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Frauen im Schwangerschaftskonflikt

Die Rolle der Schwangerschaftskonfliktberatung, die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch und seine Folgen

Frauen im Schwangerschaftskonflikt
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Susanne Kitzing
  • Abgabedatum: Juni 2003
  • Umfang: 83 Seiten
  • Dateigröße: 1,7 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8769-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8769-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8769-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kitzing, Susanne Juni 2003: Frauen im Schwangerschaftskonflikt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Konfliktsituation, Beratung, Entscheidungshilfe, Schwangerschaft, Frauen

Diplomarbeit von Susanne Kitzing

Einleitung:

Mein Ausgangspunkt für dieses Thema ist nicht, wie es oft der Fall ist, der Bezug zu einer speziellen Stelle meiner bisherigen Studienpraktika. Ich habe bisher noch nicht in einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle gearbeitet, so daß ich mein Thema daraus abgeleitet hätte. Vielmehr ist es so, daß ich in allen meiner absolvierten Praxisstellen (Allgemeiner Sozialer Dienst im Jugendamt, Mütterhaus und Frauenhaus) immer wieder in irgendeiner Art und Weise mit dem Thema der ungewollten oder ungeplanten Schwangerschaft in Berührung gekommen bin.

Im Jugendamt z. B. kam es durchaus vor, daß ein minderjähriges Mädchen in die Sprechstunde kam und von ihrer ungewollten Schwangerschaft erzählte. Es gab Mädchen, die berichteten von Problemen mit ihren Eltern, die ihr drohten, sie rauszuschmeißen, wenn sie das Kind bekommt. Diese Mädchen wollten sich dann meist informieren, welche Möglichkeiten es gibt, wenn sie das Kind behalten wollen.

Im Mütterhaus, wo minderjährige schwangere Mädchen und Mütter aufgenommen werden, war die Schwangerschaft in den meisten Fällen ungeplant. In diesen Fällen im Mütterhaus war es aber so, daß sie sich für ein Austragen und Behalten des Kindes entschieden und sie auf Grund von z. B. Problemen im Elternhaus in das Mütterhaus zogen.

Im Frauenhaus wiederum habe ich z. B. ein Fall erlebt, in dem ein junge Mutter von zwei kleinen Kindern während des Aufenthaltes im Frauenhaus bemerkte, daß sie zum dritten Mal schwanger ist, ungewollt. Sie hatte sich jedoch gerade von ihrem Mann getrennt und war schon mit der Erziehung der beiden anderen Kinder überfordert. Sie wollte eigentlich kein drittes Kind und zog so eine Abtreibung in Betracht. Bevor sie sich jedoch endgültig entschied, zog sie wieder zu ihrem Mann zurück. Ich kenne also ihre endgültige Entscheidung nicht.

Die oben dargestellten Berührungspunkte mit dem Thema der ungewollten Schwangerschaft und der sich daraus ergebende Konflikte, waren für mich ein Beweggrund mich einmal eingehender mit diesem Thema zu beschäftigen. Ein weiterer Beweggrund ist der, daß ich als Frau auch nicht hundertprozentig sicher davor bin, ungewollt schwanger zu werden.

In der Praxis habe ich erlebt, welche Konflikte und Probleme eine ungewollte Schwangerschaft mit sich bringen kann.

Das hat mich dazu gebracht über dieses Thema nachzudenken. Die Erlebnisse aus der Praxis und mein eigenes allgemeines Interesse an dem Thema haben zu dieser Arbeit geführt.

Mit diesen Vorab - Bemerkungen wollte ich meinen Ausgangspunkt für diese Arbeit erläutern.

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich nun auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Thema des Schwangerschaftskonfliktes sowie der Entscheidungsfindung der Frau beschäftigen. Auf Grundlage der Literatur zu diesem Thema sowie Auswertung derselben soll es Ziel meiner Arbeit sein, den Entscheidungsweg der ungewollt schwangeren Frau in Bezug auf ihren Schwangerschaftskonflikt darzustellen, mit der schließlich getroffenen Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch und seine Folgen, als Folgen dieser Entscheidung.

