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Fusion oder Konfusion?

Die unternehmenskulturelle Herausforderung

Fusion oder Konfusion?
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Sandra Götze
  • Abgabedatum: April 2010
  • Umfang: 82 Seiten
  • Dateigröße: 2,2 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Steinbeis-Hochschule Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 89
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4833-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Götze, Sandra April 2010: Fusion oder Konfusion?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Post-Merger, Projektmanagement, Unternehmenskultur, Mergers&Akquisitions, Fusion

Bachelorarbeit von Sandra Götze

Einleitung:

Fusionsankündigungen von Finanzdienstleistern haben heutzutage Hochkonjunktur in den Medien. In den stark umkämpften Märkten von Heute sind Fusionen und Akquisitionen für Unternehmer oft der einzige Ausweg aus der Krise und bieten die letzte Möglichkeit, den erhöhten Anforderungen des Wettbewerbs standzuhalten. Keineswegs selten steckt hinter einem solch großen Schritt auch die Angst, selbst von Anderen übernommen zu werden. Die Süddeutsche Zeitung beschreibt dies in einem Artikel wie folgt:

‘Die meisten Fusionen und Akquisitionen finden nur deswegen statt, weil das übernehmende Management befürchtet, selbst von einem größeren Fisch geschluckt zu werden’.

Doch viel zu häufig bleiben die Ergebnisse solcher Aktionen hinter den Erwartungen zurück und die Träume von Marktanteilen lösen sich in Wohlgefallen auf.

Monnery und Peck gehen in einer Broschüre der Boston Consulting Group mit dem prägnanten Titel, ‘The work begins after the deal is closed’, sogar noch weiter. Sie stellen die These auf, dass eine anstehende Fusion für die meisten Top Manager zwar das vermeintlich größte Geschäft ihrer beruflichen Laufbahn ist, jedoch auch das, auf das sie am schlechtesten vorbereitet sind.Der Weg von der Initiierung bis zum eigentlichen rechtlichen Beschluss und der bevorstehenden Integration einer Fusion ist lang und von ungezählten Hindernissen und Herausforderungen geprägt. Dabei sind die Probleme, die aus den anstehenden Veränderungsprozessen entstehen, mit dem Entschluss, eine Fusion durchzuführen, bzw. diese rechtlich zu fixieren, keineswegs gelöst, sondern stehen erst noch bevor. Abgesehen von rechtlichen und steuerlichen Fragen müssen insbesondere organisatorische, personelle, technische und unternehmenskulturelle Anforderungen erfolgreich entschieden und bewältigt werden.

Mit den bisher fünf verlaufenden Fusionswellen der Wirtschaft stieg auch die Anzahl der literarischen Veröffentlichungen, die den Erfolg oder Misserfolg der Unternehmenszusammenschlüsse untersuchen.

Den Beginn hierzu machten amerikanische Wissenschaftler, die sich im Gegensatz zu ihren europäischen Kollegen schon Anfang der achtziger Jahre nicht nur mit den harten Faktoren, sondern auch zunehmend mit den weichen Erfolgsdeterminanten einer Fusion beschäftigten. In der Zusammenfassung der Evaluationen kann festgestellt werden, dass ein großer Anteil von Fusionen durch Analytiker und Mitarbeiter als nicht erfolgreich eingeordnet wird. Picot verzeichnet Misserfolgsraten zwischen 50% und 78%, welchen in der Analyse jedoch unterschiedliche Erfolgsmaßstäbe zu Grunde lagen. Als Grund hierfür wird durch Picot und durch andere Autoren ein ungenügendes Post-Merger-Management verantwortlich gemacht. Nach einer Studie von Ernst & Young sind es sogar 85 % der untersuchten fusionserfahrenen Unternehmen, die ein unzureichendes Integrationsmanagement als brisantesten Grund für das Scheitern der Fusion schildern.

Die essentielle Aufgabe der Integrationsaktivitäten ist es, diese Unterschiede deutlich zu machen, sie zu verstehen und Raum für das Wachsen einer neuen gemeinsamen Kultur zu schaffen. Auch wenn ein Zusammenschluss auf dem Papier und in der Theorie simpel und plausibel aussieht, so besteht die eigentliche Herausforderung in der praktischen Umsetzung.

