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Frauen und Führung

Von der Konstruktion weiblicher Führungsqualitäten

Frauen und Führung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christine Mügge
  • Abgabedatum: Juli 2003
  • Umfang: 97 Seiten
  • Dateigröße: 566,1 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Katholische Fachhochschule Freiburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8884-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8884-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8884-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Mügge, Christine Juli 2003: Frauen und Führung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Soft-skill, Führungsverhalten, Interaktion, Gesundheitswesen, Geschlechterrolle

Diplomarbeit von Christine Mügge

Einleitung:

Der Trend geht zu mehr Gefühl, so lautet der Leitartikel eines führenden Magazins für Human Resources Developement im Sommer 2002. In dem Artikel wird die Trendwende in den Schlüsselqualifikationen für Führungskräfte beschrieben und jene als Bedingung für deutsche Wirtschaftsunternehmen dargestellt um auch in Zukunft am Markt bestehen zu können. Um welche neuen Qualifikationen handelt es sich dabei?

Der Erfolgsfaktor heißt „Emotionalität“ und könnte die Trendwende für zukünftige Organisationen bedeuten. Emotionale Qualitäten, die explizit als weibliche Prinzipien benannt werden, sollen das Bestehen und den Erfolg der deutschen Wirtschaft sichern. Was die Autoren des Artikels mit einer Anzahl ihrer Kollegen teilen, ist die Hoffnung auf ein anderes, neues Management. Damit verbunden ist die Aussage der Autoren, MANN müsse nur weibliche Qualitäten übernehmen bzw. erlernen um sich zu einer besseren Führungskraft zu entwickeln. Die Qualitäten, auf die soviel Hoffnung gesetzt wird, gilt es näher zu beleuchten und insbesondere die geschlechtszuweisenden Attributionen zu anlysieren, die sich durch die einschlägige Fachliteratur ziehen.

Gibt es geschlechtsspezifische Qualitäten und aufgrund dessen Auswirkungen auf die Qualifikation einer Person, kann ein Unternehmen dies nutzen. Die Erwartungen werden von Unternehmen zu Unternehmen differieren. Welche Erwartungen werden an Führungspersonen heute gestellt? Welche Implikationen hat dies für das Führungsverständnis der „geführten“ Organisationsmitglieder? Welche Auswirkungen hat die Zweckgebundenheit eines Qualifikationsmerkmales? Wie wirkt sich das auf den Führungsstil der mit Leitungsfunktionen betrauten Personen aus?

Ob Unterschiede in männlichen und weiblichen Führungsstilen gefunden werden können oder Differenzen lediglich individuell und nicht geschlechtsspezifisch sind, wird in der Literatur unterschiedlich diskutiert. Je nach theoretischer Grundlage werden diese Differenzen beschrieben oder diskutiert und es wird versucht diese auf den Alltag in Organisationen zu übertragen. Die Praxis führt uns jedoch vor Augen, dass Frauen in den Spitzenpositionen in Wirtschaft, Politik und Verwaltung weiterhin unterrepräsentiert sind, obwohl sie den Männern im Bezug auf die berufliche Qualifikation nicht nachstehen. Auch im Gesundheitswesen spiegelt sich dieses gesellschaftliche Bild wider.

Die meisten Organisationen im Gesundheitswesen sind hierarchisch strukturiert. Die ärztliche Profession, lange eine Männerdomäne, hat innerhalb der Organisationen einen prägenden Einfluss auf Ausbildung, Ausübung und Kontrolle der überwiegend weiblich besetzten Semi-Professionen wie z. B. die Hebammen. Unabhängig von den aktuellen Veränderungen im Gesundheitswesen, die den Kampf um Statussicherung und damit Macht über den Patienten noch zusätzlich verstärkt haben, war das Verhältnis zwischen Ärzten und Hebammen schon immer ein besonders zwiespältiges. Die Erklärungsansätze sind vielfältig und reichen von historischen Beschreibungen des Machtentzugs der einen Berufsgruppe durch die andere, soziokulturellen Theorien zur Professionsentwicklung bis zu feministischen Sichtweisen zum Kampf der Professionen um den Körper der Frau. Diese werden in dem Rahmen dieser Arbeit nicht alle in erschöpfendem Umfang Berücksichtigung finden können, da ich meinen Blick in eine andere Richtung lenken möchte.

