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Die Gärten des Stiftes Gurk

Renaissance eines Renaissancegartens

Die Gärten des Stiftes Gurk
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christian Patzl
  • Abgabedatum: September 1998
  • Umfang: 124 Seiten
  • Dateigröße: 4,5 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität für Bodenkultur Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4093-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4093-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4093-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Patzl, Christian September 1998: Die Gärten des Stiftes Gurk, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Landschaftsplanung, Gartenarchitektur, Gartendenkmalpflege, Renaissancegarten, Klosteranlage

Diplomarbeit von Christian Patzl

Zusammenfassung:

Die vorliegende Arbeit möchte beispielhaft demonstrieren, daß bei einer Planung, die an einem heiligen Ort eingreift, auf viele Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen ist, die bei anderen Bereichen nicht auftreten. Der Planer muß sich hier besonders sensibel und verantwortungsvoll mit den Geschehnissen vor Ort vertraut machen und ihnen nachspüren.

Ausgehend von fünf, in dynamischer Beziehung stehenden, Eckpunkten der Geschichte, der Spiritualität und Theologie, den wirtschaftlichen Gegebenheiten, dem Konnex von Bewohnern, Besuchern und Benutzern, sowie der Auslotung der heutigen und zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten, wird versucht, sich der komplexen Vorgänge und Beziehungen an diesem Ort analytisch anzunähern.

Die Gurker Klosteranlage liegt an einer Stelle Kärntens, deren Geschichte bis weit in vorchristliche Zeiten, in die Reiche von Kelten, Illyrern und das römische Noricum, zurückreicht.

Ausgehend von einer kurzen historischen Betrachtung über die Stiftung durch die hl. Hemma im Jahre 1043 und den nachfolgenden, dem jeweiligem Zeitgeist und äußeren Umständen entsprechenden sechs Perioden der Umgestaltungen, war eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Leben im Kloster unumgänglich. Bescheidene eigene Erfahrungen verbunden mit einschlägiger Literaturrecherche möchten auch dem kirchlichen Gepflogenheiten Fernstehenden ein objektives Bild vom Klosterleben vermitteln.

Die im Laufe der Geschichte vielfältigen Beziehungen zwischen Mensch und Pflanze ließen ihre Spuren auch im spirituellen Leben erkennen. Damit war der Grundstein für ein besonderes Verhältnis zwischen der Flora und den klösterlichen Gemeinschaften gelegt. Viel altes Wissen konnte hier die unruhigen Zeiten überdauern und gewinnt gerade in unseren Tagen zunehmend an Bedeutung.

Eine Sozialstudie brachte Aufschlüsse über Gewohnheiten, Nöte und Wünsche der Personen, die an diesem Ort leben und wirken. Wesentliche Punkte fanden dabei Eingang in die Planung.

Die Konklusion zeigt, daß das Kloster Gurk und seine Gärten auch für die Zukunft ein großartiges Potential beherbergen. Die hier zu findenden Werte sind nicht nur im materiellen Bereich zu sehen. Der größte Gewinn liegt im Spirituellen, das mit materiellen Maßstäben unmöglich erfaßbar ist. Menschen, ob gläubig oder nicht, finden hier einen Ort, an dem, soweit sie dafür bereit sind, etwas Wundervolles mit ihnen geschehen kann.

Führt man die sich eigentlich einander ergänzenden meditativen Elemente von Haus und Garten wieder einer gemeinsamen Bestimmung zu, bieten sie ein breites Raumerlebnis und Impulse für individuelles Atemholen von Körper und Seele. Das Ziel soll sein, Menschen einen Ort zur Verfügung zu stellen, an dem sie unter Anleitung und Begleitung Leben lernen können.

Die aus dem Entwurf hervorgehenden, neu zu schaffenden Teile des Gartens mit ihren vielfach meditativen Elementen sollen dazu intensive Anregungen und Erlebnislandschaften bieten und so den ursprünglichen Charakter des Renaissancegartens wieder aufleben lassen. Planerische Darstellungen in Übersicht und Detail dienen der Visualisierung des Entwurfes.

