Fundamentalfaktoren versus sich selbst erfüllende Erwartungen
Traditionelle und neuere Erklärungsansätze für Währungskrisen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Ulf Dieter Slopek
- Abgabedatum: August 2002
- Umfang: 111 Seiten
- Dateigröße: 820,0 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4871-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4871-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4871-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Slopek, Ulf Dieter August 2002: Fundamentalfaktoren versus sich selbst erfüllende Erwartungen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Fundamentalfaktoren, Währungskrisen, sich selbst erfüllende Erwartungen, spekulative Angriffe, fixe Wechselkurse
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Diplomarbeit von Ulf Dieter Slopek
Einleitung:
Die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts haben zahlreiche schwere Währungskrisen gesehen, darunter die Krise des EWS (1992-93), die lateinamerikanische „Tequila-Krise“ (1994-95) und die Asienkrise (1997-98). Während diese Krisenepisoden den Eindruck bestätigen, daß Systeme fester Wechselkurse unvermeidbar zum Scheitern verurteilt sind, herrscht unter Ökonomen jedoch keinesfalls Einigkeit über die Ursachen von spekulativen Angriffen, welche eine Währungskrise konstituieren und letztlich die Aufgabe des Fixkurses erzwingen. In der traditionellen Sicht, erstmals von Krugman (1979) in einem Modell formalisiert, sind Währungskrisen auf die Verschlechterung makroökonomischer Fundamentalfaktoren, der fundamentals, zurückzuführen. Durch Devisenspekulationen werden die Regierungen dann lediglich einer wünschenswerten Disziplinierung unterworfen, indem eine untragbare Geld- und Fiskalpolitik bestraft wird. Demgegenüber schieben die Regierungen krisengeschüttelter Länder die Schuld nur allzu gerne den Spekulanten zu, durch deren willkürliches Treiben gesunde Volkswirtschaften zu Fall gebracht würden. Untermauert wird diese Haltung oftmals mit dem Hinweis auf Mechanismen sich selbst erfüllender Markterwartungen, die Gegenstand theoretischer Arbeiten insbesondere von Obstfeld (1994, 1995, 1997) sind.
Die vorliegende Arbeit soll nun einen Überblick über die verschiedenen Erklärungsansätze für Währungskrisen geben und auf diese Weise versuchen, etwas Licht in die Debatte um Fundamentalfaktoren und sich selbst erfüllende Erwartungen zu bringen. Dabei wird deutlich, daß Währungskrisen eine unvermeidbare Folge der grundsätzlichen Problematik fixer Wechselkursregime sind, nämlich des Zielkonflikts zwischen interner und externer Stabilität. Bei der Darstellung der verschiedenen Ansätze wird insbesondere Wert gelegt auf ihre jeweiligen theoretischen Grundlagen. So wird das Krugman-Modell aus dem Salant-Henderson-Modell für Preisfixierungen bei nicht-erneuerbaren Ressourcen hergeleitet, das Obstfeld-Modell aus dem Zeitkonsistenzproblem von Kydland und Prescott bzw. aus dem Barro-Gordon-Modell. Auch die Erklärungsansätze der dritten Generation werden erläutert, in deren Mittelpunkt die engen Verbindungen zwischen Währungs- und Bankenkrisen sowie die Auswirkungen von Währungskrisen auf den realen Sektor der Volkswirtschaft stehen. Die Arbeit schließt mit einer Diskussion der wichtigsten wirtschaftspolitischen Implikationen. Im Anhang findet sich die mathematische Herleitung der Gleichgewichtslösungen für das Krugman-Flood-Garber-Modell und das Obstfeld-Modell.
