Frauenfiguren in türkischer Migrantenliteratur
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Aynur Lüling
- Abgabedatum: Juli 2003
- Umfang: 68 Seiten
- Dateigröße: 575,4 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6548-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6548-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6548-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lüling, Aynur Juli 2003: Frauenfiguren in türkischer Migrantenliteratur, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Migration, Scheinhardt, Demirkan, Özdogan, Özdamar
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Magisterarbeit von Aynur Lüling
Einleitung:
Diese Arbeit beschäftigt sich mit Frauenfiguren aus verschiedenen Romanen und Erzählungen der türkischen Migrantenliteratur. Es soll gezeigt werden, wie Frauen in der deutschsprachigen Literatur von Autorinnen und Autoren türkischer Herkunft dargestellt werden.
Die heute überwiegend als Migrantenliteratur bezeichnete Literatur hat, besonders die Namensfindung betreffend, eine lange historische Entwicklung aufzuweisen. Bezug nehmend auf die aus dem Ausland angeworbenen Arbeitskräfte in den Fünfziger- und Sechzigerjahren wurde die Literatur der aus dem Ausland kommenden Autoren anfangs „Gastarbeiterliteratur“ genannt. Heidrun Suhr machte 1989 darauf aufmerksam, dass es sehr schwierig sei, für dieses, sich in der deutschen Literatur neu entwickelnde Feld einen nicht zweideutigen Begriff zu finden und stellte fest, dass der Begriff Gastarbeiterliteratur zu beschränkt sei und negative Assoziationen freisetzte. Ebenso empfand sie die Begriffe Ausländer- oder Migrantenliteratur als zu allgemein. Die Bezeichnung Migrantenliteratur erweist sich für die vorliegende Arbeit jedoch als die passendste, da die Literatur von Migrantinnen und Migranten im Mittelpunkt steht. Gestützt wird diese Entscheidung von einer Definition Karin Yeşiladas:
In einem Land, das die Einwanderung ausdrücklich ablehnt [...] wäre es ein Politikum, von Immigrantenliteratur zu sprechen. Wenn sie also nicht eingewandert sind, so sind sie doch zumindest gewandert. Da „wandern“ übersetzt ins Fachlatein einfach nur „migrieren“ heißt, ergibt sich die (Not-)Lösung von selbst: Man spricht am besten von der Migrantenliteratur, oder, unpersönlicher, von der Migrationsliteratur.
Standen in der Anfangszeit der Migrantenliteratur noch Symbole wie „Bahnhof und Koffer“ und Themen wie die „Migration, die Sehnsucht nach der Heimat und die Ankunft in Deutschland“ im Vordergrund der literarischen Verarbeitung, so sollen in der vorliegenden Arbeit anhand exemplarisch ausgewählter Migrantenliteratur ab den Achtzigerjahren Frauenfiguren fokussiert werden.
In dieser Arbeit soll geprüft werden, inwieweit die Frauenfiguren aus der behandelten Literatur die soziale Wirklichkeit abbilden. Für den Vergleich dienlich sind Bücher, Berichte und Aufsätze, die sich auf soziologischer Ebene mit der türkischen Gesellschaft und insbesondere mit der Stellung der Frau befassen. Die mit dem Thema eng verbundene Genderproblematik wird hier zwar nicht außer Acht gelassen, doch das Hauptaugenmerk der Arbeit wird auf die gesellschaftliche und soziale Position der dargestellten Frauen gelegt. Zudem soll ein Augenmerk darauf gelegt werden, wie im Zuge dessen kulturelle Begebenheiten und Besonderheiten vermittelt werden. Die Arbeit soll folglich in erster Linie soziale Unterschiede, aber auch – in etwas geringerem Maße – Kultur- und Geschlechterkonflikte thematisieren.
Gang der Untersuchung:
Die Arbeit ist inhaltlich in drei große Teile gegliedert. Die Literatur dreier Autorinnen und eines Autors türkischer Abstammung werden einander gegenübergestellt. Unterschiede in Bezug auf die Darstellung der Frauen in deren Literatur bestimmen die Einteilung der Arbeit. Diese ist so gestaltet, dass sie sich nach der zeitlichen Erscheinung und nach dem qualitativen Fortschritt der Literatur richtet.
Im ersten Teil wird die Literatur Saliha Scheinhardts behandelt, die bereits seit den Achtzigerjahren deutschsprachige Literatur publiziert und sich vornehmlich mit der türkischen Frau beschäftigt. In dieser Arbeit wird ihr Buch „Drei Zypressen – Erzählungen über türkische Frauen in Deutschland“ näher analysiert. Im Verlauf des ersten Teils soll gezeigt werden, dass die Literatur Scheinhardts auf Grund von Stereotypisierungen der Trivialliteratur zuzuordnen ist. Anhand Scheinhardts eindimensionaler Darstellung türkischer Frauen soll gezeigt werden, dass ihre Literatur nicht in der Lage ist, soziale Wirklichkeiten abzubilden, sondern dass sie eher noch Vorurteile aufbaut.
