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Forensic Services - Dienstleistungsinnovation auf dem Wirtschaftsprüfungsmarkt?

Forensic Services - Dienstleistungsinnovation auf dem Wirtschaftsprüfungsmarkt?
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Anna Gogolin
  • Abgabedatum: Juni 2010
  • Umfang: 46 Seiten
  • Dateigröße: 386,2 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 43
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0398-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Gogolin, Anna Juni 2010: Forensic Services - Dienstleistungsinnovation auf dem Wirtschaftsprüfungsmarkt?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Forensic Services, Wirtschaftskriminalität, Fraud, Wirtschaftsprüfer, Aufdeckung

Bachelorarbeit von Anna Gogolin

Einleitung:

‘Bestechung, Unterschlagung, Bilanzfälschung - das alles sind Meldungen, die Unternehmen und Öffentlichkeit gleichermaßen in Aufruhr versetzen und das Thema Wirtschaftskriminalität in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses rücken’. Finanzielle Schäden, Reputationsverluste und Beeinträchtigungen von Geschäftsbeziehungen in Folge wirtschaftskrimineller Handlungen sind erheblich. Dies führt dazu, dass das Phänomen Wirtschaftskriminalität von den Unternehmen zunehmend als Problem für die Wirtschaft betrachtet wird. So sehen 90% der Großunternehmen Wirtschaftskriminalität als ernsthafte Gefahr für das Wirtschaftsleben. Vor allem die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften reagieren auf dieses gestiegene Problembewusstsein, indem sie seit Ende der 90er Jahre mit den Forensic Services eine Dienstleistung anbieten, die speziell auf die Aufdeckung, Aufklärung und Prävention von Wirtschaftskriminalität gerichtet ist.

Zum einen liegt es im Interesse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ihr Leistungsspektrum um Prüfungs- und prüfungsnahe Dienstleistungen zu erweitern, da ein Rückgang des jährlichen Einnahmeanstiegs aus den gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen zu verzeichnen ist. Zum anderen wird dieses Angebot durch die bestehende Nachfrage der Unternehmen hervorgerufen, das Maß an Transparenz zu erhöhen, um das Vertrauen der Anteilseigner und der Öffentlichkeit zu gewinnen. So bauten beispielsweise die Siemens AG und der Nutzfahrzeugkonzern MAN ein umfangreiches Compliance-System auf, um ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Öffentlichkeit nach den bekanntgewordenen Korruptionsfällen wiederherzustellen.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Prävention und der Aufdeckung von wirtschaftskriminellen Handlungen im Rahmen der Forensic Services und mit der Fragestellung, ob diese Dienstleistung eine Innovation auf dem Wirtschaftsprüfungsmarkt darstellt. Auf diese Frage wird insbesondere dadurch eingegangen, dass Verbindungen zwischen den Forensic Services und dem Tätigkeitsfeld der Internen Revision und des Abschlussprüfers untersucht werden. Ergebnis ist einerseits, dass die Forensic Services, durch vielfältige präventive Maßnahmen und forensische Prüfungen ein umfangreiches Angebot zur Aufdeckung und Verhinderung wirtschaftskrimineller Handlungen bereitstellen. Andererseits ist festzustellen, dass die Unternehmen bei der Prävention und Aufdeckung von Delikten zunehmend auf interne Kräfte setzen. Des Weiteren wird gezeigt, dass einzelne Methoden zur Ermittlung von Unterschlagungen auch während der Jahresabschlussprüfung und bei Kontrollen durch die Interne Revision zum Einsatz kommen. Dadurch wird deutlich, dass die forensische Prüfung in enger Verbindung zu anderen Prüfungen steht. Infolgedessen stellen die Forensic Services in Bezug auf ihren absoluten Neuigkeitsgehalt keine Basisinnovationen, sondern lediglich Verbesserungsinnovationen dar, da sie keinen technologischen Durchbruch markieren, sondern bereits vorhandenes Wissen und Methoden in spezialisierter und optimierter Form anwenden.

