Förderung lese-rechtschreibschwacher Kinder im Grundschulalter und ihre Relevanz für die Sozialpädagogik
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Simone Kerz
- Abgabedatum: Januar 2005
- Umfang: 125 Seiten
- Dateigröße: 583,2 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Köln Deutschland
- Bibliografie: ca. 61
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3882-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kerz, Simone Januar 2005: Förderung lese-rechtschreibschwacher Kinder im Grundschulalter und ihre Relevanz für die Sozialpädagogik, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, Diagnostik, Förderung, Förderkonzepte, Förderformen
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Diplomarbeit von Simone Kerz
Einleitung:
In meiner Arbeit befasse ich mich mit der Förderung lese-rechtschreibschwacher Kinder im Grundschulalter. LRS ist schon lange keine seltene Erscheinung mehr. Immer mehr Kinder weisen Schwierigkeiten beim Erlernen von Lesen und Schreiben auf. Darunter leiden nicht nur die schulischen Leistungen, sondern vor allem auch die Persönlichkeit der Betroffenen. Wenn diese Schwierigkeiten nicht früh genug erkannt werden und die Kinder entsprechend gefördert werden, kann die schulische und persönliche Entwicklung der Kinder nachhaltig beeinträchtigt werden und es können schwerwiegende Persönlichkeitsstörungen auftreten. Da die Förderung lese-rechtschreibschwacher Kinder enorm wichtig ist, werde ich mich in meiner Arbeit mit den Voraussetzungen, Elementen, Konzepten und Formen der Förderung auseinandersetzen.
In meiner praktischen Tätigkeit in einer heilpädagogischen Praxis, welche ihren Schwerpunkt auf Entwicklungs- und Lernförderung gelegt hat, arbeite ich hauptsächlich mit lese-rechtschreibschwachen Kindern im Grundschulalter. Im Rahmen dieses außerschulischen Förderangebotes bekomme ich einen Einblick in das Erscheinungsbild der Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten und in Aspekte einer Förderung. Die bisherigen Erfahrungen und Erkenntnisse werde ich in meine Arbeit miteinfließen lassen. Die einzelnen Aspekte einer Förderung werde ich theoretisch untermauern und anhand von Beispielen erläutern.
Zunächst werde ich die Grundlagen der LRS betrachten und vorstellen. Dazu werde ich historische und aktuelle Forschungsergebnisse chronologisch darstellen, Definitionen von LRS bzw. Legasthenie vorstellen, das Erscheinungsbild und mögliche Begleiterscheinungen sowie Ursachen erläutern und den Verlauf bei Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten aufzeigen. Um eine LRS bzw. Legasthenie festzustellen, wird eine Diagnostik durchgeführt. Diese kann sehr unterschiedlich sein und eine Reihe von standardisierten und informellen Tests sowie verschiedene Verfahren beinhalten, von denen ich einige vorstellen werde. Aus der Diagnostik ergeben sich die Förderschwerpunkte eines Kindes, d.h. die Elemente, die eine Förderung enthalten muss. Ich werde mögliche Förderelemente aufführen und Beispiele zur Förderung erläutern. Manche Institutionen, in denen eine Förderung lese-rechtschreibschwacher Kinder stattfindet, arbeiten nach einem bestehenden Förderkonzept oder orientieren ihre Arbeit daran. Demnach werde ich einige bestehende Förderkonzepte in bezug auf eine Lese- und/oder Rechtschreib-Schwierigkeit vorstellen. Im Rahmen von Förderkonzepten werde ich auch auf Computerlernprogramme eingehen, die in der Fachliteratur kritisch beurteilt werden. Anschließend werde ich auf die rechtlichen Grundlagen einer LRS-Förderung eingehen. Zum einen ist sie rechtlich in den Erlassen der jeweiligen Bundesländer, die die schulische Situation für Kinder mit LRS regeln, verankert. In meiner Arbeit werde ich mich auf den aktuellen LRS-Erlass NRW von 1991 beziehen. Zum anderen ist die Förderung bzw. Behandlung lese-rechtschreibschwacher Kinder in mehreren Gesetzen des Sozialgesetzbuches geregelt. Ich werde die jeweiligen Gesetze benennen und die Voraussetzungen und Häufigkeit ihrer Anwendung aufführen.
