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Finanzierung von KMU unter steuerlichen Aspekten

Finanzierung von KMU unter steuerlichen Aspekten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Natalja Michel
  • Abgabedatum: Februar 2009
  • Umfang: 71 Seiten
  • Dateigröße: 375,3 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Duisburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 89
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4838-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Michel, Natalja Februar 2009: Finanzierung von KMU unter steuerlichen Aspekten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: KMU, Finanzierungsformen, Lebenszyklus, Steuer, Selbstfinanzierung

Diplomarbeit von Natalja Michel

Einleitung:

Die Finanzkrise, die sich zu einer allgemeinen Wirtschaftskrise ausgeweitet hat, stellt Unternehmen vor erhebliche Schwierigkeiten. Der Absatz der Waren bricht ein, der Umsatz ist rückläufig. Überkapazitäten füllen die Lager, hohe laufende Kosten, die nicht unmittelbar der verringerten Nachfrage angepasst werden können, stellen die Unternehmen vor erhebliche Probleme. Hinzukommt, dass die Kreditvergabepraxis der Banken als Folge der Finanzkrise deutlich restriktiver geworden ist und damit für Unternehmen eine Finanzierung immer schwieriger wird. Ein Ende der Krise ist nicht absehbar. Eine Besserung wird frühestens für 2010 erwartet. Außerdem wird eine große Anzahl von Insolvenzen befürchtet. Von dieser Entwicklung sind nicht nur große, international agierende Unternehmen sondern auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) betroffen.

Die politische Diskussion könnte zwar den Eindruck entstehen lassen, dass die deutsche Wirtschaft von den DAX 30-Unternehmen getragen wird. Dem ist jedoch nicht so. Für die deutsche Wirtschaft nehmen die KMU eine zentrale Bedeutung ein. Sie erzielen 43,2 Prozent der steuerlichen Umsätze und beschäftigen rund 70 Prozent aller Arbeitnehmer.

Deshalb sah sich der Gesetzgeber bereits vor der Finanzkrise verpflichtet, die Existenz der KMU zu sichern. Die Finanzierung von KMU soll nicht durch zusätzliche finanzielle Belastungen erschwert, sondern durch einzelne Entlastungsnormen gefördert werden.

Allerdings gibt es für KMU, die im Englischen als die ‘Small and Mediumsized Enterprises’ (SME) bezeichnet werden, keine einheitliche, allgemeingültige Definition. Je nach Betrachtungsweise wird der KMU Begriff unterschiedlich ausgelegt und verwendet.

Angesichts der Auswirkungen der Finanzkrise sind Finanzierungsfragen auch für KMU besonders wichtig und dringend geworden, da von diesen in wirtschaftlich schweren Zeiten die Existenz der KMU abhängt.

Diese Arbeit untersucht die Finanzierungsmöglichkeiten von KMU unter steuerlichen und weiteren Gesichtspunkten. Dabei werden zunächst die häufig verwendeten Definitionen der KMU, die in der Praxis vorzufinden sind, untersucht. Anschließend wird unter Finanzierungsgesichtspunkten ein KMU Begriff abgeleitet.

Auf der Grundlage der gefundenen Definition wird des Weiteren untersucht, welche Finanzierungsmöglichkeiten für die KMU generell bestehen. Diese werden zunächst systematisch dargestellt. Anschließend werden die Finanzierungsschwierigkeiten aufgezeigt, die sie sich in der Praxis für KMU ergeben.

Sodann werden die steuerlichen Folgen der beiden wichtigsten Finanzierungsmöglichkeiten (Selbst- und Kreditfinanzierung) betrachtet. Zuerst wird allgemein untersucht, welcher Steuereinfluss bei den Finanzierungsentscheidungen besteht. Anschließend werden die Vor- und Nachteile, die durch die gewählten Finanzierungsformen aus steuerlicher Sicht für die KMU bestehen, aufgezeigt.

