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Frauen im Journalismus

Ursache und Wirkung der geschlechtsbedingten ungleichen Machtverteilung in den Medien

Frauen im Journalismus
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Julia Koch
  • Abgabedatum: September 2002
  • Umfang: 94 Seiten
  • Dateigröße: 640,4 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule Bremen, University of Applied Sciences Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6665-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6665-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6665-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Koch, Julia September 2002: Frauen im Journalismus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Feminismus, Gender, Journalistinnen, Gleichstellung, Geschlecht

Diplomarbeit von Julia Koch

Einleitung:

Die Moderatorin der Tagesthemen ist eine Frau - aber der mit Prestige verbundene Kommentar wird meistens von einem Mann gesprochen. Eine Frau moderiert eine politische Talkshow - und bekommt 1999 die „Saure Gurke” für die frauenfeindlichste Sendung des Jahres im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verliehen, weil in 38 Ausgaben von „Sabine Christiansen” nur 43 Frauen zu Gast waren, aber 201 Männer. Diese beiden Beispiele aus der ARD sind exemplarisch für die zwei Probleme, die ich in dieser Arbeit behandeln und erklären will: Frauen sind in den angesehensten Bereichen des Journalismus unterrepräsentiert, und ihre Sichtweise wird marginalisiert - auch von den meisten Journalistinnen, in Anpassung an die herrschende Medienkultur.

Nicht alle Journalistinnen würden diese Arbeit für notwenig halten. Monika Zimmermann beispielsweise, Chefredakteurin des Westfälischen Anzeigers in Hamm, habe für das Thema „Frauen und Medien” nur ein müdes Lächeln übrig, steht im Journalist: „Frauenquote, Frauenpower, Frauenbewegung - wenn ich das Wort ‘Frau’ schon höre, schalte ich für gewöhnlich ab.” Elke Schneiderbanger, Geschäftsführerin und Programmdirektorin von Radio NRW, glaubt nicht, dass Frauen wegen ihres Geschlechts benachteiligt werden und nicht die gleichen Chancen haben wie Männer: „Wenn Frauen in diesem Beruf etwas erreichen wollen und hart genug dafür arbeiten, dann schaffen sie das.” Von Engagement in der Frauenbewegung hält sie nichts: „Man kann entweder für die Sache der Frauen kämpfen oder Karriere machen.” (Indirekt gibt sie also doch zu, dass ein Kampf nötig ist.) Auf der anderen Seite stehen zum Beispiel die etwa 500 Frauen, die sich im Journalistinnenbund organisiert haben, offensichtlich weil sie das Gefühl haben, nicht die gleichen Chancen zu besitzen. Laut Keil arbeiten Frauen heute selbstverständlich in den Ressorts Wirtschaft und Politik, und nur der Sport bildet als letzte Männerbastion die Ausnahme. Dagegen sagt eine Wirtschaftsjournalistin: „In den harten Ressorts tauchen Frauen höchstens als Sekretärinnen auf.” Bei Pressekonferenzen sei sie oft eine der wenigen Journalistinnen. Solche Widersprüche werden in dieser Arbeit noch häufiger auftauchen.

Der Beruf Journalismus wurde in der Vergangenheit zu Recht als Männerberuf bezeichnet. Im ersten Teil dieser Arbeit werde ich diskutieren, inwieweit er das immer noch ist und was den Beruf charakterisiert. Außerdem werfe ich einen Blick auf die Entwicklung des Mediensektors und deren Auswirkungen auf JournalistInnen und beschäftige mich mit den Medienprodukten. Denn entgegen dem Objektivitätsanspruch im Journalismus sind die Medien von ihren ProduzentInnen geprägt. Die Weltsicht der JournalistInnen wird über das Medienprodukt transportiert und trägt so zur Konstruktion einer Realität bei. Insofern haben die Medien auch durch ihre Repräsentation von Frauen und Männern einen wesentlichen Einfluss auf das Geschlechterbild in der Gesellschaft.