Im ersten Abschnitt werden die einzelnen Bestandteile der Forensic Services dargestellt und das Tätigkeitsfeld des Wirtschaftsprüfers und der Internen Revision näher erläutert. Weiterhin wird der Begriff der Innovation definiert, die aktuelle Entwicklung der Wirtschaftskriminalität veranschaulicht und gezeigt auf welche Art und Weise es zur Aufdeckung kommt. Des Weiteren wird darauf eingegangen, dass Wissensmanagementtechnologien die effizientere Nutzung von Wissen ermöglichen und dadurch zum Angebot weiterer Prüfungsdienstleistungen beitragen können. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich zunächst mit Ursachen wirtschaftskrimineller Handlungen. Anschließend werden einzelne Präventionsmaßnahmen, wie Kontrollen, organisatorische Maßnahmen, Whistleblowing und Unternehmensleitlinien näher erläutert und herausgestellt, wie diese zur Verringerung von Wirtschaftskriminalität beitragen können. Im dritten Abschnitt wird die forensische Prüfung näher beleuchtet. Dabei wird der Verlauf dargestellt und einzelne Methoden zur Aufdeckung von Unterschlagungen tiefgründiger betrachtet. Außerdem wird aufgezeigt welche Bedeutung diesen Methoden im Rahmen der Jahresabschlussprüfung zukommt.

Das Thema der Aufdeckung wirtschaftskrimineller Handlungen durch Wirtschaftsprüfer, Interne Revision und forensische Prüfer wurde bereits von Bologna und Lindquist in ihrem Buch Fraud Auditing and Forensic Accounting aufgegriffen. Des Weiteren beschäftigten sich Huntington und Davies ausführlich mit Indikatoren, die auf Wirtschaftskriminalität im Unternehmen hindeuten und mit Maßnahmen der Prävention. Da die Aufdeckung und Verhinderung von Wirtschaftskriminalität augenscheinlich ein sehr wichtiges Thema darstellt, setzt sich diese Arbeit damit auseinander und betrachtet gleichzeitig Zusammenhänge, die zwischen den Forensic Services und dem Tätigkeitsfeld des Jahresabschlussprüfers und der Internen Revision bestehen.

Inhaltsverzeichnis:

A. INHALTSVERZEICHNIS II
B. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS III
C. ABBILDUNGSVERZEICHNIS VI
1. EINLEITUNG 1
2. GRUNDLAGEN 3
2.1 Die Bestandteile der Forensic Services 3
2.2 Die Aufgaben des Wirtschaftsprüfers 4
2.3 Das Interne Kontrollsystem und die Aufgaben der Internen Revision 6
2.4 Innovation und die Bedeutung des Wissensmanagements 8
2.5 Wirtschaftskriminalität – Formen, Aufdeckung und aktuelle Entwicklung 9
3. PRÄVENTION VON WIRTSCHAFTSKRIMINALITÄT 13
3.1 Ursachen wirtschaftskrimineller Handlungen 13
3.2 Möglichkeiten der Prävention 15
3.2.1 Risikomanagement 15
3.2.2 Kontrollen und organisatorische Maßnahmen 16
3.2.3 Whistleblowing 17
3.2.4 Leitlinien zur Unternehmensethik 18
3.3 Aktuelle Entwicklung im Bereich der Prävention 18
4. AUFDECKUNG VON WIRTSCHAFTSKRIMINALITÄT 20
4.1 Der Verlauf der Unterschlagungsprüfung 20
4.2 Methoden zur Aufdeckung wirtschaftskrimineller Handlungen 24
4.2.1 Die Systemprüfung 24
4.2.2 Der Einsatz computergestützter Prüfungstechnik 26
4.2.3 Das Benford-Gesetz 28
5. FAZIT 31
D. LITERATURVERZEICHNIS 33
E. RECHTSQUELLENVERZEICHNIS 38

Textprobe:

Kapitel 3.2.1, Risikomanagement:

Ein gut strukturiertes Risikomanagement ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Risikobewältigung. Bei der Bekämpfung wirtschaftskrimineller Handlungen sollte deshalb stets mit den Risiken begonnen und mit der Einrichtung entsprechender Kontroll- und Präventionsmaßnahmen abgeschlossen werden. Im Rahmen des Risikomanagements werden zunächst Risikobereiche ermittelt, Wahrscheinlichkeiten für den Eintritt bestimmter Risiken bewertet und mögliche Konsequenzen eingeschätzt. Anschließend erfolgt eine Überprüfung der Kontrollmechanismen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit diese Risiken zu bewältigen.

