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Die Finanzierung von Gesundheitssystemen unter den Aspekten von Managed Care

Vergleich der Vereinigten Staaten von Amerika, Bundesrepublik Deutschland und Republik Österreich

Die Finanzierung von Gesundheitssystemen unter den Aspekten von Managed Care
Über dieses Buch

Magisterarbeit von Denisa Vasilica Marisescu

Einleitung:

In erster Linie ist es auf historische und kulturelle Begebenheiten zurückzuführen, dass es zur Diversifikation der Gesundheitssysteme kam. Trotz ihrer Unterschiede müssen sie sich ähnlichen Herausforderungen stellen. In jedem System trägt der demografische Wandel, der Anstieg chronischer Erkrankungen, die Entwicklung von Medikamentenkosten, der medizinisch-technische Fortschritt etc. auf die eine oder andere Weise zum Kostenanstieg bei. Das österreichische Gesundheitswesen stellt in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar und muss in Zukunft diese und weitere Herausforderungen bewältigen.

Die Lösungsansätze, die zum Ziel der langfristigen Finanzierung des Gesundheitsystems führen, sind vielfältig. Einer von ihnen ist der Weg des Wettbewerbs. Der wissenschaftliche Beirat des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie geht davon aus, dass die Schaffung von wettbewerblichen Strukturen grundsätzlich zur Verringerung von Über-, Unter- und Fehlversorgung führen kann. Im wettbewerblichen Umfeld ist das Konzept Managed Care, das auf eine effiziente Steuerung der Kosten und der Qualität im Gesundheitswesen abzielt, entstanden. Vor diesem Hintergrund wurde das Thema dieser Arbeit entwickelt: ‘Die Finanzierung von Gesundheitssystemen unter den Aspekten von Managed Care’. Den zentralen Fokus bildet das österreichische Gesundheitswesen. Ziel der Arbeit ist die Beantwortung der Frage, ob Managed Care - Ansätze in Österreich vorzufinden sind und wenn ja, wie diese implementiert wurden. Bevor dieser Punkt in Kapitel sechs näher erläutert wird, werden in den vorausgehenden Kapiteln jene Grundlagen und Grundbegriffe, die zum Gesamtverständnis des Themas von essentieller Bedeutung sind, herausgearbeitet.

Das zweite Kapitel befasst sich mit der Kategorisierung von Gesundheitssystemen nach Finanzierungsquellen, mit den Gründen des Reformbedarfs im österreichischen Gesundheitswesen sowie mit dem Wettbewerb innerhalb des Gesundheitswesens. Da seit der Etablierung von Managed Care eine grosse Anzahl von Fachliteratur verfasst wurde, zielt das dritte Kapitel darauf ab, eine Übersicht der Managed Care-Landschaft beschreibend wiederzugeben.

Das US-amerikanische Gesundheitssystem, das als Geburtsstätte des Managed Care angesehen wird, ist Hauptthema des vierten Kapitels. Dargestellt werden die Umsetzung sowie die Auswirkungen dieses Konzepts für das amerikanische System. Die relative Systemnähe des deutschen Gesundheitswesens zum österreichischen und die eingeleiteten Reformen der letzten Jahre waren ausschlaggebend für die Gestaltung des fünften Kapitels. Die Schlussfolgerungen der Arbeit können dem siebten Kapitel entnommen werden.

Inhaltsverzeichnis:

