Zur Geldmengensteuerung der Deutschen Bundesbank
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Martin Eberstein
- Abgabedatum: August 1998
- Umfang: 54 Seiten
- Dateigröße: 420,9 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-1240-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-1240-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-1240-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Eberstein, Martin August 1998: Zur Geldmengensteuerung der Deutschen Bundesbank, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Deutsche Bundesbank, Geldpolitik, Geldtheorie, Geldmengensteuerung, Volkswirtschaftstheorie
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Diplomarbeit von Martin Eberstein
Einleitung:
Mit dem Einsatz ihres zins- und liquiditätspolitischen Instrumentariums trägt die Deutsche Bundesbank (als Trägerin der Geldpolitik in Deutschland) zum Erreichen allgemeiner wirtschaftspolitischer Zielsetzungen bei . Die Eignung der dabei von ihr verfolgten Geldmengenstrategie wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Die Autoren der veröffentlichten Beiträge beschäftigen sich dabei mit vielen verschiedenen Aspekten, Vorteilen und Nachteilen der Vorgehensweise der deutschen Zentralbank.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Grundzüge der Geldmengensteuerung und Geldmengenstrategie der Deutschen Bundesbank darzulegen und den Stand der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion darüber wiederzugeben.
Gang der Untersuchung:
Ausgangspunkt der Betrachtung sind dabei die obersten Zielsetzungen der Deutschen Bundesbank, die in Kapitel zwei erläutert werden. Im Kapitel drei werden die wesentlichen theoretischen und empirischen Grundlagen problemorientiert dargestellt, die für eine geldpolitische Entscheidungsfindung sowie eine fundierte Diskussion relevant sind.
Den Hauptteil der Arbeit bilden die Kapitel vier und fünf, wobei in Kapitel vier die konkrete Ausgestaltung der Geldpolitik der Deutschen Bundesbank beschrieben wird. Kapitel fünf beschäftigt sich mit den Erfahrungen, die in nunmehr über zwanzig Jahren der Durchführung einer Geldmengensteuerung gemacht wurden.
Den Abschluß der Arbeit bildet mit Kapitel sechs ein Ausblick auf die mögliche Ausprägung der Geldpolitik der gemeinsamen Europäischen Zentralbank. Dieser Ausblick soll vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit der Geldmengenstrategie der Deutschen Bundesbank vorgenommen werden.
Kapitelübergreifend sollen im Rahmen dieser Arbeit auch immer wieder folgende Fragestellungen in den Mittelpunkt rücken: Welche Instrumente kommen im Rahmen der Geldpolitik zum Einsatz? Welche Ziele werden von den geldpolitischen Entscheidungsträgern mit dem Einsatz des Instrumentariums verfolgt? Wie läuft die Übertragung eines geldpolitischen Impulses auf die gesamtwirtschaftlichen Zielvariablen im einzelnen ab? Warum wird vor dem Hintergrund dieser Problemstellungen von der Deutschen Bundesbank eine Geldmengensteuerung durchgeführt?