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | 2 | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | 4 | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | 5 | |
| SYMBOLVERZEICHNIS | 6 | |
| 1. | EINLEITUNG | 8 |
| 1.1 | DAS PROBLEM DES ZAHLUNGSBILANZAUSGLEICHS | 10 |
| 1.2 | DER KONFLIKT ZWISCHEN INTERNER UND EXTERNER STABILISIERUNG BEI FIXIERTEN WECHSELKURSEN | 13 |
| 1.3 | SPEKULATIONEN BEI FIXIERTEN WECHSELKURSEN | 14 |
| 2. | Erklärungsansätze der ersten Generation | 16 |
| 2.1 | ERKLÄRUNG VON WÄHRUNGSKRISEN BEI EXOGEN DETERMINIERTER POLITIK | 16 |
| 2.1.1 | Theoretische Grundlagen: Die Problematik von Preisfixierungen | 16 |
| 2.1.2 | Das Grundmodell von Krugman in seiner linearisierten Form (Krugman-Flood-Garber-Modell) | 21 |
| 2.1.3 | Erweiterungen des Grundmodells | 27 |
| 2.2 | ERKENNTNISWERT UND EMPIRISCHE RELEVANZ | 30 |
| 3. | Erklärungsansätze der zweiten Generation | 32 |
| 3.1 | ERKLÄRUNG VON WÄHRUNGSKRISEN BEI ENDOGEN DETERMINIERTER POLITIK | 33 |
| 3.1.1 | Theoretische Grundlagen: Das Koordinationsproblem des Marktes und das Zeitkonsistenzproblem der Politik in spieltheoretischer Sicht | 33 |
| 3.1.2 | Das Modell von Obstfeld | 41 |
| 3.1.3 | Alternative Beispiele und Modellerweiterungen | 47 |
| 3.2 | ERKLÄRUNGSANSÄTZE IN ANKNÜPFUNG AN DIE ZWEITE MODELLGENERATION | 50 |
| 3.2.1 | Versuche zur Synthese der ersten und zweiten Modellgeneration | 51 |
| 3.2.2 | Herding und global games | 53 |
| 3.2.3 | Contagion | 58 |
| 3.3 | ERKENNTNISWERT UND EMPIRISCHE RELEVANZ | 62 |
| 4. | Erklärungsansätze der dritten Generation | 66 |
| 4.1 | ERKLÄRUNG VON WÄHRUNGSKRISEN IM ZUSAMMENHANG MIT KRISEN DES FINANZ-SEKTORS | 66 |
| 4.1.1 | Theoretische Grundlagen: Erklärungsansätze für bank runs in einer geschlossenen Volkswirtschaft | 67 |
| 4.1.2 | Modelle für bank runs mit Eigenschaften offener Volkswirtschaften | 69 |
| 4.1.3 | Modelle für Währungskrisen mit integriertem Bankensektor | 72 |
| 4.2 | ERKLÄRUNG VON WÄHRUNGSKRISEN IM ZUSAMMENHANG MIT KRISEN DES REALEN SEKTORS | 74 |
| 4.2.1 | Theoretische Grundlagen: Der balance sheet approach in einer geschlossenen Volkswirtschaft | 75 |
| 4.2.2 | Der balance sheet approach in einer offenen Volkswirtschaft | 76 |
| 4.3 | ERKENNTNISWERT UND EMPIRISCHE RELEVANZ | 79 |
| 5. | Wirtschaftspolitische Schlußfolgerungen | 80 |
| 5.1 | GELD- UND FISKALPOLITIK IM RAHMEN DER KRISE | 82 |
| 5.2 | DIE DEBATTE UM KAPITALVERKEHRSKONTROLLEN | 83 |
| 5.3 | DIE WAHL DES WECHSELKURSREGIMES | 85 |
| MATHEMATISCHER ANHANG | 87 | |
| A. | HERLEITUNG DER ATTACK TIME TA IM KRUGMAN-FLOOD-GARBER-MODELL | 87 |
| B. | HERLEITUNG DER RATIONAL ERWARTETEN WECHSELKURSÄNDERUNG IM OBSTFELD-MODELL | 91 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 99 | |
| EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG | 107 |
Bereits Flood und Garber (1984b) haben darauf hingewiesen, daß sich auch in einem Modell exogen determinierter Politik multiple Gleichgewichte einstellen können: Unter der Annahme, daß die Zentralbank nach Aufgabe eines Goldstandards die Geldbasis im Sinne des Krugman-Modells stetig erhöhen wird, hängt ein spekulativer Angriff allein von den Erwartungen des Marktes bezüglich der Überlebensfähigkeit des Goldstandards ab.360 Obstfeld (1986b) überträgt ihre Argumentation auf Fixkurssysteme im allgemeinen, wobei hier ebenfalls eine unterstellte Politik erhöhter Inflation infolge eines Regimewechsels jeden spekulativen Angriff ex post rechtfertigt und damit den Mechanismus sich selbst erfüllender Erwartungen ermöglicht.361 Demgegenüber modellieren Flood und Marion (1996, 2000) multiple Gleichgewichte in einem Modell der ersten Generation, ohne auf eine Änderung der Geldpolitik zurückgreifen zu müssen, sondern einzig durch das Verhalten der privaten Wirtschaftssubjekte.362 Sie führen nämlich in die Gleichung der