Finanzierungsbeschränkungen von Unternehmen in Ostdeutschland - eine Analyse für Mecklenburg-Vorpommern
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Tilman Schubert
- Abgabedatum: Februar 2009
- Umfang: 67 Seiten
- Dateigröße: 478,2 KB
- Note: 2,7
- Institution / Hochschule: Universität Rostock Deutschland
- Bibliografie: ca. 22
- ISBN (eBook): 978-3-8428-1922-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schubert, Tilman Februar 2009: Finanzierungsbeschränkungen von Unternehmen in Ostdeutschland - eine Analyse für Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Unternehmensfinanzierung, Kredit, Ostdeutschland, Finanzierungsbeschränkung, Kreditvergabe
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Diplomarbeit von Tilman Schubert
Einleitung:
Trotz einer im weltweiten Vergleich starken Wirtschaftsleistung sehen sich zahlreiche Unternehmen in Deutschland Finanzierungsbeschränkungen gegenüber. Beschränkungen in der Finanzierung stellen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ein Wachstumshindernis dar. Dabei spielt der Bankkredit eine Hauptrolle als Außenfinanzierungsinstrument für diese Unternehmensgruppe . Er steht daher im Mittelpunkt Betrachtung vorliegender Untersuchung. Verschiedene Faktoren bedingen das Angebot sowie die Nachfrage nach Bankkrediten. Es treten neben externen Effekten – wie beispielsweise der seit Mitte 2007 anhaltenden Finanzmarktkrise – auch endogene Effekte, wie die Abhängigkeit von Kreditangebot und Kreditnachfrage voneinander und vom Niveau des Bruttoinlandprodukts (BIP) auf.
Dennoch stellt sich die Kreditvergabe als Ergebnis eines Marktprozesses dar, der durch scharfen Wettbewerb gekennzeichnet ist . Das Firmenkundengeschäft mit dem Mittelstand stellt insofern ein Hauptgeschäftsfeld der Banken dar, als dass nahezu alle Unternehmen in Deutschland klein oder mittelgroß sind . Da aber der Kreditmarkt Unvollkommenheiten aufweist, sind regionale Unterschiede im Angebot von und Nachfrage nach Bankkrediten aufgrund unterschiedlicher Bedingungen des Marktprozesses zu erwarten. Ein Unterscheidungsmerkmal ist dabei die Zugehörigkeit zu einem alten oder einem neuen Bundesland.
So liegt beispielsweise der Kreditbestand pro Einwohner in Ostdeutschland bei rd. 5000 Euro, in Westdeutschland dagegen bei rd. 13.500 Euro. Aber auch die Einkommen unterscheiden sich in gleicher Größenordnung. Während in Ostdeutschland ein Einkommen von rd. 19.500 Euro je Einwohner erwirtschaftet wird, beträgt es in Westdeutschland rd. 24.000 Euro.
Daraus lassen sich verschiedene Fragen ableiten. Einerseits ist deskriptiv zu untersuchen, wie hoch die Intensität des Fremdkapitals als Quotient von Kreditvolumen und BIP in den einzelnen ostdeutschen Bundesländern ausfällt. Daraus kann eine qualitative Aussage über die Versorgung mit Bankkrediten in Abhängigkeit des BIPs als Niveaugröße abgeleitet werden. Dies geschieht in Verbindung mit einem Standardmodell der Kreditrationierung.
Darüber hinaus ist zu analysieren, wie sich die Situation in Abhängigkeit der wesentlichen Branchen als Aggregat von Wirtschaftszweigen darstellt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung lassen genauere Aussagen über die Struktur der Kreditvergabe in den neuen Bundesländern zu. Es kann abgeleitet werden, für welche Branchen und Länder Kreditrationierung als Form der Finanzierungsbeschränkung zu Entwicklungsvorteilen oder Entwicklungsnachteilen führt.
Die vorliegende Untersuchung untergliedert sich aufgrund der Breite des Themas ist zwei Teile. Im ersten Teil wird neben den theoretischen Grundlagen zum Kreditmarkt und der Kreditrationierung infolge eines Rationierungsgleichgewichts die Bedeutung von Bankkrediten für die Unternehmen in Deutschland herausgearbeitet. Abschließend wird dazu kurz auf die Kreditvergabepraxis eingegangen.
