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Fremdfondsvertrieb von Banken

Open Architecture als Vertrauenssignal und Qualitätsmotor?

Fremdfondsvertrieb von Banken
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Alexander Schmidt
  • Abgabedatum: November 2005
  • Umfang: 73 Seiten
  • Dateigröße: 642,6 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Trier Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9163-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9163-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9163-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schmidt, Alexander November 2005: Fremdfondsvertrieb von Banken, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Investmentfonds, Prinzipal-Agent, Institutionenökonomik, Zertifizierung, Beratung

Diplomarbeit von Alexander Schmidt

Einleitung:

Vertrauen ist der Anfang von allem, so der ehemalige Werbespruch einer deutschen Großbank. Man mag es bezeichnend für die Lage der Banken in Deutschland finden, dass dieser Werbespruch mittlerweile durch einen anderen ersetzt wurde, denn eine aktuelle Umfrage von TNS-Emnid zeigte, dass nur 34% aller Befragten ihrer Bank oder Sparkasse sehr vertrauen. Fast jeder Fünfte der Befragten misstraut den Banken sogar. Aber gerade wenn es um einen für das tägliche Leben so enorm wichtigen Bereich wie das Thema Geld geht, ist Vertrauen eine Grundvoraussetzung für eine konstruktive Zusammenarbeit.

Um das Kundenvertrauen wieder zu stärken ist eine objektive Beratung, welche auch Fremdprodukte einbezieht, eine gute Strategie, denn 61% der Befragten halten dies für sehr wichtig, bei Depotbesitzern liegt dieser Anteil mit 80% nochmals höher. Im Folgenden wird der Vertrieb von Investmentfonds deutscher Banken näher betrachtet, denn in diesem Bereich sind die Banken mehrheitlich dazu übergegangen, zunehmend auch Fremdprodukte von in- und ausländischen Anbietern in ihre Produktpalette aufzunehmen. Eine Begründung der Banken ist der Kundenwunsch verknüpft mit der Hoffnung, verlorenes Vertrauen so wieder zurückzugewinnen, denn der Vertrauensverlust in der Vergangenheit resultierte bei Investmentfondsbesitzern vielfach aus Fehlberatungen sowie der schwachen Performance hauseigener Fondsprodukte. Daher erhoffen sich sowohl Banken als auch Anleger von dieser Öffnung eine höhere Qualität von Produkten und Beratung. Die zentrale Frage dieser Arbeit wird sein, ob der Fremdfondsvertrieb die in ihn gesetzten Erwartungen hinsichtlich der Erhöhung des Vertrauens und der Qualität gerecht werden kann.

Um diese Frage zu beantworten wird im folgenden Kapitel der Absatz des Gutes Investmentfonds näher analysiert. Dabei spielen die Besonderheiten des Investmentfondsvertriebes aus Sicht der Neuen Institutionenökonomie eine besondere Rolle, ebenso das Konstrukt Vertrauen. Im dritten Kapitel wird ein kurzer Marktüberblick über die verschiedenen Formen des Drittfondsvertriebes sowie den Argumenten für und gegen die Öffnung der Banken für fremde Produkte gegeben.

Die Frage aus dem Titel der Arbeit, ob der Fremdfondsvertrieb ein Qualitätsmotor und ein Vertrauenssignal darstellen kann, wird im vierten Kapitel genauer untersucht. Die Commerzbank AG ist als erste Bank in Deutschland dazu übergegangen, ihren Fondsauswahlprozess zertifizieren zu lassen. Ist dies nur ein Marketinggag oder hat diese Zertifizierung wirklich einen Signalwert? Diese Frage wird im fünften Kapitel diskutiert, bevor im abschließenden Fazit die zentralen Ergebnisse zusammengefasst werden.

Zusammenfassung:

Investmentfonds sind für den Kunden mit einer starken Qualitätsunsicherheit behaftet. Einerseits in der Beratung, da hier wie bereits dargelegt eine Informationsasymmetrie zu seinen Lasten besteht und er der Gefahr des Moral Hazards durch den Berater ausgesetzt ist. Andererseits besteht eine Qualitätsunsicherheit bezüglich der Produktqualität.

