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Das Gegendenkmal von Alfred Hrdlicka am Dammtordamm

Das Gegendenkmal von Alfred Hrdlicka am Dammtordamm
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Julia Hennings-Rezaii
  • Abgabedatum: Januar 1997
  • Umfang: 105 Seiten
  • Dateigröße: 9,0 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2120-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2120-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2120-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hennings-Rezaii, Julia Januar 1997: Das Gegendenkmal von Alfred Hrdlicka am Dammtordamm, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Denkmal, Kulturpolitik, Hamburg, Nationalsozialismus, Kunstgeschichte

Magisterarbeit von Julia Hennings-Rezaii

Einleitung:

In Hamburg kam es seit 1945 immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen um das "Denkmal für das 76er Infanterieregiment Hamburgs von 1936" am Dammtordamm.

Die Diskussionen führten dazu, daß Bürgerschaft und Senat schließlich Anfang der 80er Jahre meinten, diesem Monument des Bildhauers Richard Kuöhl nur mit einem Gegendenkmal begegnen zu können. Es kam zur Ausschreibung eines Ideenwettbewerbs und zur anschließenden Auftragsvergabe an den Wiener Künstler Alfred Hrdlicka.

Das von Alfred Hrdlicka konzipierte sogenannte "Gegendenkmal von 1983-86" steht in Hamburg, direkt neben dem "76er-Denkmal" in unmittelbarer Nähe des Dammtorbahnhofes auf dem ehemals gesamten Gelände des "76er-Monuments". Es ist allerdings in seinem heutigen Zustand unvollendet.

Im Laufe seiner Entstehung kam es zu Auseinandersetzungen Alfred Hrdlickas mit der Stadt und zum späteren Abbruch der Verhandlungen über die Vollendung des Werkes.

Die Gründe für das Aufgeben des Gegendenkmalskonzepts und dessen Unvollendung will diese Arbeit untersuchen. Vieles in der Entwicklungsgeschichte des "Gegendenkmals" von Alfred Hrdlicka ist heute noch ungeklärt.

Nachdem die Gegendenkmalssetzung anfänglich viele öffentliche Diskussionen forciert und die Emotionen erregt hatte, ist es heute sehr ruhig um dieses Monument geworden. Es steht an einem der repräsentativsten Orte Hamburgs, dem Areal der um 1860 abgerissenen Wallanlagen und wird von vielen nicht mehr wahrgenommen.

Dies deutet auf das von Robert Musil häufig angesprochene Phänomen der Unsichtbarkeit von Denkmälern hin. So hat Robert Musil erwähnt, Denkmäler würden eigentlich hauptsächlich nur im Moment ihrer Entstehung, also in der Vordiskussion und während ihrer Enthüllung gerade durch den Festakt wahrgenommen.

Doch selbst wenn ein Denkmal in der breiten Öffentlichkeit bekannt ist, besagt dies noch nicht, daß es auch einen breiten gesellschaftlichen Konsens in Bezug auf das zu Kommentierende ausgelöst hat. Oftmals soll der Anspruch der Denkmalssetzer erst konsensfähig gemacht werden. Auch aus diesem Grunde sind die Motivationen der Denkmalssetzer und des Künstlers sowie die Umstände ihrer Entscheidungsfindungen untersuchens- und klärenswert.

Zudem führte nicht nur die Aussage Adornos, daß es nach Ausschwitz keine Denkmäler mehr geben könne, da das Undefinierbare nicht mehr darstellungsfähig sei, dazu, daß in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg das Konzept von Denkmalssetzungen totgesagt wurde.

Der Umstand, daß es in einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft immer schwieriger wird, gemeinsam verbindliche Zeichen zu finden, führte ebenfalls in öffentlichen Diskussionen zur kritischen Auseinandersetzung mit Denkmälern.

So waren die 60er Jahre im Denkmalsbau zurückhaltener, das traditionelle Denkmal schien sich überlebt zu haben.

Vor diesem Hintergrund will diese Arbeit der Frage nachgehen, wie es in den 80er Jahren zu der Idee eines Gegendenkmals und der folgenden Auftragsvergabe durch die Stadt Hamburg an den Bildhauer Alfred Hrdlicka kam.

Alfred Hrdlicka wird nachgesagt, ein Einzelkämpfer und zudem "problematisch" zu sein. Er ist aber auch für seine Auseinandersetzung mit Denkmalsfragen bekannt und hat sich durch einige Aktionen den Ruf geschaffen, einer der bekanntesten Denkmalskünstler im deutschsprachigen Raum zu sein. Die Umstände der Auftragsvergabe in Hamburg sind allerdings nach wie vor ungeklärt und auch das Konzept Hrdlickas für das Hamburger Gegendenkmal birgt nach der Meinung vieler Kritiker Widersprüche. Eine Schwierigkeit der kunsthistorischen Untersuchung seines Konzepts mag in dessen Nichtvollendung liegen. Man könnte in der Nichtvollendung aber auch die politische Situation der Stadt ablesen.

