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Förderung deutscher Medienstandorte: Zur Hamburger Situation

Förderung deutscher Medienstandorte: Zur Hamburger Situation
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Florian Seelmann-Eggebert
  • Abgabedatum: Januar 2000
  • Umfang: 64 Seiten
  • Dateigröße: 625,5 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Fernsehen und Film Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2686-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2686-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2686-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Seelmann-Eggebert, Florian Januar 2000: Förderung deutscher Medienstandorte: Zur Hamburger Situation, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Hamburg, Multimedia, Standort Medien

Diplomarbeit von Florian Seelmann-Eggebert

Einleitung:

In einer Gesellschaft, die in der Soziologie oft als „Informationsgesellschaft“ bezeichnet wird, hat die Medienbranche, die ja erst die Voraussetzung dafür schafft, dass Information aufbereitet und transportiert wird, besondere Entwicklungschancen. Vor allem den AV Medien und den sogenannten „Neuen Medien“ wie Multimedia traut man international und national erhebliche Wachstumsraten zu. Insofern ist es kein Wunder, dass unter den deutschen Medienstandorten heute heftiger Wettbewerb herrscht. Wer sich in dieser Konkurrenz behauptet, hofft auf langfristig gesicherte Arbeitsplätze, entsprechende Steuereinnahmen und einen Sogeffekt, der dafür sorgt, dass ich die einmal erfolgte Ansiedlung von Medienbetrieben fortsetzt, weil der Standort insgesamt ein attraktives Image hat.

Medienstandorte haben sich zunächst historisch entwickelt. Die Veränderungen, die heute stattfinden, sind oft das Ergebnis einer Standortpolitik, mit der Städte und Bundesländer ein günstiges Klima für den Erhalt und die Neuansiedlung von Medienbetrieben zu schaffen hoffen. Ein Sonderfall ist in diesem Zusammenhang Berlin. Durch die Entscheidung, die Hauptstadt vom Rhein an die Spree zu verlegen, sind Berlin hervorragende Entwicklungschancen im Medienbereich quasi in den Schoß gefallen.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, generell zu klären, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit sich Medienbetriebe an einem Standort wohl fühlen. Beschränkt auf den AV Bereich soll die Entwicklung in Hamburg seit 1945 dargestellt werden. Zu einer korrekten Beurteilung Hamburgs als Medienstadt wird es nötig sein, einen Blick auf die Parallelentwicklungen in den konkurrierenden Standorten Berlin, Köln und München zu werfen. Zwar geben sich Länder und Gemeinden gegenwärtig große Mühe, den Kreis der Standorte zu erweitern. Aber als Hochburgen sind die vier traditionellen Medienstädte bislang unumstritten. Aus der aktuellen Situation der Hansestadt sollen dann mögliche Lehren für eine langfristige Sicherung des Medienstandortes Hamburg gezogen werden.

Neben den AV Medien sind in die Betrachtungen auch die Neuen Medien eingeflossen, vor allem am Standort Hamburg. Denn sie haben mittlerweile inhaltlich und technologisch eine große Nähe zu den AV Medien im klassischen Sinne. Sie verzeichnen Zuwachsraten, die für die Zukunft eines Standortes von entscheidender Bedeutung sein können. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass die Neuen Medien am Ende alle herkömmlichen Medien zusammenführen und auf einem Bildschirm vereinen werden.

Die größte Schwierigkeit einer Arbeit wie dieser ist die Datenunsicherheit, die nicht nur keinen eindeutigen Vergleich von Standorten zulässt, sondern auch innerhalb eines Standortes deutlich wird. Ein Unternehmen, das in mehreren Bereichen tätig ist, wird unterschiedlich klassifiziert und aufgeführt. Insofern sind alle Daten immer wieder kritisch zu hinterfragen. Oft beruhen die Statistiken auch nur auf Umfrageergebnissen, die hochgerechnet sind, weil der Rücklauf der Befragten gering war.