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Verzeichnis der benutzten Abkürzungen und Symbole | II | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Ziele und Aufgaben der Deutschen Bundesbank | 2 |
| 3. | Einführung in die geldtheoretische Problemstellung | 4 |
| 3.1. | Der monetäre Transmissionsmechanismus | 4 |
| 3.2. | Die Zwischenziel- und Indikatorproblematik | 5 |
| 3.3. | Theoretische und empirische Grundlagen geldpolitischer Entscheidungen | 6 |
| 4. | Die Vorgehensweise der Deutschen Bundesbank | 11 |
| 4.1. | Überblick | 11 |
| 4.2. | Praktiken bei der Zielerrechnung und Zielbekanntgabe | 13 |
| 4.3. | Der Einsatz des geldpolitischen Instrumentariums | 26 |
| 5. | Erfahrungen mit dem Steuerungskonzept der Deutschen Bundesbank | 32 |
| 5.1. | Erreichung der Ziele - ausgewählte Problemfälle | 32 |
| 5.2. | Kritische Würdigung | 36 |
| 6. | Ausblick | 39 |
| 7. | Schlußbetrachtung | 42 |
| Literaturverzeichnis | 45 |
soll. Dabei betrug die Bandbreite in den Jahren von 1979 bis 1983, 1987, 1988, 1996 und 1997 jeweils 3 v.H. Dies entspricht einer maximal tolerierten Abweichung vom Mittelwert von ± 1,5 v.H. In den Jahren von 1984 bis 1986 und von 1990 bis 1995 wurde die Bandbreite auf 2 v.H. verringert. Eine solche Vorgehensweise läßt sich am einfachsten damit erklären, daß es auch bei noch so vorsichtiger Dosierung des geldpolitischen Instrumenteneinsatzes sehr schwierig ist, ein Punktziel exakt zu treffen. Das liegt daran, daß sowohl die Entwicklung der Zentralbankgeldmenge als auch der Geldmenge M3 sehr stark von den Dispositionen der Geschäftsbanken und der Nichtbanken abhängt. Deren Verhalten exakt abzuschätzen ist aber ausgesprochen schwierig62. Außerdem erfolgt bereits die Prognose der gesamtwirtschaftlichen Eckdaten, die der Zielformulierung zugrunde liegen, unter gravierender Unsicherheit. Somit verringert ein Zielkorridor die Gefahr, das angekündigte Geldmengenziel zu verfehlen - ein Aspekt, der im Zusammenhang mit der Frage der Glaubwürdigkeit einer Notenbank steht. Die Ankündigung von monetären Zwischenzielen dient eben auch der Verstetigung der Erwartungen der Wirtschaftssubjekte. So wird z.B. angestrebt, bei den Gewerkschaften die Inflationserwartungen zu dämpfen. Im Rahmen der Tarifverhandlungen fallen deren Lohnforderungen dann geringer aus, da kein Zuschlag wegen Preissteigerungen zu berücksichtigen ist. Durch die so erzielten moderateren Lohnsteigerungen wird auch ein Beitrag zur Inflationsvermeidung geleistet. Auf diesen Effekt kann eine Notenbank natürlich nur hoffen, wenn ihr die verkündeten monetären Ziele und die damit verbundene Absicht zur Stabilisierung des Preisniveaus auch geglaubt werden. Zum einen verbessert ein Korridor also die Glaubwürdigkeit der Zentralbank, da Zielverfehlungen seltener auftreten. Zum anderen verringert sich aber der Informationswert der Ankündigung. Je breiter der Korridor ist, desto größer ist auch die Gefahr von Fehlinterpretationen. Für die Wirtschaftssubjekte (in erster Linie Unternehmer, Gewerkschaften und Staat) stellt sich die Frage, ob und wie sie eine Bandbreite in ihre Dispositionen einkalkulieren können. Es muß also bezweifelt werden, daß bei Vorliegen eines (insbesondere relativ breiten) Zielkorridors die Inflationserwartungen wirksam gedämpft werden63. [...]
An einem Zahlenbeispiel soll nun die Umrechnung eines Zielwertes im Jahresdurchschnitt in eine Jahresverlaufsrate erläutert werden: Die Geldmenge M3 habe sich im Durchschnitt des Jahres 1982 auf 100 GE belaufen. Aus den gesamtwirtschaftlichen Eckdaten ergibt sich ein potentialgerechtes Wachstum im Jahresdurchschnitt von 5 v.H. Das bedeutet, daß sich M3 im Durchschnitt des Jahres 1983 auf 105 GE belaufen soll. Im Zeitpunkt der Zielverkündung (31.12.1982) liege außerdem ein Überhang von 1 v.H. vor, d.h. M3 beträgt an diesem Stichtag 101 GE. Im Jahresverlauf 1983 muß die Geldmenge nun (unter Annahme eines linearen Wachstums) von 101 GE um 8 GE auf 109 GE steigen, denn nur dann ergibt sich ein Durchschnittsbestand von 105 GE. Diese Steigerung entspricht einer Verlaufsrate von 7,921 v.H. im Jahr 1983. Für die Umrechnung kann auch folgende Faustformel benutzt werden61: (8) Verlaufsziel = (Durchschnittsziel − Überhang) × 2 In dem oben genannten Beispiel ergäbe sich nach dieser Formel eine Verlaufsrate von 8 v.H. Die Abweichung ist auf unterschiedliche Bezugsgrößen zurückzuführen. Der Überhang bezieht sich auf den Durchschnittswert des Jahres 1982, das Verlaufsziel aber auf den Wert vom 31.12.1982. Insofern bietet diese Faustformel nur eine Näherungslösung. An ihr kann man jedoch erkennen, daß das Verlaufsziel um so größer ausfallen muß, je kleiner der Überhang ist bzw. je größer ein möglicher Unterhang ist. Fällt der Überhang hingegen recht groß aus, so muß das Verlaufsziel entsprechend knapp gehalten werden. An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, daß die Deutsche Bundesbank den diesen Berechnungen innewohnenden Stichtagszufall vermeidet. Sie bezieht ihre Verlaufsziele nicht auf die Daten des Jahresultimo, sondern sie zieht die Durchschnitte der vierten Quartale des Basisjahres sowie des Folgejahres heran. Auf diese Weise können außergewöhnliche Datenausschläge gemildert werden. Erstmals mit der Ankündigung für das Jahr 1979 nannte die Bundesbank nicht mehr einen einzelnen konkreten Wert als Zwischenziel. Vielmehr legt sie seitdem einen Zielkorridor fest, in dessen Bandbreite sich die Geldmengenwachstumsrate einstellen [...]