Gang der Untersuchung:

In Kapitel 2 geht es um die statistisch messbaren Unterschiede zwischen Journalisten und Journalistinnen. Ich stelle in Zahlen - soweit vorhanden oder recherchierbar - die Arbeits- und Lebenssituationen von Journalistinnen dar. Teil 3 beantwortet die Frage, was Frauen in den Medien auf ihrem Weg behindert bzw. im Vergleich mit ihren Kollegen benachteiligt und warum es so wenig Frauen in Führungspositionen gibt. Die meisten der Erklärungen gelten auch für Frauen in anderen Branchen, da es sich um gesamtgesellschaftliche Probleme handelt, wie zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Erklärungsmodelle habe ich in zwei Gruppen eingeteilt: „Das Patriarchat ist schuld” und „Die Frauen sind selbst schuld”.

In Kapitel 4 geht es um Gegenstrategien, bereits verwirklichte und von mir oder anderen angedachte, sowie um deren Vor- und Nachteile. Ich stelle verschiedene feministische Konzepte vor, die unterschiedliche Sichtweisen auf die Geschlechterfrage im Journalismus ermöglichen, und diskutiere die Anwendung eines feministischen Blickwinkels im Journalismus. Außerdem diskutiere ich Initiativen zur beruflichen Gleichstellung, gehe erneut auf das in Teil 3 besprochene Problem der benachteiligenden Strukturen ein und präsentiere meine und anderer Autoren Gedanken über mögliche Verbesserungen.

Wie Simone de Beauvoir gehe ich davon aus: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.” Die Unterschiede zwischen Mann und Frau sind kulturell bestimmt. Die Ethnologie hat anhand der Kulturen anderer Völker gezeigt, dass Männer und Frauen auch ganz anders definiert werden können. Die Geschlechter sind also gesellschaftlich konstruiert. Die englische Unterscheidung zwischen biologischem Geschlecht (sex - male/female) und sozialem Geschlecht (gender - man/woman) hat sich inzwischen insofern als trügerisch erwiesen, als von der Forschung gezeigt wurde, dass auch das biologische Geschlecht mit kulturellen Erwartungen besetzt ist. In unserer Kultur muss man entweder männlich oder weiblich sein, und wenn jemand anatomisch nicht der Norm entspricht, wird solange operiert bis er es tut. „Sex is constructed by ideology.” Lünenborg verwendet den Begriff des Gendering, der „den Prozeß den Entstehens und der kontinuierlichen Ausgestaltung der sozialen Geschlechterverhältnisse einer Gesellschaft oder eines Teilsystems der Gesellschaft” bezeichnet. Sie hebt hervor, dass Geschlechterstrukturen nicht statisch sind, sondern in einer Wechselwirkung aus Fremdzuschreibung und eigener Gestaltung entstehen. Geschlecht ist auch etwas, dass man tut oder ausübt. Deshalb ordne ich die Autorin als Vertreterin des poststrukturalistischen Feminismus ein, der davon ausgeht, dass Geschlecht nicht fixierbar ist, sondern einen Prozess darstellt. Da ich mich selbst auch zum größten Teil in dieser Denkrichtung sehe und sie deshalb den Ausgangspunkt und Hintergrund meiner Arbeit bildet, will ich an dieser Stelle kurz darauf eingehen. Der Poststrukturalismus betont die Rolle der Sprache als Hervorbringerin von Bedeutungen (meanings). Mit Hilfe der Sprache ordnen wir die Welt um uns herum und machen Sinn aus unseren Erfahrungen - Sprache ist ein „meaning making system”, aber auch ein „meaning making process“. Das macht die Massenmedien zu zentralen Aushandlungsorten von Bedeutungen. Mit Sprache werden auch Geschlechterdifferenzen hervorgebracht bzw. festgeschrieben. Damit wird Sprache zum wesentlichen Instrument der Machterhaltung im Patriarchat. Der Poststrukturalismus betont die Machtkomponente im Geschlechterverhältnis, insbesondere in Verbindung mit Wissen. Die Frage nach der Repräsentation von Frauen im Journalismus ist die Frage danach, wer im Mediensystem die Macht hat, wer kraft seiner Position den öffentlichen Diskurs gestaltet, das agenda-setting bestimmt und die Wirklichkeitskonstruktion bzw. den Bedeutungszuweisungsprozess prägt. Ich gehe davon aus, dass gleiche Machtverhältnisse nur durch Parität auf allen Ebenen sowie eine veränderte Kultur der Organisation und des Zusammenlebens zu erreichen sind. Deshalb werde ich in Kapitel 4 dieser Arbeit Vorschläge für Schritte in diese Richtung machen. Mein Ausgangspunkt ist die ethnologische Erkenntnis, dass bis auf einige Universalien die Merkmale einer Gesellschaft kulturell konstruiert und damit prinzipiell veränderbar sind. Kultur ist nicht statisch, sondern dynamisch. Warum soll dieser Prozess nicht auch mit einem bewusstem Ziel gesteuert werden können? Da das Ziel der Gleichstellung von Mann und Frau per definitionem im Patriarchat nicht verwirklicht werden kann, muss ein neues System her.