Problemstellung:

Die Problemstellung ergibt sich aus dem Trend der zunehmenden Qualifizierung der Gesundheitsberufe. Hebammen arbeiten in der Geburtsbetreuung absolut eigenverantwortlich und können aufgrund der gesetzlichen Grundlagen die ihnen vorbehaltenen Tätigkeiten ausüben. Ihre Hauptbezugsperson unter der Geburt sind neben der Gebärenden und deren Partner, der Arzt, den die Hebamme hinzuziehen muss bei Komplikationen.

So gibt es neben den gesetzlichen Vorlagen für die Beziehung Hebamme-Arzt eine breite Palette an Möglichkeiten des Beziehungsaufbaus, der Interaktion und aller daraus resultierenden Konflikte. Die Konflikte auf den Ebenen Arzt-Hebamme, Mann-Frau, Führung-Geführtwerden sind oft sehr subtil, häufig aber auch dramatisch. Hinzukommt, dass die Situation nicht immer eindeutig ist, wer, wann, wen, wohin zu führen hat. Da führt die erfahrene Hebamme den jungen Assistenzarzt „ein“ in seinen ersten Wochen im Kreissaal, ohne seine Unterschrift jedoch kann sie die Frau nicht in ein anderes Krankenhaus zur besseren Versorgung über-“führen“, da er die Anordnung treffen muss und die (gesetzliche) Verantwortung trägt. Die Hebamme wird so manches mal von der Führenden zur Bittstellerin, von der Aktiven zur Passiven, von der Mächtigen zur Unmächtigen und muss nicht nur sich dem schnellen, für Außenstehende kaum wahrnehmbaren Rollenwechsel unterziehen, sondern diesen auch noch kommunizieren.

Die „skills“, die sie in diesem Bereich während ihrer Ausbildung entwickeln kann, sind meines Erachtens eher zufällig, da Curriculum-Empfehlung und die Ausbildungsbegleitung zu sehr auf die fachliche (medizinische) Qualifizierung ausgerichtet sind. Die Notwendigkeit „soft skills“ auf- und auszubauen, bzw. das Bewusstsein für diese Qualitäten innerhalb der Berufsgruppe zu schaffen, lässt sich verdeutlichen. Hebammen haben zunehmend akademische Abschlüsse, werden aber im klinischen Bereich nicht in Führungspositionen eingestellt. Sie stehen damit vor dem gleichen Dilemma wie andere Frauen, die qualifiziert in gut bezahlte Männerdomänen wollen, nur dass Hebammen die Bürde des jahrhundertelangen Machtkampfes mit sich tragen.

Da dieses geschichtliche Erbe nicht unproblematisch ist, war es mir ein Anliegen, mich primär einmal davon zu distanzieren und mit dem Abstand zur Machtanalyse und einem gewissen Perspektivwechsel (für eine Hebamme) zu schauen, wie generell in Führungstheorien und den soziologischen Richtungen die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen diskutiert wird.

Gang der Untersuchung:

In einem ersten Schritt möchte ich die aktuelle theoretische Diskussion in den Organisationswissenschaften darstellen, um die Brisanz des Themas „Frauen und Führung“ zu verdeutlichen. Nach einer grundsätzlichen Begriffsklärung von Organisation und Führung in den Führungstheorien, werde ich prinzipielle Überlegungen zu Geschlecht und Führung bearbeiten um meinen Fokus zu setzen auf die prägenden Stereotypen, die Frauen in Führungspositionen begleiten.

Wenn „soft skills“ als weibliche Qualifikationsmerkmale bezeichnen werden, müssen sie genauer betrachtet werden. Da mir scheint, sich hinter diesen Skills überwiegend kommunikative Fähigkeiten verbergen, ist es wichtig zu überlegen, welchen Einfluss hat die Kommunikation zwischen den Geschlechtern und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Frauen im Besonderen, wenn sie in Führungspositionen wollen.

