Franchise-Identifikation als Prädiktor für Unternehmenserfolg von Franchisenehmern
Eine empirische Analyse am Beispiel einer im Franchisesystem organisierten Reisebürokette
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Carsten Looß
- Abgabedatum: Dezember 2003
- Umfang: 115 Seiten
- Dateigröße: 987,0 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Philipps-Universität Marburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8101-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8101-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8101-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Looß, Carsten Dezember 2003: Franchise-Identifikation als Prädiktor für Unternehmenserfolg von Franchisenehmern, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Social Identity Theory, Self-Categorization, Tourismus, Erfolgsfaktoren, Kausalanalyse
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Diplomarbeit von Carsten Looß
Einleitung:
Bei der Betrachtung von Erfolgsfaktoren der Unternehmen gewinnen in der aktuellen Diskussion so genannte weiche Faktoren wie Unternehmenskultur und -identifikation neben Determinanten wie Strategie, Struktur und Leistungsprogramm zunehmend an Bedeutung. Darüber hinaus verstärkt eine schwindende Loyalität der Mitarbeiter, hervorgerufen durch eine Zunahme an Unternehmenszusammenschlüssen, Übernahmen und Restrukturierungen, die Forderung nach einer gewissen Identifikation der Mitarbeiter mit den Zielen, Werten und Normen eines Unternehmens zum beiderseitigen Wohle. Wenn sich Individuen mit den Zielen ihrer Organisation identifizieren, so die Überlegungen, würde dies positive Auswirkungen auf die organisatorische Zielerreichung haben, zumal Identifikation als die Grundvoraussetzung für eine reibungslose Leistungsabgabe von Arbeitnehmern erachtet wird. Die Entwicklung, Förderung und Aufrechterhaltung von Identifikation bei Mitarbeitern gilt somit als führungspolitische Aufgabe, der mit Hilfe zahlloser Managementstrategien und Motivationskonzepten nachgegangen wird.
Besonders die Sozialpsychologie hat sich in den letzten Jahren intensiv mit Identifikation im organisationalen Kontext beschäftigt, wobei auch der Einfluss auf die Arbeitsmotivation und -zufriedenheit von Individuen einen Forschungsschwerpunkt darstellt. Der zunächst für die Untersuchung von Intergruppenprozessen entwickelte Social Identity Approach bildet dabei die theoretische Basis, welche die Gründe und Mechanismen der Identifikationsprozesse in Organisationen einer deutlicheren Analyse zuführen lassen.
Als Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit dient der Reisebüromarkt, der sich zunehmenden Konzentrationsprozessen gegenübersieht, was einhergeht mit einer steigenden Anzahl an Kooperationen und einer stark abnehmenden Zahl an ungebundenen Reisebüros. Ein wachsender Anteil der Kooperationen organisieren sich in einem Franchisesystem. Der erkennbar positive Trend in der Entwicklung des Franchising, welches bereits in vielen Sektoren der Dienstleistungsbranche die vorherrschende Organisationsform darstellt, scheint sich somit auch im Reisebüromarkt zu bestätigen. Beiträge aus der betriebswirtschaftlichen Literatur, welche zum Ziel haben, die Attraktivität bzw. den Erfolg von Franchisesystemen gegenüber anderen Organisationsformen zu begründen, erfolgen dabei oft aus institutionenökonomischer Sicht.
Diese Arbeit nähert sich dieser Thematik dagegen aus dem Blickwinkel der Sozialpsychologie. Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob die organisationale Identifikation auf Basis des Social Identity Approaches einen eigenen Beitrag zur Erklärung des Unternehmenserfolges von Franchisenehmern einer Reisebürokette leistet. Der Frage soll in einem eigenen Forschungsunterfangen nachgegangen werden, wobei die Evaluierung von Franchise-Identifikation der Reisebüromitarbeiter den Fokus der Untersuchung bildet. Dem Reisebüroexpedienten kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, da die Dienstleistungsqualität eines Reisebüros, aufgrund der unmittelbaren Beteiligung des Kunden am Leistungserstellungsprozess, im hohen Maße von seiner fachlichen und sozialen Kompetenz beeinflusst wird.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel: Im Anschluss an diese Einführung werden im zweiten Kapitel die wesentlichen theoretischen und praktischen Grundlagen des Franchising dargestellt, wobei die Bedeutung von Franchising für den Dienstleistungsbereich im Allgemeinen und die Reisebürobranche im Besonderen herausgearbeitet wird. Unter Hinzuziehen empirischer Aspekte wird dabei fundiert, dass Franchisesysteme gegenüber anderen Organisationsformen im Reisemarkt erfolgreicher agieren. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem Konstrukt der Identifikation von Individuen mit der Organisation. Als theoretisches Fundament wird dabei der aus der Sozialpsychologie stammende Social Identity Approach zugrunde gelegt. Dieser integriert die Social Identity Theory und die Self-Categorization Theory, deren Erkenntnisse bislang hauptsächlich im Zusammenhang mit Intergruppenkonflikten überprüft wurden, aber in jüngster Zeit auch verstärkt zur Interpretation von Identifikation in Organisationen Anwendung finden. Die Vorstellung empirischer Arbeiten zu dieser Thematik ergänzen die aus der Theorie gewonnen Befunde. Auf der Basis der in diesen beiden Teilen vermittelten Erkenntnisse werden im Anschluss die Hypothesen für die Untersuchung der Wirkung von Franchise-Identifikation auf den Unternehmenserfolg von Franchisenehmern generiert, womit die Grundlage für das eigene Forschungsanliegen manifestiert ist.
