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Führung und Erziehung

Überlegungen zu einem sozialpädagogischen Grundproblem

Führung und Erziehung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Michael Fleißer
  • Abgabedatum: Februar 2006
  • Umfang: 153 Seiten
  • Dateigröße: 620,1 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Eberhard Karls Universität Tübingen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9693-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9693-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9693-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Fleißer, Michael Februar 2006: Führung und Erziehung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Führungstechnik, Wirkung, Partizipation, Motivation, Kommunikation

Diplomarbeit von Michael Fleißer

Einleitung:

Zu Beginn: Führung entsteht dann, wenn zwei Menschen ein Ziel haben, das sie je für sich nicht erreichen können. Was zeichnet die Führungsperson Erzieher und deren Adressaten im Erziehungskontext aus? Inwieweit ist Führung im Erziehungskontext besonders, anders, relevant und immer wieder wert, aktualisiert diskutiert zu werden? Diese Fragen sind für mich Grund, Führung und Erziehung als sozialpädagogisches Grundproblem (wieder) in Verbindung zu bringen.

Das Problem des Anfangs: Es ist in meinen Erfahrungen begründet. Zunächst erfuhr ich Führung als Adressat, dann als angehender Pädagoge im Umgang mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen; also im unmittelbaren Erziehungskontext. Hier im Arbeitsfeld der Sozialpädagogik fand in gewisser Weise für mich ein Wechsel vom „Adressaten der Führung“ hin zu einer (nicht so besonderen) Art „Führungskraft“ als Repräsentant der Erziehung statt. Inzwischen konnte ich in der Führungskräfteentwicklung, einer Sonderabteilung der Personalentwicklung in einem Weltkonzern erkennen, dass Fragen zur Führung grundsätzlich konzeptionell erarbeitet werden können. Es soll mir gelingen, anhand von Überlegungen zu dem sozialpädagogischen Grundproblem Führung und Erziehung erkennbar zu machen, dass eine Abgrenzung von Führung und Erziehung zwar notwendig ist und bleibt, und eine Gleichsetzung beider Begriffe daher absolut unzulänglich ist. Gleichzeitig soll aber die unübersehbare Notwendigkeit von Führung in der Erziehung (wieder) erkennbar werden und nicht geleugnet werden.

Zur Vorgehensweise: In der Arbeit geht es darum, anhand von begründeten Überlegungen zu dem sozialpädagogischen Grundproblem Führung und Erziehung erkennbar zu machen wie Führung und Erziehung in einer ganz spezifischen, besonderen Verbindung stehen und wie sie sich wechselseitig bedingen (können). Zunächst muss dazu aber geklärt werden, was Führung überhaupt ist und was Führung unter verschiedenen sozialpädagogisch relevanten Aspekten kennzeichnet und welchen Stellenwert die Führung in sozialpädagogisch relevanten Bereichen heute hat. Der erste (kleinere) Teil der Arbeit beginnt also damit, Führung umfassend zu definieren.

Hierzu müssen zunächst exemplarisch verschiedene erziehungskontextrelevante Aspekte, unter denen Führung eingegrenzt beziehungsweise erfahren werden kann, zumindest beschrieben werden. Der zweite, der Hauptteil der Arbeit, befasst sich dann explizit mit der ganz besonderen und aktualisierten Verbindung von Führung und Erziehung. Ich stelle den personal-situativen Bezugsrahmen der Führung in der Erziehung dar. Führung und Verlässlichkeit versus fehlende Führung in der Erziehung ist als Spannungsfeld unübersehbar. Die Frage nach den entscheidenden Einflussfaktoren auf Führung in den Erziehung will ich anschließend beschreiben. Neben intra- und interpersonalen Einflussfaktoren sind die Wirkungen der kulturellen Orientierungen der Beteiligten im Erziehungskontext der Führung ebenfalls entscheidend und erleichtern das Verständnis. Ich werde Führungstechniken und die Notwendigkeit von Führung in der Erziehung diskutieren. An Beispielen zeige ich exemplarisch, wo in der Erziehung geführt wird. Im dritten Teil geht es dann um beispielhafte sozialpädagogisch relevante Wirkungen und Grenzen von Führung. Die Arbeit endet mit einem Fazit.