Steuerliche Fragen nehmen zwar eine wichtige Rolle bei Finanzierungsentscheidungen ein. Allerdings müssen auch andere Aspekte berücksichtigt werden, auf die ebenfalls näher eingegangen wird. Abschließend wird ein Fazit über geeignete Finanzierungsmöglichkeiten und deren steuerliche Auswirkungen gezogen.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
2. Definition von KMU 3
2.1 Häufig verwendete Definitionen 4
2.1.1 Definition des § 267 HGB 4
2.1.2 Definition der Europäischen Kommission 6
2.1.3 Definition des IfM 7
2.2 Eigene Definition von KMU unter dem Gesichtspunkt der Finanzierung 8
3. Finanzierung und mögliche Finanzierungsformen von KMU 13
3.1 Mögliche Finanzierungsformen 13
3.1.1 Außen- und Innenfinanzierung 14
3.1.2 Eigen- und Fremdfinanzierung 15
3.2 Kombinationen der möglichen Finanzierungsformen 16
3.2.1 Kombination aus Eigen- und Innenfinanzierung: Selbstfinanzierung 16
3.2.2 Kombination aus Außen- und Eigenfinanzierung: Beteiligungsfinanzierung 18
3.2.3 Kombination aus Fremd- und Innenfinanzierung: Rückstellungsfinanzierung 20
3.2.4 Kombination aus Außen- und Fremdfinanzierung: Kreditfinanzierung 22
3.3 KMU Finanzierung anhand eines Lebenszyklus 23
3.3.1 Gründungs- und Wachstumsphase 24
3.3.2 Reifephase 25
3.3.3 Degenerationsphase 26
3.4 Empirischer Befund der KMU Finanzierung 27
3.4.1 Frühjahrsumfrage 2008 - empirische Daten und deren Interpretation 27
3.4.2 Bericht der deutschen Bundesbank zur Kreditfinanzierung 28
3.4.3 Zwischenergebnis 29
4. Selbstfinanzierung 30
4.1 Besteuerung von Unternehmen 30
4.1.1 Rechtsformabhängige Besteuerung 31
4.1.2 Offene gegenüber stiller Selbstfinanzierung 33
4.1.3 Regelung nach § 6 b EStG und die Bedeutung für KMU 37
4.1.4 Regelung nach § 34 a EStG und die Bedeutung für KMU 39
4.2 Beurteilung der offenen im Vergleich zur stillen Selbstfinanzierung 40
4.3 Beurteilung der Selbstfinanzierung gegenüber der Außenfinanzierung 42
5. Kreditfinanzierung 44
5.1 Steuerliche Gesichtspunkte der Kreditfinanzierung 45
5.1.1 Regelung nach § 4 h EStG 45
5.1.2 Ausnahmeregelungen zur Zinsschranke 47
5.1.3 Regelung nach § 8 a KStG 49
5.1.4 Beurteilung der Kreditfinanzierung aus steuerlicher Sicht 50
5.2 Andere Überlegungen zur Kreditfinanzierung 51
5.2.1 Folgen von Basel II 52
5.2.2 Rating 53
5.2.3 Bedeutung der Eigenkapitalquote 55
5.2.4 Verbesserung der Eigenkapitalquote 56
5.2.5 Beurteilung der Kreditfinanzierung unter anderen Gesichtspunkten 57
6. Fazit 58
Literaturverzeichnis 60

Textprobe:

Kapitel 2.2, Eigene Definition von KMU unter dem Gesichtspunkt der Finanzierung:

In dem folgenden Kapitel wird eine zweckorientierte Definition der KMU unter Finanzierungsgesichtspunkten abgeleitet. Als Hilfestellung werden die bereits gewonnenen Erkenntnisse der in der Praxis verwendeten Definitionen herangezogen.

Wie bereits festgestellt wurde, existiert für KMU keine gesetzliche oder einheitliche Definition. Für Finanzierungsfragen ist es jedoch wichtig, den Begriff KMU von anderen Unternehmen abzugrenzen. Die Abgrenzung der KMU soll dabei zu Großunternehmen vorgenommen werden, d. h. eine Abgrenzung nach ‘oben’ erfolgen.

Beide Definitionen sowohl der EU als auch des IfM-Bonn stellen auf die Beschäftigtenzahl ab. Nach der EU liegt die Grenze bei 250 und nach IfM-Bonn bei 500 Beschäftigten.

Die Beschäftigtenzahlen, die aus statistischen Daten erhoben werden, können meiner Meinung nach nicht zur Abgrenzung der KMU gegenüber großen Unternehmen unter Finanzierungsgesichtspunkten verwendet werden.

Ein weiteres Argument, das gegen die Bezugsgröße der Beschäftigtenzahl spricht, ist, dass die statistischen Daten nichts über den Größenklassenwechsel von KMU zur Großunternehmen oder umgekehrt aussagen. Laut der IfM-Bonn Definition gilt das Unternehmen als Großunternehmen bei 501 Beschäftigten. Entlässt das Unternehmen zwei Mitarbeiter, so gehört das Unternehmen mit 499 Beschäftigten bereits der KMU an. Ein Abstellen auf die Beschäftigtenzahl erscheint damit unter Finanzierungsgesichtspunkten willkürlich. Die Beschäftigtenzahl verliert auch im Zuge des technischen Fortschritts, also der Möglichkeit, Arbeitskräfte durch Maschinen zu ersetzen, ihre Aussagekraft bezüglich des Größenmerkmals eines Unternehmens. Auf die Anzahl der Beschäftigten kann es daher für die Abgrenzung der KMU von Großunternehmen nicht ankommen.

Letztlich zeigt sich die Beliebigkeit dieses Kriteriums auch bei den Definitionen der EU und des IfM, die hier stark voneinander abweichen. Die Beschäftigtenzahl wird deshalb für die hier verwendete Definition nicht berücksichtigt.

Von Interesse sind dagegen Kennzahlen, wie der Umsatz, die die Leistungserfüllung eines Unternehmens wiedergeben.

Die Umsatzzahl ist eine klar umrissene Größe, die die Summe der Verkaufserlöse der Produkte oder Dienstleistungen innerhalb einer bestimmten Zeitspanne angibt. Die Umsatzzahlen stehen dem Unternehmen jederzeit zu Verfügung und sind leicht zu ermitteln. Das Abstellen auf die Umsatzzahl ist damit ein klares und leicht handhabbares Kriterium, das die wirtschaftliche Größe eines Unternehmens anzeigt und daher auch hier verwendet werden soll.

