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Finanzinnovationen für private Anleger

Retrospektive auf neue Anlagevarianten der letzten 5 Jahre

Finanzinnovationen für private Anleger
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Guido Wagner
  • Abgabedatum: März 2007
  • Umfang: 56 Seiten
  • Dateigröße: 297,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Schmalkalden Deutschland
  • Bibliografie: ca. 44
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1791-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wagner, Guido März 2007: Finanzinnovationen für private Anleger, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Finanzinvestition, Zertifikate, Fonds, steuerliche Behandlung, Finanzprodukte

Diplomarbeit von Guido Wagner

Einleitung:

In den 1990er Jahren wurden deutsche Privatanleger risiko- und ertragsorientierter und verlangten nach größeren Renditen als die vergleichsweise niedrigen Zinssätze ihrer Sichteinlagen. Die Hausse an der Wertpapierbörse Ende der 1990er Jahre bot dafür ausgezeichnete Voraussetzungen. Vorwiegend Technologie- und Internetaktien wurden von den Kreditinstituten mit umfangreichem Engagement beworben. Fachmagazine und Analysten prognostizierten ein beträchtliches Wachstum der sog. New Economy am Neuen Markt.

Doch ab dem Jahr 1999 zeigte der Aktienmarkt eine gegenläufige Entwicklung. Der Nemax verlor im Jahr 2002 bis zu 92 Prozent seines Standes gegenüber dem Jahr 2000. Die Privatanleger, die auf den verheißungsvollen Aufschwung des neuen Marktes gesetzt hatten, mussten erhebliche Verluste hinnehmen. Sie waren daraufhin häufig nicht mehr bereit, ihr Vermögen in Aktien oder Investmentfonds anzulegen und suchten ertragreiche Alternativen mit geringerem Risiko.

In den letzten fünf Jahren und insbes. in Folge der Baisse fand eine massive Entwicklung auf dem Markt für derivative Finanzinstrumente statt. Die Kreditinstitute emittierten eine Vielzahl an innovativen Wertpapieren und überwiegend Zertifikate kamen in immer neuen, allerdings auch diffizileren, Varianten auf den Markt. Besonders die Papiere, die den Anlegern Kapitalschutz in jeglicher Form boten, hatten in den letzten Jahren ein beispielloses Wachstum zu verzeichnen.

Im Jahr 2006 wuchs der Umsatz für derivative Wertpapiere am deutschen Markt um 96 Prozent gegenüber dem Vorjahr und alleine die Anlagezertifikate (Index-, Bonus- und Discount-Zertifikate) erreichten einen Umsatzanteil von 58 Prozent.

Seit einigen Jahren investieren auch vermehrt institutionelle Anleger und die vermeintlichen Konkurrenten – die Investmentfonds - in Zertifikate. Das Resultat waren die sog. Zertifikatefonds.

Im Jahr 2004 fanden schließlich auch die Hedgefonds, die seit Jahrzehnten im anglo-amerikanischen Raum bekannt und erfolgreich sind, ihren Weg nach Deutschland.

Ziel d.A. ist die Beschreibung und Beurteilung der für Privatanleger bedeutsamen, in den letzten fünf Jahren auf den deutschen Markt gekommenen, Finanzinnovationen. Da überwiegend die Anlagevariante Zertifikate bei Privatanlegern wegen ihres außerordentlich flexiblen Risiko-Rendite-Profils und der steuerlichen Begünstigung erfolgreich und in ihrer Ausgestaltung ebenso komplex ist, wird das Hauptaugenmerk in d.A. auf ihnen liegen. Aber auch Zertifikatefonds und Single- und Dach-Hedgefonds werden betrachtet.

Die Arbeit beginnt im Kapitel 2 mit einer Darstellung der Grundlagen von Finanzinnovationen. Zentrale Begriffe aus dem Gebiet der Finanzinnovationen werden, soweit sie für diese Arbeit relevant sind, erläutert. Daran schließt sich eine Untersuchung der Behandlung von Finanzinnovationen im Privatvermögen hinsichtlich der ESt an.

Im Kapitel 3 werden dann innovative Finanzprodukte für Privatanleger vorgestellt und ihre Funktionsweise erläutert. Die Eigenschaften und Merkmale von Zertifikaten werden dabei ausführlich dargestellt. Da die Ausgestaltungen der Zertifikate vielfältig sind, wird auf beispielhafte Besonderheiten der einzelnen Produkte hingewiesen.

Im darauf folgenden Kapitel 4 werden die Produkte hinsichtlich ihres Nutzens in Bezug zu den Erwartungen der Anleger und zum jeweiligen Anlegertypus beurteilt.

Abschließend erfolgt im Kapitel 5 ein Resümee und eine kritische Würdigung zu den in d.A. behandelten innovativen Produkten.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS II
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS IV
ABBILDUNGSVERZEICHNIS VII
1. EINLEITUNG 1
2. GRUNDLAGEN VON FINANZINNOVATIONEN 3
2.1 Definition und Abgrenzung zentraler Begriffe 3
2.2 Einkommensteuerliche Behandlung 7
3. INNOVATIVE FINANZPRODUKTE FÜR PRIVATANLEGER 12
3.1 Zertifikate 12
3.1.1 Grundlegendes zu Zertifikaten 12
3.1.1.1 Definition und Eigenschaften 12
3.1.1.2 Direkte und indirekte Kosten 15
3.1.1.3 Transparenz versus Flexibilität 17
3.1.2 Zertifikate mit bestimmtem Auszahlungsprofil 19
3.1.2.1 Garantie-Zertifikat 19
3.1.2.2 Protect-Zertifikat 22
3.1.2.3 Express-Zertifikat 23
3.1.2.4 Bonus-Zertifikat 24
3.1.2.5 Hebel-Zertifikat 27
3.1.2.6 Outperformance-Zertifikat 30
3.1.2.7 Sprint-Zertifikat 31
3.1.3 Zertifikate mit bestimmtem Basiswert 32
3.1.3.1 Zins-Zertifikat 32
3.1.3.2 Rohstoff-Zertifikat 33
3.1.3.3 Reit-Zertifikat 34
3.2 Investmentfonds 35
3.2.1 Zertifikatefonds 36
3.2.2 Hedgefonds 36
4. BEURTEILUNG DER PRODUKTE NACH MARKTERWARTUNG UND ANLEGERTYPUS 38
5. KRITISCHE WÜRDIGUNG UND FAZIT 42
LITERATURVERZEICHNIS 51
INTERNETVERZEICHNIS 54

Textprobe:

Kapitel 3.1.2.5, Hebel-Zertifikat: Auf dem Markt befinden sich Hebel-Zertifikate mit begrenzter oder unbegrenzter Laufzeit. Diese Zertifikate verfügen über kein Cap, kein Absicherungsniveau, allerdings ein Knock-Out-Niveau.

Ein Hebel-Zertifikat ist ein sog. spekulatives Zertifikat und seine Vorgänger waren die Optionsscheine. Es verbindet die Vorteile von Optionsscheinen und Index- bzw. Aktien-Zertifikaten und ähnelt in seiner Funktionsweise einem Future. Es bildet die Kursbewegung eines Underlying im gleichen Verhältnis (eins zu eins) ab und wurde das erste Mal im Jahr 2001 als sog. Turbo bzw. Listet Stock Future (LSF) emittiert.

Weiterhin gibt es solche, bei denen sich ein Knock-Out-Niveau vom Basispreis unterscheidet und welche, bei denen das Knock-Out-Niveau und der Basispreis identisch sind. Hebel-Zertifikate kommen sowohl als auf steigende Kurse setzende Call-Variante (Long) oder als auf fallende Kurse setzende Put-Variante (Short) vor.

Der innere Wert bezeichnet die Differenz zwischen Basispreis und aktuellem Kassakurs des Basiswertes. Er stellt gleichzeitig den Preis des Zertifikates beim Kauf bzw. bei Emission – abzgl. anfallender Gebühren - dar. Bei Indizes ergibt sich der Preis durch den entsprechend dem Bezugsverhältnis geteilten und in die jeweilige Währung umgerechneten inneren (Punkt-) Wert.