Die Interaktion der Geschlechter am Beispiel der Hebammentätigkeit aufzuzeigen, ist zum einen der Versuch, das Verhältnis der Berufsgruppen Hebammen-Ärzte von einer anderen Perspektive anzugehen. Als theoretische Grundlage werde ich Goffmans Überlegungen zu Interaktion und Geschlecht versuchen auf die tägliche Kreissaalarbeit zu übertragen, die mir aus meiner jahrelangen Arbeit im Universitätsklinikum Tübingen lebhaftes Beispiel ist für gelungene und misslungene Interaktion der Geschlechter. Für mich stellt sich die Frage, ob durch die „soft skill“-Debatte eine Annäherung der Geschlechter und eine Überwindung von Stereotypen möglich ist durch veränderte Interaktionsmuster.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG 3
1.2 VORGEHENSWEISE 5
1.3 ZIELSETZUNG 6
2. FÜHRUNG ALS KULTURPHÄNOMEN 8
2.1 BEGRIFFSKLÄRUNG: ORGANISATION UND FÜHRUNG 8
2.1.1 Organisation 8
2.1.2 Führung 10
2.1.3 Führungstheorien 11
2.2 ZUSAMMENFASSUNG 17
3. GESCHLECHT UND FÜHRUNG 20
3.1 THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN 21
3.1.1 Biologischer Erklärungsansatz 21
3.1.2 Sozialisationstheotetischer Erklärungsansatz 23
3.2 STEREOTYPEN UND IHRE WIRKUNGEN 27
3.2.1 Stereotypen 29
3.2.2 Und ihre Wirkungen 30
3.2.3 Mythen um Frauen in Führungspositionen 32
3.3 URBILDER (ARCHETYPEN) DER FÜHRUNG 36
3.3.1 Männliche Archetypen von Führung 37
3.3.2 Weibliche Archetypen von Führung 40
3.4 ZUSAMMENFASSUNG 43
4. FRAUEN IN FÜHRUNGSPOSITIONEN 47
4.1 WEIBLICHER FÜHRUNGSSTIL 48
4.2 FÜHRUNGSVERHALTEN VON FRAUEN 51
4.3 EINSTELLUNG ZUR MACHT 52
4.3.1 Macht als Handlungsform - Macht als Kommunikationsmedium 56
4.4 DIE „SOFT-SKILL“-DEBATTE 59
4.5 ZUSAMMENFASSUNG 63
5. GESCHLECHT UND INTERAKTION 67
5.1 THEORETISCHER ZUGANG 68
5.2 INTERAKTION DER GESCHLECHTER 71
5.3 INTERAKTION IN FRAUENTEAMS 73
5.4 ZUSAMMENFASSUNG 76
6. GEBURT ZWISCHEN INTERAKTION UND FÜHRUNG 77
6.1 BESTANDSAUFNAHME 79
6.1.1 Fallbeispiel 80
6.1.2 Interaktionsmuster 82
7. PERSPEKTIVEN 86
7.1 VISIONEN 87
8. LITERATURVERZEICHNIS 90

Automatisiert erstellter Textauszug:

sie eher als Männer bereit sind Beziehung aufzunehmen und Verantwortung zu übernehmen. In Stereotypen drücken wir dies wieder mit dem Begriff der „Fürsorge“ aus, die im nächsten Schritt den Frauen wieder in der Bereich der Familie und des Hauses verweist, im professionellen Bereich sie dem Pflegebereich zuweist (Körperpflege, Kinderpflege, Krankenpflege etc.). Diese Zuweisungen sind tief verankert und werden auch kommuniziert. Die Frau, die die Kindererziehung dem Partner überlässt um in ihrem Beruf sich zu verwirklichen, wird als Rabenmutter bezeichnet, wenn nicht andere es tun, bezeichnet sie sich insgeheim selber so. Die Angst im Beruf zu „versagen“ und in den häuslichen Bereich zurückkehren zu müssen, ist vorprogrammiert, d. h. die emotionale Prägung in der Geschlechterbeziehung wird von Angst, Konkurrenz, Vorenthaltung und Ambivalenz dominiert. Wie dieses Grundstimmung die Interaktion zwischen den Geschlechtern beeinflusst und im Besonderen ihren Umgang miteinander auf professioneller Ebene prägt, wird Thema des nächsten Kapitels sein. Im Hinblick auf die Entwicklung eines neuen Führungsparadigmas und die gesellschaftliche Fokussierung auf „soft skills“ muss beachtet werden, welche Fähigkeiten so viel Aufmerksamkeit erhalten. Die Frage stellt sich, ob mit dem Trend der „soft skills“ sich nicht wiederholt, was schon regelmäßig beschrieben wurde: [...]