steigenden Zinsen (typische Entwicklung in einem Aufschwung) und wegen des Anreizes zur Rationalisierung der Kassenhaltung auch die Umlaufgeschwindigkeit konjunkturbedingt steigen. Nach Gleichung (7) gleichen sich diese Entwicklungen zumindest langfristig aus. Kurzfristig kann es aber zu Ungleichgewichten kommen. Die Bundesbank verfolgt dann die Absicht, durch ihre Geldpolitik zum Erreichen eines Normal- oder Gleichgewichtszustands beizutragen. Liegt eine Überauslastung vor, so würde vom angestrebten Geldmengenwachstum ein Abschlag vorgenommen. Allgemeiner formuliert: Die Wachstumsrate der Geldmenge soll eine geringere Variabilität zeigen als die Entwicklung des Produktionspotentials bzw. der Konjunktur58. Durch dieses Verhalten erhofft sich die Deutsche Bundesbank eine Verstetigung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Wie bereits erwähnt wurde, benutzt die Bundesbank Zuwachsraten im Jahresdurchschnitt, um aus den gesamtwirtschaftlichen Eckdaten ein adäquates Geldmengenziel zu bestimmen. Der Öffentlichkeit wird aber eine Verlaufsrate vom vierten Quartal des Basisjahres zum vierten Quartal des Folgejahres bekanntgegeben. Hier muß offensichtlich eine Umrechnung erfolgen. Dies scheint auch sinnvoll zu sein, da die Bundesbank nur die laufende Geldmengenexpansion beeinflussen kann. Es ist dabei zu beachten, daß das monetäre Ziel jeweils am Ende des Kalenderjahres für das folgende Jahr genannt wird. Für die geldpolitischen Entscheidungsträger ist also von Interesse, wieviel Geld im Laufe des folgenden Jahres in den Wirtschaftskreislauf gelangen darf, um die Zielvorgabe einzuhalten59. In diesem Zusammenhang ergibt sich ein weiteres Problem. Im Zeitpunkt der Zielbekanntgabe ist ein Teil des angestrebten Wachstums bereits eingetreten. Es handelt sich genaugenommen um die Abweichung des Jahresendbestandes vom Durchschnittsbestand des Jahres. Diese Abweichung bezeichnet man als Überhang bzw. Unterhang. Ist die Geldmenge am Ende des Basisjahres größer als im Jahresdurchschnitt (liegt also ein Überhang vor), so würde sich sogar bei Konstanz der Geldmenge im Laufe des folgenden Jahres ein Wachstum in jahresdurchschnittlicher Betrachtung ergeben. Die Zuwachsrate entspräche dann genau dem Wert des Überhanges60. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832412401
Arbeit zitieren:
Eberstein, Martin August 1998: Zur Geldmengensteuerung der Deutschen Bundesbank, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Deutsche Bundesbank, Geldpolitik, Geldtheorie, Geldmengensteuerung, Volkswirtschaftstheorie



