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Fotografie als Medium zur Erweiterung ästhetischer Wahrnehmung und als einflussnehmendes Element auf identitätsstiftende Prozesse

Fotografie als Medium zur Erweiterung ästhetischer Wahrnehmung und als einflussnehmendes Element auf identitätsstiftende Prozesse
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefanie Holthaus
  • Abgabedatum: August 2004
  • Umfang: 81 Seiten
  • Dateigröße: 1,9 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule Bremen, University of Applied Sciences Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8405-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8405-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8405-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Holthaus, Stefanie August 2004: Fotografie als Medium zur Erweiterung ästhetischer Wahrnehmung und als einflussnehmendes Element auf identitätsstiftende Prozesse, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Identität, Kunstpädagogik, Postmoderne, Kunstphsychologie, Kunstphilosophie

Diplomarbeit von Stefanie Holthaus

Einleitung:

Während ich mir die Frage stellte, welchen thematischen Schwerpunkt ich in einer Diplomarbeit vertiefen wollte, wanderten die für mich tendenziell in Frage kommenden Themen- und Interessenbereiche in der sozialen Arbeit immer wieder zum Themenbereich der künstlerischen Fotografie.

Das mag zum einen daran liegen, dass ich mir -neben dem Studium der sozialen Arbeit- ein finanzielles „Spielbein“ als Fotokünstlerin im Bereich der Werbe- und Dokumentarfotografie aufbauen konnte, zum anderen hat mich die Auseinandersetzung mit Fragen bezüglich potenzieller Möglichkeiten einer sinnvollen Nutzung des Mediums Fotografie in der sozialen Arbeit, hin zu einer unterstützenden Einflussnahme auf identitätsstiftende Persönlichkeitsprozesse, seit einiger Zeit beschäftigt.

Die Möglichkeit, die eigene Umwelt durch diesen Kasten (Fotoapparat) zu sehen, ihn quasi zwischen mich und meine Welt zu halten, sie dadurch in ihrem „Angebot“ an Informationen zu reduzieren, selbst zu bestimmen, was für mich sehenswert ist und von welcher Perspektive aus ich dieses sehen möchte ist für mich zu einem wichtigen Werkzeug meiner Wahrnehmung geworden.

Die Kamera bietet mir ein hohes Potenzial an Selbstbestimmung meiner subjektiven Sehweisen und dadurch auch außerhalb meines künstlerischen Schaffens ein freieres und kreatives Umgehen in (und mit) meiner Lebensumwelt.

Das Anliegen dieser Diplomarbeit ist es, genau diese Potenz der künstlerischen Gestaltung mit der Kamera als ein für die soziale Arbeit nutzbarzumachendes Werkzeug herauszustellen. Schwieriger wurde es bei der Recherche nach schon vorhandener wissenschaftlicher Literatur zu dieser Thematik. Die Komplexität des Themenschwerpunktes hat Rose Yvonne Rausch in ihrem Buch Identität- ein Gestaltungsexperiment sehr schön hervorgehoben, indem sie von einem „wissenschaftlichen Grenzgebiet zwischen Pädagogik, Psychologie und Ästhetik“ spricht.

Im Bezug auf einen praktischen Nutzen einer Hinführung zum medialen Gestalten ist die soziologische Diskussion von Postmoderne, Mediengesellschaft, Patchworkidentität und diffuse Lebensweltorientierung ein ebenso weitreichendes wie nicht wegzudenkendes Element. Um diese Arbeit dennoch möglichst übersichtlich und sinnzusammenhängend schreiben zu können werde ich mich dem Thema nacheinander von den jeweils verschiedenen wissenschaftlichen Schwerpunkten her annähern.

Bei dieser vielschichtigen Herangehensweise an das Thema Fotografie ist eine eher philosophische Betrachtungsweise meiner Meinung nach unumgänglich, wobei ich mich jeweils auf zu Grunde liegende wissenschaftliche Literatur der einzelnen Gebiete beziehe und sie in neue oder miteinander verwobene Sinnzusammenhänge setze.

Da die Kreativität ein Element ist, welches sowohl in der Fotografie als auch bei der ästhetischen Wahrnehmung wie auch bei identitätsgestaltenden Prozessen eine zentrale Rolle spielt, werde ich im ersten Teil dieser Arbeit Kreativitätstheorien in den Vordergrund schieben. Die Fragen: Was ist eigentlich Kreativität, woran macht sie sich fest, welche Persönlichkeitselemente spielen für ihren Ausbau eine Rolle und wie kann sie persönlich genutzt oder ausgeweitet werden, werden hier im Mittelpunkt stehen und in die Thematiken Ästhetische Wahrnehmung, Reflexives Denken und Kreativität als ressourcenbelebendes Element einführen.