Für die Ermittlung von Warnsignalen (sogenannte ‘Red Flags’) sollten die einzelnen Risikobereiche zunächst strukturiert werden. Dabei bietet sich eine Klassifizierung in die Bereiche Kultur, Struktur, Geschäft und Personal an. Anschließend lassen sich Indikatoren anhand von Checklisten und Befragungen von Mitarbeitern verschiedener Hierarchien ermitteln. So können beispielsweise zahlreiche Beschwerden im Personalbereich, eine geringe Loyalität gegenüber dem Unternehmen oder ein autokratischer Führungsstil Indikatoren darstellen, die auf ein hohes Risiko für kriminelle Handlungen hindeuten. Im Geschäftsbereich sollten insbesondere Markt-, Branchen- und Lieferantenrisiken ermittelt werden. Hier werden insbesondere Zusammenhänge zur Abschlussprüfung deutlich, denn auch der Abschlussprüfer hat zur Feststellung von Fehlerrisiken u.a. Besonderheiten der Branche, Merkmale des Unternehmens und Geschäftsrisiken zu analysieren.

Weiterhin sollten Fälle der Vergangenheit in Bezug auf Ursachen und Frühwarnindikatoren analysiert werden. Ferner können im Rahmen der Forensic Services Schulungen durchgeführt werden, um Mitarbeiter für typische Warnsignale zu sensibilisieren.

Kontrollen und organisatorische Maßnahmen:

Kontrollen sind insbesondere dazu geeignet, die Gelegenheit für die Begehung wirtschaftskrimineller Handlungen zu reduzieren. Durch verstärkte Kontrollen wird zum einen die Erfolgswahrscheinlichkeit bei der Suche nach Tatgelegenheiten verringert. Zum anderen trägt die Kommunikation von Kontrollen dazu bei, die subjektive Entdeckungswahrscheinlichkeit zu erhöhen und dadurch eine Abschreckungswirkung bei dem potentiellen Täter hervorzurufen.

Infolgedessen ist es von zentraler Bedeutung, dass ein Unternehmen über ein wirksames IKS verfügt. Durch Grundsätze, wie Funktionstrennung, Vier-Augen-Prinzip und Organisation des Arbeitsablaufs, soll dabei eine Kontrollwirkung hervorgerufen werden. Funktionstrennung bedeutet, dass ausführende und überwachende Funktionen nicht in einer Stelle vereint sein dürfen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Ausführung von Aufgaben durch nachgeschaltete Stellen überwacht wird. Dies bewirkt, dass für die Begehung einer wirtschaftskriminellen Handlung und deren Verschleierung die Zusammenarbeit mehrerer Stelleninhaber erforderlich wäre. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit einer Unterschlagung reduziert. Das Vier-Augen-Prinzip (auch als Kompetenzbündelung bezeichnet) garantiert eine gegenseitige Kontrolle, da eine bestimmte Funktion nur durch mehrere Mitarbeiter realisiert werden darf. Durch das Prinzip der automatischen Arbeitsabläufe werden Mitarbeitern bestimmte Tätigkeiten zugeordnet und diese so miteinander in Beziehung gesetzt, dass sich ein zwangsläufiger Arbeitsablauf ergibt. Weiterhin sollten ein regelmäßiger Aufgabenwechsel und eine Personalrotation erfolgen, da das Risiko von Wirtschaftskriminalität steigt, je länger ein Mitarbeiter dieselbe Funktion ausübt. So kann beispielsweise die dadurch entstehende Vertrautheit dazu führen, dass der Mitarbeiter Kontrollmechanismen kennt oder ein enges Verhältnis zu Lieferanten entwickelt. Aus diesem Grund ist es weiterhin erforderlich, dass sich die Kontrollen auch über sämtliche Geschäftskontakte zu Kunden und Lieferanten erstrecken und diese vollständig dokumentiert werden. Ferner sollten Kontrollen bereits während des Einstellungsprozesses beginnen und Referenzen, sowie Informationen des Bewerbers eingehend überprüft werden.

Generell müssen Kontrollen und Sanktionen ausnahmslos in allen Hierarchieebenen erfolgen und sollten durch organisatorische Maßnahmen, die die Transparenz verschiedener Prozesse erhöhen, ergänzt werden.

Arbeit zitieren:
Gogolin, Anna Juni 2010: Forensic Services - Dienstleistungsinnovation auf dem Wirtschaftsprüfungsmarkt?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Forensic Services, Wirtschaftskriminalität, Fraud, Wirtschaftsprüfer, Aufdeckung

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