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Frühkindliche Bildung in der Kindertagespflege

Frühkindliche Bildung in der Kindertagespflege
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Anja Schäfer
  • Abgabedatum: Dezember 2009
  • Umfang: 58 Seiten
  • Dateigröße: 2,5 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Münster Deutschland
  • Bibliografie: ca. 60
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4772-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schäfer, Anja Dezember 2009: Frühkindliche Bildung in der Kindertagespflege, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kindertagespflege, frühes Lernen, Bildungsauftrag, Entwicklungspsychologie, Bildungsverständnis

Bachelorarbeit von Anja Schäfer

Einleitung:

Bildung ist für die Mitglieder von Wissens- und Leistungsgesellschaften eine wertvolle Ressource, da Fähigkeiten und Wissensbestände immer systematischer als universales Instrument zur Problemlösung genutzt werden. Nach den Ergebnissen einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gibt Deutschland 10 – 20 % mehr Geld für Bildung, Dienstleistungen und direkte Finanztransfers für Kinder aus als die OECD-Länder im Durchschnitt. Dennoch geht es Kindern hierzulande in einigen Bereichen schlechter als Gleichaltrigen in den Vergleichsländern. Defizite zeigt die Studie unter anderem beim Thema Bildung. In Deutschland bestehen große Unterschiede zwischen starken und schwachen Schülern bei insgesamt eher durchschnittlichen Leistungen. Auch das mittelmäßige Abschneiden deut-scher SchülerInnen in den großen Bildungsstudien der letzten Jahre wirft die Frage auf, ob Kinder in Deutschland gute Bedingungen für ihre Bildungsentwicklung vorfinden.

Die Kindertagespflegestelle als eine der ersten Betreuungs- und Bildungsinstanzen bildet für immer mehr Kinder den Rahmen frühkindlicher Bildungsentwicklungen. Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen wie z.B. die zeitliche und räumliche Entgrenzung der Erwerbsarbeit und steigende Müttererwerbstätigkeit, Individualisierung von Familienformen oder schlicht mit der Einführung des auf ein Jahr begrenzten Elterngeldes steigt der Betreuungsbedarf für unter dreijährige Kinder. Mit dem steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen in der Kindertagespflege und der hohen Bedeutung von Bildung als Ressource für gelingende Lebensentwicklungen rücken die Qualität der Kindertagespflege und die Möglichkeiten, Bildungsprozesse von kleinen Kindern im Rahmen dieser familiennahen Betreuungsform zu fördern, verstärkt in den Fokus.

Die vorliegende Bachelor-Arbeit befasst sich mit der frühkindlichen Bildung in der Kindertagespflege unter der leitenden Fragestellung „Kann der frühkindliche Bildungsauftrag in der Kindertagespflege unter den aktuellen Bedingungen erfüllt werden?“. Ziel der Arbeit ist es aufzuzeigen, dass eine Diskrepanz zwischen aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, Theorien und Methoden und der praktischen Umsetzung besteht. Ich gehe von der Hypothese aus, dass die aktuellen Bedingungen nur teilweise sicherstellen, dass der frühkindliche Bildungsauftrag in der Kindertagespflege erfüllt werden kann.

Die Fragestellung grenze ich insofern ein, als ich die Bedingungen für frühkindliche Bildung von Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren in Nordrhein-Westfalen untersuchen werde. Darüber hinaus wäre es zwar auch wichtig, sich mit der Bildungssituation benachteiligter oder behinderter Kinder auseinanderzusetzen, allerdings übersteigt dies den Rahmen dieser Arbeit.