Die Beobachtungen, dass sie schwerer Zugang zu den Informationen und zum Beziehungssystem kann, obwohl ihnen theoretisch größere Kommunikations-, Kooperations- und Motivationsfähigkeiten zugeschrieben werden. Diese Zuschreibungen, welche nicht nur unsere Alltagstheorien nähren, sondern auch die Gender-Diskussion beleben, haben verschiedene Erklärungsansätze, von denen der biologische und der sozialisationstheoretischen Ansatz vorgestellt wurden. Beide verweisen auf die Unterschiede in Denken, Handeln und der Entwicklung von bestimmten Fähigkeiten bei den Geschlechtern. Der Hinweis, dass Sprache und Wahrnehmung als Auslöser unserer Handlungen, von der biologischen Anlage her Informationen geschlechtsspezifisch unterschiedlich verarbeiten, strukturieren, integrieren und in Beziehung setzen können, veranschaulicht, dass in Folge auch Differenzen in der Kommunikation entstehen können. Dass Frauen kreativ, vernetzt denken, freier assoziieren können hat jedoch in unseren Alltagstheorien nicht die Gewichtung bekommen, wie die stereotypen Zuschreibungen, dass sie im Allgemeinen weniger aggressiv und mehr gefühlsbetont sind. Wenngleich der sozialisationstheoretische Ansatz separat dargestellt wurde, ist die gegenseitige Beeinflussung von Anlagen und soziokulturellen Vorgaben nicht zu leugnen. Wie andere Normen auch, unterliegen Geschlechtsnormen der jeweiligen Mode in einer Kultur. Die kulturbedingten Einflüsse auf die Moral lassen Frauen andere Konzepte entwickeln zur Lösung von Konflikten, wo [...]

In der Mutter(-rolle) ist die Frau mit dem Mythos der Muttergöttin verbunden und die Bilder dazu sind eindeutig: die Frau in dieser Rolle hat die Fähigkeit, Kinder auszutragen, zu gebären und zu nähren. In vielen Mythen ist es die Muttergöttin, welche die Welt erschafft. Der Spenderin und Hüterin von Leben ist in diesem Zusammenhang zum Schutz der Nachkommenschaft Aggressivität und Grausamkeit erlaubt. Dieser Attribute erinnert man sich gerne, wenn Frauen durch (unweibliche) Aggressivität, Durchsetzungsfähigkeit sind. Die Heldin zeichnet sich weniger durch körperliche Kraft aus als durch die Überwindung des inneren Feindes und der Projektion des Prozesses nach außen. Der Feind ist ihre eigene „...Angst, Trägheit, Bequemlichkeit, Unterordnungsbereitschaft, Feigheit etc.“ (Neuberger, 2002, S. 133). Für diesen Kampf benötigt sie mentale Stärke, damit sie die Konfrontation bzw. die Herausforderung nicht doch noch meidet. Für den Alltag im Management wird bestätigt, dass Frauen sich eher als ihre männlichen Kollegen interpersonellen Konflikten/Konfrontationen stellen, eher bereit sind gegen Ungerechtigkeiten aufzulehnen oder sich zu eigenen Schwächen und Wünschen zu bekennen. Die Frau als Heldin verfolgt kein persönliches Anliegen wie z. B. Selbstbestätigung, sondern stets ein auf das Allgemeinwohl gerichtetes Ziel, wie der Kampf gegen Ungerechtigkeit, Befreiung von und Rücksichtslosigkeit Ziele erreichen, wenngleich diese politisch-gesellschaftlich zu rechtfertigen [...]

Arbeit zitieren:
Mügge, Christine Juli 2003: Frauen und Führung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Soft-skill, Führungsverhalten, Interaktion, Gesundheitswesen, Geschlechterrolle

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