales Ziel staatlicher Sozialpolitik ist die Vermeidung von Armut. Durch ein leistungsfähiges Alterssicherungssystem soll Armut im Alter vorgebeugt werden.206 Dieses Ziel gilt in Deutschland als weitestgehend verwirklicht.207 Bereits 1891 wurde unter BISMARCK das „Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Alterssicherung“ eingeführt.208 Ursprünglich vor allem als Schutz vor den ökonomischen Folgen von Invalidität gedacht,209 unterlag die Rentenversicherung bis zum 21. Jahrhundert zum Teil weitreichenden Veränderungen.210 Durch die Rentenreform 2001/2002 ist ein „Paradigmenwechsel“ in der GRV zu konstatieren, denn die gesetzlichen Renten sollen durch private Vorsorge teilweise ersetzt werden.211 Die Rentenversicherung hat mittlerweile seit über hundert Jahren Bestand hat, was als Beweis für ihre Anpassungsfähigkeit und Flexibilität gesehen werden kann.212 Aber auch mit der Rentenreform werden heutige und zukünftige Generationen benachteiligt, wie die folgende nähere Betrachtung der Struktur der GRV zeigt. [...]

Arbeit zitieren:
Haupt, Thomas Juli 2003: Generationengerechtigkeit in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Generationenvertrag, Generation, Nachhaltigkeitslücke, Sozialversicherung, Staatsverschuldung

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren