Frauen, Alkoholkonsum und die gesellschaftlichen Folgen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Lena Goldmann
- Abgabedatum: Dezember 2010
- Umfang: 101 Seiten
- Dateigröße: 650,0 KB
- Note: 1,6
- Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8428-1495-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Goldmann, Lena Dezember 2010: Frauen, Alkoholkonsum und die gesellschaftlichen Folgen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Alkoholismus, Frauen, Abhängigkeit, Schwangerschaft, Prävention
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Diplomarbeit von Lena Goldmann
Einleitung:
Als Folge der heutigen weltweiten Kommunikation und Kooperation ist die Verfügbarkeit aller Rauschmittel nahezu unbegrenzt. Der Weg in die Abhängigkeit beginnt mit ersten Erfahrungen mit der ‘Droge’ und führt über viele Wiederholungen bis schließlich das Verlangen die Kräfte des Verstandes und der Vernunft weit übersteigt. Die körperliche (physische) und seelische (psychische) Abhängigkeit von Drogen zerstört dabei den Menschen und seine Beziehungen zu anderen. Nikotin und Alkohol bleiben in Deutschland Suchtmittel Nummer Eins.
Die vorliegende Diplomarbeit ist als ein Versuch zu verstehen, einen theoretischen Überblick über das Erscheinungsbild der weiblichen Alkoholabhängigkeit und dadurch entstandenen gesellschaftlichen Folgeschäden zu geben.
Aus dieser Zielsetzung heraus werfen sich folgende Grundfragen auf, die im Verlauf der Arbeit beantwortet werden:
• Was bezeichnet das Wort ‘Alkohol’? Was versteht man unter den Begriffe ‘Konsum’, ‘Missbrauch’, ‘Sucht’, ‘Abhängigkeit’ und ‘Alkoholabhängigkeit’?
• Wie wirkt sich Alkohol auf Frauen aus?
• Welche Gebrauchsmotivationen tragen bei den Frauen besondere Bedeutung?
• Gibt es Unterschiede in der psychosozialen Lage und im Trinkverhalten zwischen den weiblichen und männlichen Alkoholabhängigen?
• Welche gesundheitlichen Folgeschäden entstehen auf Grund des Alkoholmissbrauchs bei Frauen?
• Welche Konsequenzen hat Alkoholgenuss während der Schwangerschaft für das ungeborene Kind?
• Welche Auswirkung hat Alkoholmissbrauch der Mutter auf die Entwicklung von Kindern?
• Welche Bedeutung hat die regel- und übermäßig trinkende Frau für die Partnerschaft bzw. Ehe?
• Welchen Einfluss hat Alkohol auf die berufliche Leistung?
• Welche Aufklärungskampagnen werden initiiert, um werdende Mütter dazu zu bewegen auf Alkohol in der Schwangerschaft zu verzichten?
Im ersten Teil meiner Diplomarbeit wird ein allgemeiner grundlegender Überblick zur Alkoholproblematik dargestellt. Es ist unerlässlich die Definitionen ‘Missbrauch’, ‘Abhängigkeit’ und ‘Sucht’ zu erklären. Anschließend gehe ich auf die Begriffserklärungen im Zusammenhang mit Alkohol an. Im Weiteren werde ich mich mit den statistischen Daten und Fakten bezüglich des Alkoholkonsums in Deutschland befassen.
Im Hauptteil der Arbeit wird ein Versuch unternommen die intensive Auseinandersetzung mit den Ursachen der Alkoholabhängigkeit bei Frauen hervorzuheben. Da die Ursachen für die Entwicklung der Abhängigkeit multifaktoriell sind, werden folgende Faktoren präziser betrachtet:
• Droge - Die Wirkung des Alkohols auf Frauen.
• Individuelle Faktoren – Die prämorbide Persönlichkeitsmerkmale und familiären Hintergründe.
• Umweltfaktoren - Die soziokulturellen Einflussfaktoren.
Die psychischen und physischen Folgen der weiblichen Alkoholabhängigkeit sowie die Auswirkungen auf das soziale Umfeld werden im weiteren Verlauf dieser Diplomarbeit geschildert. Die sozialen Folgeschäden werden absichtlich auf Familie bzw. Partnerschaft, Kinder und Arbeitswelt begrenzt.
Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit den Präventionsmaßnahmen am Beispiel der Schwangerschaft. Dabei werden einige in Deutschland laufende Aufklärungskampagnen zur Gefahr vom Alkoholkonsum in der Schwangerschaft und ein im Rahmen der Sekundärprävention durchgeführtes Modellprojekt dargestellt.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 3 |
| 1.1 | Aktualität und Forschungsstand | 3 |
| 1.2 | Zielsetzung und Gliederung der Arbeit | 6 |
| 2. | Grundlagen zum Thema Alkoholabhängigkeit | 7 |
| 2.1 | Legale und illegale Drogen: eine Übersicht | 7 |
| 2.2 | Alkohol als Genussmittel | 8 |
| 2.3 | Alkohol: Konsum, Missbrauch, Sucht/Abhängigkeit | 11 |
| 2.3.1 | Alkoholmissbrauch | 12 |
| 2.3.2 | Sucht und Abhängigkeit | 13 |
| 2.3.3 | Abhängigkeit von Alkohol | 14 |
| 2.4 | Statistische Daten zum Alkoholkonsum | 16 |
| 3. | Alkoholabhängigkeit von Frauen: Theoretische Modelle und spezifische Entstehungsbedingungen. Trinkverhalten und psychosoziale Lage | 21 |
| 3.1 | Theoretische Modelle der Genese des Alkoholgebrauchs | 21 |
| 3.2 | Die spezifische Wirkung des Alkohols auf Frauen und bei Frauen | 24 |
| 3.2.1 | Pharmakokinetik des Alkohols | 25 |
| 3.2.1.1 | Die Resorptionsphase | 25 |
| 3.2.1.2 | Die Diffusionsphase | 25 |
| 3.2.1.3 | Die Eliminationsphase | 26 |
| 3.2.2 | Endorphinmangel | 28 |
| 3.3 | Individuelle Faktoren | 29 |
| 3.3.1 | Prämorbide Persönlichkeitsmerkmale | 29 |
| 3.3.2 | Familiäre Hintergrund und genetische Disposition | 31 |
| 3.3.3 | Umweltfaktoren | 33 |
| 3.3.3.1 | Eltern-Kind-Interaktion | 33 |
| 3.3.3.2 | Gewalterfahrungen | 35 |
| 3.3.3.3 | Weibliche Rollenerwartungen – Alkoholkonsum | 37 |
| 3.3.3.3.1 | Partnerschaftsbeziehungen | 39 |
| 3.3.3.3.2 | Das neue Frauenbild | 41 |
| 3.4 | Spezifische psychosoziale Lage und Trinkstil von alkoholabhängigen Frauen | 47 |
| 4. | Auswirkungen der weiblichen Alkoholabhängigkeit | 48 |
| 4.1 | Körperliche und psychische Auswirkungen | 48 |
| 4.2 | Teleskop-Effekt | 49 |
| 4.3 | Soziale Auswirkungen | 50 |
| 4.3.1 | Alkoholkonsum in der Schwangerschaft | 50 |
| 4.3.1.1 | Fetale Alkohol-Spektrum Störungen | 51 |
| 4.3.1.2 | Risikofaktoren von FASD | 53 |
| 4.3.1.3 | Die Folgen für das Kind | 55 |
| 4.3.2 | Folgeschäden für die Partnerschaft und Familie | 57 |
| 4.3.3 | Folgeschäden für die Kinder | 61 |
| 4.3.4 | Auswirkungen auf die Berufswelt | 69 |
| 5. | Präventive Maßnahmen am Beispiel der Schwangerschaft | 71 |
| 5.1 | Laufende Kampagnen und Initiativen im Rahmen Primärprävention | 76 |
| 5.1.1 | Die Kampagne ‘0,0 Promille in der Schwangerschaft’ | 76 |
| 5.1.2 | Die Kampagne ‘Mein Kind will keinen Alkohol!’ | 77 |
| 5.1.3 | Die Kampagne ‘Verantwortung von Anfang an!’ | 78 |
| 5.1.4 | Rheinland-Pfalz: Kampagne ‘Mach dir nix vor’ | 80 |
| 5.1.5 | Der Informationsflyer für Schwangeren | 80 |
| 5.1.6 | Die Warnetiketten auf den Alkoholflaschen | 81 |
| 5.2 | Ein Beispiel der Sekundärprävention | 82 |
| Zusammenfassung | 84 | |
| Literaturverzeichnis | 86 | |
| Internetverzeichnis | 94 |
Textprobe:
Kapitel 3.3.3.3.1, Partnerschaftsbeziehungen:
Partnerschaftsbeziehungen haben in der gesamten Entwicklung der Mädchen und Frauen einen hohen Stellenwert. Für Frauen werden spezielle Lebensereignisse aus dem emotionalen und zwischenmenschlichen Bereich als besonders belastend beschrieben, denn soziale Netze sind für Frauen als ‘Beziehungsexpertinnen’ geknüpft an soziale Aufgaben. Da Mädchen und Frauen eher an personalen Beziehungen orientiert sind, wirken sich Partnerschaftsprobleme stärker aus. In einer Studie von Franke geben zwischen 78 und 100 Prozent der alkoholabhängigen Frauen an, bei Partnerschaftsproblemen Alkohol zu trinken. Damit dient der Alkohol als Spannungslöser oder Seelentröster, um auftretende Konflikte und Widersprüche einfach wegzuspülen. Der Wunsch nach Empathie, um den Anforderungen der Beziehungsarbeit gerecht zu werden, um Sexualität genießen oder überhaupt aushalten zu können, führt häufig zur problematischen ‘Beziehung’ mit dem Alkoholkonsum.