In Kapitel 2 werde ich zunächst Begriffe klären und die derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen aufzeigen. In Kapitel 3 wird Grundlegendes zum Thema frühkindliche Bildung thematisiert. Daraufhin werde ich in Kapitel 4 die aus dem Bildungsauftrag sowie den Erkenntnissen über das Lernen in der frühen Kindheit hervorgehenden Anforderungen an die Kindertagespflege aufzeigen. Darüber hinaus beinhaltet das Kapitel einen Exkurs zum Thema „Bildungs- und Lerngeschichten“ als Beispiel für eine Methode zur Unterstützung kindlicher Bildungsprozesse. In Kapitel 5 schließt sich eine Darstellung aktueller Daten und Informationen zu den Bedingungen für Bildungsprozesse in der Kindertagespflege an, soweit die Datenlage dies erlaubt. Abschließen werde ich diese Arbeit mit dem Resümee (Kapitel 6). Die Abbildungen befinden sich im Anhang.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 3
2. BEGRIFFSKLÄRUNGEN UND RAHMENBEDINGUNGEN 4
2.1 DER BEGRIFF „KINDERTAGESPFLEGE“ 4
2.2 RECHTLICHE GRUNDLAGEN: DER BILDUNGSAUFTRAG IN DER KINDERTAGESPFLEGE 5
2.3 DAS BILDUNGSVERSTÄNDNIS IN DER ELEMENTARBILDUNG 8
3. GRUNDLAGEN UND VORAUSSETZUNGEN FÜR FRÜHES LERNEN 10
3.1 KINDLICHE GRUNDBEDÜRFNISSE 10
3.1.1 Physische Grundbedürfnisse 10
3.1.2 Psychische Grundbedürfnisse 10
3.2 FRÜHE KINDHEIT: NEUROBIOLOGISCHE ERKENNTNISSE 12
3.3 ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGISCHE GRUNDLAGEN 15
3.3.1 Grundlegende Entwicklungsverläufe 15
3.3.2 Aktuelle Erkenntnisse 17
3.4 ZWISCHENFAZIT: WANN UND WIE LERNEN KINDER? 18
4. AUS DEM BILDUNGSAUFTRAG HERVORGEHENDE ANFORDERUNGEN AN DIE KINDERTAGESPFLEGE 19
4.1 ORIENTIERUNGSQUALITÄT 20
4.1.1 Bildungsplan 20
4.1.2 Bildungsziele 21
4.1.3 Pädagogisches Konzept 23
4.2 STRUKTURQUALITÄT 24
4.2.1 Kenntnisse und Kompetenzen 24
4.2.2 Betreuungsschlüssel und Kontinuität 25
4.2.3 Fachberatung 26
4.2.4 Vernetzung 26
4.2.5 Räumlichkeiten, Lernumfeld 27
4.2.6 Finanzielle und personelle Ausstattung 27
4.3 PROZESSQUALITÄT 28
4.3.1 Eingewöhnungsprozess 28
4.3.2 Bindungen und Beziehungen 28
4.3.3 Interaktion zwischen der Tagespflegeperson und dem Kind 28
4.3.4 Individuelle Förderung 29
4.3.5 Pädagogische Haltungen und Kompetenzen 30
4.3.6 Elternarbeit 30
4.3.7 Orientierung und Vernetzung im Sozialraum 31
4.3.8 Beobachtung und Dokumentation 31
4.4 EXKURS: „BILDUNGS- UND LERNGESCHICHTEN“ 31
5. KINDERTAGESPFLEGE AKTUELL 33
5.1 QUANTITATIVER AUSBAU 33
5.2 BILDUNGSPLÄNE UND KONZEPTE 34
5.3 QUALIFIKATION DER TAGESPFLEGEPERSONEN 34
5.4 BEOBACHTUNG UND DOKUMENTATION 35
5.5 FINANZIERUNG UND PFLEGEGELDLEISTUNGEN 35
5.6 QUALITÄTSSICHERUNG- UND WEITERENTWICKLUNG 36
6. RESÜMEE 36
LITERATURVERZEICHNIS 40
ANHANG 46

Textprobe:

Kapitel 4.2.2, Betreuungsschlüssel und Kontinuität:

TPP benötigen aufgrund der individuellen Verläufe von Bildungsentwicklungen und der Orientierung am Kind spezifische Kenntnisse über jedes Kind: Seine Interessen, sein Umfeld, seine speziellen Ressourcen. Sie brauchen daher Zeit, um sich jedem Kind – und seiner Familie - individuell zuzuwenden. I.d.R. werden bis zu fünf fremde Kinder in der TP betreut. Die in Kapitel 3 beschriebenen Erkenntnisse verdeutlichen, dass ein niedrigerer Betreuungsschlüssel erforderlich ist, je jünger die Kinder und je altershomogener die betreuten Kinder sind. Daher wird folgender Betreuungsschlüssel als geeignet erachtet: Betreuungsschlüssel 1:2 bei Kindern bis zu 12 Monaten betragen, 1:3 bei Kindern bis zu 24 Monaten und 1:5 bei älteren Kindern. Fluktuationen durch Wechsel der Tagespflegestellen sind soweit wie möglich zu vermeiden, um die Bindungsqualität und Bildungsentwicklung nicht negativ zu beeinflussen.

