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Freizeit ohne Muße

Zum Verlust der Kontemplation in unserer Zeit

Freizeit ohne Muße
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Peggy Döbbecke
  • Abgabedatum: November 1992
  • Umfang: 74 Seiten
  • Dateigröße: 349,0 KB
  • Note: 2,5
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2183-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2183-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2183-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Döbbecke, Peggy November 1992: Freizeit ohne Muße, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Verkehr, Zukunft, Gewalt, Freizeit und Stress, Medien

Diplomarbeit von Peggy Döbbecke

Einleitung:

Was bedeutet der Verlust der Kontemplation für den einzelnen, für unsere Gesellschaft und letztlich für die gesamte Menschheit? Der Beantwortung dieser Fragen möchte ich in dieser Arbeit nachgehen. Dazu werden einige, m.E. wesentliche Faktoren, die zum Mußeverlust beitragen, aufgegriffen und beschrieben. Es soll nach möglichen Auswegen gesucht und Zukunftsaspekte aufgezeigt werden. Dabei sollen persönliche Eindrücke und Beobachtungen als wichtige und richtungsweisende Entscheidungskriterien stark mit einfließen.

Je nach Gruppe müssten die Freizeitinhalte, die zum Verlust der Kontemplation führen (können), gesondert besprochen werden. Da es aber weniger um die einzelnen Gruppen gehen soll, sondern um Faktoren, die bestimmte Menschen in bestimmten Lebenswelten mit Freizeitinhalten konfrontieren, die ihnen die Möglichkeiten des "Sich-Zurückziehens" nehmen, will diese Arbeit mehr auf die mußezerstörenden Faktoren eingehen und einzelne Menschen oder Gruppen von Menschen nur als Beispielobjekte heranziehen.

Bestimmte Gruppen werden hier nicht berücksichtigt, die der oft ungewollt "Freizeitlosen". D.h. die Arbeitslosen, die Strafgefangenen oder die "Aussteiger". Auch andere Gruppen, wie Ärzte, Landwirte, Hausfrauen und Mütter fließen nur bedingt in diese Arbeit ein.

Obwohl geschlechtsspezifische Unterschiede auch im Freizeiterleben und -verhalten deutlich erkennbar sind, geht diese Arbeit kaum darauf ein und legt, was auch in der Sprache zum Ausdruck kommen soll, eher die männliche Person zugrunde.

Da diese Arbeit nicht alle Umstände berücksichtigen kann, die zum Mußeverlust führen können, beschränke ich mich auf Faktoren, die mir wichtig erscheinen und möchte die Problematik vornehmlich anhand der Großstädte (als Vergleichsstadt soll die der Sage nach älteste Stadt der Welt - die arabische Stadt Sanaa - dienen, da sich hier innerhalb weniger Jahre eine Entwicklung von einer von westlichen Konsumgütern freien Mußegesellschaft zur heute "dreckigsten" Autostadt der Welt ereignete.) mit ihrer Technisierung und dessen Auswirkungen, sowie den immer stärker zunehmenden Reglementierungen der dort lebenden Menschen aufzeigen.

Inhaltsverzeichnis:

