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Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen in der Kindheit

Langfristige Auswirkungen und therapeutische Bewältigungsmöglichkeiten

Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen in der Kindheit
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Martina Groß
  • Abgabedatum: April 1998
  • Umfang: 131 Seiten
  • Dateigröße: 788,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1215-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1215-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1215-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Groß, Martina April 1998: Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen in der Kindheit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Psychotherapien, Sexuelle Gewalt, Auswirkungen, Selbsthilfe

Diplomarbeit von Martina Groß

Gang der Untersuchung:

Diese Arbeit bietet eine umfassende Analyse sexueller Gewalt gegen Mädchen, deren Auswirkungen und therapeutische Bewältigungsmöglichkeiten.

Im ersten Teil gibt die Autorin eine Einführung in das Thema mit Definitionen, statistischen Daten und Erklärungsansätzen zu den Ursachen sexueller Gewalt.

Der zweite Teil befaßt sich mit dem Mißhandlungsgeschehen und seinen traumatischen, kurz- und langfristigen Auswirkungen. Hier stellt die Autorin zwei verschiedene Erklärungsmodelle, das der posttraumatischen Belastungsstörung und das der traumatogenen Dynamiken von Finkelhor und Browne, vor und erweitert diese mit der Diskussion zusätzlicher traumamindernden und traumafördernden Faktoren. Sie geht zunächst auf die unmittelbaren Auswirkungen in der Kindheit ein, und dann intensiv auf langfristige Auswirkungen anhand einer Vielzahl von Untersuchungsergebnissen.

Im dritten Teil geht es um die Darstellung verschiedener therapeutischer Bewältigungsmöglichkeiten, wobei die Autorin unter "therapeutisch" "alle Bestrebungen, an sich zu arbeiten, um sich selbst wiederzuentdecken" und "ganz zu werden", versteht und betont, daß jede Frau die ihren Bedürfnissen entsprechende Form wählen muß. Dies erfordert jedoch ein breites Spektrum an Angeboten. Der Darstellung einzelner Stufen des Heilungsprozesses und der Bewältigung durch Selbsthilfe folgt die eingehende Diskussion von drei ausgewählten Therapiemethoden: die Klientenzentrierte Gesprächstherapie, die Körperorientierte Psychotherapie und die Integrative Therapie.