Klaus teilt die Perspektiven der kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung in Gleichheitsansatz, Differenzansatz und Dekonstruktivismus auf. Der Gleichheitsansatz basiert auf dem liberalen Feminismus (siehe 4.1.1) und konzentriert sich auf Diskriminierung und geschlechtsspezifische Sozialisation, der Differenzansatz knüpft an die kritische Theorie und den Marxismus an und betrachtet die Differenzen zwischen den Geschlechtern, während der Dekonstruktivismus auf dem oben (und in 4.1.1) besprochenen Poststrukturalismus beruht und die Genderingprozesse in den Medien untersucht. Ich gehe in dieser Arbeit auf alle drei Ansätze ein, sie ist aber vor allem vom Gleichheitsansatz und Dekonstruktivismus geprägt.

Insbesondere vom ersteren ausgehend kann leicht die Mittäterschaft von Frauen in der ständigen (Re)Konstruktion des herrschenden Systems vergessen werden. Doch diese ist unvermeidlich, denn die Kultur und die herrschende Ideologie über Männer- und Frauenrollen sind ein Teil von uns. Viele Feministinnen neigen meinem Eindruck nach dazu, sich selbst etwas davon auszunehmen. In ihren Büchern wird impliziert, alle anderen Frauen seien Sklavinnen ihrer Sozialisation, wohingegen die Autorin die „Wahrheit” erkannt hat und ihr Auge von den kulturell gefärbten Brillengläsern befreit hat. Dabei sieht sie nicht, dass der Blick selbst von Kultur geprägt ist. Damit etablieren solche Autorinnen aber auch eine Art von Hierarchie, in dem sie sich, die feministisch aufgeklärte Frau, über die (noch) traditionell orientierte Frau stellen. Wobei das in Klammern gesetzte „noch” immer mitschwingt, schließlich hofft jede Feministin auf einen gewissen Fortschritt.

Auch durch die soziologische Untersuchung von Frauen kann eine Art von Machtverhältnis entstehen, denn der/die Analysierende „ermächtigt” sich derer, die er/sie analysiert und interpretiert, eben durch diesen Vorgang. Sie werden soziologisch durchleuchtet, bis zur scheinbaren Durchsichtigkeit erklärt und in Schemata gepackt. Dann sagt der/die WissenschaftlerIn ihnen (und dem Rest der Welt) in einem Buch, was sie warum gesagt oder nicht gesagt haben und was sie eigentlich hätten sagen müssen, wenn sie, wie der/die WissenschaftlerIn, den Durchblick gehabt hätten. Da ich mich für diese Arbeit teilweise auf solche Literatur stützen muss, will ich mich bei obiger Kritik auch gar nicht ausnehmen, sondern nur das Bewusstsein dafür wecken.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
1. Der Mediensektor und seine Produkte 7
1.1 Von Männern dominiert 7
1.2 Entwicklung des Arbeitsmarktes 10
1.3 Androzentrismus als Konsequenz für die Medienprodukte und die Gesellschaft 14
2. Darstellung der Situation von Journalistinnen in Zahlen 19
2.1 Frauenanteil im Journalismus 19
2.2 Horizontale Segregation - Journalistinnen im Medien- und Ressortvergleich 20
2.3 Vertikale Segregation - Journalistinnen in Führungspositionen 23
2.4 Familiäre Situation 25
3. Gründe für die ungleiche Machtverteilung 27
3.1 Diskriminierung durch männlich dominierte Arbeitswelt 27
3.1.1 Zur Wahrnehmung von Diskriminierung 27
3.1.2 Diskriminierung auf der Strukturebene 30
3.1.2.1 Der Konflikt zwischen Karriere und Familie 30
3.1.2.2 Teilzeit ist selten möglich 35
3.1.2.3 Männliche Unternehmenskultur 36
3.1.3 Diskriminierung auf der Verhaltensebene 42
3.1.3.1 Keine Beförderung 42
3.1.3.2 Weniger Lohn 43
3.1.3.3 Größere Anforderungen an die Arbeit 45
3.1.3.4 Ungleiche Verteilung von Terminen 46
3.1.3.5 Sexuelle Belästigung 47
3.2. Selbstverhinderung und Karriereverzicht als Folge der Geschlechterkonstruktion 52
3.2.1 Keine Kraft? 52
3.2.2 Kein Interesse? 54
3.2.3 Keinen Plan? 56
4. Bestehende und mögliche Strategien zum Abbau der kulturellen Hindernisse 58
4.1 Der feministische Blick 58
4.1.1 Feministische Denkrichtungen und ihre Anwendung im Medienbereich 58
4.1.2 Feminismus im journalistischen Alltag 64
4.2 Offizielle Förderung 70
4.3 Eigeninitiativen 73
4.3.1 Frauennetzwerke und Frauengruppen 73
4.3.2 Mentoring 75
4.4 Vorschläge zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie 78
4.5 Veränderung der Unternehmenskultur 81
Fazit 85
Literatur 89

