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Für die Firma ins Ausland

Erfahrungen deutscher Mitarbeiter in den USA

Für die Firma ins Ausland
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Daniela Kühnert
  • Abgabedatum: September 2004
  • Umfang: 123 Seiten
  • Dateigröße: 580,6 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Chemnitz Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4382-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4382-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4382-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kühnert, Daniela September 2004: Für die Firma ins Ausland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Interkulturell, Auslandsentsendung, Schulung, Kulturbegriff, Kommunikation

Magisterarbeit von Daniela Kühnert

Zusammenfassung:

Immer mehr Betriebe zählen Amerikaner zu ihrem Kundenstamm, ihren Vorgesetzten oder Kollegen. Dadurch wird ein ständiger interkultureller Austausch zwischen Deutschen und Amerikanern erforderlich, welcher sich vor allem in Auslandsentsendungen deutscher Mitarbeiter in die USA äußert. Die Internationalisierung der Firmenaktivitäten und das Erschließen fremder Märkte wird nicht mehr nur in Großunternehmen praktiziert, sondern gewinnt auch bei kleineren Firmen ständig an Bedeutung. Leider herrscht vorrangig die Meinung, die amerikanische und die deutsche Kultur seien so ähnlich, dass eine interkulturelle Vorbereitung nicht nötig sei. Doch gerade weil sich die Normen und Werte der beiden Kulturen oberflächlich gesehen nicht stark unterscheiden, sind die deutschen Entsandten nicht genügend sensibilisiert für kulturbedingte Konflikte. Ohne Wissen um die Kulturunterschiede, ohne Kenntnis, wie die amerikanischen Geschäftspartner denken und handeln oder welche Kommunikationsmuster sie anwenden, laufen die deutschen Mitarbeiter Gefahr, die amerikanischen Kollegen falsch zu interpretieren und so den Erfolg im Ausland zu gefährden.

Firmen, die ihre Mitarbeiter ins Ausland entsenden, sollten sich daher stärker mit Modalitäten bei Auslandsentsendungen informieren. Nur so kann die hohe Rate an Auslandsabbrüchen reduziert werden. Firmen profitieren dabei von den Forschungsergebnissen aus interkulturellen Begegnungen und den Erfahrungen ehemaliger Entsandter. Die vorliegende Magisterarbeit beschäftigt sich daher mit dem Thema: „Für die Firma ins Ausland. Erfahrungen deutscher Mitarbeiter in den USA“, um Firmen und Entsandte auf das „Abenteuer Auslandsentsendung“ vorzubereiten und einen Überblick über die wichtigsten Punkte zu liefern, die beachtet werden müssen. Entsandte sollen erkennen, welche amerikanischen Normen und welche Konventionen der Kommunikation Konflikte bereiten könnten und warum Amerikaner von dem Verhalten Deutscher in bestimmten Situationen irritiert sind.

Aufgrund der großen Bandbreite des Themenfeldes „Kultur und interkulturelle Zusammenarbeit“ konzentriert sich die Arbeit auf die allgemeine geschäftliche Kooperation zwischen Amerikanern und Deutschen vor dem Hintergrund einer Auslandsentsendung und lässt spezielle Berufsgruppen außen vor. Im Laufe der Arbeit wird generell von „Mitarbeitern“ die Rede sein, dies schließt Manager, Maschinenmonteure, Kundendienstangestellte usw. ein.

Das Grundgerüst des theoretischen Teils dieser Arbeit bilden Abhandlungen anerkannter Professoren, wie Alexander Thomas, über den Kulturbegriff, amerikanische und deutsche Normen und Werte, das Raum- und Zeitkonzept sowie Hofstedes Forschungsergebnisse, die anhand seiner Studie mit der Firma IBM aufgestellt wurden. Obwohl Kritiker meinen, dass die Einteilung in Kulturdimensionen eher Stereotypen fördert als verringert, wird die Studie im theoretischen Teil zu Rate gezogen. Da die Arbeit vor allem einen generellen Überblick über wichtige Faktoren der Auslandsentsendung und über wichtige Unterschiede der deutschen und der amerikanischen Kultur geben soll, bieten die Ergebnisse Hofstedes einen hervorragenden Einstieg. Für Personen, die sich intensiv und professionell mit interkulturellen Begegnungen beschäftigen, sind die Kulturdimensionen von Hofstede sicherlich nicht tiefgreifend genug. Im Rahmen dieser Arbeit wird das Verhalten von Deutschen und Amerikanern generalisiert dargestellt, um die Denk- und Handlungsweise der Mehrheit aufzuzeigen und eventuelle interkulturelle Konfliktherde aufzudecken. Natürlich wird nicht jeder Entsandter die gleichen Erfahrungen mit Amerikanern machen, denn in einer multikulturellen Gesellschaft wie den USA wird man sicherlich auf Personen treffen, deren Verhalten eine Mischung aus verschiedenen Kulturen ist. In der Arbeit wird häufig der Begriff „Amerikaner“ verwendet, wobei nur Personen aus den Vereinigten Staaten, nicht aber Südamerikaner oder Kanadier gemeint sind.

