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Zum Forschungsstand bei Anlageentscheidungen

Zum Forschungsstand bei Anlageentscheidungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefan Wilms
  • Abgabedatum: Oktober 2001
  • Umfang: 106 Seiten
  • Dateigröße: 705,6 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5676-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5676-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5676-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wilms, Stefan Oktober 2001: Zum Forschungsstand bei Anlageentscheidungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Behavioral Finance, Entscheidungstheorie, Aktienmarkt, Privatanleger, Kapitalmarktforschung

Diplomarbeit von Stefan Wilms

Gang der Untersuchung:

Das Ziel dieser Arbeit ist die Identifizierung des Forschungsstandes bei Anlageentscheidungen. Es erfolgt eine Darstellung der verhaltenswissenschaftlichen Kapitalmarktforschung und eine Abgrenzung von der modernen Kapitalmarkttheorie. In die „Black Box“ privater Anleger wird mit Hilfe von Wirtschaftspsychologie ein Einblick gegeben und versucht, ihr reales Verhalten am Aktienmarkt zu erklären. Im Rahmen der Ausführungen wird insbesondere auf die psychischen, mentalen und motivationalen Beschränkungen dieser Anlegergruppe bei der Handhabung von Anlageproblemen eingegangen, die deren rationales Verhalten begrenzen. Die systematische Erfassung und Aufarbeitung der in psychologischen Forschungen zur Entscheidungstheorie gefundenen Phänomene und die Darstellung von deren Gültigkeit und Übertragbarkeit auf den Untersuchungsgegenstand Aktienmarkt stehen im Vordergrund. Zusammenhänge zwischen einzelnen Phänomenen werden hergestellt und erklärt.

Die Kategorisierung der beschriebenen Anomalien basiert auf dem Verständnis des Anlageverhaltens als komplexen Informationswahrnehmungs-, -verarbeitungs-, -speicherungs- und -umsetzungsprozeß. Von besonderer Bedeutung für das Anlageverhalten ist die Erkenntnis, daß der Mensch über ein begrenztes Wahrnehmungsvermögen und über eine begrenzte Gedächtnis- und Informationsverarbeitungskapazität verfügt. Diese grundsätzlichen Verzerrungen des menschlichen Wahrnehmungsvermögens sind wegen der Zeitsensibilität von Anlageentscheidungen im Börsenkontext besonders kritisch. Eine wichtige Grundlage für die Untersuchung bildet die Prospect Theory von Kahneman und Tversky. Das in diesem Zusammenhang vorgestellte Bezugspunktkonzept und die Wertfunktion liefern vielfältige Erklärungsansätze für bestimmte Verhaltensweisen. Es wird hervorgehoben, daß eine Kauf- oder Verkaufentscheidung für eine Aktie nicht nur durch Gewinnerwartungen, sondern auch durch eine Reihe unterschiedlicher und zum Teil widersprüchlicher Motivationen bedingt ist. Relevant ist in diesem Kontext die unterschiedliche Gewichtung von Gewinnen und Verlusten, ebenso die Suche nach Erfolg oder die Furcht vor Mißerfolg, die sich auf das eigene Selbstwertgefühl auswirken. Anleger werden durch vereinfachte Entscheidungen, Festhalten an Gewohnheiten, soziale Einflüsse und geringe Willensstärke von der Realisierung ihrer Vorstellungen abgehalten. Entscheidende Einflußfaktoren der menschlichen Informationsverarbeitung und Erwartungsbildung sind die Bedürfnisse nach Dissonanzfreiheit und Kontrolle.

Am Schluß der Arbeit stehen unbeantwortete Forschungsfragen, z.B. ob Entscheider in verschiedenen Situationen tatsächlich unterschiedliche Wahrscheinlichkeitsverteilungen oder Koeffizienten, wie Erwartungswert oder Standardabweichung, berücksichtigen. Oder ob die theoretischen Ansätze der Forscher auf diesem Gebiet das kreative Potential, alternative Erklärungen für das Entscheidungsverhalten hervorzubringen, begrenzen.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis III
1. Einführung 1
1.1 Einleitung 1
1.2 Problemstellung und Abgrenzung des Themas 3
1.3 Ziel der Arbeit 6
1.4 Aufbau der Arbeit 7
2. Verhaltenswissenschaftliche Kapitalmarktforschung 8
2.1 Die Theorie der Bounded Rationality 9
2.2 Erklärungsansätze der Behavioral Finance 11
2.3 Gegenüberstellung Behavioral Finance und moderne Kapitalmarkttheorie 13
3. Grundlagen des Anlage- und Risikoverhaltens privater Anleger 15
3.1 Abgrenzung der privaten Anleger von den institutionellen Anlegern 15
3.2 Anlageentscheidungen als Entscheidungen unter Unsicherheit 18
3.3 Der multidimensionale Charakter von Anlageentscheidungsprozessen 21
3.4 Systematik der Urteilsbeeinträchtigungen 25
4. Einfluß der beschränkten Informationsverarbeitungskapazität 27
4.1 Verfügbarkeit [Availability] 28
4.2 Repräsentativität [Representativeness] 30
4.2.1 Bewertung verbundener und unverbundener Ereignisse [Conjunction Fallacy] 31
4.2.2 Irrglaube des Spielers [Gambler's Fallacy] 32
4.2.3 Vertauschen von Bedingung und Ereignis [Conditional Probability Fallacy] 33
4.3 Informationsquellen-Effekt [Information-Sources Effect] 34
4.4 Selektive Wahrnehmung [Selective Perception] 35
4.5 Primat- und Priming-Effekt [Primacy Effect; Priming Effect] 37
4.6 Verankerung und Anpassung [Anchoring and Adjustment] 38
4.7 Gedankliche Buchhaltung [Mental Accounting] 39
5. Informationsbewertung durch Anleger 40
5.1 Bezugspunkt [Reference Point] 40
5.2 Umkehr der Risikobereitschaft [Reflection Effect] 43
5.3 Präsentation [Framing Effect] 44
5.4 Hedonistische Bewertung [Hedonic Framing] 46
5.5 Wahrscheinlichkeitsgewichte [Weighting of Probabilities] 49
5.6 Bewertung im Zeitkontext [Choice over Time] 50
6. Kauf- und Verkaufverhalten von Anlegern 52
6.1 Dispositionseffekt [Disposition Effect] 52
6.2 Versunkene Kosten [Sunk-Cost Effect] 55
6.3 Besitztumseffekt [Endowment Effect] 58
7. Einfluß psychologischer Bedürfnisse 60
7.1 Kognitive Dissonanz [Cognitive Dissonance] 60
7.2 Selbstverpflichtung [Commitment] 63
7.3 Verlustaversion [Loss Aversion] 67
7.4 Verhinderung von Enttäuschung [Regret Avoidance] 69
7.5 Illusionäre Kontrolle [Illusion of Control] 72
7.6 Erlernte Sorglosigkeit [Learned Unconcern] 74
7.7 Ambiguitätsaversion [Ambiguity Aversion] 75
7.8 Überhöhte Selbstsicherheit [Overconfidence Bias] 79
7.9 Fluch des Wissens [Curse of Knowledge] 84
8. Zusammenfassung und Ausblick 86
Literaturverzeichnis 89

