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From: Zapatistas. To: Öffentlichkeit. Subject: Revolution

Der Einfluß des Internet auf Konfliktprozesse am Beispiel des Chiapas-Konflikts

From: Zapatistas. To: Öffentlichkeit. Subject: Revolution
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christina Teuthorn
  • Abgabedatum: September 1999
  • Umfang: 111 Seiten
  • Dateigröße: 818,5 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4936-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4936-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4936-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Teuthorn, Christina September 1999: From: Zapatistas. To: Öffentlichkeit. Subject: Revolution, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: NGO, Nicht-Regierungs-Organisationen, Internet, Konflikt, Mexiko

Diplomarbeit von Christina Teuthorn

Einleitung:

Der Chiapas-Konflikt (1994-1999) ist angeblich der erste Konflikt, in dem Revolutionäre das Internet einsetzten und aufgrund der Eigenarten des neuen Mediums eine signifikante Politikänderung seitens der Regierung erreichten. Rund 400 spärlich bewaffnete Guerilleros hatten am ersten Januar 1994 der mexikanischen Regierung den Krieg erklärt. Die schickte zunächst 12.000 mit modernen Waffen ausgerüstete Soldaten nach Chiapas, die die zapatistische Revolte niederschlagen sollten. Zwölf Tage dauerte der Krieg. Obwohl die Zapatisten eindeutig militärisch unterlegen waren, erklärte die mexikanische Regierung einen einseitigen Waffenstillstand und bot Verhandlungen an. Im Februar 1995 passierte etwas Ähnliches noch einmal: Die Regierung brach den Waffenstillstand, lenkte aber nach fünf Tagen wieder ein und begann erneut Verhandlungen mit den Zapatisten, die 1996 in ein gemeinsames Friedensabkommen mündeten.

Warum hat die mexikanische Regierung zweimal eingelenkt, obwohl sie militärisch überlegen war und den Aufstand leicht hätte niederschlagen können? Militärstrategen argumentieren, der Chiapas-Aufstand sei der Prototyp für einen neuen, den Staat gefährdenden Konflikttyp des Informationszeitalters. Traditionelle militärische Parameter wie etwa Truppenstärke seien in dieser Art des Konflikts zwar noch wichtig, gekämpft werde aber zunehmend auch im virtuellen Gebiet des Cyberspace. Die von einem Militärgürtel eingekreisten Zapatisten hätten mit Hilfe des neuen Mediums Internet internationale Sympathie für ihr Anliegen geweckt, weltweite Unterstützung mobilisiert und mit neuartigen Cyberkriegsstrategien wie Fax- oder E-Mail-Kampagnen gegen die Regierung gekämpft.

Neben Militärstrategen führen Journalisten und Online-Aktivisten eine Debatte, die davon ausgeht, das neue Medium Internet beeinflusse den Charakter von revolutionären Konflikten. Als Beleg für diese These wird fast immer der Chiapas-Konflikt angeführt. Doch das Forschungsfeld ist jung, und bislang fehlen die empirischen Grundlagen und differenzierten Hypothesen, um generelle Aussagen darüber treffen zu können, auf welche Weise der Einsatz des Internet Konfliktabläufe beeinflusst. Die vorliegende Untersuchung füllt einen Teil der Forschungslücke. Anhand des angeblichen Prototyps für einen neuartigen Internet-Konflikt hinterfragt sie mit der Methode der heuristischen Fallstudie, ob eine neue, für die Regierung bedrohliche Konfliktform entstanden ist. Hat das Internet tatsächlich eine wichtige Rolle im Chiapas-Konflikt gespielt? Die Arbeit bildet drei differenzierte Hypothesen, wie das neue Medium Konfliktprozesse beeinflusst:

Hypothese 1: Wenn sich ein Staat in einer „fragilen Situation“ befindet und versucht, sein internationales Image zu verbessern (beispielsweise, um Anreize für Investoren zu schaffen), beeinflussen im Internet veröffentlichte, das Ansehen schädigende Informationen – unabhängig davon, welche Öffentlichkeit das Medium tatsächlich erreicht – nationale Politikentscheidungen.

Zwei Variablen verstärken diesen Effekt: Die Vernetzung lokaler (Menschenrechts-) NGOs in der Konfliktzone, und die Anwesenheit von Sympathisanten-Netzwerken, die im Internet Informationen sammeln und weiterbreiten.