In ihren abschließenden Betrachtungen betont die Autorin die Bedeutung der TherapeutIn, die Rolle von Beratungsstellen und SozialarbeiterInnen bei der Informationssuche über therapeutische Möglichkeiten, den Stellenwert sozialer Beziehungen in der Traumabewältigung und ihren Standpunkt, daß es keine Bewältigung ohne Selbsthilfe gibt. In der Aufarbeitung sexueller Gewalt sieht sie die Chance, die eigenen Stärken wahrzunehmen, die sich die Frau durch ihren Überlebenskampf angeeignet hat.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 4
1. Einführung in die Problematik der sexuellen Gewalt 7
1.1. Begriffsklärungen 7
1.1.1. Sexueller Mißbrauch / Sexuelle Gewalt 7
1.1.2. Betroffene / Opfer / Überlebende 7
1.2. Definitionen von sexueller Gewalt 8
1.2.1. Feministische Definition 8
1.2.2. Entwicklungspsychologische Definition 9
1.3. Das Ausmaß sexueller Gewalt 10
1.3.1. Die Täter 10
1.3.2. Häufigkeit 11
1.4. Die Ursachen sexueller Gewalt 13
1.4.1. Traditioneller Erklärungsansatz 13
1.4.2. Feministischer Erklärungsansatz 13
2. Auswirkungen von sexuellen Gewalterfahrungen in der Kindheit 15
2.1. Das sexuelle Mißhandlungsgeschehen 16
2.2. Entstehungsmodelle für traumatische Auswirkungen 18
2.2.1. Definition ‘Trauma’ 19
2.2.2. Die Posttraumatische Belastungsstörung 19
2.2.3. Modell der traumatogenen Dynamiken 20
2.2.4. Traumamindernde und traumafördernde Faktoren 22
2.3. Kurzfristige Auswirkungen 25
2.3.1. Überlebensstrategien 26
2.3.2. Somatische und psychosomatische Auswirkungen 27
2.3.3. Auswirkungen auf die Sexualität 28
2.3.4. Psychische und emotionale Auswirkungen 28
2.3.5. Auswirkungen in sozialen Beziehungen 29
2.4. Langfristige Auswirkungen 30
2.4.1. Abwehrmechanismen: Verdrängung 31
2.4.2. Somatische und psychosomatische Auswirkungen 33
2.4.3. Auswirkungen auf die Sexualität 38
2.4.4. Psychische und emotionale Auswirkungen 42
2.4.5. Auswirkungen in sozialen Beziehungen 50
3. Therapeutische Bewältigungsmöglichkeiten 55
3.1. Der Heilungsprozeß 55
3.1.1. Begriffsklärung: therapeutisch 56
3.1.2. Bewältigung / Heilung 56
3.1.3. Einzelne Schritte im Heilungsgeschehen 58
3.2. Bewältigung durch Selbsthilfe 63
3.2.1. Selbsthilfe und soziale Unterstützung 64
3.2.2. Selbsthilfe mithilfe von Fachliteratur 65
3.2.3. Selbsthilfe durch kreative Ausdrucksformen 67
3.2.4. Selbsthilfegruppen zu sexueller Gewalt 68
3.3. Psychotherapeutische Bewältigungsmöglichkeiten 73
3.3.1. Anlaß und Auswahl der Therapie 75
3.3.2. Grundsätze für die therapeutische Arbeit mit betroffenen Frauen 79
3.3.3. KlientInnenzentrierte Gesprächspsychotherapie 83
3.3.4. Körperorientierte Psychotherapie 92
3.3.5. Integrative Therapie 97
Abschließende Betrachtung 108
Ausblick 116
Literaturverzeichnis 117

Automatisiert erstellter Textauszug:

Viele langfristigen Auswirkungen von sexuellen Gewalterfahrungen in der Kindheit finden bei den Frauen ihren Niederschlag im psychischen und emotionalen Bereich. Angesichts der Fülle der gravierenden Auswirkungen in diesem Bereich, möchte ich einige Aspekte besonders betonen, die meines Erachtens wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung und das Wohlbefinden von Frauen sind: nämlich u. a. das Selbstwertgefühl, die Überanpassung an die Bedürfnisse anderer, die Zweifel an der eigenen Wahrnehmung, das Gefühl nicht normal zu sein und die Entstehung von Depressionen. Viele der Aspekte bedingen sich gegenseitig oder haben gleichzeitig wiederum grundlegenden Einfluß auf das Verhalten von Frauen, so daß die psychischen und emotionalen Auswirkungen wechselseitig mit den Auswirkungen in sozialen Beziehungen korrespondieren können. [...]

Zusammenhang mit ihrer Sexualität (1995, 222ff.), lassen sich auch auf andere Bereiche des persönlichen Lebens übertragen: z. B. Probleme der Abgrenzung, d. h. die eigenen Grenzen nicht zu spüren oder auch die passive, erduldende Rolle, die die Gefahr wesentlich erhöht, erneut Opfer sexueller Gewalt zu werden. In der Studie von Teegen (1992) berichteten 41% der Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen in der Kindheit, von späteren sexuellen Gewalterlebnissen. (zit. in Ritter/Koch 1995, 221) Zu den Auswirkungen im Bereich der Sexualität gehören auch Angstgefühle, die sich oftmals nur mit Alkoholkonsum bewältigen lassen, mangelnde Hingabe, d. h. sich nicht fallenlassen zu können, um die Kontrolle nicht aufgeben zu müssen. Ebenso charakteristisch ist das [...]