Im zweiten Teil dieser Arbeit näher ich mich über Identitäts- und Subjekttheorien dem Thema der Fotografie als einflussnehmendes Element auf identitätsstiftende Prozesse an. Wie entsteht überhaupt das subjektive Gefühl einer Identität, wo ist es zwischen Umwelt in „Innwelt“ zu definieren, was sind Identitätsbausteine und welche Rolle kann Kreativität bei der Gestaltung einer festen und flexiblen Identitätsentwicklung spielen.

In diesem Zusammenhang werde ich ausführlich auf die Postmodernediskussion eingehen: Patchworkidentität und Risikogesellschaft sind die Schlagworte unter denen das Subjekt zur Zeit seine Identität gestalten muss. Die gesamte Diskussion zur medialisierten Gesellschaft ist ein nicht wegzudenkender Aspekt. Hier werde ich einen Focus auf potenzielle Risiken bezüglich Identitätsgewinnung, „Entsinnlichung“ von Lebenserfahrung, Wirklichkeitsverlust und verkümmerter Handlungskompetenz setzen.

Der dritte Teil dieser Arbeit wird unter dem Schwerpunkt Medienpädagogik stehen. Hier werde ich genauer auf die Situation von Kindern und Jugendlichen und ihrem Umgang mit einer medialisierten Umwelt beschreiben. Warum ist die Heranführung an eine konstruktiven Mediennutzung im Bezug auf diese Postmodernedebatte, in Bezug auf Identität und in Bezug auf Sinnhaftigkeitserleben gerade in dieser Altersspanne von Bedeutung?

Ein relevanter Aspekt im Bezug auf Medienpädagogik ist der Stellenwert den die Bildungsbehörde der ästhetischer Erziehung zuschreibt. Gerade in Bezug auf die Pisa- Studie möchte ich hier auf die Potenziale ästhetischer Wahrnehmungsförderung und ihrer fächerübergreifenden Möglichkeiten eingehen und den Wunsch nach einer neuen Didaktik ins Blickfeld rücken.

Ausgehend von den oben zusammengetragenen wissenschaftlichen Theorien und postmodernen Gesellschaftsstrukturen ist der vierte Schwerpunkt ganz der Fotografie zugewandt. Wie kann der Blick durch die Kamera Wahrnehmungs- und Reflexivitätsfähigkeiten fördern und entwickeln, was ist das Besondere an der fotografischen Gestaltung und auf welche persönlichkeitsrelevanten Determinanten kann sie sinnstiftend Einfluss nehmen. Einen besonderen Focus werde ich hier auf die Qualitäten zur Gestaltung ästhetischer Kommunikation, ihre Subjektorientierte biografische Bedeutung und ihre potenzielle politische Einflussnahme legen.

Ein besonderes Anliegen ist es mir, die jeweiligen Schwerpunkte durch Projektbeschreibungen, naive Erfahrungszitate und Fotografien zu untermalen. Damit möchte ich einerseits die Wissenschaftlichkeit etwas auflockern und andererseits eine Möglichkeit schaffen das Gelesene im Bild direkt für eigene Sinnzusammenhänge nutzbar werden zu lassen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitende Gedanken 5
2. Kreativität -eine grundlegende Handlungsvariable von Fotografie, ästhetischer Wahrnehmung und von Prozessen der Identitätsgestaltung 9
2.1 Von der gesellschaftlichen Relevantz und dem lebenspraktischen Nutzen kreativen Tuns 11
3. Ästhetische Wahrnehmung als sinngenerierendeGestaltungsvariable identitätsstiftender Prozesse 15
4. Identität- ein imaginärer Selbstentwurf des Subjekts 20
4.1 Das Identitätskonstrukt nach R.Y. Rausch 23
5. Von der gesellschaftlichen Relevantz ästhetischer Wahrnehmung als identitätsgestaltende Ressource 28
5.1 Identitätsgestaltung unter erschwerten Bedingungen 32
6. Von der Relevantz und Potenz einer Hinführung zur konstruktiven Mediennutzung 35
7. Die Fotografie als einflussnehmendes Medium auf identitätsgestaltende Prozesse 42
7.1 Der Blick durch den Sucher - ein besonderer Raum zwischen In- und Umwelt 43
7.2 Die Bildbetrachtung im Hinblick auf Fotografie und ihre Raum- zeitliche Qualität 45
7.3 Der fotografische Prozess- eine dynamische Verflechtung von Umweltbezug undInnwelterleben 48
7.4 Der Fotoapparat- ein alltagstauglicher Gebrauchsgegenstand 49
7.5 Die Fotografie- ein offenes Mittel zur Aneignung vielfältigster Thematiken 50
7.6 Der Ausschnittcharakter und die perspektivische Veränderung des Blickes durch den Sucher 52
7.7 Fotografie als Mittel zur Rekonstruktion biografisch erfahrener Kontinuität der eigenen Lebensgeschichte 57
7.8 Fotografie als Medium zum Kommunikationsanreiz 60
7.9 Fotografie als politisches Medium und seine Einflussnahme auf Prozesse der Identitätsgestaltung 64
8. Zusammenfassende Gedanken 70

