Gender-Perspektiven im Rahmen des Wiederaufbaus in Afghanistan
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Ingrid Leonhartsberger
- Abgabedatum: Januar 2003
- Umfang: 120 Seiten
- Dateigröße: 1,0 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Wirtschaftsuniversität Wien Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6544-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6544-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6544-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Leonhartsberger, Ingrid Januar 2003: Gender-Perspektiven im Rahmen des Wiederaufbaus in Afghanistan, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Empowerment, Wiederaufbau, Taliban, Gender, Entwicklungshilfe
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Magisterarbeit von Ingrid Leonhartsberger
Einleitung:
Die Terroranschläge des 11. September 2001 haben die Welt erschüttert, und mit dem militärischen Vorgehen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten wurde Afghanistan für kurze Zeit ins Zentrum der Weltöffentlichkeit gerückt. Dabei wurde die Aufmerksamkeit auch auf ein Thema gelenkt, das bisher hauptsächlich internationale Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen interessierte: Die Rolle der Frauen in Afghanistan und deren Ausschluss aus dem öffentlichen Leben. Die amerikanische Regierung kümmerte sich jedoch kaum um die Situation der Frauen in Afghanistan, sie war vielmehr an der Terroristenjagd interessiert. Die Angebote der US-Diplomaten an die Taliban gingen alle in folgende Richtung: „Gebt uns bin Laden, verbrennt eure Mohnfelder, und wir drücken ein Auge zu, was eure Frauen betrifft!“ (Schlaffer, Benard 2002, 10) Diese Haltung hat die Situation der Frauen in Afghanistan weiter verschärft. Der einzige „Erfolg“ den die militärische Intervention für die Situation der Frauen brachte, ist die Entmachtung der Taliban, wobei jedoch das Land in Schutt und Asche gelegt wurde.
Nach dem Sturz der Taliban gilt es nun das Land mit Hilfe internationaler Organisationen wieder aufzubauen und die Gesellschaft neu zu strukturieren. Ob bzw. wie die Frauen Afghanistans an diesem Prozess teilhaben, werde ich in dieser Arbeit untersuchen.
Gang der Untersuchung:
Das Kapitel 2 meiner Arbeit beinhaltet die Gründe für die Unterentwicklung Afghanistans. Die Gründe für die Unterentwicklung finden sich in den verschiedensten Bereichen, aber einer der Hauptgründe für den Entwicklungsrückstand ist auf politischer Ebene zu suchen. Der sowjetische Einmarsch, der Bürgerkrieg nach dem Abzug der sowjetischen Truppen und die Machtübernahme der Taliban haben die Entwicklung des Landes nachhaltig geschwächt. Ein Grund, der nicht so offensichtlich ist, bildet den Hauptteil des Kapitels 2. Damit meine ich die Isolierung der weiblichen Bevölkerung vom wirtschaftlichen, politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Leben und deren negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Landes.
Von den Gründen der Unterentwicklung ausgehend beschreibe ich in Kapitel 3 die aktuelle Situation in Afghanistan. Ich versuche das Ausmaß der Zerstörung Afghanistans anzudeuten und auf diese Weise die Ausgangslage für den Wiederaufbau darzustellen.
In Kapitel 4 geht es um die Notwendigkeit Gender-Perspektiven in den Wiederaufbauprozess einfließen zu lassen. Dass Frauen im Wiederaufbauprozess eine große Rolle spielen müssen, ist meiner Ansicht nach unbestreitbar. Nicht so eindeutig ist zu beurteilen, wo Frauen und ihre Rechte in den Friedens- und Wiederaufbauprozess hineinpassen. Die Antwort ist aber einfach: Überall! Frauen und deren Rechte passen in alle Bereiche des Wiederaufbauprozesses in Afghanistan, weil Frauen in allen Bereichen eine signifikante Rolle spielen sollten. Oft werden Frauen als hilflos, unsichtbar und minderwertig abgetan. Afghanistans Frauen sind jedoch weder hilflos noch minderwertig, sie waren in den letzten Jahren bloß unsichtbar. Der ökonomische, soziale, politische und rechtliche Wiederaufbau, all das sind Bereiche, die nicht nur Männer betreffen, sondern, wie ich in Kapitel 4 zeigen werde, vor allem die Frauen.