I. EINLEITUNG 3
II. BEGRIFFSKLÄRUNGEN 6
1. ZEIT 6
1.1 Zeitbewusstsein 6
1.2 Arbeitszeit 6
1.3 Freizeit 6
2. MUßE 6
3. KONTEMPLATION 7
4. LANGEWEILE 7
III. HISTORISCHE ENTWICKLUNGEN 8
1. DIE ZEITMESSUNG 8
2. DIE ZEITMESSER UND IHRE BEDEUTUNGEN 8
3. DIE ARBEITSINHALTE 9
4. DIE ARBEITSZEITEN 9
4.1 Die tägliche Arbeitszeit 9
4.2 Die wöchentliche Arbeitszeit 9
4.3 Die jährliche Arbeitszeit 10
5. VON DER MUßE ZUR FREIZEIT 10
5.1 Antike 10
5.2 Mittelalter und frühe Neuzeit 10
5.3 Industrialisierung 10
5.4 Die Weimarer Republik 11
5.5 Das dritte Reich 11
5.6 Die Zeit nach 1945 in den alten Bundesländern 11
IV. WIE ERLEBEN DIE BUNDESBÜRGER IHRE FREIZEIT? 12
1. DIE KINDER 12
2. DIE JUGENDLICHEN 12
3. DIE MITTLEREN LEBENSALTER 13
4. DIE RUHESTÄNDLER 13
5. PSYCHOSOZIALE PROBLEME DER FREIZEIT 14
6. FREIZEITSTREß 14
V. URSACHE DER FREIZEITPROBLEME: VERLUST DES KONTEMPLATIVEN ELEMENTS 16
1. GESCHWINDIGKEIT IST GEWALTSAMKEIT 16
1.1 Technikentwicklung 17
1.2 Lärm und Geräusche 18
1.3 Das Auto tötet jede Lebensqualität 19
1.4 Medien- und Elektronikboom 21
2. ORIENTIERUNGSLOSIGKEIT DURCH FEHLENDE GRENZERFAHRUNGEN 23
2.1 Schon im Kindergarten fängt es an 24
2.2 Fehlende Grenzerfahrungen treiben die Jugendlichen zu immer stärkeren "Kicks" 24
2.3 Reglementierungen und Freiräume der Erwachsenen 25
3. URLAUBSREISEN ALS FLUCHT VOR DEM ALLTAG - UND IHRE AUSWIRKUNGEN AUF FREMDE KULTUREN 27
VI. WEGE ZUR MUßERÜCKGEWINNUNG 28
1. ENTDECKUNG DER LANGSAMKEIT 29
2. AUTOS RAUS! 30
3. DIE SONN- UND FEIERTAGE MÜSSEN BLEIBEN 32
4. EIGENE MUßE-NISCHEN FINDEN 34
VII. ZUKUNFTSAUSBLICKE 36
1. GLOBALE BEVÖLKERUNGSEXPLOSION 36
1.1 Wanderungsbewegungen 37
1.2 Unregierbarkeit der Städte 37
1.3 Gewaltzunahme 38
2. DAS ENDE DER MENSCHHEIT 39
VII. LITERATUR- UND QUELLENHINWEISE 40

Automatisiert erstellter Textauszug:

Auf der Suche nach dieser Freude kommen immer mehr Jugendliche auch mit Drogen in Kontakt. Es beginnt mit gesellschaftlich akzeptierten Drogen wie Alkohol, Tabletten und Tabak, dessen Genuß den Jugendlichen schon vom Babyalter her durch die Eltern vorgemacht wird. Später bringt einer aus der Clique mal etwas Haschisch oder Marihuana mit, das allein durch seine Illegalität schon einen höheren Reiz ausmacht. Reichen den Jugendlichen diese Rauschdrogen nicht, greifen sie zu härteren Drogen wie Kokain und LSD. Von hier ist der Übergang zur Heroinabhängigkeit nicht mehr weit. Dazu kommen noch neuere Horrordrogen wie z.B. Crack, Extasy oder PCP. Denn als letzte erfahrbare Grenze bleibt nur das "Spiel" mit dem eigenen Leben (wenn die angebotenen, kalkulierbaren Abenteuer, wie Bungeespringen, Freeclimbing, Horrorvideos usw. nicht mehr den ersehnten "Kick" bringen, werden "echte Abenteuer", wie "S-BahnSurfen", Cruising - mit angezogener Handbremse die Reifen eines Autos durchdrehen, bis sie heiß sind und auf dem Asphalt besser haften und dann mit Vollgas Rennen durch die Straßen veranstalten - , "Fahrstuhlsurfen" oder eben auch Todesdrogen "getestet"). [...]