Automatisiert erstellter Textauszug:

5.4 Hedonistische Bewertung [Hedonic Framing] Das Hedonic Framing stellt eine Betrachtungsweise der relativen Bewertung in Zusammenhang mit der gedanklichen Buchhaltung dar. Diese ergibt sich aus den unterschiedlichen Möglichkeiten, mentale Konten zu bilden. Es handelt sich also um ein spezifisches Framing, eine spezifische kognitive Repräsentation des Entscheidungsproblems durch einen Entscheider.130 Allgemein stellen sie projektspezifische Konten dar, in die alle Zahlungen eines bestimmtes Projekts mental verbucht werden. In diesem Abschnitt werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Projekte voneinander definiert und abgegrenzt werden können. In vielen Fällen existieren Freiheitsgrade, die eine unterschiedliche Abgrenzung zulassen. Der Begriff des Hedonic Framing beschreibt die Erkenntnis, daß sich Menschen bei der Ausnutzung dieser Freiheitsgrade bewußt oder unbewußt so verhalten, daß sie in einer Gesamtbetrachtung der [...]

einem in der ersten Stufe bestimmten Bezugspunkt ausgehen. In der obigen Spielsituation A liegt der Bezugspunkt für die zweite Stufe bei 1.000,- €, zusätzlich gewonnene Beträge stellen relative Gewinne dar. In der Spielsituation B liegt der Bezugspunkt bei 2.000,- €. Die Risikobewertung erfolgt hier wie die eines relativen Verlustes. Den Ausführungen über den Reflection Effect zufolge, geht die risikoscheue Einstellung im Gewinnbereich in eine risikofreudige im Verlustbereich über, wodurch die Präferenzumkehr erklärt ist.129 Die Bedeutung des Framing Effects für Anlageentscheidungen wurde durch eine aktuelle experimentelle Analyse von Kirchler, Maciejovsky und Weber (2001) bestätigt. In dieser Studie mußten die Teilnehmer mit Vermögensgegenständen auf zwei verschiedenen Märkten handeln, wobei die präsentierten Informationen des einen Marktes extremer vom Bezugspunkt abwichen, als die des anderen. Im Rahmen des Entscheidungsprozesses diente die erwartete Dividende als Bezugspunkt. Sie stellten fest, daß objektiv irrelevante Informationen individuelle Erwartungen formen. Hierdurch wird das individuelle Verhalten beim Handeln und Halten von Vermögensgegenständen beeinflußt. [...]

Beide Situationen bestehen aus der Entscheidung, ob ein Entscheider den sicheren Betrag von 1.500,- € einem Spiel vorzieht, in dem er mit 50 prozentiger Wahrscheinlichkeit 1.000,- € gewinnt und mit den restlichen 50 Prozent einen Gewinn von 2.000,- € erzielt. Empirische Untersuchungen haben bestätigt, daß die Mehrzahl der Menschen sich in Abhängigkeit von der Präsentation entscheiden. In der Situation A ziehen sie die sicheren 1.500,- € vor und in der Situation B gehen sie auf das Spiel ein.128 Der Präsentationseffekt kann auch mit Hilfe des Bezugspunktkonzepts erklärt werden. Hierzu wird eine zweistufige Spielsituation betrachtet. In der ersten Stufe sind sichere Beträge relevant, die einen Bezugspunkt für die zweite Spielstufe bilden. In der zweiten Spielstufe erfolgt die Bewertung von riskanten Beträgen, die jeweils von [...]

Arbeit zitieren:
Wilms, Stefan Oktober 2001: Zum Forschungsstand bei Anlageentscheidungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Behavioral Finance, Entscheidungstheorie, Aktienmarkt, Privatanleger, Kapitalmarktforschung

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