Sowohl die EU Kommission als auch die IfM-Bonn gehen von gleichem Umsatz von 50 Mio. Euro für die Abgrenzung der KMU zu Großunternehmen aus. Dieser Wert soll daher auch hier verwendet werden.

Die EU Kommission stellt weiterhin auf die Jahresbilanzsumme von 43 Mio. Euro ab. Eine Jahresbilanzsumme bezieht sich auf die Hauptvermögensgegenwerte eines Unternehmens und ist laut EU-Kommission nicht unbedingt einzuhalten. Vielmehr wird KMU ein Wahlrecht zwischen den Schwellenwerten von Umsatz und Jahresbilanzsumme eingeräumt. Da die Jahresbilanzsumme nicht unbedingt zu beachten ist, soll hier aus Vereinfachungsgründen lediglich auf die Umsatzzahlen abgestellt werden und diese zur Abgrenzung der KMU von Großunternehmen verwendet werden. Die Jahresbilanzsumme wird für die folgende Definition vernachlässigt.

Allein die Umsatzzahl besitzt jedoch nur eine begrenzte Aussagekraft bezüglich der Besonderheiten der KMU. Die qualitativen Kriterien dagegen analysieren das Verhalten und den Charakter eines Unternehmens. Für Finanzierungszwecke ist es deshalb wichtig, die KMU nicht eindimensional sondern als eine Kombination aus beiden Kriterien zu definieren, und damit sowohl die Größe als auch das Wesen der KMU zu erfassen.

Bei qualitativen Kriterien steht im Vordergrund die Personenbezogenheit, d. h. die enge Bindung der Eigentümer an das eigene Unternehmen. Dieses Verhalten äußert sich in dem ausgeprägten Unabhängigkeitsstreben vieler KMU und der daraus resultierenden Wahl der Rechts- und Finanzierungsformen. Bis zu 70 Prozent der KMU sind Einzelunternehmen, im Übrigen werden die Formen der GmbH und der offenen Handelsgesellschaft bevorzugt.

Die Form der AG spielt dagegen eine untergeordnete Rolle, da gerade 0,2 Prozent der KMU - nach der IfM-Definition - sich für diese Form entscheiden. In diesem Zusammenhang ist ein weiteres Merkmal der qualitativen Kriterien erkennbar und zwar die mangelnde Emissionsfähigkeit, welche auf das Unabhängigkeitsstreben der KMU zurückzuführen ist.

Für die vorliegende Arbeit ist die Definition der KMU deshalb auf die Unternehmen beschränkt, die nicht emissionsfähig sind und damit keinen Zugang zur Börse haben. Damit fallen Aktiengesellschaften aus der hier verwendeten Definition von KMU heraus, da diese über die Börse weitergehende Finanzierungsmöglichkeiten haben und damit für solche Unternehmen die Finanzierungssituation anders aussieht.

Daneben soll für die hier verwendete Definition auch das von der EU-Kommission eingeführte Unabhängigkeitskriterium beibehalten werden. Das Unabhängigkeitskriterium stellt einerseits auf die rechtliche und wirtschaftliche Selbstständigkeit der KMU von Großunternehmen (nicht mehr als 25 Prozent Beteiligung von Großunternehmen) und andererseits auf die enge Verbindung zwischen den Eigentümern und dem Unternehmen ab. In diesem Zusammenhang wird von Identität zwischen Eigentum und Risiko gesprochen. Diese Aspekte nehmen bei Finanzierungsfragen eine entscheidende Rolle ein und dürfen nicht vernachlässigt werden.

Im Ergebnis sollen im Rahmen dieser Arbeit KMU als Unternehmen definiert werden, die nicht mehr als 50 Mio. Euro Umsatz ausweisen, keine Aktiengesellschaft sind und das Unabhängigkeitskriterium der EU Definition erfüllen.

Eine konkrete Abgrenzung zwischen kleinen und mittleren Unternehmen wird hier nicht weiterverfolgt, da beide unmittelbar unter die Definition fallen und damit eine weitergehende Differenzierung bedeutungslos wäre.

Auch eine Abgrenzung nach ‘unten’ ist nicht erforderlich, da Kleinstunternehmen sich nicht sinnvoll von kleinen Unternehmen abgrenzen lassen und daher auch von der EU Definition und nach der IfM Definition Kleinstunternehmen und kleine Unternehmen gleich behandelt werden.

Für die Untersuchung der Finanzierungsmöglichkeiten von KMU ist es vielmehr wichtig, diese von Großunternehmen abzugrenzen, um die dominanten Finanzierungsformen festzustellen.

Auf der Grundlage dieser Definition der KMU werden nun im Folgenden verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten untersucht.

Arbeit zitieren:
Michel, Natalja Februar 2009: Finanzierung von KMU unter steuerlichen Aspekten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
KMU, Finanzierungsformen, Lebenszyklus, Steuer, Selbstfinanzierung

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