In der bedeutsamen Post-Merger-Phase, der Integrationsphase nach dem rechtlichen Zusammenschluss, werden häufig unternehmenskulturelle Aspekte vernachlässigt, neue Unternehmensstrategien nicht hinreichend kommuniziert und Mitarbeiter nur ungenügend oder teilweise gar nicht einbezogen. Häufig wird vergessen oder verdrängt, dass es sich bei einer Fusion auch um das Zusammenführen von zwei unterschiedlichen Einheiten und somit auch von ungleichen Kulturen handelt, welche in Zukunft erfolgreich zusammenarbeiten sollen.

Der Unternehmenskultur fällt in der Fusion eine folgenschwere Funktion zu, da schon im Vorfeld eines Zusammenschlusses oft kulturelle Unterschiede als Gegenargumente angeführt werden und die Bedeutung dieser Divergenzen oft unterschätzt werden. Ein harter Umgang mit weichen Faktoren.

Gang der Untersuchung:

Zielsetzung dieser Arbeit ist es, die Unternehmenskultur als Determinante und Instrument der Integration zweier Organisationen zu untersuchen und ihre Einflussnahme auf die Post-Merger-Phase einer Fusion zu prüfen.Die weitere Intention dieser Arbeit ist, über die theoretischen Hintergründe zur Unternehmenskultur praxisorientierte Gestaltungsempfehlungen für die Einbindung und Umsetzung kultureller Aspekte im Post-Merger-Management zu geben.

Die leitende Forschungsfrage lautet folglich:

Stellt die Unternehmenskultur mit ihren positiven sowie negativen Effekten einen Erfolgsfaktor oder ein Hindernis für eine Fusion dar?

Die Unterfragen zur Beantwortung der Forschungsfrage stellen sich wie folgt auf:

Welche Dimensionen und Funktionen hat die Unternehmenskultur?

Welchen positiven und negativen Effekte hat die Unternehmenskultur und wie wirken sich diese auf die Post-Merger-Phase aus?

Welche praxisrelevanten Gestaltungsempfehlungen können für die Ausgestaltung des Integrationsmanagements gegeben werden?

Diese Bachelor Thesis bildet eine Literaturanalyse zusammen mit den Erfahrungswerten aus bisher selbst durchgeführten Fusionsprojekten und baut auf der vorherigen Studienarbeit auf. Die Grundlage für die gewählte Gliederung bilden die bereits in der Einleitung genannten Problemfelder von Mergers&Akquisition, bzw. Fusionen, speziell in der Integrationsphase.

Die Bearbeitung der Forschungsfrage und der Unterfragen teilt sich auf insgesamt 7 Kapitel auf.

Das erste Kapitel gibt dem Leser eine Übersicht über die Problemstellung und die daraus resultierenden Fragenstellungen. Darauf folgend wird der Aufbau, der Inhalt der einzelnen Kapitel und der weitere Ablauf der Arbeit beschrieben.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den abstrakten Grundlagen der Fusion, der Post-Merger-Phase, der Kultur und der Unternehmenskultur. Dieser Abschnitt dient als ideelle Vorbereitung auf die folgenden analytischen Kapitel.

Kapitel drei befasst sich mit den Grundlagen der Unternehmenskultur. Dabei wird auf die Dimensionen, die Funktionen sowie auf die positiven und negativen Effekte der Unternehmenskultur eingegangen. Es folgt eine Ausführung über das Drei-Ebenen-Modell von Schein, welches zum besseren Verständnis der Unternehmenskultur dient. Aufbauend auf das vierte Kapitel folgt am Ende des dritten Abschnittes die Diskussion über die positiven und negativen Effekte der Unternehmenskultur.

Kapitel vier hebt die Bedeutung der Unternehmenskultur für das Post-Merger-Management hervor und beschreibt die Auswirkung unternehmenskultureller Problemfelder. Dazu werden die Aufgaben und die Organisation des Post-Merger-Managements beschrieben. Ebenso wird auf die Bedeutung der Unternehmenskultur in der Abhängigkeit zum Integrationsgrad eingegangen.

Im Anschluss werden im 5. Kapitel vier Post-Merger-Integrationsmodelle bekannter Autoren vorgestellt und am Ende des Abschnitts, mit Hinblick auf Ihre Praxistauglichkeit für das praxisorientierte Integrationsmanagement, kritisch gewürdigt.

Im 6. Kapitel werden anwendungsorientierte Gestaltungsempfehlungen für die Ausgestaltung und Berücksichtigung unternehmenskultureller Faktoren für das Integrationsmanagements gegeben.

Die Arbeit endet im siebten Kapitel mit einer zusammenfassenden Schluss-betrachtung.

