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Genderlect - ein Geltendmachen des Andersseins?

Sprache und Geschlecht im Kontext des Sozialisationsprozesses und gesellschaftlich kultureller Bedingtheit und der ihnen innewohnenden geschlechtsspezifischen Machtverhältnisse

Genderlect - ein Geltendmachen des Andersseins?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ute Stiekling
  • Abgabedatum: November 2000
  • Umfang: 92 Seiten
  • Dateigröße: 411,8 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-3023-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-3023-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-3023-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stiekling, Ute November 2000: Genderlect - ein Geltendmachen des Andersseins?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sozialisation, Kultur, Geschlecht, Gesellschaft, Sprache

Diplomarbeit von Ute Stiekling

Einleitung:

Das Interesse an einer Auseinandersetzung mit dem Thema Sprache und Geschlecht ist aus meiner alltäglichen Erlebniswelt entstanden. Es versetzt mich immer wieder in Erstaunen und Ärger, wenn ich in Gesprächssituationen verbales Dominanzverhalten von Männern gegenüber Frauen erlebe. In Gesprächen mit anderen Frauen stellte sich heraus, daß einerseits alle mit entsprechenden Erfahrungen aufwarten konnten und andererseits die Frauen dieses „andere“, als typisch männlich bezeichnete, Verhalten negativ beurteilten. So kam ich dazu untersuchen zu wollen, ob ein (Kausal)Zusammenhang zwischen männlichem Geschlecht und verbalem Dominanzgebaren besteht. Für die Bearbeitung präzisierte ich die Problemstellung wie folgt:

Ist die Geschlechtszugehörigkeit die Basis für eine sprachliche Differenzierung?

Wird durch Geschlechtszugehörigkeit ein geschlechtsspezifischer Sprachgebrauch bzw. ein geschlechtsspezifisches Sprachverhalten produziert?

Gang der Untersuchung:

Methodisch gehe ich so vor, dass ich Theorien, die im weitesten Sinn das Phänomen männlicher Gesprächsdominanz behandeln, daraufhin überprüfe, ob aus ihnen eine Bestätigung für den Zusammenhang (die Kausalität) ableitbar ist. Die „Überprüfung“ der Theorien erfolgt -ausgehend von der Fragestellung - unter den Begriffen „Persönlichkeitsunterschiede“, „Machtunterschiede“, „kulturelle Differenzen“.

Der Aufbau meiner Arbeit ist so konzipiert, dass ich von der Mikroebene, d.h. den innerfamiliären Zusammenhängen des Themenbereiches Geschlecht – Sprache – Dominanz weitergehe zu den übergeordneten Zusammenhängen, dem Makrobereich. Innerhalb der Kapitel gehe ich von den Theorien zum Konkreten. Den Begriff „Sprache“ beziehe ich nur auf gesprochene Sprache; ein Mithineinnehmen des Bereiches der nonverbalen Kommunikation würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Kapitel 2 meiner Arbeit ist eine Einführung in den Themenbereich Sprache und Geschlecht. In Kapitel 3 lege ich die Zusammenhänge zwischen Sozialisation und Sprache dar, d.h. ich betrachte die Erklärungen, die auf Persönlichkeitsunterschiede aufgrund einer geschlechtsspezifischen Sozialisation abheben. In Kapitel 4 gehe ich der Erklärung nach, die auf gesellschaftliche Machtunterschiede abhebt, und Kapitel 5 behandelt mein Thema unter dem kulturellen Aspekt.

Zum besseren Verständnis von verbalem Dominanzverhalten hier einige Beispiele aus meiner Erfahrungsbasis, die auch zeigen, dass das Phänomen nicht schichtspezifisch ist:

1) Bei einem Wochenendseminar in der Uni wurde in der Pause von der Professorin, die das Seminar leitete, Kuchen gereicht.. Wenig später besuchte ich einen Wochenendblock geleitet von einem Professor. In der Pause erzählte eine Kommilitonin, die auch bei dem vorgenannten Seminar war, von der Kuchengabe. Der Kommentar des Professors war: „Das habe ich nicht nötig, mein Seminar wird auch ohne Kuchen gut besucht.“ 2) Wenn ich einem früheren Freund erzählte, was ich Interessantes in der Zeitung gelesen oder im Fernsehen gesehen hatte, leitete er sehr häufig seine Erwiderung mit den Worten: „Ach, Ute...“ oder „Ach, Schatz...“ein.

3) Bevor ich anfing zu studieren, war ich Geschäftsführerin Non Food in einem großen Unternehmen. In gleicher Position gab es nur Kollegen. Bei den regelmäßig stattfindenden Besprechungen hatte ich oft Mühe, meinen Redebeitrag ohne Unterbrechung seitens der Kollegen zu Ende zu führen.

4) Anlässlich einer Ortsvereinssitzung referierte eine Parteigenossin über das Thema „Jugendkriminalität“. Nach Beendigung des Vortrages meldete sich ein Mann zu Wort und bemängelte, dass sie die Studie von Prof. Dr. X nicht erwähnt hätte. Diese angesprochene Studie stand einen Tag zuvor im „Spiegel“ und enthielt lediglich die bereits im Vortrag erwähnten Fakten.

5) Während eines Treffens mit Freunden erzählte eine der anwesenden Frauen sichtlich bewegt von ihren massiven Problemen, die sie z. Zt. mit ihrem 14 jährigen Sohn hat. Die anwesenden Männer reagierten auf erstaunliche Art und Weise: einer der Herren tat das Ganze unter dem Motto:“ Wird schon wieder“ ab, ein anderer nahm es nicht ernst und meinte: “Was Du immer hast, übertreibst Du nicht?“ und die beiden anderen hielten einen Vortrag (Monolog) über das Erziehungswesen und die Psychologie der Elternschaft.