Daraus resultiert eine große Verunsicherung der Kunden, was u.a. zu einem geringen Vertrauen gegenüber Banken führt. Festzuhalten bleibt, dass fremde Produkte im Portefeuille der Bank zu einer Qualitätssteigerung der Produkte führen können. Dies liegt in der Selbstselektion der ausländischen Anbieter und dem gestiegenen Konkurrenzdruck auf die hauseigene Fondsgesellschaft begründet. Wie in allen Wirtschaftsbereichen sorgt mehr Wettbewerb für einen höheren Qualitätsdruck.

Anzeichen für mehr Wettbewerb sind die anfangenden Spezialisierungen von KAGen sowie die Schließung von kleinen Fonds und Schließungsankündigungen seitens der Fondsgesellschaften. Bei der Beratungsqualität bleibt das Urteil zwiespältig. Auf der einen Seite hat der Bankberater mehr Produkte zur Auswahl, kann so das Angebot stärker auf den Kunden individualisieren, auf der anderen Seite steht die Vermutung, dass der Berater diese Vielzahl der Fonds und ihren Eigenheiten in ganzer Breite gar nicht mehr überblickt. Des Weiteren wird das Moral-Hazard-Problem nicht endgültig gelöst.

Statt hauseigene Produkte zu bevorzugen, was auch im Fremdfondsvertrieb möglich ist, liegt nun die Vermutung nahe, dass nur die Fonds aktiv verkauft werden, die die höchste Vertriebsprovision versprechen. Folglich ist der Fremdfondsvertrieb nicht als Vertrauenssignal geeignet. Zu diesem Ergebnis muss auch die Commerzbank AG gekommen sein, bevor sie sich zu einem Zertifizierungsprozess ihrer Fondsauswahl durch den TÜV entschloss. Hier ist das Ergebnis eindeutiger. Solange das TÜV-Siegel nicht Branchen-standard wird, sind nur geringe Auswirkungen auf die Produktqualität durch die Zertifizierung zu erwarten, außerdem kann das Signal – trotz Verbesserungs-potential – vertrauensbildend wirken.

Die Principal-Agent-Problematik kann zwar auch durch die Zertifizierung nicht endgültig gelöst, jedoch aber gemindert werden. Mein Vorschlag für eine Überwindung des Anreizproblems, dass eher Fonds mit höherem Ausgabeaufschlag verkauft werden, ist, dass dem Kunden im Verkaufsgespräch eine einfach zu vergleichende Kennzahl, die die Kosten wiederspiegelt, wie z.B. die Total Expense Ratio, erklärt und ausdrücklich mitgeteilt wird. So kann der Kunde vorliegende Interessenskonflikte des Beraters zumindest erkennen und in seiner endgültigen Entscheidung berücksichtigen. Dieser Vorschlag könnte im Rahmen des Wertpapierhandelsgesetzes eine Umsetzung finden.

Meines Erachtens befindet sich der Fremdfondsvertrieb noch in einer frühen Phase der Umsetzung. Dadurch stehen die Entwicklungen, die durch ihn forciert werden, noch am Anfang, z.B. die Trennung von Produktion und Vertrieb oder die Spezialisierung der Fondsgesellschaften. Sobald sich die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken noch mehr dem Fremdfondsvertrieb öffnen, wird sich der Wettbewerb nochmals verschärfen. Banken, die sich bisher dieser Entwicklung verwehren, könnten zu den Verlierern dieser Entwicklung gehören. Es ist ein strategischer Vorteil, seine eigene Vertriebsstruktur schneller zu öffnen als die Konkurrenz, um dadurch Gewinne zu erzeugen, die man für den Aufbau eines schlagkräftigen Drittfondsvertriebs nutzen kann. Die Commerzbank AG hat, aufgrund der im Vergleich geringeren Produktqualität gegenüber anderen Anbietern, diese Chance für sich identifiziert und versucht sie mit der Einführung von Fremdprodukten sowie der Zertifizierung durch den TÜV zu nutzen.