Abbildungsverzeichnis VI
Abkürzungen VII
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 3
2. Abstrakte Grundlagen 5
2.1 Abstrakte Grundlagen der Fusion 5
2.1.1 Begriffsdefinition Fusion 5
2.1.2 Begriffsdefinition Post-Merger-Integration 6
2.1.3 Erfolgsdeterminanten der Fusion 8
2.2 Abstrakte Grundlagen der Unternehmenskultur 10
2.2.1 Begriffsdefinition Kultur 10
2.2.2 Begriffsdefinition Unternehmenskultur 11
2.2.3 Erfolgsdeterminante Unternehmenskultur 12
3. Unternehmenskultur 14
3.1 Dimensionen der Unternehmenskultur 14
3.1.1 Artefakte 16
3.1.2 Bekundete Werte und Normen 16
3.1.3 Grundannahmen 17
3.2 Funktionen der Unternehmenskultur 19
3.2.1 Originäre Funktionen 20
3.2.2 Derivate Funktionen 24
3.3 Positive und negative Effekte der Unternehmenskultur 25
4. Die Bedeutung der Unternehmenskultur für das Post-Merger- Management 29
4.1 Aufgabe und Organisation des Post-Merger-Managements 30
4.2 Kulturbedingte Problemfelder der Post-Merger-Phase 33
4.2.1 Kulturkollision 34
4.2.2 Das Merger-Syndrom 36
4.3 Die Bedeutung der Unternehmenskultur in Abhängigkeit des Integrationsgrades 38
5. Post-Merger Integrationsmodelle 40
5.1 Akkulturation - Nahavandi/Malekzadeh 40
5.2 Kulturkompatibilität - Cartwright/Cooper 43
5.3 Kulturähnlichkeiten - Keller 45
5.4 Kulturbeeinflussung - Buono/Bowditch 48
5.5 Kritische Würdigung der Integrationsmodelle 52
6. Gestaltungsempfehlungen für die Post-Merger- Integration 57
6.1 Implementierung eines Integrationsmanagements 59
6.2 Frühzeitige Zusammenarbeit und Einbezug der Mitarbeiter 61
6.3 Bildung einer Meta-Kultur 63
6.4 Information und Kommunikation 65
7. Schlussbetrachtung 68
Literaturverzeichnis 71

Textprobe:

Kapitel 3.2, Funktionen der Unternehmenskultur:

Bislang wurden in dieser Arbeit nur die Definition und die Elemente der Unternehmenskultur diskutiert, aber keine Aussagen über die eigentlichen Auswirkungen gemacht, welche die Unternehmenskultur auf den Integrationsprozess haben kann. Doch um auch die Unternehmenskultur weiter zu diskutieren und die eigentlichen Auswirkungen zu untersuchen, sind folgende Fragen zu stellen:

Warum ist das Interesse am Konzept und an den Funktionen der Unternehmenskultur für Wissenschaft, Praxis und auch für diese Bachelor Thesis, so groß? Was ist die eigentliche Wirkung der Unternehmenskultur und kann man diese beim Zusammenschluss von zwei Unternehmen beeinflussen?

Um diese Fragen beantworten zu können, müssen zuerst die Funktionen und Wirkungen der Unternehmenskultur genauer geprüft werden. Aus diesem Grunde werden in diesem Abschnitt die systematischen Funktionen diskutiert, die als originär und derivat charakterisiert werden. In Folge der Diskussion ist es vor allem wichtig, die positiven und negativen Effekte einer starken Unternehmenskultur aufzunehmen. Dies erfolgt unmittelbar im nächsten Abschnitt 3.3.

Die originären Funktionen ergeben sich direkt aus der Unternehmenskultur und sind als Funktionen der unmittelbaren Art zu verstehen. Die derivaten Funktionen entstehen als Folge der originären Funktionen und sind indirekt aus den Werten, Normen und Einstellungen ableitbar. Diese Funktionen entstehen erst, wenn gemeinsames Hintergrundwissen mit kognitiven Strukturen verfügbar ist, sodass diese bei anfallenden Problemen unstreitig angenommen werden, und können nur bei einem grundlegenden Konsens bezüglich unternehmenskultureller Werte, Normen und Einstellungen, also bei einer starken und tragfähigen Unternehmenskultur, besetzt werden. Mangelt es an dieser Basis und somit auch an der Grundlage für kulturelle Werte, Normen und Einstellungen, ist anzunehmen, dass eine schwache Unternehmenskultur vorliegt.

Nachfolgend werden nun die zentralen Punkte einer starken Unternehmenskultur und die zugeordneten Funktionen sowie deren mögliche Auswirkungen auf eine Integration von Unternehmenskulturen verdeutlicht.