Zu Beginn werde ich die Konfliktlage der Schwangeren erläutern. Als Zweites soll die Schwangerschaftskonfliktberatung beleuchtet werden, unter dem Gesichtspunkt, inwieweit sie die Frau beim Finden ihrer Entscheidung unterstützt. Im Anschluß daran werde ich ihre Entscheidung gegen das Kind betrachten. Wobei ich mich hier auf die Darstellung der Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs beschränken möchte. Die beiden anderen Entscheidungsmöglichkeiten, Adoptionsfreigabe oder Behalten des Kindes, werde ich in meiner Arbeit ausklammern, da dies sonst den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Zum Abschluß und als Vervollständigung des Entscheidungsweges werde ich die Folgen nach der Entscheidung, und zwar der Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch, verdeutlichen.

Zur besseren Verdeutlichung des Aufbaus meiner Arbeit werde ich im Folgenden den Inhalt meiner einzelnen Kapitel beschreiben.

2. Kapitel: Ich gehe in meiner Arbeit von einer ungewollten Schwangerschaft aus. Diese kann bei der Schwangeren innere Konflikte auslösen. Diese Konfliktsituation als Ausgangslage der Frau, werde ich in diesem Kapitel untersuchen.

Zum Verständnis der Bedeutung eines inneren Konfliktes, werde ich im ersten Punkt des Kapitels die Merkmale dieser Art eines Konfliktes erläutern, um diese Merkmale gleichzeitig auf die Situation im Schwangerschaftskonflikt zu beziehen.

Im zweiten Punkt werde ich die psychische Situation der Schwangeren in der Konfliktsituation beleuchten. Ich gehe hier von der These aus, daß jede Frau einen Schwangerschaftskonflikt erlebt. Das Ausmaß dieses Konfliktes ist jedoch von Frau zu Frau verschieden. Nach der Untersuchung dieser Annahme werde ich in diesem Punkt darstellen, welche Faktoren die Konfliktsituation negativ beeinflussen können. Diese Faktoren sind: Entscheidungsdruck, Zeitdruck, Informationsdefizit, Geheimhaltungsdruck und die damit verbundene Isolation.

Im letzten Punkt dieses Kapitels sollen sinnvolle Entscheidungsstrategien erörtert werden, die der Schwangeren helfen sollen, ihren Konflikt zu bewältigen und eine Entscheidung zu treffen. Ich werde hier folgende hilfreiche Strategien erläutern: Unterstützung durch eine nahestehende Person, Unterstützung durch eine außenstehende Person (Arzt, Beraterin o. a.), der Faktor Zeit und das Abwägen von Pro und Contra Argumenten.

3. Kapitel: Zuerst werde ich in diesem Kapitel die gesetzlichen Regelungen zur Schwangerschaftskonfliktberatung erklären. Dabei werde ich organisatorische Rahmenbedingungen sowie inhaltliche Bestimmungen berücksichtigen.

Die Konzeption der Schwangerschaftskonfliktberatung ist Gegenstand des zweiten Teilkapitels. Zu Beginn werde ich die Merkmale der Konfliktberatung im Hinblick auf ihren Beratungsansatz untersuchen. Im Anschluß daran werde ich den inhaltlichen Ablauf des Beratungsgespräches nachvollziehen. Ich werde dazu das Beratungsgespräch in Phasen unterteilen und erklären was in diesen einzelnen Phasen passiert. Allerdings ist hier davon auszugehen, daß nicht mit jeder Frau ein Beratungsgespräch zustande kommt.

An welcher Stelle die Konfliktberatung im Entscheidungsweg steht und welche Rolle sie bei der Entscheidungsfindung der Frau spielt, soll im letzten Punkt dieses Kapitels erörtert werden. Ich werde die Einordnung in den idealtypischen Entscheidungsweg vornehmen (nach Grotjahn und Skroch).

Davon ausgehend werde ich beschreiben, inwieweit die Konfliktberatung die Frau beim Finden ihrer Entscheidung unterstützen kann.