Der Aufbau der Magisterarbeit ist in drei Hauptteile gegliedert. Zuerst werden anhand meiner eigenen praktischen Erfahrungen als Englischlehrerin für Erwachsene Sprachkurse evaluiert, die von Firmen zur Auslandsvorbereitung organisiert werden. Die Ergebnisse eines Fragebogens sollen dabei Aufschluss über die Erfahrungen zurückgekehrter Entsandter geben sowie Probleme und Defizite innerhalb der Auslandsvorbereitung aufzeigen.

Im zweiten theoretischen Teil werden die Begriffe „Kultur“ und „Kommunikation“ erklärt und Unterschiede zwischen amerikanischen und deutschen Normen und Werten aufgezeigt. Hierbei werden die angesprochenen Erfahrungen und Konflikte der Teilnehmer des Fragebogens aufgegriffen und in einen Kontext gestellt. Diese theoretische Abhandlung ist notwendig um Situationen aufzuzeigen, bei denen viele Entsandte Missverständnisse hatten – diese zu erklären und dadurch Vorurteile zu entkräften.

Im dritten Teil werden Verbesserungsvorschläge für die Firmen und die Lehrkräfte der Sprachkurse und interkulturellen Trainings gegeben um zukünftige Auslandsvorbereitungen effektiver und positiver zu gestalten. Tipps über die Auswahl, die Betreuung der Entsendeten und Trainingsangebote sollen helfen die Chancen eines erfolgreichen Aufenthaltes zu verbessern.

Diese Arbeit soll eine kompakte Einstiegshilfe für Firmen sein, die Auslandsentsendungen in die USA organisieren, sie soll aber ebenso als Leitfaden für Entsandte dienen, die sich auf diese neue Aufgabe vorbereiten wollen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 5
2. Praxisbericht I: Defizite in der Vorbereitung von Firmenmitarbeitern auf einen Auslandseinsatz 8
2.1 Vorstellung der Sprachkurse 8
2.2 Vorstellung der Befragung 12
2.3 Teilnehmeraussagen 15
2.4 Zusammenfassung der Aussagen 22
3. Kultur 24
3.1 Begriffserklärung und Bedeutung kultureller Unterschiede für Auslandsentsendungen 24
3.2 Werte und Kulturstandards im Vergleich 28
3.2.1 Kontaktorientierung 30
3.2.2 Individualismus 34
3.2.3 Unsicherheitsvermeidung 39
3.2.4 Handlungs- und Leistungsorientierung 43
3.2.5 Informalität 46
4. Kommunikation 48
4.1 Begriffserklärung und Bedeutung für Auslandsentsendungen 48
4.2 verbale Kommunikation 51
4.2.1 Direktheit 51
4.2.2 Themen 54
4.3 nonverbale Kommunikation 58
4.3.1 Raum 61
4.3.2 Zeit 66
5. Praxisbericht II: Überlegungen zur Verbesserung der Auslandsvorbereitung 70
5.1 Überlegungen für eine bessere Auslandsvorbereitung seitens der Firma 70
5.1.1 Auswahl von Mitarbeitern für eine Auslandsentsendung 71
5.1.2 Betreuung der Entsendeten 74
5.2 Überlegung für eine bessere Auslandsvorbereitung seitens der Lehrkräfte 81
5.2.1 Der Sprachkurs 81
5.2.2 Das interkulturelle Training 84
6. Zusammenfassung und Ausblick 89
7. Literaturverzeichnis 91
8. Anlagen 95
9. Eidesstattliche Versicherung 123

Automatisiert erstellter Textauszug:

umgehen. Unvermeidbare Konflikte werden natürlich gelöst – sachlich, in einem ruhigen Ton und mit wenigen Gesten. Auch englische Diskussionsredewendungen werden von dieser Höflichkeit gezeichnet. Mit Sätzen wie To a certain extent I agree…, but… oder I can see your point of view, but… wird eine Ablehnung des Gesagten ausgedrückt, wobei man dem Diskussionspartner sprachlich immer noch zugesteht, dass er Recht haben könnte. Seltener angewendet, als ähnlich direkte Aussagesätze in deutschen Diskussionen, werden stärkere Ablehnungssätze, wie I strongly disagree oder Under no circumstance can one agree with... . Wie schon erwähnt ist die Sprache eng mit den kulturellen Normen verwoben. Deutsch ist eine recht komplizierte, aber klar durchstrukturierte Sprache, in der lange und schwierig formulierte Sätze für intelligente Ideen stehen. Der Hang der Deutschen zu substantivierten Sätzen bereitet jedem Deutschlerner Probleme. Deutsche Redner tendieren dazu, nicht zum Punkt zu kommen und auch ihre Reden in ein dementsprechend kompliziertes Englisch zu übersetzen. Englisch hingegen ist eine der Sprachen, die mit viel weniger grammatischen Regeln, aber wesentlich mehr Vokabeln auskommt, was sich auch bei deren Sprechern widerspiegelt, die ihre Thesen meist kurz und präzise vortragen und lange Ausschweifungen nicht schätzen. Durch die Vokabelvielfalt sind Umschreibungen nicht notwendig. Deutsche Entsandte, die ihre übliche Art der Präsentation und Diskussion ins Englische transferieren ohne die Höflichkeits- und Direktheitsunterschiede zu beachten, werden leicht als unhöflich oder rüde angesehen. Auch der deutsche Hang zu Ausschweifungen und langen Redebeiträgen, die sich hauptsächlich mit Theorie befassen, hinterlassen nicht selten einen negativen Eindruck in Präsentationen und Konferenzen mit Amerikanern, die wiederum der Praxis mehr Bedeutung zusprechen. Nach Bolten et al. (1996: 389-425) benutzen Amerikaner in ihren Präsentationen kurze Sätze mit einem hohen Anteil an Verben und sprechen die Zuhörer oft direkt an. Deutsche hingegen argumentieren meist sachorientiert, ohne sich allzu häufig an die Zuhörer zu wenden. Sie benutzen verstärkt Kausalsätze mit „weil“ und haben einen eher erläuternden Stil. Diese unterschiedlichen Stile lassen sich auch bei Produktdarbietungen finden, da die Amerikaner die Nähe zu den Kunden suchen und sich vollkommen auf diese einzustellen versuchen, während Deutsche eher produktorientiert sind und die 53 [...]

(meaning) durch Wörter des Sprechers übermittelt – die Kommunikation ist linear, eindeutig, verbal und direkt. Im Gegensatz zu high-context (kontextabhängigen) Kulturen, wie Asien, Arabien und Lateinamerika, haben kontextungebundene Kulturen mehr Vertrauen in die verbale Kommunikation und misstrauen Gesprächen, in denen die wichtigen Informationen im nonverbalen Kontext enthalten sind. Die USA und Deutschland meinen demnach, dass es positiv sei, direkt auszudrücken, was man sagen will, und dass somit Fehlinterpretationen auf ein Minimum reduziert werden können. Die indirekte Kommunikation verunsichert Deutsche und Amerikaner und erregt für sie den Verdacht der Unehrlichkeit und Ablenkung vom Gesagten. Obwohl sie den kontextungebundenen Kulturen angehören und Ehrlichkeit und Direktheit zu den positiven Eigenschaften eines Gesprächspartners zählen, ist die Direktheit in den USA weniger stark ausgeprägt, wenn es sich um negative Dinge handelt, wie Kritik an den Mitmenschen und Beschwerden. Amerikaner kritisieren weder sich selbst noch andere öffentlich, da der Wert der sozialen Anerkennung sehr wichtig ist und man nicht möchte, dass jemand unbeliebt wird. Nach einer Studie von House und Kasper (1981: 157-184) wird Kritik in den USA häufiger in einer schwächeren Form angewendet als in vergleichbaren Fällen mit deutschen Sprechern. In Deutschland passiert es wesentlich öfter, dass vor allem ältere Menschen andere belehren oder deren Verhalten tadeln. Dieses Bedürfnis kann auf das deutsche Streben nach Perfektion und Ordnung zurückgeführt werden, das eng mit der starken Unsicherheitsvermeidung zusammenhängt. Deutsche wollen unter die Oberfläche eines Themas gehen und die Wahrheit wissen, selbst wenn sie schockierend ist, denn dann bleiben zumindest keine Ungewissheit oder Raum für unvorhersehbare Dinge. Ganz deutlich kann man diesen Fakt anhand der Berichterstattung in den Nachrichten erkennen, die schonungslos Vorfälle im eigenen Staat und in anderen Ländern offen legen. Im Gegensatz zu Amerikanern wollen Deutsche nicht primär gemocht, sondern als glaubwürdig und ehrlich geschätzt werden. Auch aus Gründen der Konfliktvermeidung oder -eingrenzung, wird in den USA keine starke öffentliche Anklage gegen jemanden oder etwas erhoben. Bei einem Konflikt in der beruflichen Zusammenarbeit ziehen es die meisten Amerikaner vor, das Thema zu wechseln oder den Raum zu verlassen um einen Streit zu 52 [...]

Unter verbaler Kommunikation versteht man die wechselseitige Interaktion, den Informationsaustausch mittels der Kanäle Sprache oder Schrift. Für Firmenmitarbeiter kommen dafür Geschäftsbriefe oder -e-mails sowie Telefonate, face-to-face Verhandlungen und Computerkonferenzen in Frage. Hierbei lauern die verschiedensten Fallen für Missinterpretationen, die Anlass für negative Stereotypenbildung geben können. Eines dieser Normunterschiede ist die Direktheit. Die deutsche und die amerikanische Kultur befürworten beide Direktheit in der Kommunikation und Offenheit des Gesprächspartners. Diese Charakterzüge werden in vielen Kulturen nicht verstanden und sogar als unhöflich oder beleidigend angesehen. Grundsätzlich gehören beide Länder den low-context10 (kontextungebundenen) Kulturen an. In Abbildung 6 wird der Unterschied zwischen low- und high- context Kulturen bildlich dargestellt. HC [...]

Arbeit zitieren:
Kühnert, Daniela September 2004: Für die Firma ins Ausland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Interkulturell, Auslandsentsendung, Schulung, Kulturbegriff, Kommunikation

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