Dieser praxisorientierte Teil beginnt im vierten Kapitel mit der Operationalisierung der Konstrukte, wobei das dieser Studie zugrunde liegende Untersuchungsdesign festgelegt und der Ablauf und die Erhebung der Befragung dargestellt werden. Im Anschluss an die Feldphase bildet das fünfte Kapitel den Schwerpunkt der Datenanalyse, welcher in der kausalanalytischen Betrachtung der im Hypothesensystem aufgeworfenen Ursache-Wirkungs-Beziehungen mündet. Die Ergebnisse aus der Kausalanalyse bilden sodann die Grundlage für eine sich anschließende kritische Diskussion der resultierenden Wirkungszusammenhänge, woraus Implikationen für das Management des Reisebürounternehmens abgeleitet werden.
Inhaltsverzeichnis:
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | III | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | IV | |
| TABELLENVERZEICHNIS | V | |
| 1. | UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND UND METHODISCHES VORGEHEN | 1 |
| 2. | GRUNDLAGEN UND BESONDERHEITEN DES FRANCHISING | 4 |
| 2.1 | BEGRIFF UND BEDEUTUNG DES FRANCHISING | 4 |
| 2.2 | ARTEN UND FORMEN DES FRANCHISING | 9 |
| 2.3 | FRANCHISING IM DIENSTLEISTUNGSBEREICH | 10 |
| 2.3.1 | Das Besondere des Dienstleistungsfranchising | 10 |
| 2.3.2 | Franchising in der Reisebürobranche | 13 |
| 2.3.2.1 | Zahlen und Fakten des Reisebüromarktes | 13 |
| 2.3.2.2 | Abgrenzung zu Filialsystemen | 15 |
| 2.4 | ERFOLG DES FRANCHISING GEGENÜBER ANDEREN ORGANISATIONSFORMEN | 16 |
| 2.5 | ZWISCHENFAZIT | 18 |
| 3. | IDENTIFIKATION IM ORGANISATIONALEN KONTEXT | 20 |
| 3.1 | DER SOCIAL IDENTITY APPROACH | 20 |
| 3.1.1 | Die Social Identity Theory | 20 |
| 3.1.1.1 | Die soziale Kategorisierung | 21 |
| 3.1.1.2 | Die soziale Identität | 22 |
| 3.1.1.3 | Der soziale Vergleich und soziale Distinktheit | 23 |
| 3.1.2 | Die Self-Categorization Theory | 24 |
| 3.2 | IDENTIFIKATION IM ORGANISATIONALEN KONTEXT | 27 |
| 3.2.1 | Definition der organisationalen Identifikation | 27 |
| 3.2.2 | Abgrenzung zu organisationalem Commitment | 29 |
| 3.2.3 | Fokusse der organisationalen Identifikation | 33 |
| 3.2.4 | Identifikation, Motivation und Performance | 35 |
| 3.3 | ÜBERSICHT ÜBER DEN STAND DER FORSCHUNG ZU IDENTIFIKATION | 38 |
| 3.3.1 | Antezedienten organisationaler Identifikation | 39 |
| 3.3.1.1 | Organisationales Prestige | 39 |
| 3.3.1.2 | Organisationale Distinktheit | 41 |
| 3.3.2 | Konsequenzen organisationaler Identifikation | 42 |
| 3.3.2.1 | Arbeitsbezogene Einstellungen | 43 |
| 3.3.2.2 | Performance | 44 |
| 3.3.2.3 | Organizational Citizenship Behavior | 47 |
| 3.4 | ZWISCHENFAZIT | 49 |
| 3.5 | BILDUNG DER UNTERSUCHUNGSHYPOTHESEN | 50 |
| 4. | OPERATIONALISIERUNG DER KONSTRUKTE | 56 |
| 4.1 | DESIGN DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG | 58 |
| 4.2 | ABLAUF UND ERHEBUNG DER BEFRAGUNG | 62 |
| 5. | ANALYSE DES GEWONNENEN DATENMATERIALS | 65 |
| 5.1 | DESKRIPTIVE ANALYSE | 65 |
| 5.2 | DIE GÜTE DER DATENBASIS | 66 |
| 5.2.1 | Explorative Faktorenanalyse | 69 |
| 5.2.2 | Die Güte der Konstrukte | 71 |
| 5.2.2.1 | Identifikation mit dem Reisebüro | 71 |
| 5.2.2.2 | Identifikation mit dem Franchisesystem | 72 |
| 5.2.2.3 | Franchiseorientiertes Verhalten | 73 |
| 5.2.2.4 | Unternehmenserfolg | 74 |
| 5.3 | KAUSALANALYTISCHE BETRACHTUNG | 75 |
| 5.3.1 | Die Güte des Basismodells | 76 |
| 5.3.2 | Modifikation des Basismodells | 79 |
| 5.3.3 | Diskussion der Wirkungszusammenhänge | 80 |
| 6. | RESÜMEE UND IMPLIKATIONEN FÜR DIE UNTERNEHMENSPRAXIS | 84 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 90 | |
| ANHANG | 102 | |
| EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG | 104 |