Hypothese 2: Wenn lokale (Menschenrechts-) NGOs das Internet einsetzen, nimmt eine um ihr Image besorgte Regierung die detaillierte, schnelle Verbreitung authentischer und glaubwürdiger Informationen über Menschenrechtsverstöße und Repressionen der Exekutive als Bedrohung wahr. Voraussetzung für die Tätigkeit lokaler NGOs ist meist die unterstützende Arbeit infrastrukturbildender NGOs.

Hypothese 3: Wenn Sympathisanten-Netzwerke das Internet in dem Konflikt einsetzen, beeinflussen sie die Politik der betroffenen Regierung, da Entscheidungsträger aufgrund der Internetkampagnen und entstandenen Informationsflut die tatsächlich dahinterstehende Öffentlichkeit überschätzen und eine zu starke Wirkung der Internetkommunikation unterstellen.

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung 1
II. Untersuchungsrahmen 3
1. Argumentation und Aufbau der Arbeit 3
2. Methodik und Materialbasis 6
III. Forschungsstand: Einfluß des Internet auf Konfliktprozesse 9
1. Neue Medien in der Theorie der Internationalen Beziehungen 11
2. Die politische Wirkung des Internet laut Kommunikationswissenschaft 13
3. Militärische Konfliktszenarien des Informationszeitalters 15
4. Fazit: Interdisziplinärer Ansatz bei Konflikten im Informationszeitalter 20
IV. Theoretischer Teil 21
1. Traditionelle Medienstrategien in revolutionären Konflikten 22
1.1 Medieneinsatz in Revolutionen 22
1.2 Begriffsklärung: Revolutionärer Prozeß in Lateinamerika 24
1.3 Schlüsselrolle der Medien bei der Mobilisierung von Unterstützern 25
1.4 Symbolische Politik als favorisierte Medienstrategie 26
1.5 Zusammenfassung 27
2. Die Wirkung des Internet auf politische Prozesse 28
2.1 Das Internet als Motor der Informationsrevolution 28
2.2 Politische Vorteile für transnationale Netzwerke 30
2.3 Medienwirkung und Politik: Öffentlichkeit als Schlüsselvariable 36
2.4 Internetöffentlichkeit: Eine systematisch-exklusive Sphäre 41
2.5 Fazit: Eingeschränkte politische Wirkung des Internet 44
3. Hypothesen: Einsatz des Internet in Konflikten 46
V. Fallstudie: Der Chiapas-Konflikt zwischen Realität und Virtualität 47
1. Historien und Hintergründe des Konflikts 50
2. Der Cyberspace als Schlachtfeld von Regierung und Zapatisten 56
3. Informationsfluß: Medienstrategien, Öffentlichkeit und Mobilisierung 67
3.1 Die indirekte Strategie: NGOs und Sympathisanten als Vermittler 68
3.2 Die direkte Strategie: Symbolische Politik der EZLN 77
4. Fazit: Die Rolle des Internet im Chiapas-Konflikt 84
VI. Ergebnisse und Schlußfolgerungen 87
VII. Literatur 93
1. Monographien und Sammelbände 93
2. Aufsätze aus Sammelbänden und Zeitschriften, Online-Dokumente 95
3. Zeitungsartikel 97
VIII. Anhang 99
1. Glossar 99
2. Zapatistische Internetressourcen 100
3. „Urgent Action“-Aufruf gegen Ernesto Zedillo 101
4. Formular einer Faxkampagne gegen Ernesto Zedillo 102
5. Publikationsverzeichnis 103
6. Eidesstattliche Erklärung 104
7. Lebenslauf 105

Automatisiert erstellter Textauszug:

haben zwar Zugang zu mehr Informationen, sind aber nicht unbedingt besser informiert.137 Hinzu kommt, daß sie sich trotz interaktiver Möglichkeiten des Netzes bislang nicht stärker am Politikprozeß beteiligen. Das „hyperaktive Publikum“ ist eine Illusion.138 Wissenschaftler attestieren dem Internet daher geringe Mobilisierungswirkungen.139 Abgesehen von der Möglichkeit, staatliche Zensur zu umgehen, wird die politikbeeinflussende Rolle des Internet vermutlich überschätzt. „The Internet is grossly overplayed as a force for change in the Third World,” argumentiert der Menschenrechtler Patrick Ball, der NGOs hilft, das Internet zu nutzen: „That’s a fact that’s entirely not understood in the human rights community. The Internet has some significance, but nothing to do with organizing local movements.“140 Wahrscheinlich erreichen und mobilisieren Revolutionäre eines lokalen Konflikts ihr Zielpublikum nach wie vor eher mit traditionellen Medienstrategien. [...]