Die Renaissance des Gurker Renaissancegartens bietet gerade in unserem von barocken Stiftsanlagen reich gesegnetem Land eine einmalige Chance, den heutigen Menschen die philosophischen Hintergründe jener ereignisreichen Epoche zu vermitteln. Die Anpassung an gegenwärtige und zukünftige Nutzungen gibt der Anlage eine zukunftsorientierte Ausrichtung, ohne die ursprüngliche Intention zu vergessen, nämlich ein Ort der Gottesbegegnung zu sein.

Inhaltsverzeichnis:

EINLEITUNG - ÜBER DIESE ARBEIT 1
Eine Frage des Ortes und der Planung 2
NATURRÄUMLICHE GEGEBENHEITEN 3
KURZE ÜBERSICHT DER GESCHICHTLICHEN ENTWICKLUNG 5
Die Anfänge 5
Bauperioden 7
1140 - 1174 7
1174 - 1200 7
1459 - 1610 8
1617 - 1700 8
Anfang 18. bis Ende 19. Jahrhundert 10
Das 20. Jahrhundert 12
LEBEN HINTER KLOSTERMAUERN 14
Mönchtum - ein Lebens-Weg des Glaubens 14
Orden, Kongregation und Säkularinstitut 16
Orden 16
Kleine Klassifizierung der Orden 17
Kongregationen 18
Säkularinstitute 18
Rechte und Pflichten 19
Leben zwischen Traum und Realität 20
Orden und klösterliche Gemeinschaften in Gurk 22
Benediktinerinnen (1047 - 1070 und 1890 - 1924) 22
Kanoniker und Augustiner-Chorherrn (1123 - 1787) 25
Salesianerinnen (1792 - ?) 26
Redemptoristen (1923 - 1932) 27
Salvatorianer (1932 - ) 27
Salvatorianerinnen (1988 - ) 28
DIE PFLANZE, EIN LEBENSLANGER BEGLEITER DES MENSCHEN 29
PFLANZEN UND KLÖSTER - EINE UNTRENNBARE VERBINDUNG 33
Die Entwicklung aus dem Altertum 33
Der Kreuzgang 34
Die benediktinischen Klöster 35
Der Klostergarten von St. Gallen 37
Gärten der Kartäuser 40
Schriften der Kleriker 41
Gärten der Zisterzienser 43
Die Öffnung der Renaissance 44
Zeitalter des Barock 48
Von der Aufklärung bis in unsere Tage 50
AUSWERTUNG DER SOZIALFORSCHUNGS-INTERVIEWS 55
Bezug der Interviewpartner zur Anlage 55
Garten 55
Derzeitige Nutzung 55
Gründe für die Nichtnutzung 56
Konflikte mit der Anlage 56
Prägende Elemente und deren emotionale Wirkung 57
Zukünftige Ausstattung 57
..um gerne hierher zurück zu kehren 57
Tourismusproblem 58
Garten als Ort der Gottesbegegnung 58
Mit einem Zauberstab... 58
Hof 58
Derzeitige Nutzung 58
Prägende Elemente und deren emotionale Wirkung 59
Zukünftige Ausstattung 59
...um gerne zurück zu kehren 60
Tourismusproblem 60
Hof als Ort der Begegnung zwischen Menschen und Gott 60
Mit einem Zauberstab... 60
Vordringlichste Wünsche 61
KONKLUSION EIN KLOSTER, EIN GARTEN, EINE ANLAGE MIT VIELEN MÖGLICHKEITEN 62
Was daraus noch werden könnte ...? 62
Die Frage nach dem Gesamtkonzept 62
Zurück zur Villa ... 63
Ort des Heiles - Kurort für Körper, Geist und Seele 63
Exkurs in ein vielfältiges Angebot 64
Zentrum für meditativ-heilende Körperveränderung 66
Wesentliche Schwerpunkte 66
Einfache klösterliche Unterbringung 66
Fester Tageszeitplan mit kontemplativen und aktiven Elementen 66
Biologische Vollwertkost aus dem Klostergarten 67
Bewegungstherapie und Heilgymnastik 67
Schule des Lebens 67
Wiederentdeckung der christlichen Mystik 67
Salvatorianischer Ort 68
Gartenhistorisches Leitkonzept des Bundesdenkmalamtes 69
Konkrete Überlegungen für die Außenanlagen 70
Äußerer Stiftshof 70
Innerer Stiftshof 71
Spiel und Innovation 72
Wirtschaftshof 72
Terrasse 72
Obst- und Gemüsegarten 73
Klausurgarten 73
Themengarten 74
Rekreation 74
Etwas wurde schon gemacht 75
Unmittelbare Voraussetzungen für die Stiftshof-Neugestaltung 75
Gartenhistorisches Leitkonzept für den Stiftshof 75
Gründe für die neue Wegeführung 75
Was ist nun zu machen?! 77
Rationelle und fachgerechte Pflege der Grünflächen 77
Terrasse 77
Klausurgarten 80
Propsthofgarten 81
Symbolgarten 81
Wirtschaftshof 82
Obst- und Gemüsegarten 82
Kräutergarten 82
Bereich Unterer Garten 85
Mauergarten 87
Wer soll das bezahlen ?!? 87
ZUSAMMENFASSUNG 89
BILDTEIL 91
AUSWERTETABELLE DER SOZIALFORSCHUNGSSTUDIE 93
LITERATURVERZEICHNIS 103
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 105
PLANEINLAGEVERZEICHNIS 106