Die Arbeit konzentriert sich erstens auf eine umfassende erziehungskontextrelevante Definition von Führung; zweitens auf Führung in der Erziehung als eine unübersehbare Notwendigkeit von Erziehung und drittens auf ausgewählte erziehungskontextrelevante Wirkungen und Grenzen der Führung in diesem Zusammenhang. Vor diesem Hintergrund werden pädagogische Erkenntnisse zitiert und eingearbeitet.

Aber: Auch ausgewählte Erkenntnisse aus benachbarten Professionen der Sozialpädagogik werden zitiert. Auf Grundlage dieser Ergebnisse / Erkenntnisse erfolgen dann die beispielhaften Realitätszuweisungen zu aktuellen sozialpädagogischen Arbeitsfeldern. Ich sehe damit den inhaltlichen Schwerpunkt der Arbeit in der Erarbeitung grundlegender Überlegungen zur Führung und Notwendigkeit von Führung in der Erziehung. Die Arbeit dient damit dem besseren Verständnis der Notwendigkeit von Führung in der Erziehung. Ich werde dabei keine vertiefende Diskussion erziehungskontextrelevanter Führungstheorien vor dem Hintergrund des Personalismus, des Positivismus, des Pragmatismus, des Liberalismus, des Behaviorismus, des Strukturalismus beziehungsweise Funktionalismus oder sonstiger philosopisch-weltanschaulicher Richtungen führen. Das würde den Rahmen der Arbeit sprengen. Sie (diese Richtungen) fließen aber (unvermeidlich) mit ein.

Es geht in der Arbeit also zusammenfassend um die weitgehend „neutrale“, erziehungskontextgebundene Verständniserhöhung von Führung als einem pädagogischen Tatbestand der „erzieherischen“ Gesellschaft. Die Arbeit erhebt mit ihren Überlegungen zu keinem Zeitpunkt den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie erhebt aber den Anspruch auf eine grundlegende Verständniserhöhung von Führung im Erziehungskontext. Alles andere ist nicht Gegenstand der Arbeit.

Inhaltsverzeichnis:

A. Führung 5
1. Einleitung 6
1.1 Abgrenzung 6
1.2 Erweiterter Definitionsversuch 7
1.3 Stand der Führungsforschung 9
1.4 Historische Einordnung 11
2. Sozialpädagogisch relevante Blickwinkel auf Führung 12
2.1 Der soziologische Blickwinkel 12
2.2 Der psychologische Blickwinkel 14
2.3 Der „rein“ pädagogische Blickwinkel 16
2.4 Der politische Blickwinkel 18
2.5 Der ökonomische Blickwinkel 20
2.6 Der rechtliche Blickwinkel 22
2.6 Schlussfolgerungen 23
3. Führungshandeln als sozialpädagogisch relevanter Kern von Führung 25
3.1 Handlungstheorie und Führung 25
3.2 Führung und Kommunikation 28
3.3 Führung und Interaktion 31
3.4 Überleitung auf den Erziehungskontext im engeren Sinn 34
B. Führung und Erziehung 37
4. Personal-situativer Bezugsrahmen der Führung und Erziehung 38
4.1 Führen und Erziehen von Einzelnen 38
4.2 Führen und Erziehen (von und) in Gruppen 41
4.3 Führen und Erziehen (von und) in Organisationen 44
5. Führung und Verlässlichkeit versus fehlende Führung 48
5.1 Innere Verlässlichkeit 49
5.2 Äußere und vorgegebene Verlässlichkeit 51
5.3 Gewissheitsorientierung vs. Ungewissheitsorientierung der Beteiligten 53
5.3.1 Bedingungen von Veränderung und deren Bedeutung für die Geführten und die Führer 55
5.3.2 Wirkung der Wahrnehmung 56
5.4 Schlussfolgerungen 58
6. Einflussfaktoren auf die Führung in der Erziehung 60
6.1 Die Geführten als „treibende“ beziehungsweise „bremsende“ Kraft 61
6.2 Das Umfeld von Führern und Geführten und seine Bezüge 63
6.3 Das Weltbild von Führer(n) und Geführten 64
6.4 Die Wirkungen der Kultur 66
6.4.1 Wirkung(en) unterschiedlich kultureller Orientierung(en) auf die Führung in der Erziehung .68
6.4.2 Kulturelle Orientierungen als bestimmender Faktor für die Handlungsmöglichkeiten der Beteiligten 72
6.4.3 Determinieren unterschiedliche kulturelle Orientierungen die Führung im Erziehungskontext 73
6.5 Zusammenhang 75
7. Erziehungskontextrelevante Modelle der Führung und exemplarische Handlungsformen darin 76
7.1 Exemplarische Modelle 77
7.1.1 Führen und Erziehen über Ziele 77
7.1.2 Führen und Erziehen nach dem Prinzip der Ausnahme 79
7.1.3 Führen und Erziehen durch Motivation 81
7.1.4 Führen und Erziehen nach einer Art Regelkreis 84
7.2 Empfehlungen aus den Führungsmodellen für den Erziehungskontext 85
8. Diskussion um Führung als eine notwendige Prämissen von Erziehung? 88
8.1 Das erzieherische Element in der Führung und umgekehrt 90
8.1.1 Unterschiedlichkeit der Führungselemente nach Erziehungsstil und Menschenbild 91
8.1.2 Unterschiedliche Ausprägung der Führungsstärke- und tiefe je nach Erziehungsstil 94
8.1.3 Überzeugung / Überredung / Zwang – aktuelle gesamtgesellschaftliche geforderte Tendenzen und deren Bedeutung für die Führungselemente in der Erziehung 95
8.1.4 Wirkung von Überzeugung für die Führung – Beschränkung der Möglichkeiten für die Beteiligten oder legitimer Anspruch? 96
8.2 Zusammenhang und Zwischenergebnis 98
9. Bedeutung des „notwendigen“ Elementes Führung für Erziehung und Kritik daran 99
9.1 Führen oder Wachsenlassen – Ein bekannter Widerspruch 100
9.2 Führung – ein verbal „verdecktes“ Instrument von Erziehung? 101
9.3 Grenzen der Erziehung = Grenzen der Führung 103
9.4 Zusammenhang 104
9.5 Aktuelle Tendenzen und Unterschiede angewandter Führungselemente in der Erziehung 105
9.5.1 Interaktion; Kommunikation und der Umgang mit Hindernissen und Hemmnissen 106
9.5.2 Ergebnis 108
10. Blick auf Besonderheiten von Führung aufgrund unterschiedlicher Erziehungskontexte 109
10.1 Im familiären Kontext 109
10.2 Im schulischen Kontext 111
10.3 Im betrieblichen Kontext 112
10.4 Im kirchlichen Kontext 113
10.5 Zusammenhang 114
11. Beispielhafte Würdigung einiger Ergebnisse und exemplarische Konkretisierungen am Beispielausgewählter Erziehungseinrichtungen und Institutionen 116
11.1 Orte frühkindlicher Erziehung 116
11.1.1 Familie 117
11.1.2 Kindertagesstätten 118
11.2 Orte der Jugend- und Heimerziehung 118
11.2.1 Wohngruppen 119
11.2.2 Betreutes Jugendwohnen 120
11.3 Andere Orte der Erziehung 121
11.3.1 Betriebliche Einrichtungen 121
11.3.2 Peergroups 122
C. Erziehungskontextrelevante Wirkungen und Grenzen von Führung 124
12. Erziehungskontextrelevante Wirkungen von Führung 125
12.1 Motivation 125
12.2 Partnerschaft 128
12.3 Konflikt 129
12.4 Zusammenhang 130
13. Erziehungskontextrelevante Grenzen der Führung 132
13.1 Führung und Opposition 132
13.2 Führung und „Krieg“ 133
13.3 Zusammenhang 134
D. Fazit 136
Literaturverzeichnis 140

Automatisiert erstellter Textauszug:

70 kulturelle Unterscheidung bezogen auf Nationen, wie oben bereits angedeutet erstens nicht mehr ausreichend ist, und zweitens für den Führungskontext allgemein und vor allem für den Erziehungskontext, wie ihn beispielsweise der bereits zitierte Landesjugendbericht herausstellt, ungeeignet ist. Kulturelle Unterscheide sind heute beides; vermindert und verstärkt. Zum einen bedingt die Globalisierung in einer wie auch immer globalisierten Welt eine Verringerung der kulturellen Unterschiede und damit der Handlungsmöglichkeiten bezogen auf Nationen164 zum anderen werden kulturelle Unterschiede eben durch (neu) entstehende Parallelgesellschaften verstärkt. Beiden Faktoren sieht sich die Führungskraft im Erziehungskontext gegenüber. Dennoch verdeutlicht eine Unterscheidung mit Hilfe der Internationalität grundsätzlich, worum es geht. Internationale Zusammenarbeit ist in erster Linie die Zusammenarbeit von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Orientierungen, ganz unabhängig davon, welche konkreten Führungsaufträge in welchen institutionellen Bezügen sie erfüllen. Dabei aber können sie schon deshalb nicht Vertreter von "Nationalkulturen" sein, weil dieser Begriff explizit oder implizit die Einheit von Territorium, Staatszugehörigkeit, Ethnizität, Sprache und womöglich noch von Religion, Weltanschauung und Verhaltenstypik voraussetzt, die empirisch für real existierende Staaten nicht nachgewiesen werden kann und wohl auch historisch eher ideologischen Charakter hat, nicht aber ein reales Phänomen bezeichnet. Kulturelle Sachverhalte lassen sich heute schwer mit „klassischen Unterscheidungen“ wie [...]