Recherchemethoden wie Archiv, Telefon oder Fax immer noch selten als Recherchequelle.136 Sie nehmen in der Mehrzahl nicht an, im Internet exklusive politische Informationen zu finden. Direkt kann man mit dem Internet meist nur kleine Expertenöffentlichkeiten erreichen. Wer mit dem Internet eine breite Öffentlichkeit ansprechen will, schafft dies trotz der Möglichkeit, weltweit zu kommunizieren, nur selten und meist nur indirekt über die Massenmedien. 2.5. Fazit: Eingeschränkte politische Wirkung des Internet Ziel des Kapitels V.2. war, genauer zu hinterfragen, ob und wie Revolutionäre mit dem Internet über die Zwischeninstanz Öffentlichkeit politische Prozesse beeinflussen können. Ist es tatsächlich ein wirkungsvolles Werkzeug, mit dem sie ihre Zielgruppe mobilisieren können? Die Antwort ist in den meisten Fällen nein. Läßt man die Variable Öffentlichkeit in den Annahmen zu Medienwirkungsprozessen außer Acht, ist man von den Kommunikations- und Organisationsvorteilen, die mit dem Internet entstehen, geblendet. Untersucht man die internetspezifische Öffentlichkeit genauer, muß man Wirkungsvorstellungen relativieren. Mexikanische Revolutionäre werden wahrscheinlich nicht ihre Zielgruppe (lateinamerikanische Indios) per Internet erreichen, da ressourcenarme Gruppen von der Internetöffentlichkeit ausgeschlossen sind, und das Medium kein mit den Massenmedien vergleichbares Publikum erreicht. Da das Vorhandensein von Öffentlichkeit ein notwendiger Faktor für Medienwirkungsprozesse ist, ist es eher unwahrscheinlich, daß Akteure mit dem Internet politische Prozesse signifikant beeinflussen. Es könnte allerdings sein, daß Politiker die per Internet erreichte Öffentlichkeit überschätzen und so dennoch Wirkungen entstehen. Vor allem die Informationsflut, die das Internet erzeugt, schränkt das Entstehen von Öffentlichkeit und damit die politische Wirkung des Internet stark ein. Bürger [...]

Im Unterschied zu einer realen Versammlung findet eine Versammlung im Internet nicht von Angesicht zu Angesicht statt, sondern immer elektronisch vermittelt. Teilnehmer befinden sich aber virtuell am gleichen, thematisch definierten Ort (auf Websites, in Newsgroups und elektronischen Foren) oder kommunizieren asynchron per Mailingliste und Newsletter. Zwei Phänomene schränken das Entstehen von Öffentlichkeit stark ein: Eine sich möglicherweise verstärkende Wissenskluft des Publikums130 und das Phänomen der Informationsflut, des „information overload“: Die gesunkenen Publikationskosten und die erweiterten techischen Publikationsmöglichkeiten des Einzelnen führen zu einer Explosion der im Internet erhältlichen Informationen und erschweren es, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten.131 Komplexe politische Diskussionen finden in den Internetöffentlichkeiten selten statt.132 Außerdem verpufft die im Cyberspace begrenzte Öffentlichkeit schnell: Newsgroups oder Mailinglisten versanden, da wegen der geringen Ein- und Austrittsbarrieren das Interesse der Nutzer oft nur flüchtig ist.133 Politische Relevanz erlangen die themenspezifischen und zeitlich begrenzten Expertenzirkel des Internet selten. Erst wenn Journalisten sie anhand ihrer Auswahlkriterien als relevant beurteilen,134 erreichen sie die nächsthöhere Ebene, die massenmediale Öffentlichkeit, und damit auch ein breites Publikum.135 Doch [...]

Arbeit zitieren:
Teuthorn, Christina September 1999: From: Zapatistas. To: Öffentlichkeit. Subject: Revolution, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
NGO, Nicht-Regierungs-Organisationen, Internet, Konflikt, Mexiko

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