Im zweiten Teil steht die eigene empirische Untersuchung im Mittelpunkt. Nach einer Einführung in die Untersuchungsmethode werden die aufbereiteten Daten deskriptiv und analytisch untersucht. Die Analyse erfolgt mittels linearer Regression an verschiedenen Variablen, die das Einkommen und die Wertschöpfung der drei Sektoren der Volkswirtschaft repräsentieren.
Daraufhin werden Aussagen über die Kreditvergabe an Unternehmen sowie der Produktivität als eine wichtige Ursache von Finanzierungsbeschränkungen getroffen.
Zum Abschluss liefert das Fazit eine Zusammenfassung der Untersuchung und versucht einen Ausblick auf mögliche Folgen der Finanzierungsbeschränkungen zu geben.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| Teil I: Unternehmensumwelt und Kreditrationierung | 3 | |
| 2. | Der Kreditmarkt aus Sicht der Marktakteure | 3 |
| 2.1 | Bankkredite als Instrument der Außenfinanzierung eines Unternehmens | 3 |
| 2.2 | Kreditgeschäft aus Bankensicht | 5 |
| 2.2.1 | Unvollständigkeit des Kreditmarktes und Kreditrationierung | 6 |
| 2.2.2 | Auswege aus dem Rationierungsgleichgewicht | 7 |
| 2.3 | Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen | 10 |
| 3. | Kreditrationierung nach Risikogruppen | 11 |
| 3.1 | Das Modell von Jaffee und Stiglitz | 11 |
| 3.2 | Stand der Forschung zur Kreditrationierung nach dem Modell von Jaffee und Stiglitz | 12 |
| 3.2.1 | Empirische Untersuchungen zur Kreditrationierung | 13 |
| 3.2.2 | Kreditrationierung in Deutschland | 14 |
| 3.2.3 | Kreditvergabe aus angebotsseitiger Sicht in Deutschland und im Ost-West-Vergleich | 17 |
| 3.3 | Zwischenfazit zur Kreditrationierung | 20 |
| 4. | Bedeutung von Bankkrediten für den Mittelstand | 21 |
| 4.1 | Abgrenzung von kleinen und mittleren Unternehmen | 21 |
| 4.2 | Struktur des Mittelstandes | 23 |
| 4.2.1 | Wertschöpfung und Leistungsfähigkeit des deutschen Mittelstands | 23 |
| 4.2.2 | Einordnung Ostdeutschlands und Mecklenburg-Vorpommerns | 26 |
| 4.2.3 | Strukturvergleich zwischen den alten und neuen Bundesländern | 28 |
| 5. | Kreditvergabe an den Mittelstand in der Praxis – Risikobewertung und Branchenbeurteilung | 29 |
| 6. | Zwischenfazit zur Bedeutung von Bankkrediten für KMU | 32 |
| Teil II: Empirische Untersuchung | 33 | |
| 7. | Untersuchungsmethode | 33 |
| 7.1 | Datenpanel | 35 |
| 7.2 | Vorgehensweise | 35 |
| 8. | Analyse der empirischen Daten | 37 |
| 8.1 | Deskriptive Analyse | 38 |
| 8.2 | Ergebnisse der Schätzungen | 41 |
| 8.2.1 | Schätzung I | 41 |
| 8.2.2 | Schätzung II | 46 |
| 8.2.3 | Schätzung III | 51 |
| 9. | Finanzierungsbeschränkungen in der Ergebnisbetrachtung | 54 |
| 10. | Fazit und Ausblick | 55 |
Textprobe:
Kapitel 3.2.3, Kreditvergabe aus angebotsseitiger Sicht in Deutschland und im Ost-West-Vergleich:
Im Jahre 1998 veröffentlichten Lindner-Lehmann et al. eine Untersuchung der Kreditvergabe an Unternehmen in Deutschland. Dabei wird in einem Teil auch ein Vergleich zwischen den neuen und alten Bundesländern vorgenommen. Dies ist insbesondere für das Land Mecklenburg-Vorpommern von Bedeutung, da Rückschlüsse auf die Kreditvergabe in Verbindung mit der empirischen Untersuchung vorgenommen werden können.