6) Während eines Besuches bei meiner Freundin und ihrem Mann fiel mir auf, dass sie ihm etwas erzählte und er in keiner Weise reagierte. Es war eindeutig, dass sie ihn meinte, und er musste es auch akustisch verstanden haben, aber von ihm kam nicht einmal eine Minimalreaktion.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Eine Einführung in die Beziehung von Sprache und Geschlecht 4
2.1 Vom Wesen der Sprache und ihrem Einfluß auf unser Denken 4
2.2 Sex und Gender 10
2.3 Die Feministische Sprachwissenschaft 16
3. DieZusammenhängezwischengeschlechtsspezifischer Sozialisation und der Herausbildung geschlechtsspezifischer Kommunikationsmuster 24
3.1 Spracherwerb 25
3.1.1 Chomsky und Halliday 26
3.1.2 Der Einfluß der Geschlechtszugehörigkeit auf den Spracherwerb 31
3.2 Geschlechtsrollenstereotypen 33
3.3 Geschlechtsdifferenzierungsmodell von N.Chodorow 36
3.4 Geschlechtsrollendifferenzierung bei Parsons und Bales 40
3.5 Sprachliche Sozialisation in den verschiedenen Lebensaltern 44
4. Kommunikationsnormen als Instrumente zur Herrschaftssicherung 49
4.1 Theoretische Überlegungen zum Machtbegriff 49
4.2 Foucaults Diskurstheorie 51
4.3 Der (soziale) Wert der Sprache 59
4.4 Die Nicht-Existenz und Unterordnung der Frau in der Sprache 69
4.5 Öffentliches Sprechen / Privates Sprechenoder Rationalität versus Emotionalität 72
4.6 Schweigen 77
5. Interkulturelle Kommunikation zwischen den Geschlechtern 81
5.1 Zum Begriff „Kultur“ 81
5.2 Subkultur Frau/ Subkultur Mann 86
6. Resümee 91
Literaturverzeichnis 97
Anhang
Eidesstattliche Versicherung

Automatisiert erstellter Textauszug:

Ende der siebziger Jahre entstand im Zuge der Neuen Frauenbewegung in Deutschland die feministische Linguistik als neues Fach und Forschungsgebiet innerhalb der Sprachwissenschaft. Die feministische Linguistik in Deutschland ist mit dem Namen Senta Trömel – Plötz verbunden; sie war die Erste, die 1978 zum Thema Sprache und Geschlecht den Artikel "Linguistik und Frauensprache" in der Fachzeitschrift 'Linguistische Berichte' veröffentlichte. In ihrer Antrittsvorlesung an der Universität Konstanz verpflichtete sie sich dem Konzept "Frauensprache". Damit meint sie die wissenschaftliche Analyse der Situation der Frau und deren Niederschlag in Sprache und Sprachverhalten. Forschungen sollen erarbeiten, "ob und wie Frauen und Männer unterschiedlich sprechen[...]" (Trömel – Plötz,1979, S. 14). Auch in den folgenden Jahren hat Senta Trömel – Plötz immer wieder Beiträge zumThema Sprache und Geschlecht veröffentlicht und ist zur 'Expertin' auf dem Gebiet geworden, auf die sich viele andere AutorInnen, die zu dem Thema schreiben, beziehen. [...]

1. Körperliches Geschlecht, welches aufgrund sozial vereinbarter biologischer Kriterien (Chromosomen und/oder Genitalien) vor oder nach der Geburt festgelegt wird (sex : birth classification). 2. Die soziale Zuordnung zu einem Geschlecht unterstellt das entsprechende körperliche Geschlecht, ist aber prinzipiell davon unabhängig. Die soziale Zuordnung zu einem Geschlecht orientiert sich an der sozial akzeptablen Darstellung der Geschlechtszugehörigkeit (sex category : social membership). 3. Soziales Geschlecht ist ein Handeln, das sich aus der sozialen Zugehörigkeit zu einem Geschlecht (sex category) ergibt und den Anspruch auf diese Zugehörigkeit bekräftigt (gender : processual validation of that membership). In diesem Sinne ist gender keine Rolle, keine Variable und keine im Individuum zu verortende Eigenschaft, sondern das Produkt sozialen Handelns in Interaktionen. [...]

Candace West und Don H. Zimmerman erarbeiteten eine Neufassung der gängigen sex/gender Unterscheidung. Die viel zitierte Arbeit, die den Ausdruck 'doing gender' populär werden ließ und aus den Aporien der "naiven" sex/gender Trennung herausführt, wurde 1987 unter dem gleichnamigen Artikel: "Doing Gender" veröffentlicht und schließt an die Arbeiten von Goffman (1977) an. Goffman geht in seinem Konzept des "doing gender" davon aus, daß das soziale Geschlecht ("gender") nicht etwa wie das biologische Geschlecht ("sex") von Geburt an gegeben ist, sondern mit der Sozialisation eines Kindes als Mädchen bzw. als Jungen in dessen alltäglichen Interaktionen als Teil seiner Identität erworben wird. Zur Herstellung einer stabilen Geschlechtsidentität muß das soziale Geschlecht und damit auch die Geschlechtsidentität immer wieder in verschiedenen Situationen von den InteraktionsteilnehmerInnen bestätigt werden. West/Zimmerman unterscheiden zunächst zwischen drei Faktoren, die unabhängig voneinander wirkungsmächtig für die soziale Konstruktion von Geschlecht sind: [...]

Arbeit zitieren:
Stiekling, Ute November 2000: Genderlect - ein Geltendmachen des Andersseins?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sozialisation, Kultur, Geschlecht, Gesellschaft, Sprache

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