Der weitere Verlauf der Arbeit soll der praktischen Umsetzung der Förderung gelten. Dazu werde ich die Förderung in Formen unterteilen und einzeln erörtern: schulische, außerschulische und familiäre Förderung. Ich werde wichtige Aspekte für die jeweiligen Förderformen erläutern und beispielhaft Institutionen vorstellen, in denen eine LRS-Förderung stattfindet. Darauffolgend werde ich anhand von zwei Fallbeispielen die praktische Arbeit verdeutlichen sowie die Förder- und Entwicklungsverläufe lese-rechtschreibschwacher Kinder aufzeigen.
Den Abschluss bildet ein Resümee über die notwendigen Bestandteile einer Förderung und die bestehenden Förderkonzepte sowie die kritische Reflexion der verschiedenen Institutionen.
Meine Arbeit bezieht sich auf die Förderung bei LRS, da ich zu Beginn meiner praktischen Tätigkeit in einer heilpädagogischen Praxis erstmals mit dem Thema Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten konfrontiert und in der LRS-Förderung tätig wurde. Die Arbeit mitlese-rechtschreibschwachen Kindern weckte mein Interesse an deren Förderung als sozialpädagogisches Arbeitsfeld und inspirierte mich, dieses zum Thema meiner Diplomarbeit zu machen. Den Schwerpunkt meiner Arbeit bildet die Förderung lese-rechtschreibschwacher Kinder im Grundschulalter, da ich mich aus zeitlichen und fachlichen Gründen auf einen Altersbereich festlegen musste. Zum einen ist der Bereich der Förderung sehr umfassend und bedarf unter dem Aspekt der zeitlich befristeten Bearbeitung des Themas einer Beschränkung, zum anderen bestimmt das Alter bzw. der Altersbereich die Ausgestaltung der Förderung, und viele Kinder beginnen eine Förderung im Grundschulalter.
Aus Datenschutzgründen wurden die Namen bei den Fallbeispielen abgeändert.
Ich möchte mich einerseits bei den Institutionen bedanken, die es mir möglich gemacht haben, ihr Förderangebot vorzustellen und die mich fachlich unterstützt haben. Andererseits gebührt mein Dank allen, die mich bei der Erarbeitung unterstützt, meine Arbeit gelesen und mir wichtige Kritik zur Reflexion gegeben haben.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 5 |
| 2. | Grundlagen der Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten | 8 |
| 2.1 | Geschichte | 8 |
| 2.2 | Definition der Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten | 9 |
| 2.3 | Erscheinungsbild der Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten | 12 |
| 2.4 | Begleitstörungen | 14 |
| 2.5 | Ursachenannahmen | 14 |
| 2.5.1 | Befunde der Genetik | 14 |
| 2.5.2 | Befunde der Neurobiologie | 15 |
| 2.5.2.1 | Auditive Wahrnehmungsverarbeitung | 16 |
| 2.5.2.2 | Visuelle Wahrnehmungsverarbeitung | 17 |
| 2.6 | Prognose | 19 |
| 3. | Diagnostik | 21 |
| 3.1 | Anamnese und Exploration | 21 |
| 3.2 | Lesetests | 22 |
| 3.3 | Rechtschreibtests | 26 |
| 3.4 | Motorik-Tests | 29 |
| 3.5 | Tests der visuellen Wahrnehmung | 31 |
| 3.6 | Tests der auditiven Wahrnehmung | 33 |
| 3.7 | Konzentrationstests | 34 |
| 3.8 | Sprachentwicklungstests | 36 |
| 3.9 | Intelligenztests | 39 |
| 3.10 | Persönlichkeitstests | 44 |
| 4. | Elemente der Förderung | 48 |
| 4.1 | Sinneswahrnehmung | 48 |
| 4.1.1 | Visuelle Wahrnehmung | 48 |
| 4.1.2 | Auditive Wahrnehmung | 50 |