Im Gegensatz zu der Analyse von Winker steht bei Lindner-Lehmann et al. die Kreditwürdigkeitsprüfung im Mittelpunkt der Betrachtung . Außerdem werden die erforderlichen Daten aus eigens entwickelten Fragebögen ermittelt. Daraus lässt sich ableiten, dass Lindner-Lehman et al. eine personenbezogene Analyse der Angebotsseite vorgenommen haben. Wie bereits angedeutet ist dies im Rahmen einer Untersuchung wie Winker sie durchgeführt hat eine schwierige Aufgabe. Daher ist auch die starke Eingrenzung auf die Organisation und den Ablauf der Kreditwürdigkeitsprüfung nachvollziehbar auch wenn eine Entfernung vom Modell der Kreditrationierung dafür in Kauf genommen werden muss.
In einem ersten Teil wird der Gegenstand der Informationsasymmetrie untersucht. Dabei wird festgestellt, dass die Auskunftsbereitschaft der Unternehmen über wesentliche Einflussgrößen insgesamt gut ist. Lediglich in der Beurteilung über die Marktentwicklung besteht demnach ein Informationsvorsprung auf Seiten des Kreditnehmers . Weiterhin stellen Lindner-Lehmann et al. einen Zusammenhang zwischen der Auskunftsbereitschaft und der Bonität der Kreditnehmer fest. Danach geht gute Bonität mit hoher Auskunftsbereitschaft einher. Beide Ergebnisse bestätigen wiederum die Existenz der Informationsasymmetrie sowie der daraus resultierenden Kreditrationierung in Abhängigkeit des Risikos. In Verbindung mit dem Ergebnis von Winker, wonach ein negativer Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Kreditrationierung besteht, kann die Auskunftsbereitschaft von Unternehmern mit guter Bonität dahin gehend interpretiert werden, dass ein Zusammenhang mit gleichem Vorzeichen existiert, da Größe und Bonität miteinander verknüpft sind.
In demselben Teil der Untersuchung wird über die Auskunftsbereitschaft hinaus nach Dauer und Enge einer Geschäftsbeziehung zwischen Unternehmen und Kreditinstitut gefragt. Dabei wird vor allem die bedeutende Rolle der Hausbankbeziehung deutlich. Diese ergibt sich als eine Folge des persönlichen Kontakts bei wiederholten Kreditgeschäften zwischen dem Unternehmer oder seines/r Repräsentanten mit dem Kundenbetreuer. Demnach unterhält über die Hälfte der Unternehmen eine enge Hausbankbeziehung.
Bei der Frage nach der Risikoübernahme durch den Kreditgeber stellen Lindner-Lehmann et al. fest, dass die ‘Person des Kreditnehmers’ in Ausübung ihrer Tätigkeit in der Vergangenheit dem Kreditinstitut in der Gegenwart Auskunft über seine Kompetenz und Seriosität geben und damit die Kreditvergabeentscheidung beeinflussen kann. Daneben gilt aber als wichtigste Sicherheit die Immobilie.
Neben diesen Feststellungen ist aber die Aussage über das Ausfallrisiko für die vorliegende Arbeit von großer Bedeutung. Lindner-Lehmann et al. finden ihre Erwartung bestätigt, nach der ein Unternehmen mit abnehmender Größe einen Kredit anteilsmäßig höher absichern muss. Dies bestätigt zum wiederholten Male, dass die Kreditvergabe an kleine Unternehmen riskanter ist, als an Großunternehmen.
Da es sich bei Lindner-Lehmann et al. um eine angebotsseitige Untersuchung handelt, wird auch eine Aussage darüber getroffen, ob der Bankentyp bei der Kreditvergabe eine Rolle spielt. Demnach sind die Sparkassen (einschließlich Landesbanken) und die Privatbanken in etwa gleichem Umfang für die Gruppe der KMU die bedeutenden Kreditgeber.