Das Denkmal für das 76er Infanterieregiments Hamburgs, auf das sich, wie oben schon angesprochen, das Gegendenkmal von Hrdlicka beziehen soll, ist eines der umstrittensten Denkmäler Deutschlands. Zu diesem Denkmal ist viel geschrieben und gesagt worden, jedoch wird diese Arbeit auf die Ästhetik und auch auf die Geschichte dieses häufig als "der Klotz" bezeichnete Monument eingehen, weil eine Untersuchung des Hrdlicka-Werks sonst seiner Bezugspunkte entbehren würde. Die Entwicklungsgeschichten beider Denkmäler weisen zudem Parallelen auf und deuten somit auch auf Phänomene bzgl. der Motivationen der Denkmalssetzer hin. Die Arbeit wird sich bei ihren Untersuchungen nicht auf das kunsthistorische Feld beschränken, sondern auf historisch-wissenschaftliche Recherchen der sozialen und ideologischen Hintergründe verweisen. Damit folgt die Arbeit der interdisziplinären und interinstitutionellen Betrachtung von Denkmälern, die sich in den 60er und 70er Jahren dieses Jahrhunderts durchsetzte.

Am Anfang der Arbeit steht die Beschreibung des "Gegendenkmals" von Alfred Hrdlicka, worauf die Untersuchung der Entwicklungsgeschichte folgt. Die Entwicklungsgeschichte wird die Betrachtung des "76er Denkmals" als Reaktion auf das "Rathausdenkmal" und die Rezeption der Denkmalsanlage beinhalten. Weitere Punkte werden die Diskussionen bis zum Wettbewerb für ein Gegendenkmal, Alfred Hrdlickas Konzept und seine Entwürfe bis hin zum Abbruch seiner Arbeit und der Verhandlungen mit der Stadt sein. Abschließend wird die Arbeit den Versuch einer Bewertung und Einordnung des heutigen Zustands des "Gegendenkmals" als unvollendetes Kunstwerk unternehmen.

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung 6
II. Beschreibung des "Gegendenkmals von 1983/86" von Alfred Hrdlicka 11
1. Erster Teil "Der Hamburger Feuersturm" 11
a) Die Bronzewand vom Stephansplatz aus gesehen 12
b) Die mumifizierte Leiche 13
c) Die Karyatide 15
d) Der zerschlagene Atlant 20
e) Die aufgehängte Figur 24
f) Zusammenfassung 25
2. Zweiter Teil "Fluchtgruppe Cap Arcona" 26
a) Der Marmorblock 27
b) Die Skulpturengruppe 28
c) Zusammenfassung 29
III. Die Steine des Anstoßes: "Rathausdenkmal", "Denkmal für das Infanterieregiment Nr. 76", "Gegendenkmal" - Eine Denkmalskette 30
1. Das "76er Denkmal" als Reaktion auf das "Rathausdenkmal" 32
a) Das "Rathausdenkmal" 33
b) Das "76er-Denkmal" 34
c) Die Denkmalskette 37
2. Die Rezeption der Denkmalsanlage am Dammtor nach 1945 37
a) Die affirmative Nutzung der Denkmalsanlage nach 1945 38
b) Die Formen der negativen Auseinandersetzung mit dem "76er-Denkmal" 39
3. Der weitere Umgang mit dem "76er-Denkmal" 43
a) Die Möglichkeit der Veränderung der Inschrift"Deutschland muß leben und wenn wir sterben müssen" aus dem Heinrich-Lersch-Gedicht "Soldatenabschied" 43
b) Ein Gegendenkmal als Form der Dokumentation des "76er-Denkmals" 46
aa) Gegendenkmäler - Bilderstürme des 20. Jahrhunderts? 47
bb) Ein Resumée 48
4. Der Ideenwettbewerb für ein Gegendenkmal 49
a) Die Ausschreibung 52
b) Die Ortswahl 53
c) Der Entwurf von Ulrich Böhme und Wulf Schneider 54
IV. Alfred Hrdlicka als Ausführender des "Gegendenkmals" 58
1. Das Konzept und die Entwürfe von Alfred Hrdlicka für das "Gegendenkmal" 61
2. Die Aufstellung des "Gegendenkmals" 69
a) Die Umsetzung des Konzepts 69
b) Die Bewertung des Konzepts und der Ausführung des "Gegendenkmals" in Fachkreisen 71
3. Der Abbruch der Verhandlungen über die Vollendung der "Gegendenkmalskonzeption" 75
V. Der Denkmalstorso als "Stein des Anstoßes" oder "Schlußstein der Auseinandersetzung" 80
VI. Resumée 83
VII. Bibliographie 86
Zeittafel 93

Arbeit zitieren:
Hennings-Rezaii, Julia Januar 1997: Das Gegendenkmal von Alfred Hrdlicka am Dammtordamm, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Denkmal, Kulturpolitik, Hamburg, Nationalsozialismus, Kunstgeschichte

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