| 4.1.3 | Taktil-kinästhetische Wahrnehmung | 52 |
| 4.2 | Aufmerksamkeit und Konzentration | 53 |
| 4.3 | Rechtschreibung | 55 |
| 4.4 | Lesen | 56 |
| 4.5 | Motorik | 58 |
| 4.6 | Wortschatz | 59 |
| 4.7 | Lern- und Arbeitsverhalten | 60 |
| 4.8 | Persönlichkeit | 60 |
| 5. | Förderkonzepte | 62 |
| 5.1 | Kieler Lese- und Rechtschreibaufbau | 62 |
| 5.2 | Individuelles Rechtschreibtraining nach Leßmann | 65 |
| 5.3 | Marburger Rechtschreibtraining | 69 |
| 5.4 | Lautgetreue Rechtschreibförderung | 71 |
| 5.5 | Psycholinguistische Lese- und Rechtschreibförderung | 72 |
| 5.6 | Computerprogramme | 75 |
| 6. | Rechtliche Grundlagen | 78 |
| 6.1 | Erlass des Kultusministeriums | 78 |
| 6.2 | Finanzierung | 82 |
| 7. | Formen der Förderung | 86 |
| 7.1 | Schulische Förderung | 87 |
| 7.1.1 | Gemeinschaftsgrundschule Obergemeinde Hennef-Söven | 90 |
| 7.1.2 | Gemeinschaftsgrundschule Troisdorf-Sieglar | 93 |
| 7.2 | Außerschulische Förderung | 96 |
| 7.2.1 | Lehrinstitut für Orthographie und Schreibtechnik | 97 |
| 7.2.2 | Heilpädagogische Praxis Hüllen | 100 |
| 7.3 | Familiäre Förderung | 104 |
| 8. | Verdeutlichung der praktischen Arbeit in der außerschulischen Förderung an zwei Fallbeispielen | 107 |
| 8.1 | Fallbeispiel 1 | 107 |
| 8.2 | Fallbeispiel 2 | 111 |
| 9. | Resümee | 117 |
| 10. | Literaturverzeichnis | 122 |
Textprobe:
Kapitel 5.5, Psycholinguistische Lese- und Rechtschreibförderung:
Die Psycholinguistische Lese- und Rechtschreibförderung ist als Therapiematerial von Hans Grissemann entwickelt worden und 1998 im Hans Huber Verlag erschienen. Es ist das Ergebnis einer Überarbeitung der ‘Psycholinguistischen Legasthenietherapie’ von 1980. Dem Förderkonzept liegt ein psycholinguistisch-orientierter Aufbau zugrunde, der sich nach bekannten Tests richtet, wie z.B.
Psycholinguistische Verlesungsanalyse des Zürcher Lesetests.
Mottiertest im Zürcher Lesetest zur lautlichen Wortsegmentation und phonemischen Kurzspeicherung.
Subtestauswahl aus dem ‘Psycholinguistischen Entwicklungstest’ (PET), dem ‘Allgemeinen Deutschen Sprachtest’ (ADST), der ‘Testbatterie Grammatische Kompetenz’ (TGK) und dem ‘Heidelberger Sprachentwicklungstest’ (HSET).
Das Förderkonzept bzw. Fördermaterial bezieht sich sowohl auf eine Lese- als auch auf eine Rechtschreibförderung und hebt die Wechselbeziehung zwischen Lesen und Schreiben und die Verknüpfung von Beidem in der Förderung hervor. Das Fördermaterial besteht aus Arbeitsblättern mit vermischten psycholinguistischen Aufgabenstellungen mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad. Die Arbeitsblätter gliedern sich in:
Spaß- und Rätselblätter.
Training des Arbeitsgedächtnisses.
Training der auditiven Gliederung.
Training der visuellen Wortaufgliederung.
Semantisches Training.
Die Spaß- und Rätselblätter sollen vor allen Dingen die Motivation fördern und behandeln einige Aspekte des Lesens und Schreibens. So gibt es z.B. Arbeitsblätter zur inhaltlichen Texterschließung (Bildergeschichte), zur Wortsegmentation auf der Buchstaben- und Silbenebene, Arbeitsblätter mit Wortdiktaten und Selbstkorrektur, Textergänzungen, Satzkonstruktionen, schriftlichem und mündlichem Ausdruck usw. Sie beinhalten sozusagen Vorübungen zu den anderen Übungs- bzw. Trainingsbereichen.