Inhaltsverzeichnis:

Erklärung zur Diplomarbeit II
Abbildungsverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einführung 1
2. Besonderheiten beim Absatz von Investmentfonds 2
2.1 Funktionsweise von Investmentfonds 2
2.2 Investmentfonds: Vertrauens- oder Erfahrungsgüter? 4
2.3 Das Problem der Qualitätsunsicherheit 6
2.3.1 Annäherung an den Qualitätsbegriff für Investmentfonds 6
2.3.2 Methoden der Produktqualitätsmessung 8
2.4 Informationsasymmetrien und Interessenskonflikte 10
2.5 Vertrauen in der Beratung zu Investmentfonds 12
2.5.1 Vertrauen als Mechanismus zur Überwindung der PA-Problematik 12
2.5.2 Wie kann eine Bank Vertrauenswürdigkeit signalisieren? 16
3. Fremdfondsvertrieb deutscher Banken 20
3.1 Definition Fremdfondsvertrieb 20
3.2 Marktüberblick 21
3.3 Darstellung der Argumente der Branche 24
3.3.1 Argumente für den Fremdfondsvertrieb aus Bankensicht 24
3.3.2 Argumente gegen den Fremdfondsvertrieb aus Bankensicht 26
4. Auswirkungen des Fremdfondsvertriebes 27
4.1 Fremdfondsvertrieb als Qualitätsmotor? 27
4.1.1 Auswirkungen auf die Beratungsqualität 27
4.1.2 Auswirkungen auf die Produktqualität 30
4.2 Fremdfondsvertrieb als Vertrauenssignal? 38
5. Zertifizierung als zusätzliches Signal 39
5.1 Fremdfondsvertrieb der Commerzbank AG 41
5.2 Die TÜV-Zertifizierung „Geprüfte Fondsauswahl“ 43
5.3 Problemfelder des Zertifikates 44
5.4 Wirkung des TÜV-Zertifikates 47
5.4.1 Wirkung als Vertrauenssignal? 48
5.4.2 TÜV-Zertifikat als Qualitätsmotor? 49
6. Fazit 50
Literaturverzeichnis 52
Anhang 64

Automatisiert erstellter Textauszug:

Wie wir bereits festgestellt haben, leidet der Berater unter einem Interessenskonflikt zwischen bedarfsgerechter Beratung und seinen Verkaufszahlen. Ähnlich gestaltet sich dies im Drittfondsvertrieb, wenn hauseigene Fonds den Fremdfonds vorgezogen werden sollen. Auch hier tritt ein Interessenskonflikt zu Tage, wenn der fremde Fonds eigentlich besser ins Depot des Kunden passt, der Berater sich aber der eigenen Hausmarke verpflichtet fühlt oder durch Zielvorgaben verpflichtet ist. Dieses Problem ließe sich durch den Fremdfondsvertrieb annähernd lösen, wenn die Idee, fremde Produkte zu verkaufen, konsequent weiter umgesetzt werden würde. Wenn man dem Kunden schon fremde Fonds verkauft, wofür braucht man dann im Endeffekt noch eine eigene Kapitalanlagegesellschaft? Die Synergie- und Verbundeffekte werden sowohl durch die offene, wie auch die gelenkte Architektur in Frage gestellt.191 So sagte Martin Blessing, Mitglied im Vorstand der Commerzbank AG: „Die Wertschöpfungskette bei Fonds [...]