Automatisiert erstellter Textauszug:

lung und Blumenpflege besaßen die ungelehrten Laienbrüder und schwestern, die als eine zweite Klasse von Mönchen und Nonnen (→ Konversen, Oblaten, Donaten) etwa seit dem 10. Jh. in den Klöstern üblich wurden. Ihnen oblag die Verrichtung der praktischen Arbeiten in Haus und Garten, mit der sich die von endlosen Liturgien und gelehrten Studien voll ausgelasteten Mönche und Chorschwestern kaum noch abgeben konnten. 39 Leider haben sie keine direkten schriftlichen Zeugnisse ihrer Kenntnisse hinterlassen und so läßt sich nur indirekt aus allgemeinen Chroniken der bei ihnen vorhandene Wissensstand einschätzen. In allen Abteien bestanden mustergültige Gemüsegärten mit Kohlarten, Hülsenfrüchten, Rüben, Hanf, Hopfen, Senf, Wicken, Zwiebeln, Flachs, und verschiedene Obstsorten wie Äpfel, Birnen, Kirschen, Walnuß, etc. je nach Klima und Bodenverhältnissen der betreffenden Gegend. Auch Ziergehölze wurden gepflanzt. Berühmt sind die Obst- und Gemüsekulturen der Zisterzienser → Beispiel: Wilhering OÖ., weil man hier dank der internationalen Beziehungen des Ordens die Einführung und Weiterzucht neuer Sorten vorantrieb. Davon profitierte wiederum die nichtklösterliche Landwirtschaft. Bei den Zisterziensern lag der Friedhof im Mittelalter in der Regel an der Nordseite der Kirche. Seine gärtnerische Gestaltung variierte. Ein wenig früher schildert ein Zeitgenosse des heiligen Bernhard (1090 – 1153) die Abtei von Clairvaux:40 „dort liegt hinter der Abtei, von der Klostermauer umfangen, eine breite Ebene. Innerhalb dieser Mauer bilden viele und verschiedene, an Früchten reiche Bäume einen Obstgarten, der einem Wäldchen gleicht. Er liegt beim Krankenhaus, wo er die Brüder mit nicht kleinem Troste erheitert, während er einen weiten Spaziergang denen, die gehen wollen, und einen angenehmen Ruheplatz für die, die ruhen wollen, bietet... Wo der Obstgarten aufhört, beginnt ein Garten, eingeteilt in mehrere Beete, oder besser, abgeteilt durch kleine Kanäle, die, obgleich es stehendes Wasser ist, doch langsam abfließen... Das Wasser verfolgt den doppelten Zweck, die Fische zu nähren und die Gemüse zu bewässern“. Dieses Bild eines französischen Klostergartens zu Beginn des XII. Jh. deutet mit den von Kanälen umgebenen Gärten schon auf die spätere Renaissanceentwicklung des Gartens. Gärten gehörten aus Versorgungsgründen immer zum Grundbestand eines jeden Klosters. Selbst die kleinen Stadtkonvikte der Bettelorden nutzten für diesen Zweck jede Freifläche, mindestens aber den zentralen, vom Kreuzgang umschlossenen Hof. In vielen Fällen kann man die Verhältnisse noch heute in alten Klosteranlagen nachvollziehen. [...]