Um nun die Teilnahme der Frauen am Wiederaufbauprozess zu gewährleisten, bedarf es eines neuen Entwicklungsansatzes. In Kapitel 5 stelle ich den Empowerment-Ansatz vor, dessen Ziel es ist, die Autonomie der Frauen zu fördern und ihren Status in der Gesellschaft zu verbessern. Im Zentrum der Betrachtungen stehen das persönliche, das ökonomische, das soziale, das politische, das rechtliche und das kulturelle Umfeld der weiblichen Bevölkerung Afghanistans und Möglichkeiten in diesen Bereichen Macht zu gewinnen.
Eine Gruppe von Frauen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet hat die Notwendigkeit des Empowerments der Frauen schon in den 70iger Jahren erkannt, nur nannten sie ihre Aktivitäten nicht Empowerment. Ich spreche von einer afghanischen NGO namens RAWA (Revolutionäre Vereinigung der Frauen Afghanistans). RAWAs umfassendes Ziel ist es afghanische Frauen für soziale, ökonomische, politische, rechtliche und kulturelle Aktivitäten zu mobilisieren und zu erreichen, dass Frauen im Afghanistan von morgen eine tragende Rolle spielen. Diese NGO hat mit ihren zahlreichen Aktivitäten nicht nur dazu beigetragen die Taliban zu bekämpfen, sondern sie hat in den langen Kriegsjahren umfassende Entwicklungsarbeit geleistet. Wie RAWA dabei vorgegangen ist, und welche Pläne diese NGO für die Zukunft hat, wird in Kapitel 6 erläutert.
In Kapitel 7 formuliere ich, aufbauend auf den vorangegangenen Kapiteln, zusammenfassende Anregungen für internationale Organisationen, die die Teilnahme der Frauen am Wiederaufbau gewährleisten sollen. Dabei gehe ich von den Prioritäten der Bevölkerung aufgeschlüsselt nach Geschlechtern aus, da es im Rahmen des Wiederaufbaus von besonderer Bedeutung ist, dass internationale Organisationen auf die Prioritäten der Bevölkerung, vor allem der weiblichen Bevölkerung, Rücksicht nehmen, und somit Entwicklungshilfe im Interesse der Frauen betrieben wird.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | 3 |
| 2. | DIE URSACHEN DER UNTERENTWICKLUNG AFGHANISTANS | 6 |
| 2.1 | Allgemeine Ursachen der Unterentwicklung | 6 |
| 2.1.2 | Gesundheit | 6 |
| 2.1.3 | Bildung | 7 |
| 2.1.4 | Wirtschaftsstruktur | 8 |
| 2.1.5 | Geographische Gründe | 11 |
| 2.1.6 | Religion | 12 |
| 2.1.7 | Lebensweise | 13 |
| 2.1.8 | Ethnische Gruppen | 14 |
| 2.1.8.1 | Die verschiedenen ethnischen Gruppen | 14 |
| 2.1.8.2 | Die Beziehungen der ethnischen Gruppen untereinander | 16 |
| 2.1.9 | Politische Gründe | 16 |
| 2.2 | Die Bedeutung der Frauendiskriminierung für Entwicklungsrückstand | 22 |
| 2.2.1 | Fehlende Rechte, fehlender Zugang zu Ressourcen, fehlende Mitwirkungsrechte | 23 |
| 2.2.1.1 | Fehlende Rechte | 23 |
| 2.2.1.2 | Zugang zu Ressourcen | 27 |
| 2.2.2 | Ungleichheit behindert die Entwicklung und den Wiederaufbau Afghanistans | 28 |
| 2.2.2.1 | Lebensstandard | 28 |
| 2.2.2.2 | Wirtschaftswachstum | 29 |
| 2.2.2.3 | Regierungsarbeit | 31 |
| 2.2.3 | Warum lassen sich Ungleichheiten so schwer beseitigen? | 32 |