Kapitel 3.2.1, Originäre Funktionen:

Die originären Funktionen einer Unternehmenskultur ergeben sich aus der Einflussnahme gemeinsam geteilter Werte und Normen. Sie wirken direkt auf das Beziehungsgefüge, das Verhalten und die Handlungen der Organisationsmitglieder. Eine Unternehmenskultur vermag dabei drei originäre Funktionen zu erfüllen: Koordination, Integration und Motivation.

Kapitel 3.2.1.1, Koordinationsfunktion:

Auch zu diesem Begriff gibt es in der betriebswirtschaftlichen Literatur keine einheitliche Definition. Koordination lässt sich generell als die Abstimmung von Teilen eines Ganzen, mit Rücksicht auf das Erreichen einer übergeordneten Zielsetzung, beschreiben. Durch Hierarchien, Arbeitsteilung und Spezialisierung von Prozessen entsteht in jeder Organisation ein gewisser Koordinationsbedarf. Die Aufteilung in verschiedene Abteilungen, Ebenen und die Ordnung der individuellen Interessen der agierenden Personen bedarf weiterer Koordination.

Damit dieser entstehende Bedarf an Koordination gedeckt werden kann, greift man auf so genannte strukturelle Koordinationsinstrumente zurück. Zu diesen Instrumenten zählen u.a. die Organisationsstruktur, Arbeitsanweisungen, Pläne und Programme und persönliche Weisungen. So wird versucht, die Handlungen und das Verhalten der einzelnen Mitglieder zu beeinflussen und von vorn herein im Interesse des Unternehmens zu steuern.

Wichtig ist jedoch, dass diese wegweisenden Regelungen von den Organisationsmitgliedern aufgefasst und interpretiert werden können. Problematisch dabei ist nur, dass sich die Mitglieder ihr individuelles Modell der jeweiligen Situation bilden und dabei stark subjektiv und häufig nicht rational handeln. Somit weicht das Verhalten des Einzelnen häufig vom Vorgegebenen ab.

Abschließend lässt sich sagen, dass formale Regelungen generell nicht ausreichen, um vorhandene Koordinationsbedürfnisse zu befriedigen und deshalb weitere Maßnahmen, die sich positiv auf das engagierte Mitdenken und Handeln der Mitarbeiter auswirken, zur Anwendung kommen müssen.

Das Gefüge der Unternehmenskultur, welches aus Werten, Normen und Einstellungen besteht, kann als Apparat nichtstruktureller Koordination erkannt und durch strukturelle Regelungen vervollständigt werden.

Fundamentale Überzeugungen und Verhaltensmuster, die von allen Organisationsmitgliedern geteilt werden und in der Unternehmenskultur verwachsen sind, stellen ein Orientierungsmuster für kollektives Handeln dar. Das Verhalten und der Umgang miteinander werden durch dieses Orientierungsmuster beeinflusst.

In neuen Konstellationen, in diesem Falle eine Fusion, die durch ihre hohe Dynamik, die organisationsübergreifenden Probleme und Unsicherheit gekennzeichnet ist, können unternehmenskulturelle Koordinationsinstrumente effizienter als strukturelle Maßnahmen sein. Organisationsstrukturen und Arbeitsanweisungen stellen alltägliche Regelungen dar, die nicht für Ausnahmesituationen, wie eine Fusion, geschaffen sind. Bei einer Fusion ist es daher besonders wichtig auf Werte und Normen als zusätzliche, wenn nicht sogar wichtigste Informationsquelle zur Entscheidungsfindung zurückzugreifen.

Die Unternehmenskultur bietet den Mitgliedern in Ausnahmesituationen Rückhalt und zeigt Verhaltens- und Handlungsalternativen auf, die auf gemeinschaftlichen Werten und Normen basieren. Demzufolge wird ein Verhalten generiert, welches auf die Interessen und Ziele des eigenen Unternehmens ausgerichtet ist.

Eine Fusion stellt hierbei noch eine besondere Situation dar, zumal hier die eigene Unternehmenskultur von Änderungen bedroht ist.

Kapitel 3.2.1.2, Integrationsfunktion:

Nach dem Verständnis der Systemtheorie ist die Integration eine spezifische Form der Verknüpfung von Elementen zum Ganzen eines Systems.

Koordinations- und Integrationsfunktion haben eine hohe Korrelation zueinander, stehen aber andererseits auch in Konkurrenz, da beide unterschiedlich qualitative Harmonisierungsarten darstellen. Große divisional aufgestellte Organisationen haben einen besonderen Bedarf nach Integration, begründet mit ihrer Systemdifferenzierung.