Nahe bei Dijon in Burgund war 1098 von Benediktinern das Kloster Citeaux (lat. Cistercium→ Zisterzienser) gegründet worden. Hier sollte die Regel des hl. Benedikt möglichst wörtlich Anwendung finden, Weltabkehr, Askese und Ablehnung jeglichen Eigentums waren die Prinzipien. Die regelmäßige Beteiligung der Mönche an den anfallenden körperlichen Arbeiten war selbstverständlich. Nie aber war manuelle Arbeit primär auf produktives Schaffen ausgerichtet. Unter Arbeit wird zunächst einmal die geistliche Mühe (lat. labor) verstanden, die die Religiösen auf ihrem Streben nach Vollkommenheit aufwenden. Gerade die Zisterzienser überließen die landwirtschaftliche Arbeit den Laienbrüdern oder Konversen, die keine Mönche mit Verpflichtung zum Chorgebet waren. Handfeste Kenntnisse über Gartenbau und Pflanzenzucht, über Gewürzgewinnung und Fruchtverarbeitung, über Obstveredi De vegetabilibus et plantis [...]

Das ist ein fröhliches Bild sommerlichen Gartenlebens, dem man die Liebe anmerkt, mit der es geschrieben ist. Auch die hl. Hildegard von Bingen (1098 – 1179) schätzte den Gartenbau überaus hoch ein. Die s nicht so sehr aus praktischen Erwägungen, o bwohl die Küche, die Apotheke und die Liturgie dringend auf die Produkte des Gartens angewiesen waren. Vielmehr kommt hier jenes Naturverständnis zum Vorschein, das Natur als etwas Ungeordnetes, als Chaos fürchtet, und nur die Kultivierung veredelt erst die Pflanzen (→ Gott als Gärtner im Paradies).35 Der wahrscheinlich bedeutendste Naturwissenschaftler des Mittelalters, Albertus Magnus (1193-1280), war Dominikaner und Professor in Köln. Unter seinen Werken befindet sich auch ein Lehrbuch der Botanik i, das bei aller Abhängigkeit von den antiken und christlichen Autoritäten der direkten Beobachtung und dem Experiment eine hohe und bis dahin nicht gekannte Bedeutung zumißt.36 Im Kreuzgarten seines Kölner Konventes stellte er persönlich Versuche mit Pfla nzen an. 37 Dennoch bleibt der Beitrag der damaligen Gelehrten zur Botanik und Pharmazeutik vergleichsweise gering. Die Mehrzahl der Mönche interessierten sich wie ihre weltlichen Kollegen für Theologie, Philosophie und Juristik, zumal nur in diesen Disziplinen eine akademische Karriere möglich war. Die von den Ordensgründern stets beabsichtigte Schlichtheit der Lebensführung und die Verpflichtung zu körperlichen Arbeiten geriet immer wieder mit zunehmender Klerikalisierung und Privilegierung der Mönche, egal welchen Ordens, in Vergessenheit. In der Zwischenzeit war in Cluny eine Form des benediktinischen Mönchtums geschaffen worden, die zwar die Tradition des kulturellen Engagements der karolingischen Reichsabteien fortsetzte, zugleich aber eine andere, letztlich einer Verzeichnung gleichkommende Ausrichtung erfuhr – die Überbetonung des liturgischen Bereiches.38 Aber auch bei unbestreitbar guten Willen und demütigem Wesen ließen Führungsaufgaben oder priesterliche Funktionen, Lehraufträge und Predigtmissionen in und außerhalb des Klosters einfach keine Zeit mehr, sich mit materiellen (naturwissenschaftlichen) Dingen zu befassen. Frauen, wie Hildegard und Männer wie Albertus bilden die große Ausnahme. Ein schöner Garten nach damaligen Vorstellungen war vor allem ein fruchtbarer. [...]

Arbeit zitieren:
Patzl, Christian September 1998: Die Gärten des Stiftes Gurk, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Landschaftsplanung, Gartenarchitektur, Gartendenkmalpflege, Renaissancegarten, Klosteranlage

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