Führungssituation für kurze Zeit oder in relativer Dauerhaftigkeit aufeinander, wird es zu „interkulturellem Lernen“ kommen, weil die Hemmnisse und Schwierigkeiten zur Erreichung der Ziellandschaft zwar da sind, aber von den Beteiligten erstens überwunden werden wollen und zweitens auch für das Erreichen der Ziellandschaft überwunden werden müssen. Erziehung muss vor diesem Hintergrund in gewisser Weise, wo notwendig integrieren oder die Integration unterstützen, damit die Menschwerdung gelingt. Man kann bei der personalinteraktiven Führung grundsätzlich von einer Art personalem Zusammenwirken mehrer Personen ausgehen. Sie werden ihre Handlungen so an der Erreichung einer wie auch immer begründeten Ziellandschaft ausrichten, wie es zur Überwindung von Schwierigkeiten und Hemmnissen einmal im Führungsprozess selbst, und einmal durch die Veränderung der momentan vorgefundenen Wirklichkeit notwendig ist. Hier wird noch mal deutlich, dass eine [...]

69 Erziehungskontext bewusst dran ansetzen, die Unterschiede zu begreifen und so einzusetzen , dass ein Führungshandeln im Erziehungsprozess gelingt. Eine Auseinandersetzung mit der Kultur erscheint also notwendig, um eben die kulturellen Hemmnisse und Hindernisse auf dem Weg zur Menschwerdung (in der Gesellschaft) zu überwinden. Dies gilt in gleichem Maße für engere kulturelle Kontexte (z.B. in dem eines Fußballvereins einer örtlichen Liga), einer konkreten Situation (im Schachspiel), wie eben auch für interkulturelle Fragestellung der „reinen“ Führung (Zusammenarbeit in und mit einem Weltkonzern). Es ist sozusagen bei der Konzeption des Führungshandelns von der reflektierten Führungskraft sinnvoller Weise erwartbar, dass sie sich mit kulturellen Fragestellungen befasst. So werden Adressaten von Erziehung und Führung ja bereits in einen bestimmten kulturellen Kontext hineingeboren. Dieses beinhaltet die Möglichkeit der Veränderung und Beeinflussung in weitaus stärkerem Maße, da der Entwicklungsaspekt stärker ausgeprägt ist. Es ist an der Stelle grundsätzlich sinnvoll, genauere Unterscheidungen einzuführen. Der „kulturell einfachste Fall“ der Führung in der Erziehung liegt vor, wenn die Beteiligten sozusagen den gleichen kulturellen Hintergrund teilen und ihn, so wie er ist, insoweit akzeptieren, als sie zumindest auf der Handlungsebene nicht von den kulturellen Vorgaben abweichen. Wenn auch nur einer der Beteiligten den gemeinsamen kulturellen Hintergrund nicht akzeptiert und eben nicht nach den darin enthaltenen Handlungsmustern agiert, sieht sich die Führung (auch in der eigenen Person) hier Widerstand, also einer neuen Kategorie von „grundsätzlichen“ Widerstand gegenüber. Weiter kann unterschieden werden nach unterschiedlichen kulturellen Hintergründen der Beteiligten, die ihre kulturellen Hintergründe grundsätzlich akzeptieren und ihre Handlungen daran auch orientieren und bewerten, aber die Unterschiede eben zu Gunsten der Ziellandschaft hinten anstellen. Treffen solche Beteiligten in der [...]

Arbeit zitieren:
Fleißer, Michael Februar 2006: Führung und Erziehung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Führungstechnik, Wirkung, Partizipation, Motivation, Kommunikation

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