Häufig spielt der Einfluss des Partners, mit dem sie zusammen ist, die entscheidende Rolle. Die Frau orientiert sich stark am Konsumverhalten ihres Partners. Ergebnisse von Studien belegen, dass Mädchen und Frauen häufig von Jungen und Männern zum Konsum von Alkohol angeregt werden. Viele Ehemänner alkoholabhängiger Frauen haben selbst Probleme mit dem Alkohol. Viermal so viele weibliche Alkoholabhängige wie männliche haben alkoholkranke Partner. Wrusch schreibt dazu: ‘Der Alkoholkonsum der Partnerin ist dann sowohl als ein Akt der Solidarität mit dem trinkenden Mann zu verstehen als auch eine hilflose Bewältigung der sich aus der problematischen Beziehung ergebenden Schwierigkeiten’. Hier entwickelt sich somit zuerst ein co-abhängiges Verhalten, das später in einer eigenen Abhängigkeit mündet. Die Frauen sind bereit alles zu ertragen, um Annerkennung und Bestätigung zu erfahren. Die eigene Bedürftigkeit ist oft so groß, dass sie betäubt werden muss, entweder mit Alkohol, oder mit Opferung, oder mit beidem.
Zenker hebt zu Recht hervor, dass auch heute bei Frauen die einengende Sozialisation zu den Risikofaktoren gerechnet werden muss, die Entwicklung einer Abhängigkeit begünstigen. Vogt sieht in den Lebensläufen von Frauen mit Alkoholproblemen ein Scheitern an der weiblichen Normalbiographie, zu der Heirat und Kinder gehören. Sie sind ledig, wenn sie einen Partner haben sollten, haben sie keine Kinder, haben Partnerschaftsprobleme und eine hohe Scheidungsrate. Sie fangen an zu trinken, weil sie diese Unfähigkeit, die gewünschte Rolle zu übernehmen in ihrer eigenen Person sehen. Fallahpour berichtet dazu, dass Alleinstehende, geschiedene und besonders alleinerziehende Mütter häufiger von Alkoholabhängigkeit betroffen sind als in Partnerschaft lebende. Aufgrund dessen, dass Rollenänderungen nur langsam und nicht gleichförmig für allen sozialen Schichten vonstatten gehen, bleiben die Ideale einer weiblichen Normalbiographie - Ehefrau, Mutter und Hausfrau zu sein – auch heute als spezifische Risikofaktoren für übermäßigen Alkoholkonsum. Der Shell-Jugendstudie zufolge sind junge Frauen im Vergleich zu jungen Männer stärker familienorientiert, wünschen sich häufiger Kinder und befinden sich früher in festen Partnerschaften. Darüber hinaus erleben junge Frauen, dass unabhängig von den tatsächlichen Fähigkeiten immer noch Jungen und Männer in vielen Fällen bevorzugt werden. Mädchen und Frauen sind damit konfrontiert, dass sie Jungen und Männer in der Schule und im Studium überholen – haben vorerst aber noch schlechtere Karrierechancen als diese. Ihre Arbeit wird niedriger eingestuft und ihre Aufgaben bestehen häufig in Dienstleistungen für Andere. Die gesellschaftliche Aufgabe, ein neues Bild der Familie, eine neue Familienstruktur zu entwerfen und zu realisieren, wird nahezu von den jungen Frauen allein getragen, was wiederum zum Verunsicherungsgefühl führt. Dies kann wiederum zu Passivität, Verfügbarkeit und Opferhaltung führen.