4. Kapitel: Im ersten Teilkapitel werde ich den geschichtlichen Hintergrund und die Gesetzmäßigkeiten zum Abbruch beleuchten, um zu zeigen wie sich die gesetzlichen Regelungen in den letzten Jahrzehnten in Deutschland entwickelt haben. Dabei möchte ich beschreiben, welche unterschiedlichen Abtreibungsregelungen es bisher gab (Indikationsmodell der BRD, Fristenmodell in der DDR und die jetzige Beratungsregelung). Im Besonderen möchte ich auf die jetzige Regelung zum Schwangerschaftsabbruch eingehen. Dieses Kapitel ist wichtig, um Einblicke in die gesetzlichen Hintergründe zum Schwangerschaftsabbruch zu geben. Die genaueren gesetzlichen Bestimmungen zur Schwangerschaftskonfliktberatung erläutere ich gesondert bereits im Punkt 3.1. Da ich im dritten Kapitel schon Rolle und Konzeption der Schwangerschaftskonfliktberatung darstelle, ist es notwendig spezielle gesetzliche Bestimmungen im Hinblick auf die Beratung bereits an dieser Stelle aufzuzeigen.

Mit der Motivlage zum Schwangerschaftsabbruch setze ich mich anschließend im Punkt 4.2 auseinander. Dabei befasse ich mich mit der These: „Wenn Frauen sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, dann gibt es dafür oft nicht nur den einen entscheidenden Grund. Meist ist es ein ganzes Bündel von Motiven“ (Langsdorff; 1991; S.30). Ich werde erläutern wie vielschichtig die Gründe für einen Abbruch sind. Sie bilden einen ganzen Komplex von Motiven.

Dabei werde ich insbesondere auf Belastungen im partnerschaftlichen Bereich sowie im beruflichen Bereich als mögliche Motive eingehen. Hier gehe ich davon aus, daß beide Motive einen starken Einfluß auf die Entscheidung zum Abbruch ausüben.

Außerdem werde ich die Fragestellung untersuchen, ob das Zusammentreffen verschiedener Konfliktsituationen in verschiedenen Lebensbereichen als mögliche Motive die Abbruchwahrscheinlichkeit erhöhen.

5. Kapitel: Welche Folgen die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch haben kann, damit werde ich mich in diesem Kapitel auseinandersetzen. Ich unterscheide dabei Folgen in den drei verschiedenen Bereichen: mögliche physische Folgen, psychische Folgen und mögliche Folgen für soziale Beziehungen.

In diesem Kapitel werde ich die These untersuchen: Ein Schwangerschaftsabbruch hat immer Folgen für die betreffende Frau. Diese können sowohl negativ als auch positiv sein.

In Bezug auf die Folgen wird in der Literatur immer wieder das „Post - Abortion - Syndrom“ (PAS) diskutiert. Damit sind traumatische Folgen eines Abbruchs im psychischen Bereich gemeint (vgl. Stiftung „Ja zum Leben – Mütter in Not“ [Hg.]; 1996; S. 9). Ich werde die Merkmale von PAS erklären und die unterschiedlichen Standpunkte der Literatur in diesem Punkt erläutern. Damit werde ich der Frage nachgehen, ob eine Abtreibung immer traumatische Folgen haben muß.