Der beachtliche Autonomiegrad und die folgende Bildung von Subkulturen, führen zur Emanzipation und Verdrängung von Unternehmensinteressen zur subkulturellen Zielerreichung. Der Neigung einer Subkulturenbildung kann nur eine starke Unternehmenskultur entgegenwirken. Diese dient als sogenannte ‘social glue’ und trägt zu einem Wir-Bewusstsein bei und steigert zusätzlich die Gemeinsamkeit der einzelnen Subkulturen. Eine weitere positive Wirkung einer starken Unternehmenskultur ist, die hohe Immunität gegenüber internen als auch externen Störungen.

Eine Fusion, bei der es nun um eine Umgestaltung bzw. Anpassung der Unternehmenskultur und eine Veränderung in der Organisation geht, wird durch die meisten Mitglieder als externe Störung angesehen. Die Gemeinsamkeit und der Zusammenhalt der einzelnen Subsysteme werden sich in einer Fusion in Form von Widerständen präsentieren.

Kapitel 3.2.1.3, Motivationsfunktion:

In der Arbeitsmotivation spiegelt sich die Einstellung des Mitarbeiters hinsichtlich der Wahrnehmung zur Erfüllung seiner Aufgaben und Pflichten wider. Deshalb spielt die Motivation für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens eine bedeutende Rolle.

‘Motivation entsteht dann, wenn eine Person mit Anregungsbedingungen der umgebenen Situation konfrontiert wird, die in ihr ganz bestimmte Motive aktiviert, die wiederum Verhaltensintentionen auslösen.’ Die Zufriedenheit bzw. die Unzufriedenheit wird also von der Unternehmenskultur beeinflusst. Herzberg/Mausner/Snydermann differenzieren in der Zweifaktorentheorie zwischen Motivations- und Hygienebedürfnissen. Die Motivationsfaktoren (Intrinsische Faktoren), wie Anerkennung, Verantwortung, Art der Arbeit und Beförderungsmöglichkeiten, bedingen die positive Einstellung und die Zufriedenheit des Mitarbeiters und dienen allein der Herstellung der Arbeitszufriedenheit.

Die extrinsischen Arbeitsbedürfnisse werden vor allem durch die Hygienefaktoren (z.B. Arbeitsbedingungen, Entgelt, Führungsstil, zwischenmenschliche Beziehungen, Arbeitsplatzsicherheit, etc.) beeinflusst. Die Unzufriedenheit am Arbeitsplatz kann durch die Hygienefaktoren verringert werden. Kulturelle Einflüsse wie z.B. die Unternehmenspolitik oder der Führungsstil haben einen erheblichen Einfluss auf die Hygienefaktoren und Motivatoren einer Organisation.

Die Unternehmenskultur trägt demzufolge zum Abbau von Arbeitsunzufriedenheit und zur Verstärkung von Arbeitszufriedenheit bei. Führt die Motivation der einzelnen Mitarbeiter dazu, dass diese sich mit dem Unternehmen identifizieren (corporate identification), hat dies positiven und äußerst wertvollen Einfluss auf den Erfolg der Unternehmung. Die ‘corporate identification’ (starke Bindung mit dem Unternehmen) stellt einen unternehmerischen Erfolgsfaktor dar, trägt aber gleichzeitig zu einem Abwehrverhalten gegenüber der anderen Unternehmenskultur und den Einflüssen des Fusionspartner in einem Merger bei. Somit können sich die Mitarbeiter, die durch eine starke Unternehmenskultur beeinflusst werden, nur äußerst schwer von den gewohnten und gelebten Grundsätzen, Werten und Normen trennen. Die Organisation wird durch die originären Funktionen zusammengehalten und sorgt somit auch für ein Miteinander der einzelnen Subsysteme.

Ferner hat die spezifische Unternehmenskultur auch motivierende Perspektiven. Die Unternehmenskultur nimmt, abgesehen von den strukturellen Steuerungs-mitteln, Einfluss auf das Handeln der einzelnen Mitglieder in Ausnahmesituationen, somit auch in Fusionen. Die weiteren Funktionen der Unternehmenskultur und ihren Einfluss auf die Integrationsphase der Fusion analysieren die nächsten Abschnitte.

Arbeit zitieren:
Götze, Sandra April 2010: Fusion oder Konfusion?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Post-Merger, Projektmanagement, Unternehmenskultur, Mergers&Akquisitions, Fusion

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