36 abzugrenzen. Eßstörungen können u. a. als Versuch gewertet werden, mittels Nahrungsverweigerung die Entwicklung des weiblichen Körpers zu verhindern (Magersucht/Anorexie) und als Mittel dienen, um auf sich aufmerksam zu machen und Zuwendung zu erhalten. Weiterhin können sich Eßstörungen als Schutzversuch gegenüber den Angriffen des Täters (Fettsucht/Adipositas) entwickeln oder kann der sporadische Heißhunger, der typisch ist für die Eß-Brechsucht (Bulimie), möglicherweise als Hunger nach Berührungen interpretiert werden. (Ritter/Koch 1995, 204ff.) Ich möchte an dieser Stelle auf die weiterführende Literatur für den Bereich der Eßstörungen verweisen. (u. a. Köpp, 1996) Während sich die in der Untersuchung von Ritter/Koch geäußerten Probleme bezüglich des Körpererlebens im Erwachsenenalter verringern, steigt die Anzahl der körperlichen und psychosomatischen Erkrankungen an. Dabei könnte es sich möglicherweise um eine Verschiebung von bewußt abgelehnter Weiblichkeit, auf die Bildung von körperlichen und psychosomatischen Beschwerden, handeln. (Ritter/Koch 1995, 192ff.) In der Untersuchung von Teegen (1992) berichteten mehr als die Hälfte der Frauen von Menstruationsbeschwerden und 40% über Unterleibsprobleme. Auffällig war dabei auch, die mit dem Lebensalter ansteigende Tendenz zu Blasen- und Eileiterentzündungen, sowie zu Zysten und Geschwülsten, die häufig operiert werden müssen. 30% der Frauen litten weiterhin unter chronischem Ausfluß, Jucken und Wundsein der Vagina. (zit. in Ritter/Koch 1995, 190) Die Häufung der Unterleibsbeschwerden ist möglicherweise darauf zurückzuführen, daß die betroffene Körperregion von den Frauen als Ursache für die sexuelle Gewalt angesehen und deshalb (unbewußt) abgelehnt wird. Haber/Roos (1985) untersuchten Frauen, die in ihrer Kindheit sexuell mißhandelt oder in der Ehe vergewaltigt worden waren und fanden bei 53% der Frauen Symptome wie Becken-, Rücken- und Kopfschmerzen. Cunningham/Pearce/Pearce (1988) und Fry (1993) beschreiben Symptome wie chronische Beckenschmerzen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Asthmaanfälle, Schlafstörungen und Hauterkrankungen bei Frauen, die in der Kindheit sexuell ausgebeutet worden sind. (bei Richter-Appelt 1997, zit. in Amann/Wipplinger 1997, 211) Ebenso können Magen-Darmbeschwerden auftreten, deren Ursache oftmals in den extrem belastenden gemeinsamen Mahlzeiten mit dem Täter liegen, bei denen die Mädchen häufig zum Essen gezwungen wurden und hinterher erbrachen. (Herman 1993, 151) Von vielen Frauen wird die sexuelle Ausbeutung nicht erinnert, sondern sie wurde verdrängt, um das eigene Überleben zu sichern. (siehe 2.4.1.) Sie leiden vermutlich unter körperlichen und psychosomatischen Auswirkungen sexueller Ausbeutung, ohne sich der Ursachen dafür bewußt zu sein, und viele Frauen glauben verrückt zu sein. Andere Frauen haben zwar die reale Mißhandlungssituation nicht vergessen, haben allerdings keine Möglichkeit über die Ursachen ihrer Leiden zu sprechen, weil sie das Redeverbot, [...]

Arbeit zitieren:
Groß, Martina April 1998: Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen in der Kindheit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Psychotherapien, Sexuelle Gewalt, Auswirkungen, Selbsthilfe

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