Zinsparität eine stochastische Risikoprämie ein, die das von den Investoren wahrgenommene Risiko inländischer assets widerspiegelt.363 Falls die Marktteilnehmer ein erhöhtes Risiko bemerken, werden dadurch die shadow exchange rate und damit auch Profitabilität sowie Zeitpunkt eines spekulativen Angriffs beeinflußt.364 Derartige Änderungen des wahrgenommenen Risikos können durch zufällige sunspots ausgelöst werden, allerdings nur dann eine Währungskrise heraufbeschwören, wenn der Fixkurs aufgrund einer Verschlechterung der ökonomischen Grundlagen hinreichend verwundbar geworden ist.365 Insgesamt bedingt die stochastische Risikoprämie die Nicht-Linearität der Gleichgewichtsbedingung für den Geldmarkt und auf diese Weise die Existenz multipler Gleichgewichte.366 In einem anderen Ansatz versuchen Flood und Marion (1998) die erste und zweite Generation dadurch zu versöhnen, daß in einem Krugman-Flood-Garber-Modell das Niveau der Währungsreserven, bei dem der fixe Wechselkurs aufgegeben wird, nicht länger exogen vorgegeben ist (und gleich null gesetzt wird), sondern von einem Politiker gewählt wird.367 Wenn dessen Optimierungsproblem dabei aus einem tradeoff zwischen [...]
die Signalling-Effekte der Zinspolitik.352 Abstrahiert man von den direkten Wirkungen der Zinsen auf die Kosten der Spekulation, so kann ein Politiker mit hohen Zinsen dem Markt sein commitment zum fixierten Wechselkurs signalisieren, weil sie für die Regierung mit Kosten verbunden sind.353 Durch ein kräftigeres Anheben der Zinsen könnte die Regierung zudem um den Preis eines höheren ökonomischen Verlustes heute eine noch „toughere“ Reputation erwerben und auf diese Weise die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Währungskrisen reduzieren.354 Freilich wird sich ein Politiker nur dann für Zinssteigerungen entscheiden, wenn er den momentanen Marktdruck für transitorisch hält, wohingegen bei permanenten Problemen der Aufbau einer Reputation eine Verschwendung von Ressourcen darstellt.355 Andererseits könnte eine Politik der hohen Zinsen von den Märkten aber auch dergestalt interpretiert werden, daß die Regierung über nicht genügend Währungsreserven oder internationale Kreditmöglichkeiten mehr verfügt, um den Fixkurs auf andere Weise zu verteidigen.356 Mit dieser zweideutigen Signalwirkung versucht Drazen zu erklären, warum in der Realität der Erfolg einer Abwehr spekulativer Angriffe mit Hilfe der Zinspolitik so unterschiedlich ausfällt.357 [...]
teinehmer bezüglich des commitments der Regierung sowie um eine Zwei-PeriodenBetrachtung, wodurch sie die Auswirkungen persistenter Outputschocks untersuchen können.346 Ist deren Persistenz hinreichend groß, dann wird durch die heutige Entscheidung, den Fixkurs aufrechtzuerhalten, die Unterbeschäftigung in den folgenden Perioden gesteigert.347 Damit beschränkt ein Festhalten am Wechselkurs den Handlungsspielraum der Politik in der Zukunft und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Abwertung in der nächsten Runde.348 Die Glaubwürdigkeit des commitments zu einem fixen Wechselkurs kann also infolge eines „playing tough“ durchaus sinken.349 So hatte es innerhalb des EWS zwischen 1987 und 1992 keinerlei realignments gegeben,350 worunter angesichts zunehmender Arbeitslosigkeit 1992 in Europa die Glaubwürdigkeit der fixierten Paritäten litt.351 In einem ähnlichen Umfeld der Unsicherheit, in dem die Privaten nur unvollständige Informationen über die Charakteristik der Regierung besitzen, analysiert Drazen (2001) [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832448714
Arbeit zitieren:
Slopek, Ulf Dieter August 2002: Fundamentalfaktoren versus sich selbst erfüllende Erwartungen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Fundamentalfaktoren, Währungskrisen, sich selbst erfüllende Erwartungen, spekulative Angriffe, fixe Wechselkurse