In dem von Lindner-Lehmann et al. vorgenommenen Vergleich der neuen mit den alten Bundesländern werden verschiedene Merkmale verglichen, von denen die für die vorliegende Arbeit wichtigsten vorgestellt werden. Die Ausgangslage der Kreditvergabe ist zum Ende des Untersuchungszeitraums noch stark durch die Wiedervereinigung geprägt. Dies wirkt sich auch auf die Kreditvergabe aus, da vergangenheitsbezogene Informationen über die Unternehmen nicht vorlagen und zu entsprechender Zinssetzung der Kreditinstitute geführt haben.
So stellen Lindner-Lehmann et al. fest, dass sich die fachliche Kompetenz der Unternehmensführung in Ost und West auf gleich hohem Niveau bewegt, es aber in der Dauer der Geschäftsbeziehungen Unterschiede gibt und dreiviertel der Erstanträge in den neuen Bundesländern bei großen Privatbanken eingegangen ist, gegenüber der Hälfte in den alten Bundesländern. Aufgrund der zum Untersuchungszeitraum noch fehlenden Vertrauensbasis ist die Sicherheitsforderung an ostdeutsche Unternehmen deutlich höher als an westdeutsche. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Kredite in den neuen Ländern z.T. ganz andere Verwendungszwecke haben als in den alten Ländern. Es sind größtenteils Neuinvestitionen, die zu einer höheren Risikobewertung durch die Kreditinstitute geführt haben. Dies bestätigt auch der von Lindner-Lehmann et al. festgestellte höhere Zinssatz in den neuen Ländern.
3.3, Zwischenfazit zur Kreditrationierung:
Auf Grundlage des Modells von Jaffee und Stiglitz wurde Kreditrationierung als mikroökonomisches Phänomen erklärt und in Anschluss daran anhand verschiedener empirischer Arbeiten ein Einblick gegeben, wie einerseits das Modell empirisch bestätigt werden konnte, andererseits die Kreditrationierung in der Realität aussieht. Mit dem Ost-West-Vergleich von Lindner-Lehmann et al. wurde aber vom Bezug zum Modell abgewichen, da es sich um eine Analyse aus angebotsseitiger Perspektive handelt. Vielmehr stehen hier die Erkenntnisse über die Situation der Kreditvergabe in Ostdeutschland im Fokus. Weitere Arbeiten gehen sehr stark abgegrenzten Fragestellungen nach, bestätigen aber im Wesentlichen die Existenz von Informationsasymmetrie, die als Risikogröße den Zinssatz maßgeblich mitbestimmt.
Die Informationsasymmetrie ist somit die Haupteinflussgröße der Kreditvergabe. Je weniger über vergangenheitsbezogene Daten, Auskünfte über die kaufmännische Kompetenz des Unternehmers und Erwartungen der Unternehmer über die Zukunft bekannt ist, desto eher wird ein Kredit rationiert. Dies ist intuitiv für Ostdeutschland und speziell für das Land Mecklenburg-Vorpommern nachvollziehbar. Trotz der im Bundesvergleich etwa ähnlichen Branchenstruktur scheinen Informationsasymmetrie neben einer geringen Eigenkapitaldecke Hauptgründe für Kreditrationierung zu sein. Diese sind beispielsweise im geringen Alter der Unternehmen begründet, das nur einen Teil struktureller Probleme repräsentiert.
Im Gegensatz zu früheren Arbeiten ist es heutzutage möglich auf zahlreiche statistische Erhebungen zurückzugreifen, die eine umfassende Analyse der Angebots- und Nachfrageseite zulassen. Insbesondere die Institutionen Bundesbank und Kreditanstalt für Wiederaufbau liefern umfangreiches Zahlenmaterial für die Bundesrepublik Deutschland. In der aktuellen Forschungslandschaft werden daher die Daten zur Kreditvergabe meist mit realökonomischen Fragestellungen verknüpft und nicht als eine alleinige Einflussgröße der wirtschaftlichen Situation behandelt. Dennoch ist es durchaus sinnvoll, Untersuchungen bezüglich der Kreditrationierung weiterhin durchzuführen, da somit Vergleiche mit Ergebnissen aus der Vergangenheit zeigen können, welche Einflussgrößen der Kreditvergabe sich im Zeitablauf in welcher Form verändert haben.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842819221
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Schlagworte:
Unternehmensfinanzierung, Kredit, Ostdeutschland, Finanzierungsbeschränkung, Kreditvergabe