Dem Jahrbuch ‘Sucht 2010’ zufolge ist der Anteil alkoholabhängiger Frauen, die über 60 Jahren sind, gestiegen. Diese Tendenz kann laut Vogt durch den Versuch ihre Marginalisierung und Ausschluss aus der Gesellschaft mit Alkohol zu bewältigen erklärt werden. Sie sind häufig isoliert und vereinsamt, was den Alkoholmissbrauch fördern kann. Ein anderer Grund kann ein so genanntes ‘Empty-nest-Syndrom’ sein. Vermutlich sind besonders traditionell familienorientierte Frauen, die im fortgeschritten Alten von mehr als 50 anfangen zu trinken, vom ‘Nestwärme-Syndrom’ getroffen. Durch den Auszug der Kinder verändern sich die weibliche Identität und Rolle. Somit kann das Gefühl von Leere, Verlassensein und Nichtgebrauchtwerden zum psychischen Zusammenbruch und anschließend zum Alkoholtrinken führen. Bei alkoholabhängigen Frauen, die ihre Drogenkarriere im früheren Alter angefangen haben, wurde das Leeres-Nest-Syndrom in der Studie von Vogt nicht bestätigt. Sie untersuchte mit qualitativen Interviews 41 alkoholkranke Frauen im Alter von 30 bis 50 Jahren. Die Autorin stellte fest, dass der Ablösungsprozess von heranwachsenden Kindern bei den alkohol- abhängigen Frauen in dieser Altersgruppe auf Grund der schlechten Mutter-Kind-Beziehung schmerzlos stattfindet. Verlustereignisse, insbesondere Partnerverlust bzw. Scheidung und schwere Familienkrisen erscheinen als wichtige Auslöser der Alkoholgenese bei Frauen. Nach Franke sind weibliche Alkoholabhängige dreimal so häufig geschieden wie unabhängige. Viele Autoren betonen, dass die Kausalitätsrichtung eher von Scheidung zur manifestierten Alkoholabhängigkeit zu verlaufen scheint.
Eine Gruppe von Frauen, die einen hohen Alkoholkonsum aufweisen, aber von Wissenschaftlern vernachlässigt werden, sind homosexuelle und bisexuelle Frauen. Die Daten deuten darauf hin, dass diese Gruppe von Frauen eher und intensiver trinken als heterosexuelle Frauen. Da eine homosexuelle Identität noch nicht völlig akzeptiert ist, hat das einen direkten Einfluss auf das Risiko übermäßigen Alkoholkonsums. Homosexuelle und bisexuelle Frauen fallen per se aus dem Rahmen der Normalität. Somit dient der Alkoholkonsum dazu, sich zeitweise von den gesellschaftlichen Anforderungen und von der weiblichen Rollenerwartung zu entziehen. Wolf weist darauf hin, dass der Alkoholkonsum von homosexuellen und bisexuellen Frauen eine bewusst signalisierte Nonkonformität gegenüber gesellschaftlichen Verhaltenserwartungen an Frauen ausdrücken kann.
3.3.3.3.2, Das neue Frauenbild:
Mit dem Geschlechtsrollenwandel hat sich die traditionelle weibliche Rolle - Mutter und Ehefrau – durch die gestiegene Teilnahme an Schulbildung und Berufsausbildung einer erheblichen Veränderung unterzogen. Somit hat sich die Rolle der Mutter, der Partnerin und der Hausfrau um die Berufsrolle erweitert. Dieser Konflikt zwischen der ‘alten’ Geschlechtsrolle und einer veränderten Realität wird als ein prädisponierender Faktor für eine Gefährdung von Frauen diskutiert. Besonders belastend fanden die Autoren die Vereinbarung von Beruf und Familie. Darüber hinaus geht mit dem Rollenwandel auch die Gleichberechtigung beim Alkoholkonsum einher.
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http://www.diplom.de/ean/9783842814950
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Goldmann, Lena Dezember 2010: Frauen, Alkoholkonsum und die gesellschaftlichen Folgen, Hamburg: Diplomica Verlag
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