Automatisiert erstellter Textauszug:

3.1.3.4 Ungleiche Verteilung von Terminen „Journalistinnen traut Man(n) oft bestimmte Themen von vorne herein nicht zu. Kollegen werden von ihren Geschlechtsgenossen deutlich bevorzugt.”213 In nichttraditionellen Bereichen haben es Frauen schwerer, sich durchzusetzen, wie häufiger geäußert wird. Eine Journalistin, die auch Wirtschaftsthemen bearbeitet, hat bei der Themenverteilung von Kollegen häufig gehört „Ach das lass mich mal machen, das ist doch kein Frauenthema”. Wirtschaftsthemen würden als Männerthemen gelten und Frauen-Hochschulen oder dergleichen als Frauenthema.214 Dass brisante Themen Männern vorbehalten bleiben, glaubten die Hälfte der West-BerlinerJournalistinnen und ein Viertel der Journalisten. Dass Frauen auf bestimmte Themen festgelegt werden bejahten sogar zwei Drittel der Frauen und die Hälfte der Männer.215 Sportjournalistin Ulla Holthoff durfte 1994 nicht zur Fußball-WM mitfahren, obwohl sie seit drei Jahren zur ständigen ZDF-Fußball-Crew gehörte. Die offizielle Begründung: Man wolle ihr nicht zumuten, vier Wochen von ihren Kindern getrennt zu sein. Sie selbst glaubt, dass die Kollegen neidisch auf ihre Buchveröffentlichungen zu dem Thema gewesen waren und sie [...]

3.1.3.3 Größere Anforderungen an die Arbeit „Als Frau muss man immer besser sein, früher wie heute. Ich glaube, daß man Frauen Fehler schwerer verzeiht als Männern. Wenn Journalistinnen verheiratet sind, werden sie außerdem ständig kritisch beäugt, ob sie ihre gesamte Arbeitskraft in den Dienst des Arbeitgebers stellen.“204 Damit fasst Wibke Bruhns zusammen, was nicht nur Journalistinnen oft äußern, sondern auch Frauen aus anderen Berufen. Alle Ende der ‘70er befragten Journalistinnen waren der Überzeugung, dass Frauen im Beruf mehr leisten müssten.205 Frauen würden stärker und kritischer beobachtet sowie stärker kritisiert. Äußerungen von Redakteuren bestätigten dieses Gefühl. Frauen standen demnach unter doppeltem Leistungsdruck: Sie mussten die Leistung selbst erbringen plus den Beweis, dass diese Leistung genauso gut wie die der Männer war.206 Anfang der ‘90er kam die Studie in West-Berlin zu ähnlichen, aber abgeschwächten Ergebnissen: Viele (anscheinend nicht alle) Befragten meinten, Frauen müssten besser sein und mehr leisten als Männer207, aber nur 40 Prozent der weiblichen und 20 Prozent der männlichen Befragten glaubten, dass Frauen mehr kritisiert würden.208 Damit fand diese Diskriminierungsart in der Liste der Forschrinnen am wenigsten Bestätigung von den Befragten. Ob an Frauen also wirklich höhere Anforderungen gestellt werden, ist umstritten. Die Journalistinnen Susanne Kirmer und Marion von Haaren glauben dies nicht, im Gegenteil: Frauen hätten es zum Teil sogar leichter, und zwar wegen Frauenquoten (von Haaren) 209 bzw. weil viele aus Imagegründen Frauen in Führungspositionen fördern, wie Kirmer glaubt.210 (Auf so genannte Frauenquoten gehe ich an anderer Stelle ein, deshalb nur kurz zu Kirmer: Ich finde diese These etwas weit hergeholt und habe auch nirgendwo etwas gelesen, was sie bestätigen [...]