Welche Auswirkungen eine Abtreibung auf die sozialen Beziehungen der Frau haben kann, werde ich im letzten Teilkapitel beschreiben. An dieser Stelle werde ich darstellen, daß der Zusammenhang zwischen Abtreibung und sozialen Beziehungen einen Teufelskreis ergibt. Denn nicht nur die Abtreibung hat Einfluß auf die sozialen Beziehungen der Frau, sondern auch die sozialen Beziehungen beeinflussen die Verarbeitung des Abbruchs.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Die Konfliktsituation - ungewollt schwanger 6
2.1 Merkmale eines inneren Konfliktes 6
2.2 Die psychische Verfassung der Frau im Schwangerschaftskonflikt 9
2.3 Sinnvolle Strategien bei der Entscheidungsfindung 14
3. Die Schwangerschaftskonfliktberatung als Entscheidungshilfe 19
3.1 Gesetzliche Bestimmungen zur Schwangerschaftskonfliktberatung 19
3.2 Zur Konzeption der Schwangerschaftskonfliktberatung 24
3.2.1 Die Merkmale der Schwangerschaftskonfliktberatung im Kontext zu ihrem Beratungsansatz 24
3.2.2 Darstellung des Ablaufs des Beratungsgespräches und seine inhaltlichen Schwerpunkte 29
3.3 Der Stellenwert der Schwangerschaftskonfliktberatung im Entscheidungsweg und im Hinblick auf die Entscheidungsfindung 33
4. Die Lösung des Konfliktes durch die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch 38
4.1 Der Schwangerschaftsabbruch und seine gesetzlichen Rahmenbedingungen der BRD 38
4.2 Die Motivlage bei der Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch 44
5. Nach der Entscheidung – Die Folgen des Schwangerschaftsabbruchs 55
5.1 Mögliche physische Folgen 55
5.2 Mögliche psychische Folgen 58
5.3 Mögliche Folgen für soziale Beziehungen 63
6. Schlußbetrachtung 66
7. Anhang 70
7.1 Anhang 1- Protokollbogen: SKB Teil I und Teil II 70
7.2 Anhang 2- Beratungsbescheinigung 72
8. Literaturverzeichnis 73

Automatisiert erstellter Textauszug:

An dieser Stelle kann die Frau auch ihre Gründe nennen für den erwogenen Abbruch. Die Betonung liegt hier auf „kann“, denn genauso, wie sie nicht zum Gespräch gezwungen werden kann, kann sie auch nicht gezwungen werden, ihre Gründe zu nennen. Allerdings hängt davon stark die Konkretisierung der Informationen und Hilfsangebote ab, die durch die Beraterin besprochen und vermittelt werden können. Einer Frau z. B., die verschweigt, daß sie ihr Kind aus der Befürchtung vor finanziellen Schwierigkeiten abtreiben lassen will, wird die Beraterin möglicherweise nichts von den finanziellen Hilfen für Mutter und Kind erzählen, da sie vielleicht einen anderen Grund vermutet. In der nun folgenden Orientierungsphase soll die Klientin sich mit der Bedeutung des Konfliktes für sich selbst und andere in ihrem sozialen Umfeld (z.B. Partner) auseinandersetzen. Nur, wenn die Klientin ihre Art des Konfliktes und Belastungen benennt bzw. Einblicke in ihre Lebenssituation und Einstellungen gewährt (Phase zwei), kann die Beraterin an dieser Stelle mögliche Hilfen konkret benennen und Informationen geben. Je intensiver und offener die Schwangere über ihre Situation spricht, desto konkreter kann die Beraterin darauf eingehen. Sonst würde sie ihre Hilfsangebote und Informationen eher allgemein weitergeben müssen. Im Grunde genommen ist das wie ein Puzzle, das zusammengefügt werden muß. Je mehr Puzzleteile die Beraterin kennt, desto vollständiger wird ihr Bild von der Schwangeren und ihrer Situation. Informationen und Hilfsmöglichkeiten kann die Beraterin in folgenden Bereichen geben: gesetzliche Ansprüche im Falle von Abbruch oder auch Behalten des Kindes, Adoptionsfreigabe, Erschließung von Hilfsquellen im finanziellen oder sachlichen Bereich, in der Wohnungsfrage, bei der Antragstellung, in Bezug auf die Abtreibungsdurchführung u. a. Weiterhin kann die Beraterin der Frau auch praktische Unterstützung ihrerseits (z. B. bei Antragstellung, Ausfüllen von Formularen o. ä.) anbieten sowie weitere Gespräche. Wichtig ist, daß in dieser Phase verschiedene Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Steht die Entscheidung der Klientin schon fest, so kann ihr die Beraterin möglicherweise zumindest die Alternativmöglichkeit in einem Was-wäre-wennGedankenspiel zeigen. Sofern die Klientin nicht abblockt und offen dafür ist. In der vierten Phase soll die Frau ihre Entscheidung eigenverantwortlich treffen. Sofern sie diese nicht schon getroffen hat bzw. sie diese an dieser Stelle bereits treffen will. Sicher gibt es auch Frauen, die den Beratungsschein nehmen, nach Hause gehen und dann das Gespräch noch mal „überschlafen“, bevor sie sich endgültig entscheiden. [...]