Der Hebel (Omega) wirkt sowohl bei einer Aufwärtsbewegung (bei steigenden Kursen) des Basiswertes als auch bei einer Abwärtsbewegung (bei fallenden Kursen) und bleibt (im Ggs. zu Optionsscheinen) über die gesamte Laufzeit des Zertifikates konstant. Der Hebel entspricht bei einem Hebel-Zertfifikat dem proportionalen Verhältnis des inneren Wertes zum aktuellen Kurs des Basiswertes.

Der Leverage-Effekt (die Hebelwirkung) ergibt sich resultierend daraus, dass der Anleger nicht den vollen Kurs des Basiswertes in seiner Gesamtheit erwirbt, sondern nur den inneren Wert. Je niedriger demnach der Kapitaleinsatz im Verhältnis zum Wert des Underlying ist, desto größer ist die Hebelwirkung (ähnlich den Futures, aber ohne Margin - die Mindesteinlage - und ohne unbegrenztes Verlustpotenzial).

Dabei handelt es sich von der Funktionsweise her um eine Fremdfinanzierung des (abzüglich des inneren Wertes) übrigen Basiswert-Anteils (Basispreis oder sog. Finanzierungslevel). Für diese Finanzierungskosten verlangt der Emittent entweder ein Agio. Die ausgeschütteten Aktiendividenden werden dabei gutgeschrieben. Bei Performance-Indizes als Underlying sind die Dividenden schon im Indexkurs enthalten.

Bei Stop-Loss-Hebelzertifikaten werden die Finanzierungskosten in Form eines Agios zu dem inneren Wert (abzgl. evtl. ausgeschütteter Dividenden) addiert. Sie berechnen sich durch Multiplikation des Basispreises mit dem Finanzierungszinssatz (evtl. mit Berücksichtigung eines Bezugsverhältnisses). Die Bank zahlt evtl. das verbliebene Agio an den Anleger zurück (abhängig von den Emissionsbedingungen), wenn die Knock-Out-Schwelle durchbrochen wurde.

Ein Open-End-Papier mit verschiedener Basis und Knock-Out-Schwelle wurde das erste Mal im November 2002 von der niederländischen Bank ABN Amro als sog. Mini-Future emittiert. Diese Zertifikate haben grundsätzlich eine Stop-Loss-Marke und kein Agio i.e.S., da die Finanzierungskosten täglich verrechnet werden. Der Kurs des Zertifikates notiert stets zum inneren Wert - zusätzlich dem Spread.

Das Rolling Turbo (im September 2004 v. Broker Goldman Sachs emittiert) ist ein Hebel-Zertifikat, bei dem die Knock-Out-Schwelle durch den Rollvorgang angepasst wird. Diese haben keine Laufzeit, kein Agio und eine Stop-Barriere. Der Hebel ist stets konstant, weil das Bezugsverhältnis und der Finanzierungslevel fortlaufend angepasst werden. Die Finanzierungs- und Hedge-Kosten werden beim Zertifikat fortlaufend täglich verrechnet. Bei Erreichen der Stop-Marke wird das Zertifikat deaktiviert. In dieser Phase kann es zum vom Market Maker gestellten Kurs (Restwert) gekauft oder verkauft werden. Beim Erreichen des Tagesschlusskurses des Basiswertes werden Basispreis und Bezugsverhältnis dem aktuellen Kurs angepasst und das Zertifikat mit normaler konstanter Hebelwirkung weiter gehandelt. Nur bei beträchtlichen, gravierenden Kursverlusten innerhalb kurzer Zeit ist bei diesen Zertifikaten ein Totalverlust möglich.

Arbeit zitieren:
Wagner, Guido März 2007: Finanzinnovationen für private Anleger, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Finanzinvestition, Zertifikate, Fonds, steuerliche Behandlung, Finanzprodukte

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