Männer und 4 Frauen.195 „Wie lange Frauen auch journalistisch tätig gewesen sein mögen, die Hälfte der Redakteurinnen schafft nie den Sprung in diese gehobenen Einkommensklassen [über 4500DM]“ stellten auch Schneider et al fest.196 Das Einkommen der freien Journalistinnen bleibt noch erheblich unter dem der Festangestellten: Eine Befragung von 1998 ergab, dass das monatliche Bruttoeinkommen der Mehrheit der freien JournalistInnen unter 3.600 DM liegt.197 (Unter den Freien ist der Frauenanteil höher als bei den Festangestellten.) Es wurde nachgewiesen, dass das Geschlecht Einfluss auf die Lohnhöhe hat: Die NettoDiskriminierung beträgt demnach monatlich rund 500 Mark.198 Eine Befragung von freien JournalistInnen in 1988 ergab, dass der Stundensatz der Frauen etwa zehn Prozent unter dem der Männer lag. Auch ihr Monatsumsatz war geringer als der aller Befragten, und zwar um 844 Mark.199 So sind Journalistinnen auch seltener zufrieden mit ihrer Bezahlung (zwei Fünftel gegenüber der Hälfte der Männer).200 Ob dies allerdings mit dem Bewusstsein einer Benachteiligung einhergeht, ist unklar. Ich bezweifle, dass im allgemeinen Transparenz über die Bezahlung besteht. Es ist wahrscheinlicher, dass die Gehaltshöhen untereinander unbekannt sind und deshalb nicht verglichen werden können.201 Bei den Freien halte ich es schon für wahrscheinlicher, dass darüber Informationen ausgetauscht werden, sofern sie untereinander Kontakt haben. Die von Schulz interviewten Redakteurinnen gaben allerdings an, sich sowohl in ihrer Frauengruppe als auch mit den Kollegen über die Gehaltshöhe auszutauschen. In Folge waren sie unzufrieden mit ihrem Gehalt, meinten aber, dass ihre Kollegen auch nicht besser entlohnt würden. Von Lohndiskriminierung sahen sie sich nicht betroffen.202 Diese Transparenz könnte auf den Umstand des Vorhandenseins der Frauengruppe zurückzuführen sein und die anzunehmende damit einhergehende Sensibilität für Diskriminierungsformen. Bettina Böttinger erzählt, wie sie beim WDR finanziell diskriminiert wurde, was ihr aber damals gar nicht bewusst gewesen sei. Arbeitsmäßig war sie in einer höheren Position, bekam aber weiterhin ihr altes, niedrigeres Gehalt. Dann erfuhr sie durch Zufall, dass überdies ein neuer Kollege in der gleichen Position tariflich viel höher eingruppiert worden war (der im Gegensatz zu ihr auch keine zweijährige Probezeit absolvieren musste, obwohl er von außen kam und sie nicht). Man wollte sie nach der Probezeit in die für ihre Position niedrigst mögli195 196 [...]

Arbeit zitieren:
Koch, Julia September 2002: Frauen im Journalismus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Feminismus, Gender, Journalistinnen, Gleichstellung, Geschlecht

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