Wie oben festgestellt, ist also die Technik der Klientzentrierten Gesprächsführung in der Schwangerschaftskonfliktberatung sehr hilfreich. In die Beratungsarbeit fließen aber auch Teile aus dem Systemischen Beratungsansatz ein. Dieser (angewendet z. B. in der Systemischen Familienberatung) betrachtet „KlientInnen immer als Teil eines sozialen oder psychischen Systems“, also in Verbindung zu seinem „Lebenskontext“ (Franz; 2001; S. 20). Wenn die Beraterin demnach die Schwangere nach ihren derzeitigen Lebensumständen (ihrer Beziehung zum Kindesvater, ihrer Einstellung zu Verhütung oder ihrer ökonomischen Lage) fragt, dann betrachtet sie die Klientin in ihrer Gesamtsituation als Teil ihres individuellen sozialen, psychischen und ökonomischen Systems. Die systemische Betrachtungsweise ist in der Konfliktberatung angebracht, denn nur so läßt sich die Notlage bzw. der Konflikt der Klientin verstehen. Es reicht nicht, wenn die Klientin sagt, sie würde sich überfordert fühlen, wenn sie das Kind bekommt. Die Beraterin muß auch nachfragen, worin diese Überforderung besteht. Übt der Partner vielleicht Druck aus? Hat sie vielleicht Angst um ihren Arbeitsplatz und somit den Verlust ihrer wirtschaftlichen Grundlage? Oder hat sie bereits Kinder und möchte deshalb kein weiteres Baby? [...]

Das Ziel der Konfliktberatung ist es, der Frau zu einer Entscheidung zu verhelfen, die sie selbstbestimmt und möglichst sicher treffen soll und mit der sie auch zukünftig leben kann. Dabei ist die Art der Entscheidung nicht vorgegeben ( auch wenn gesetzlich eine Aussage darüber getroffen wird, daß sich die Beraterin von dem Bemühen zur Fortsetzung der Schwangerschaft leiten lassen soll). Die genannte Zielstellung und Ergebnisoffenheit der Konfliktberatung entspricht auch der Zielstellung der Klientzentrierten Gesprächsführung, die ebenfalls kein Ergebnis vorgibt (nicht-direktiv). Sabine Weinberger beschreibt dies in ihrem Buch über „Klientzentrierte Gesprächsführung“. Es sei ein entscheidendes Kennzeichen des klientzentrierten Ansatzes, daß dem Klienten keine Interpretationen, Ratschläge oder fertige Lösungen angeboten werden, sondern statt dessen die Auseinandersetzung mit emotionalen Prozessen und das Finden neuer Wege und Betrachtungsweisen gefördert wird (1996; S. 31). Die Qualität der Beratung im Schwangerschaftskonflikt steht und fällt mit der Qualität der zwischenmenschlichen Beziehung, die Klientin und Beraterin miteinander eingehen. „Jeder Kontakt zu einem Klienten stellt eine zwischenmenschliche Beziehung dar“, schreibt Weinberger (1996; S. 105). Damit diese sich positiv entwickelt, sind viele Faktoren wichtig. Erst einmal ist es von Bedeutung, daß die Beraterin die Klientin in ihrer Situation akzeptiert und ihr positive Wertschätzung entgegenbringt (Akzeptanz). [...]

Arbeit zitieren:
Kitzing, Susanne Juni 2003: Frauen im Schwangerschaftskonflikt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Konfliktsituation, Beratung, Entscheidungshilfe, Schwangerschaft, Frauen

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