benötigt.185 Viele Kunden jedoch beschäftigen sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht so intensiv mit ihren Geldanlagen. Diese Kunden benötigen eine Beratung. Häufiges Ergebnis dieser Beratung war in der Vergangenheit Kaufempfehlungen zu Gunsten von Fonds aus der Hand einer Kapitalanlagegesellschaft, welche zumeist auch gleich ein Tochterunternehmen der Hausbank war.186 Hat die größere Angebotspalette, die der Berater nach der Einführung von Drittprodukten zur Verfügung hat, positive oder negative Auswirkungen auf die Beratungsqualität? Auf der einen Seite hat der Kundenberater mehr Fonds zur Verfügung, um den individuellen Bedarf des Kunden zu decken, u.U. auch Fondsarten, die er vorher nicht zur Verfügung hatte. Dies würde für eine Qualitätssteigerung sprechen. Allerdings nur, wenn sich der Berater nicht zu Moral Hazard Verhalten hinreißen lässt und dem Kunden einfach den Fonds mit dem größten Ausgabeaufschlag verkauft.187 An die Stelle der Gefahr, nur hauseigene Fonds zu verkaufen, tritt nun die Gefahr, nur die Fonds zu verkaufen, die die höchste Provision versprechen. Ein weiterer Betrachtungspunkt ist das Wissen des Anlageberaters. Eine Beschränkung auf die Produkte der eigenen Kapitalanlagegesellschaft kann einer qualitativ guten Beratung durch das umfangreiche Wissen der Berater über diese Produkte dienlich sein. Sofern es zu einer Ausdehnung der Produktpalette mit Fremdfonds kommt, dürfte es für den Berater schwieriger werden, sich für die Fülle der Fonds ein ebenso umfangreiches Wissen anzueignen, was dann zu Lasten der Beratungsqualität ginge.188 Des Weiteren besteht die Gefahr, dass sowohl von Beratern wie auch Kunden immer häufiger alleine das Rating als externer Sachverstand bei der Fondsauswahl benutzt wird. Dies ist sehr kritisch und auch als eine Qualitätsverminderung der Beratung anzusehen, da „[...] eine Fondsauswahl, die sich ausschließlich auf beste Ratings 189 Dieses Argument beschränkt, längst kein ausreichend diversifiziertes Depot garantiert.“ dürfte für die offene Architektur sicherlich stärker zutreffen als für die gelenkte Architektur mit einer begrenzten Anzahl von Partnern und Fonds. Des Weiteren engagieren sich die fremden Fondsgesellschaften sehr stark in den Banken mit Beraterschulungen, Seminaren, etc., um den Beratern das Wissen über ihre Fonds zu vermitteln. Denn auch sie haben ein Interesse daran, dass der Berater die Fonds ihrer Gesellschaft kennt. Produkte, die der Berater nicht versteht oder kennt, wird er seinen Kunden auch nicht anbieten.190 [...]

In diesem Kapitel soll die im Titel der Arbeit gestellte Frage, ob der Fremdfondsvertrieb ein Qualitätsmotor und Vertrauenssignal sein kann, im Hinblick auf die bisherigen Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der Qualitätsunsicherheit, den Informationsasymmetrien und den vorliegenden Interessenskonflikten untersucht werden. 4.1. Fremdfondsvertrieb als Qualitätsmotor? Wie bereits in Kapitel 2.3.1. dargestellt, muss man bei der Beurteilung der Qualität von Bankprodukten sowohl die Beratungs- als auch die Produktqualität untersuchen.184 Daher sollen im Folgenden die Auswirkungen des Drittfondsvertriebes auf beide Qualitätskomponenten untersucht werden. 4.1.1. Auswirkungen auf die Beratungsqualität Es gibt Bankkunden, die ihr Fondsdepot ohne Beratung selbständig zusammenstellen. Für diese Kunden ändert sich mit der Einführung von fremden Produkten nichts, denn auch vor der Einführung des Drittfondsvertriebes kann man i.d.R. jeden Fonds bei jeder Bank kaufen, sofern man dazu keine Beratung [...]

Arbeit zitieren:
Schmidt, Alexander November 2005: Fremdfondsvertrieb von Banken, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Investmentfonds, Prinzipal-Agent, Institutionenökonomik, Zertifizierung, Beratung

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