Organisation über ein hohes Prestige bzw. ein attraktives Image verfügt,233 da die Verschiedenheit der Mitglieder im Vergleich zu anderen betont und somit die Selbstwertsteigerung gefördert wird.234 Pratt subsumiert sowohl Prestige als auch Attraktivität unter den Prozess der Selbstwertsteigerung und kommt zu dem Ergebnis, dass Organisationen, welche als vorteilhaft bzw. positiv gesehen werden, Identifikation herbeiführen respektive verstärken,235 da Mitarbeiter gewöhnlich Stolz darauf sind, Teil eines angesehenen Unternehmens zu sein.236 In einer der ersten Studien zu organisationaler Identifikation untersuchten Mael und Ashforth (1992) verschiedene Antezedienten und Konsequenzen und ihre Beziehung zu organisationaler Identifikation in einer religiösen Bildungsanstalt. Das wahrgenommene Prestige der Alma Mater, definiert als der Grad „ [...] to which the institution is well regarded both in absolute and comparitive terms“ ,237 korrelierte dabei signifikant mit organisationaler Identifikation.238 Zu gleichen Ergebnissen kamen in der Folge eine Reihe von Forschern.239 Die Untersuchungen wurden dabei in den unterschiedlichsten Feldern durchgeführt: Bhattacharya et al. (1995) untersuchten ausschließlich Antezedienten und ihren Einfluss auf die organisationale Identifikation der Mitglieder eines Kunstmuseums, [...]
3.3.1.1. Organisationales Prestige Die Identifikation eines Individuums mit einer Organisation hängt in besonderem Maße davon ab, wie seiner Ansicht nach die Organisation von Außenstehenden betrachtet wird. Dieses externe Bild bzw. construed external image 228 oder auch Prestige229 wird konstruiert aus einer Vielzahl von Informationsquellen wie z.B. Meinungen von Referenzgruppen, Mundpropaganda, Werbung, Öffentlichkeitsarbeit oder auch durch interne Diskussion über die herrschende Sicht von Außen.230 Das konstruierte externe Bild bietet dabei nicht nur eine Information über die vermutliche soziale Bewertung der Organisation, sondern beantwortet vielmehr die Frage darauf, wie Außenstehende über das betreffende Individuum aufgrund seiner Mitgliedschaft zu dieser Organisation denken.231 Das externe Bild dient somit als Spiegel, der den Mitgliedern aufzeigt, wie die Organisation und ihr Verhalten von Außen wahrgenommen wird.232 Wenn das konstruierte externe Bild einer Organisation als attraktiv eingeschätzt wird - indem die Mitglieder glauben, das Bild beinhalte Attribute, welche die Organisation in positiver Weise von anderen abhebt - resultiert daraus eine Intensivierung der organisationalen Identifikation. Die Ursache für diese positive Beziehung zwischen diesen beiden Faktoren externes Bild oder Prestige und Identifikation ist direkt aus der Theorie der sozialen Identität ableitbar: Basierend auf dem Argument, dass die Mitarbeiter ein positives Selbstkonzept erfahren wollen und dieses zu einem Teil von der Gruppenzugehörigkeit (bzw. Organisationszugehörigkeit) herrührt, wird eine höhere Identifikation dann erwartet, wenn die [...]
Für den Fall, dass Identifikation also in Arbeitsmotivation resultiert, erfolgt ein positiver Effekt auf die Performance. Diese Annahme gilt unter der Prämisse, dass es nicht primär von dem Wissen oder den Fähigkeiten eines Individuums abhängt, eine bestimmte Leistung zu erfüllen, sondern davon, ob der Wille dafür vorhanden ist. Denn die erstgenannten Attribute spielen für den psychologischen Prozess der sozialen Identität keine Rolle.224 Die vorangestellten Ausführungen zu der Beziehung zwischen Identifikation und Performance sind in Abb. 4 zusammenfassend dargestellt. Die gruppale oder organisationale Identifikation resultiert demnach in der Motivation, Leistung im Sinne des Kollektivs auszuüben, aber nur in Situationen, in der die soziale Identität salient ist. Die Motivation, Leistung im Sinne des Kollektivs auszuüben, steigert wiederum die Arbeitsmotivation, wenn die Bereitschaft, eine hohe Leistung zu zei222 223 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832481018
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Looß, Carsten Dezember 2003: Franchise-Identifikation als Prädiktor für Unternehmenserfolg von Franchisenehmern, Hamburg: Diplomica Verlag
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Social Identity Theory, Self-Categorization, Tourismus, Erfolgsfaktoren, Kausalanalyse