Fachberatung:

TPP arbeiten überwiegend in ihren privaten Räumlichkeiten, also weitestgehend isoliert, daher müssen für die Sicherung der Qualität Strukturen vorhanden sein, um Fragen zur Bildungsförderung zu beantworten. Nach dem SGB VIII haben TPP Anspruch auf Beratung durch den Jugendhilfeträger. Experten fordern für maximal 40 Tagespflegefälle eine entsprechend ausgebildete Fachberatung. Die Fachberatung umfasst u.a. die begleitende Beratung, Hausbesuche, Sicherstellen der Qualifizierung, Fachaustausch sowie Möglichkeiten der formellen und informellen Begegnungen. Darüber hinaus könnte durch die Fachberatung die Qualitätssicherung und –entwicklung der Bildungsförderung realisiert werden, indem sie den TPP z.B. Evaluationsinstrumente an die Hand gibt.

Vernetzung:

Für die Sicherung der Bildungsqualität sind Vernetzungen mit anderen TPP oder weiteren Akteuren (z.B. Kindertagesstätten) von Vorteil. TPP könnten vor Ort und mit Unterstützung der Fachberatungen kollegiale Fallberatungsteams bilden, mit Hilfe derer konkrete Bildungsentwicklungen und das eigene pädagogische Handeln reflektiert und Ideen für weitere Schritte entwickelt werden können. Vernetzungen könnten darüber hinaus durch eine Tagesbetreuungskonferenz (mit Beteiligung der Fachberatung, der Fachkräfte und weiterer Akteure) in Familienzentren sozialräumlich realisiert werden, um die Qualität durch die gemeinsame Entwicklung von Standards, Konzepten, durch Fortbildungsangebote, Reflexion, kollegiale Beratung und Evaluation zu sichern. Die Gremien sollten durch den Jugendhilfeträger initiiert, unterstützt und von diesem koordiniert werden.

Räumlichkeiten, Lernumfeld:

Nach den rechtlichen Vorgaben findet die Betreuung in kindgerechten bzw. geeigneten Räumlichkeiten statt. Wie beschrieben haben Kinder einen großen Anteil an ihrer eigenen Entwicklung. Sie suchen sich selbständig aus den ihnen gebotenen Möglichkeiten Erfahrungen und Aktivitäten, durch die sie – altersgemäß primär über Sinneserfahrungen - lernen. Der Abwechslungsreichtum der Umwelt bestimmt, wie komplex sich das Gehirn entwickelt und vernetzt. Raumgestaltung gehört daher zu den zentralen pädagogischen Aufgaben. Die Tagespflegestelle sollte einen ausbalancierten, geschützten und überschaubaren Rahmen für Bildungsentwicklungen bieten. Dieser sollte Kindern entwicklungsentsprechend Freiflächen, Spielflächen und sinnesanregende Materialien, Anregungen, Herausforderungen, Raum für Kreativität und Phantasie, Gelegenheit zum gemeinsamen Spiel und auch Rückzugsmöglichkeiten bieten. Räume müssen so gestaltet sein, dass sie Neugierde und Forscherdrang von Kindern befriedigen. Sie müssen den Kindern erlauben, Orte, Zeitdauer, Materialien sowie Spielpartner selbst zu wählen. Neben den Räumlichkeiten sollte auch das Umfeld ausreichend Anregungen und Bildungsgelegenheiten bieten, z.B. durch Spielen in der Natur.

Finanzielle und personelle Ausstattung:

Eine Studie zur Auswirkung zusätzlicher Investitionen in strukturelle Rahmenbedingungen auf die Qualität der pädagogischen Arbeit kam zu dem Ergebnis, dass personelle und zeitliche Ressourcen entscheidende Faktoren im Hinblick auf die Qualität frühkindlicher Tagesbetreuung darstellen. Bildungsförderung kann nur gelingen, wenn die Fachkräfte entsprechend den geschilderten Anforderungen ausgebildet und die Tagespflegestellen entsprechend ausgestattet sind. Hohe Anforderungen an die Qualifikation und erhöhter Personalbedarf (Fachberatung und TPP) verlangen jedoch einen erhöhten Einsatz finanzieller Mittel.

Arbeit zitieren:
Schäfer, Anja Dezember 2009: Frühkindliche Bildung in der Kindertagespflege, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kindertagespflege, frühes Lernen, Bildungsauftrag, Entwicklungspsychologie, Bildungsverständnis

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