Der zweite Teil beleuchtet den Roman „Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker“ von Renan Demirkan. In diesem Teil sollen die Unterschiede in der Darstellung der Frau im Vergleich zu der Literatur Scheinhardts ergründet werden. Ziel ist es, durch die Gegenüberstellung einen qualitativen Unterschied zu verdeutlichen.
Kurz angerissen wird das zweite Buch der Autorin „Frau mit Bart“, das sich gänzlich von der Migrationsproblematik abwendet. Es soll herausgefunden werden, warum sich das Folgewerk von diesem Thema abkehrt.
Auf den zweiten Teil der vorliegenden Arbeit folgen drei kurze Kapitel, die sich mit der Literatur eines männlichen Vertreters beschäftigen. Frauenfiguren und die Frage ob und wie die türkische Kultur in Selim Özdoğans „Mehr“ dargestellt wird, stehen in diesen drei Kapiteln im Vordergrund.
Der dritte und umfangreichste Teil beschäftigt sich mit der Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar und ihren beiden Romanen „Das Leben ist eine Karawanserei hat zwei Türen aus einer kam ich rein aus der anderen ging ich raus“ und „Die Brücke vom Goldenen Horn“. In diesem Teil soll herausgearbeitet werden, warum die Literatur Özdamars zu der qualitativ hochwertigen Literatur gerechnet wird.
Im Laufe des dritten Teils wird gezeigt, dass der erste Roman „Das Leben ist eine Karawanserei“, der Anfang der Neunzigerjahre verfasst wurde, ein differenziertes Bild der in den Fünfziger- und Sechzigerjahren in der Türkei lebenden Frauen dreier Generationen wiedergibt. Die verschiedenen Darstellungsweisen, die dieses Bild erzeugen, werden in diesem Teil herausgearbeitet. Neben der Hauptfigur, einem jungen Mädchen, aus dessen Sicht der Roman erzählt wird, werden auch diverse Nebenfiguren in dieser Analyse berücksichtigt.
Der zweite Roman „Die Brücke vom Goldenen Horn“ ist die Fortsetzung des ersten. In diesem Roman steht anfänglich die Migration der Protagonistin nach Deutschland im Vordergrund. Dieser Teil der Arbeit behandelt schwerpunktmäßig die Entwicklung der türkischen Heldin auf mehreren Ebenen. Die Emanzipation der Hauptfigur soll an dieser Stelle eingehend erläutert werden. Zusätzlich soll, wenn auch knapper als in „Das Leben ist eine Karawanserei“, die Darstellung der weiblichen Nebenfiguren untersucht werden.
Die vorliegende Arbeit wird nach den Bestimmungen der neuen Rechtschreibregeln verfasst. Zitate aus Werken, die nach den alten Rechtschreibregeln verfasst wurden, wurden ohne Veränderung übernommen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Saliha Scheinhardts „Drei Zypressen“ | 4 |
| 2.1 | Die Erzählung „Gülnaz K.“ | 6 |
| 2.2 | Die Erzählung „Zümrüt Ö.“ | 8 |
| 2.3 | Der von Scheinhardt dargestellte Konflikt zwischen den Wanderungs- und Folgegenerationen | 10 |
| 2.4 | Scheinhardts Darstellung der türkischen Frau in einer binationalen Liebesbeziehung am Beispiel der Erzählung „Zeynep Z.“ | 11 |
| 2.5 | Resümee über Scheinhardts Darstellung türkischer Frauen | 13 |
| 3. | Renan Demirkans „Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker“ | 13 |
| 3.1 | Frauenfiguren | 14 |
| 3.1.1 | Die Hauptfigur | 14 |
| 3.1.2 | Die türkische Freundin der Hauptfigur | 17 |
| 3.1.3 | Die Mutter | 18 |
| 3.2 | Einordnung in den Kontext der Migrantenliteratur | 21 |
| 3.3 | Renan Demirkans Folgewerk „Frau mit Bart“ | 21 |
| 4. | Selim Özdoğans Roman „Mehr“ | 23 |
| 4.1 | Untersuchung des Romans nach interkulturellem Potenzial | 24 |
| 4.2 | Özdoğans Frauendarstellungen | 25 |
| 5. | Die Romane Emine Sevgi Özdamars | 28 |
| 5.1 | Frauenfiguren in Emine Sevgi Özdamars „Das Leben ist eine Karawanserei“ | 29 |
| 5.1.1 | Die Protagonistin | 30 |
| 5.1.2 | Verkehrte Geschlechter und parodierte Frauenklischees | 32 |