Automatisiert erstellter Textauszug:

anschaulich dargestellt. Es macht erneut auf die komplexe Vielfalt der Lebensumwelt aufmerksam, in der das Subjekt frei entscheiden kann und muss, welche Auswahl es aus dem großen Angebot der Umwelt für sich als relevantes und sinnvolles Element herauszieht. Hier ist ein großes Maß an Eigenverantwortlichkeit nötig, aber auch ein Wissen um die Konsequenzen des eigenen Handelns. Das Komplizierte an der zeitgeschichtlichen Situation ist die Schnelligkeit mit der sich die Strukturen und Angebote der äußeren Lebensumwelt entwickeln. H. Hengst hat in seiner Vorlesung zum Thema Kindheit in Europa darauf aufmerksam gemacht, dass Erwachsene nicht wissen können, bei welchen Kompetentzerwerbungen sie ihre Kinder unterstützen sollen, da die Umwelt, in der sich diese später behaupten müssen, in ihren Anforderungen noch nicht bekannt ist. [...]

konventionellen Zeichen arbeitet, an Boden zu Gunsten einer bildlichikonischen? Und wiederum die Frage der Bewertung einer solchen Entwicklung, so sie denn tatsächlich stattfände: Geht damit eine grundlegende und eigentlich unverzichtbare Kulturtechnik verloren, oder haben wir, die Alten, bloß Angst, dass die Technik, mit der wir uns noch auskennen, durch eine neue Form ersetzt wird, aber die wir nicht in dem Maße verfügen wie die Jüngeren, eine Entwicklung, die uns und unser Wissen ausschließen, marginalisieren könnte? Oder ist es am Ende nicht gar so dramatisch? Findet die Ablösung gar nicht statt, sondern lediglich eine Umorganisation der vorhandenen Kommunikationsmittel und –wege als Reaktion auf das Hinzukommen einiger neuer?“ [...]

Erfahrungsmöglichkeiten der älteren Medien unterscheidend bzw. von solchen Erfahrungen, die ohne die Vermittlung durch oder über Medien unmittelbar an der Wirklichkeit zu machen wären (vorrausgesetzt, man nähme an, dass es eine solche unmittelbare Erfahrung überhaupt gebe)? Sind interaktives Radio und Fernsehen und die potenziell vollständige Interaktivität des Netzes besonders demokratisch oder im Gegenteil besonders perfide, da Manipulation und Fremdbestimmung unter der schönen neuen Oberfläche fortdauern? Erleichtern die neuen Medien das Geschäft des Lehrens, indem sie die Welt ins Klassenzimmer holen und umgekehrt die Arbeit in der Schule mit der Welt “da draußen“ vernetzen, indem sie Kompetenzen der Schüler fördern, die Motivation steigern oder bloß dem Pädagogen umfangreiche Serviceleistungen bereitstellen? Oder machen sie dieses Geschäft endgültig zur nicht mehr lösbaren Aufgabe, indem sie aus potenziell wissensdurstigen und 38 kreativen Kindern [...]

Arbeit zitieren:
Holthaus, Stefanie August 2004: Fotografie als Medium zur Erweiterung ästhetischer Wahrnehmung und als einflussnehmendes Element auf identitätsstiftende Prozesse, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Identität, Kunstpädagogik, Postmoderne, Kunstphsychologie, Kunstphilosophie

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