Typisch für die gegenwärtige Wettbewerbssituation zwischen den Standorten ist, dass Studien mit Fragestellungen in Auftrag gegeben werden, bei denen die Auftraggeber sicher sein können, dass sie als die Nummer Eins in Erscheinung treten werden. So ist München nach einer Untersuchung, die von Bayern initiiert worden ist, der führende TV- Produzentenstandort, was Umsatz und Zahl der Erwerbstätigen angeht. Aber Nordrhein-Westfalen ist die Nummer Eins, wenn es um Sendeminuten bei Auftragsproduktionen geht – so eine von Nordrhein-Westfalen initiierte Studie. Wenn Hamburg und Berlin auch einmal dieses Erfolgserlebnis haben wollen, die Nummer Eins zu sein, kann man ihnen nur empfehlen, zwei weitere Untersuchungen in Auftrag zu geben: Wer ist der größte Medienstandort, bezogen auf alle Branchen? Wer ist der Medienstandort, der gegenwärtig die größten Zuwächse verzeichnet? Immerhin haben die beiden Studien in den Aspekten, für die sie sich speziell interessiert haben, verwertbare Ergebnisse erbracht, die so vorher nicht deutlich waren.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 2
2. Die klassische Standorttheorie 3
3. Spezielle Standortfragen für Medienbetriebe 5
4. Medienstandort Berlin 7
5. Medienstandort Köln 11
6. Medienstandort München 14
7. Zwischenbilanz 16
8. Medienstandort Hamburg 18
Der Film im Schatten der Presse
9. Selbsteinschätzung Note 2,6 25
10. Verlust und Gewinn 29
11. Neue Medien 32
12. Standort 2000 37
13. Literaturverzeichnis 49
14. Ehrenwörtliche Erklärung 50

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die 90er Jahre begannen, wie die 80er aufgehört hatten: Wachstum auf ganzer Linie. Nach der Umsatzsteuerstatistik verdoppelte sich die Zahl der AV Unternehmen in Hamburg, inklusive Hörfunkveranstalter, zwischen 1984 und 1992 von 276 auf 563. Der Umsatz vervierfachte sich von 690 Millionen DM auf 2,9 Milliarden DM. Nicht enthalten in diesem Volumen ist der Haushalt des NDR, der durch Gebührenerhöhungen und dem Beitritt Mecklenburg-Vorpommerns zum NDR Staatsvertrag im gleichen Zeitraum von 800 Millionen DM auf 1,3 Milliarden DM wuchs.52 Motor des Wachstums waren in erster Linie die kommerziellen Fernsehveranstalter, die den Markt insofern belebten, als sie sich so gut wie keine eigenen Produktionskapazitäten zulegten. Aber auch der NDR trat zunehmend als Auftraggeber in Erscheinung, indem er nicht nur Fernsehspiele, Serien und große Unterhaltungssendungen extern produzieren ließ, sondern zunehmend auch Dokumentationen und Magazinbeiträge. Zu einer besonderen Blüte verhalfen die neuen Programmanbieter den Synchronisationsbetrieben. Allein bei Studio Hamburg verzehnfachte sich das Auftragsvolumen innerhalb von fünf Jahren von ca. 4.000 auf fast 40.000 Minuten im Jahr. 53 Angesichts solcher Erfolgsmeldungen muß es überraschen, dass die Zustimmung, die der Standort Hamburg bei seinen TV-Produktionsunternehmen findet, schon wenige Jahre später eher durchwachsen ist. Nach der DIW Studie erreicht Hamburg eine Durchschnittsnote von 2,6, ebenso wie Berlin, während München eine Durchschnittsnote von 1,9 und Köln eine Durchschnittsnote von 2,3 erhält. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hatten dabei die folgenden sechs Standortfaktoren einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Gesamtnote: 1. Günstige Zukunftsperspektiven als Medienstandort 2. Gute Verbindungen zum Auftraggeber 3. Günstige Finanzierungsmöglichkeiten vor Ort 4. Verfügbarkeit und Qualifikation des Personals [...]