| 5.1.3 | Die Romangestalt „Seher“, verwestlichte Frauen und die Mutter der Protagonistin | 34 |
| 5.1.4 | Die Großmütter der Protagonistin | 37 |
| 5.1.5 | Huren und verrückte Frauen | 40 |
| 5.1.6 | Die Rolle der Frau in „Das Leben ist eine Karawanserei“ | 43 |
| 5.2 | Emine Sevgi Özdamar „Die Brücke vom Goldenen Horn“ | 45 |
| 5.2.1 | Die Protagonistin und die Bedeutung der Jungfräulichkeit | 46 |
| 5.2.2 | Die Entwicklung der Protagonistin als Schauspielerin | 48 |
| 5.2.3 | Die Naivität der Protagonistin | 50 |
| 5.2.4 | Gruppierungen von Frauen und Männern | 52 |
| 5.2.5 | Fazit über die Frauendarstellungen in „Die Brücke vom Goldenen Horn“ | 54 |
| 5.3 | Einordnung der Literatur Özdamars in den Kontext des weiblichen Bildungsromans und der Migrantenliteratur | 55 |
| 6. | Schlusswort | 58 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 62 |
Aus der Sicht der Protagonistin werden ihre Kindheit und ihre Jugend rückblickend in der Ich-Erzählform wiedergegeben. Das Mädchen, das „mit seinem kindlichen Blick die Welt genau beobachtet“106, gibt nicht nur die Welt, die sich unmittelbar um sie herum abspielt, auf diese Art und Weise wieder, sondern auch ihr eigenes Leben und die Erfahrungen, die sie macht. Ihre Erlebnisse werden ohne kritische Wertung ihrerseits erläutert. Ihre pränatalen Erinnerungen, ihre schwere Krankheit, diverse Annäherungen von Männern aus ihrer Umgebung und die ständige Geldknappheit der Familie geben keinen Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt frei. Als ihr kleiner Bruder einmal spurlos verschwindet, schildert die Erzählerin die Situation folgendermaßen: [...]
In diesem Roman wünscht man einander nicht „Gute Nacht“, sondern die Protagonistin wünscht ihrer Großmutter „Allah soll dir Gemütlichkeit geben, Großmutter.“104 Diese und sehr viele andere gängige türkische Redewendungen werden buchstäblich übersetzt. Dadurch werden nicht-türkischen Lesern Einblicke in die türkische Kultur gegeben. Die Redewendungen erhalten hier als „Spiegel der Kultur eines Volkes eine besondere Bedeutung“105. Auf diese Weise entsteht eine hybride Schreibweise, die diesen Roman auszeichnet. Die sprachlichen Besonderheiten dieses Werks sollten in dieser Arbeit nicht ignoriert werden, allerdings auch nicht im Vordergrund stehen. Ziel der vorliegende Arbeit ist es, sich mit der Darstellung der Frauenfiguren in diesem Roman zu beschäftigen. Eine der wichtigsten Frauenfiguren ist, neben der Protagonistin selbst, deren Großmutter Ayşe. Daneben tauchen noch einige andere weibliche Nebenfiguren auf, die in der folgenden Analyse nicht unberücksichtigt bleiben werden. Die Analyse beginnt mit der namenlosen Hauptfigur. [...]
Özdamars Werk zeichnet eine neue Richtung innerhalb der Literatur türkischer Autorinnen aus, die in deutscher Sprache schreiben. Während Scheinhardt als Vertreterin der Trivialliteratur unter den türkisch-deutschen Autorinnen anzusehen ist, stehen die Bücher Renan Demirkans für eine neue Richtung in der Migrantenliteratur, die eine Loslösung des Bildes der geschundenen Suleika anstreben. In dieser Arbeit wurde jedoch bisher herausgearbeitet, dass sie diese Loslösung nicht stringent durchführen konnte. Die Frauenfiguren sollen im Folgenden, im Gegensatz zu Scheinhardt, Demirkan und Özdoğan, unter dem Aspekt analysiert werden, dass Emine Sevgi Özdamar die Vertreterin anspruchsvoll umgesetzter Literatur darstellt. Daher nimmt ihre Literatur den größten Raum in dieser Arbeit ein. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832465483
Arbeit zitieren:
Lüling, Aynur Juli 2003: Frauenfiguren in türkischer Migrantenliteratur, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Migration, Scheinhardt, Demirkan, Özdogan, Özdamar