| 2.2.3.1 | Welche Faktoren stehen der Gleichberechtigung im Wege? | 32 |
| 3. | DIE AKTUELLE SITUATION IN AFGHANISTAN | 35 |
| 4. | GENDER-PERSPEKTIVEN BEIM WIEDERAUFBAU | 38 |
| 4.1 | Ökonomischer Wiederaufbau | 39 |
| 4.1.1 | Maßnahmen im Rahmen des ökonomischen Wiederaufbaus | 39 |
| 4.1.2 | Wirtschaftliche Reintegration | 40 |
| 4.2 | Sozialer Wiederaufbau | 40 |
| 4.2.1 | Der Wiederaufbau des sozialen Sektors | 41 |
| 4.2.1.1 | Soziale Heilung und Reintegration | 42 |
| 4.3 | Rechtlicher und politischer Wiederaufbau | 44 |
| 4.3.1 | Gesetzgebung unter Berücksichtigung der Gender- Perspektive | 45 |
| 4.3.2 | Gender-Perspektive in der Rechtssprechung | 46 |
| 4.3.3 | Gerechtigkeit für Kriegsverbrechen | 46 |
| 4.3.4 | Entstehung lokaler NGOs und NPOs | 47 |
| 4.3.5 | Reform des Wahlsystems | 48 |
| 4.3.6 | Entstehung von politischen Parteien | 49 |
| 4.3.7 | Reorganistation des Militärs und polizeilicher Institutionen | 49 |
| 5. | EMPOWERMENT - HANDLUNGSBEREICHE VON FRAUEN IN DER PHASE DES WIEDERAUFBAUS | 51 |
| 5.1 | Women in Development versus Gender and Development versus Empowerment | 52 |
| 5.1.1 | Der WID-Ansatz (Women in Development) | 52 |
| 5.1.2 | Der GAD-Ansatz (Gender and Development) | 53 |
| 5.1.3 | Empowerment-Ansatz | 54 |
| 5.2 | Die zentralen Empowermentbereiche | 56 |
| 5.2.1 | Persönliches Empowerment | 57 |
| 5.2.1.1 | Handlungsbereiche im persönlichen Umfeld | 58 |
| 5.2.2 | Ökonomisches Empowerment | 63 |
| 5.2.2.1 | Die Rolle der Frau in der gegenwärtigen Wirtschaftsstruktur | 64 |
| 5.2.2.2 | Mögliche Handlungsbereiche im ökonomischen Umfeld | 68 |
| 5.2.3 | Soziales Empowerment | 73 |
| 5.2.3.1 | Handlungsbereiche im sozialen Umfeld | 74 |
| 5.2.4 | Rechtlich/Politisches Empowerment | 76 |
| 5.2.4.1 | Mögliche Handlungsbereiche im rechtlichen/politischen Umfeld | 77 |
| 5.2.5 | Kulturelles Umfeld | 80 |
| 5.2.5.1 | Mögliche Handlungsbereiche im kulturellen Umfeld | 80 |
| 6. | RAWA - EINE NGOS ALS ENTWICKLUNGS-HOFFNUNG | 85 |
| 6.1 | RAWA - Was ist das? | 87 |
| 6.2 | Entstehung von RAWA | 88 |
| 6.3 | Die Hauptziele | 92 |
| 6.4 | Die Aktivitäten in Pakistan und Afghanistan | 93 |
| 6.4.1 | Aktivitäten in Pakistan | 93 |
| 6.4.2 | Aktivitäten in Afghanistan | 96 |
| 6.5 | Große Zukunftspläne | 98 |
| 7. | SCHLUSSFOLGERUNGEN UND ANREGUNGEN FÜR INTERNATIONALE ORGANISATIONEN | 101 |
| 7.1 | Beispiele von Kritik | 101 |
| 7.2 | Anregungen für die Entwicklungshilfe internationaler Organisationen | 103 |
| 7.2.1 | Fazit | 107 |
| 7.3 | Schlußbemerkungen | 108 |
| 8. | ANHANG | 110 |
| 8.1 | Chronologie der Ereignisse | 110 |
| 8.2 | Literaturverzeichnis | 115 |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832465445
Arbeit zitieren:
Leonhartsberger, Ingrid Januar 2003: Gender-Perspektiven im Rahmen des Wiederaufbaus in Afghanistan, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Empowerment, Wiederaufbau, Taliban, Gender, Entwicklungshilfe