Jugendliche wachsen heute in einer Welt auf, die von einer Schnellebigkeit geprägt ist, wie keine andere Zeit zuvor. Verbindliche Werte sind kaum noch vorhanden, dafür erleben sie Reglementierungen, Normierungen, Strukturiertheit und Uniformiertheit (der kommende EGBinnenmarkt wird sogar den Äpfeln eine bestimmte Größe vorschreiben). Diese, auf den ersten Blick auch als Orientierung auffaßbare Grenzen, erweisen sich beim genaueren Hinsehen als ihr Gegenteil. Die Jugendlichen erfahren keine ihnen einsichtigen Grenzen mehr, an denen sie sich wirklich orientieren könnten, sondern nur noch einhaltbare Grenzen, die sie orientierungslos werden lassen. Etwas, das nicht einsichtig ist, wird auch nicht eingehalten. Da aber ständig von Außen her über die Einhaltung dieser Grenzen gewacht wird, suchen sich die Jugendlichen immer neue Lücken in den Überwachungsmechanismen bzw. tun Dinge obwohl sie verboten sind ("S-Bahn-Surfen", "Autorennen" usw.). Die verbindlichen Werte sind verlorengegangen, ja es stellt sich für Zwanzigjährige heute die Frage: "Gibt es die Bundesrepublik Deutschland noch, wenn ich 65 bin?". Ohne Orientierungen aber sind auch keine eigenen Stärken erfahrbar. [...]

Durch die ständig und überall präsente Autogewalt und meiner Meinung nach falsch verstandenem Emanzipationsdrang der Frauen werden die heute geborenen Stadtkinder zunehmend in Kindergärten bzw. Kindertagesheimen untergebracht. Die Betreuung dort läßt kaum individuelle Erfahrungen zu, ständige Reglementierungen und "Normprogramme" lassen eigene Empfindungen für Grenzen verloren gehen. Die Kinder können nur noch zwischen den angebotenen Bauklötzen oder der bewachten Sandkiste auswählen, der wuchtige Baum auf der anderen Straßenseite ist für sie tabu. So setzt im Kindergarten eine unbestimmte Suche nach "Etwas" ein, was sich im Jugendalter fortpflanzt und sich immer häufiger durch extreme Freizeitaktivitäten darstellt. Im Kindergarten bzw. Kindertagesheim konzentriert sich eine Gruppe von ca. 20 Kindern einer jeweiligen Alterstufe zwischen ca. drei und zehn Jahren, die mit- oder gegeneinander den Tag oder Teile davon verbringen, egal, ob sie wollen oder nicht, denn auf individuelle Entwicklungsverläufe der Kinder kann - bedingt durch die geringe Personaldichte - schwer eingegangen werden, so daß die Gruppe in eine "Einheitsnorm" gepreßt wird. Durch flexible Öffnungszeiten wird eine fast durchgehende "Bring- oder Abholunruhe" in die Gruppe hineingetragen. Ein Kind schreit immer und jeder, der einmal bei einem Kindergeburtstag zu Gast war, weiß, daß auch beim gemeinsamen Essen keine wirklich ruhige Atmosphäre aufkommt. Beschäftigt sich ein Kind dennoch einmal intensiv mit einer Sache, kann es sicher sein, diese am nächsten Tag nicht mehr in seiner ursprünglichen Form vorzufinden, sei es, daß das Reinigungspersonal es aus dem Weg räumte, weil es ihren "Reinigungsplan" störte, oder sei es, daß ein anderes Kind mutwillig oder aus Interesse an Teilen davon für eigene Spielideen die "Produktion" zerstörte. Ein Kind im Kindergarten oder Kindertagesheim findet also täglich ein anderes Spielfeld vor, als es am Tag zuvor verlassen hat. Meiner Meinung nach kann es so keine Bindungen zu seinem Spielzeug und den von ihm hineininterpretierten Bedeutungen/Vorgängen/Sinn aufbauen, bzw. wird dem Kind vermittelt, daß es sich nicht "lohnt" diese Beziehungen aufzubauen, da am nächsten Tag doch alles anders ist. Eine längerfristige Planung und das Festhalten an einer Sache scheint sinnlos, weil kein befriedigendes Ergebnis zu bekommen ist. So wird das Kind im Kindergarten auf schnelle Erfolgserlebnisse programmiert, die innerhalb eines Tages zu erzielen sind. Kein Wunder also, wenn schon die Vorschulkinder sich auf elektronische Spiele "stürzen": "Der Game-Boy-Boom ist eine Folge der Sucht nach ständig neuen Reizen und der Unfähigkeit zur Muße." (Prof. Dr. Werner Lauff in einem HA-Artikel vom 13.12.91). [...]

Arbeit zitieren:
Döbbecke, Peggy November 1992: Freizeit ohne Muße, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
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