Das Arbeitsgedächtnis spielt im Leselernprozess eine große Rolle, da beim Erlesen der Wörter in der Synthese von erlesenen Buchstaben, Silben und Morphemen, diese im Kurzzeitgedächtnis gespeichert werden müssen. Die Arbeitsblätter zum Arbeitsgedächtnis sind nach der Methode der Lückenvergrößerung erstellt worden, d.h. ein Text wird dreimal hintereinander bearbeitet, wobei einzelne Buchstaben oder Wortteile durch Lücken ersetzt werden, die sich von Mal zu Mal vergrößern.
Das Training der auditiven Gliederung bezieht sich auf die phonologische Bewusstheit. Die Übungen unter diesem Punkt sind vor allem auf die Stützung der Rechtschreibung gerichtet. Drei Aspekte werden dabei berücksichtigt:
Akustische Suchübungen an auditiv dargebotenen Wörtern, in welchen eine Durchgliederung und Positionierung einzelner Laute verlangt wird.
Schreibübungen an Lückenwörtern mit Lücken für Konsonantenhäufungen, die eine auditive Analyse verlangen.
Phonemisch orientierte Fehlerkorrekturen in den Spaß- und Rätselblättern, die ebenfalls eine Vorlage für selbst gestaltete Aufgaben sein können.
Das Training der visuellen Wortaufgliederung wird in zwei Ebenen eingeteilt: die Buchstaben- und Silbenebene und die Morphem- und Signalgruppenebene. Unter die Übungen auf der Buchstaben- und Silbenebene fallen Phonem-Graphemzuordnungen. Unter die Übungen auf der Morphem- und Signalgruppenebene fallen ein Morphemtraining mit Haupt- und Nebenmorphemen und ein Signalgruppentraining mit lautlich prägnanten Vokal-Konsonantengruppen.
Das semantische Training setzt sich aus zwei Teilen zusammen, das Lesen mit Sinnschrittgliederung und die Textdurchdringung beim stillen Lesen.
Das Lesen mit Sinnschrittgliederung geschieht nach der klassischen Methode mit dem Lesepfeil. In vormarkierten Texten wird ein Lesepfeil um einen Sinnschritt verschoben und die Wörter eines Sinnschrittes werden als Gruppe und nicht als abgesetzte Einzelwörter gelesen. Danach wird eine deutliche Lesepause mit tiefem Einatmen gemacht. Ziele des Prozesses sind eine Rhythmisierung des Leseflusses, Sinnerfassung der erlesenen Sinnschrittpassage und die Schaffung von Konzentration auf die nächste Lesesequenz, die durch die Pause mit Tiefatmung erreicht werden soll. Die Übungen sollen dann an nicht vorsegmentierten Texten fortgesetzt und erst mit und später ohne Lesepfeil gelesen werden.
Die Textdurchdringung beim stillen Lesen hat eine doppelte Funktion. Zum einen soll die kognitive Durchdringung von Texten zum Wissenserwerb, zur Meinungsbildung, zur kritischen Überprüfung von Texten und zur Vorbereitung von Handlungen dienen. Dies soll durch Zusammenfassungen, Erfassungen von Kernaussagen, Bezugnahme von vorher aufgenommenen Informationen und das Gewichten von Aussagen erreicht werden. Zum anderen soll die kognitive Textdurchdringung als Verarbeitung des Gelesenen, als inhaltlich zentriertes Lesen in Verbindung der Lesewahrnehmung in der Wortdurchdringung mit dem inhaltlichen Verstehen als Wechselbeziehung fördern. Beim semantischen Training sollen Texte gelesen und teilweise verschiedene Aufgaben zu den Texten bearbeitet werden, wie z.B. Lücketext ausfüllen, Fragen beantworten usw.
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http://www.diplom.de/ean/9783836638821
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Kerz, Simone Januar 2005: Förderung lese-rechtschreibschwacher Kinder im Grundschulalter und ihre Relevanz für die Sozialpädagogik, Hamburg: Diplomica Verlag
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