Bemerkenswert an dem Schaubild ist auch die Abweichung von der Medienwirtschaft insgesamt bei dem Faktor „Möglichkeiten zur Ausbildung von Nachwuchs“. Während die Medienunternehmen im Schnitt zu 20% der Auffassung sind, die Möglichkeiten seien unzureichend, sind es im AV Bereich über 50%. Beide Themen, Subventionen und Ausbildung, sind als Problemfelder bis heute geblieben. Weitsichtig, wie wir heute wissen, war die Prognose, dass die elektronischen Textmedien in der Hamburger Szene künftig eine wichtige Rolle spielen würden. In der Zusammenfassung Hoffmann-Riems heißt es vorsichtig optimistisch, aber zugleich auch mahnend, auf den gesamten Medienplatz bezogen: „Die Untersuchung hat ergeben, dass die Region Hamburg weiterhin führend als Medienplatz ist, der sich hinter anderen Medienzentren nicht zu „verstecken“ braucht. Die Medienwirtschaft ist nach Zahl der Erwerbstätigen und Höhe des Umsatzes ein wichtiger Wirtschaftsbereich, dessen Erhaltung und eventueller Ausbau für die Wahrung des kulturellen und ökonomischen Standards der Metropole Hamburg von großer Wichtigkeit ist. Die große Mehrheit der Medienunternehmen beurteilt den Standort Hamburg im Hinblick auf die große Mehrzahl relevanter Standortfaktoren als positiv. Dies ist eine gute Ausgangslage für die Konsolidierung Hamburgs als Medienzentrum.“ 51 Die Bedeutung Hamburgs als Medienstandort zu erhalten, sei eine schwierige Aufgabe. Unternehmen und Staat müssten gemeinsam auf Veränderung von Rahmenbedingungen reagieren und zu Innovationen bereit sein., meint Hoffmann-Riem. Das war 1987. Zwei Jahre später fiel die Berliner Mauer. Die DDR trat der Bundesrepublik bei, das wiedervereinigte Deutschland sprach sich für Berlin als neue Hauptstadt aus. Zu den Aufgaben der Konsolidierung, die schon vorher absehbar waren, trat für Hamburg eine gewaltige Herausforderung hinzu: dem Sog, der von Berlin ausgehen würde, zu widerstehen und seine Position im neuen Kräfteviereck München – Köln – Hamburg – Berlin als führender Medienplatz zu behaupten. [...]

Standorteinschätzung durch Hamburger AV-Medienunternehmen.49 Nur die Hälfte der Standortfaktoren erreicht in der Bewertung durch die AV Medien die Note „gut“. Besonders schlecht wird die Gewährung von Subventionen beurteilt. Die Subventionswünsche der Unternehmen sind sowohl im Bereich der Zuschüsse wie im Bereich der Bürgschaften erheblich größer als das tatsächliche Förderungsvolumen. Obgleich Hamburger Produzenten immer gerne auf die angeblich viel großzügigere Förderungspraxis in München verwiesen haben, macht HoffmannRiem in seiner Studie, vorgelegt 1987, darauf aufmerksam, dass der Mangel an Fördermittel kein Hamburg -spezifisches Problem ist. In München schätzten knapp 80% der Medienunternehmen die Gewährung von Subventionen tendenziell negativ ein.50 Allerdings kommt die Untersuchung auch zu dem Schluss, dass die Hamburger Filmwirtschaft, was speziell die Filmförderung betrifft, gegenüber Berlin oder Bayern dank der Senatspolitik deutliche Wettbewerbsnachteile hat hinnehmen müssen. [...]

Arbeit zitieren:
Seelmann-Eggebert, Florian Januar 2000: Förderung deutscher Medienstandorte: Zur Hamburger Situation, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Hamburg, Multimedia, Standort Medien

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