I. Vorwort I
II. Inhaltsverzeichnis II
III. Tabellenverzeichnis VI
IV. Abbildungsverzeichnis VII
V. Abkürzungsverzeichnis VIII
1. Einleitung 1
2. Gesundheitssysteme, Reformbedarf, Wettbewerb 3
2.1 Gesundheitssysteme nach Finanzierungsquellen 3
2.1.1 Das staatliche Gesundheitssystem (Beveridge-Modell) 4
2.1.2 Das Sozialversicherungssystem (Bismarck-Modell) 6
2.1.3 Das privatwirtschaftliche Versicherungssystem 8
2.2 Reformbedarf-Fokus Österreich 10
2.2.1 Entwicklung der Gesundheitsausgaben Österreichs 10
2.2.1.1 Österreich im internationalen Vergleich 10
2.2.1.2 Österreich auf nationaler Ebene 11
2.2.2 Ursachen des Finanzierungsproblems 12
2.2.2.1 Beitragseinnahmenerosion 13
2.2.2.2 Medikamentenkostenentwicklung 14
2.2.2.3 Technologischer Wandel 15
2.2.2.4 Demografische Entwicklung 17
2.3 Der Wettbewerb auf dem Gesundheitsmarkt 20
2.3.1 Besonderheiten des Gesundheitsmarktes 20
2.3.1.1 Öffentliche Güter und Externalitäten 21
2.3.1.2 Informationsasymmetrien 21
2.3.1.3 Verteilungsungerechtigkeit 21
2.3.2 Wettbewerb im System der Sozialversicherung 22
2.3.2.1 Wettbewerb der Krankenkassen um Versicherte-Versicherungsmarkt 23
2.3.2.2 Wettbewerb der Leistungserbringer um Patienten-Behandlungsmarkt 24
2.3.2.3 Wettbewerb der Leistungserbringer und Krankenkassen-Leistungsmarkt 24
2.3.2.4 Ausschnitt aus dem derzeitigen Wettbewerb in der sozialen Krankenversicherung 25
2.3.2.5 Ergebnisse des Wettbewerbs in der sozialen Krankenversicherung 25
3. Managed Care 28
3.1 Definition von Managed Care 28
3.2. Die Entstehung von Managed Care 29
3.3 Managed Care-Organisationen, Managed Care-Instrumente und Beteiligte 30
3.4 Managed Care-Organisationen 31
3.4.1 Versicherungsorientierte Managed Care-Organisationen 32
3.4.1.1 Health Maintenance Organizations 32
3.4.1.2 Point-of-Service-System 34
3.4.2 Anbieterorientierte Managed Care-Organisationen 34
3.4.2.1 Prefered Provider Organization 34
3.4.2.2 Provider Sponsored Organization 35
3.4.2.3 Networks 35
3.4.2.4 Integrated Delivery System 35
3.4.2.5 Physicians Hospital Organization 36
3.4.3 Institutionen im Managed Care 36
3.5 Managed Care-Instrumente 36
3.5.1 Instrumente zur Steuerung auf der Anbieterseite 37
3.5.1.1 Vertragsgestaltung-Selektives Kontrahieren 37
3.5.1.2 Vergütungssysteme 37
3.5.1.3 Vergütungsformen ambulant erbrachter Leistungen 38
3.5.1.4 Vergütungsformen stationär erbrachter Leistungen 39
3.5.2 Instrumente zur Steuerung auf der Nachfrageseite 40
3.5.2.1 Vertragsgestaltung vorvertraglicher Risiken 40
3.5.2.2 Vertragsgestaltung nachvertraglicher Risiken 40
3.5.2.3 Monitoring-oder Kontrollinstrumente 41
3.5.3 Instrumente der Qualitäts- und Kostensteuerung 41
3.5.3.1 Verbesserung der Koordination und Kontrolle der Leistungsgestaltung 41
3.5.3.2 Qualitäts- und Kostensteuerung auf der Seite der Leistungserbringer 42
3.6 Auswirkung-Managed Care 46
4. Vereinigte Staaten von Amerika 48
4.1 Entwicklung und Struktur des Gesundheitssystems 48
4.2 Systeme der Krankenversicherung 49
4.2.1 Staatliche Versicherungsprogramme 51
4.2.1.1 Medicare 51
4.2.1.2 Medicaid 51
4.2.2 Reine Privatversicherung 52
4.2.3 Nichtversicherte 53
4.3 Ausgaben und Finanzierung des Gesundheitssystems 54
4.3.1 Entwicklung der Ausgaben 55
4.3.2 Entwicklung der Ausgaben nach Leistungungsarten 56
4.3.3 Ursachen für die Entwicklung der Ausgaben 57
4.3.4 Finanzierung der Ausgaben 58
4.3.5 Die künftige Entwicklung der Ausgaben 59
4.3.6 Strategien zur Kosteneindämmung 60
4.4 Managed Care-private und staatliche Pläne 60
4.4.1 Managed Care-private Pläne 60
4.4.2 Managed Care-staatliche Pläne 64
4.4.2.1 Medicare 64
4.4.2.2 Medicaid 66
4.5 Auswirkung Managed Care 68
4.5.1 Kosteneffizienz von Managed Care 68
4.5.2 Qualität im Managed Care 69
4.5.3 Zufriedenheit der Patienten 71
4.5.4 Zufriedenheit der Leistungserbringer 71
4.6 Zukunft und Trends 72
5. Deutschland 75
5.1 Entwicklung und Struktur des Gesundheitssystems 75
5.2 System der Krankenversicherung 76
5.3 Ausgaben und Finanzierung 77
5.3.1 Entwicklung der Ausgaben 78
5.3.2 Entwicklung der Ausgaben nach Leistungen 79
5.3.3 Finanzierung der Ausgaben 79
5.3.4 Strukturreformen im deutschen Gesundheitssystem 81
5.4 Managed Care im deutschen Gesundheitssystem 81
5.4.1 Managed Care-Besondere Versorgungsformen 82
5.4.1.1 Strukturverträge nach § 73a SGB V 83
5.4.1.2 Modellvorhaben nach §§ 63-65 SGB V 83
5.4.1.3 Hausarztzentrierte Versorgung § 73 b SGB V 84
5.4.1.4 Besondere ambulante ärztliche Versorgung § 73 c SGB V 85
5.4.1.5 Integrierte Versorgung § 140 a-h SGB V 85
5.4.1.6 Strukturierte Behandlungsprogramme (§ 137 g SGB V) 86
5.4.2 Einsatz von Managed Care-Instrumenten 86
5.4.2.1 Instrumente der Steuerung auf der Anbieterseite 87
5.4.2.2 Instrumente zur Steuerung auf der Nachfrageseite 89
5.4.2.3 Instrumente der Qualitäts- und Kostensteuerung zur Verbesserung der Koordination und Kontrolle der Leistungsgestaltung 90
5.4.2.4 Instrumente der Qualität- und Kostensteuerung auf der Seite der Leistungserbringung 91
5.5 Auswirkung der Managed Care-Elemente 93
5.5.1 Auswirkung-Krankenkassen 94
5.5.2 Auswirkungen-Wettbewerb 95
5.5.3 Auswirkung-Versicherte 95
5.5.4 Auswirkung-neue Versorgungsformen 96
5.6 Zukunft und Trends 99
6. Österreich 101
6.1 Entwicklung und Struktur des Gesundheitssystems 101
6.2 System der Krankenversicherung 102
6.3 Ausgaben und Finanzierung 104
6.3.1 Entwicklung der Ausgaben 104
6.3.2 Finanzierung der Ausgaben 107
6.3.3 Fragmentierung des Finanzierungsystems 109
6.3.4 Reformen im österreichischen Gesundheitssystem 110
6.4 Managed Care im österreichischen Gesundheitssystem 112
6.4.1 Managed Care-Perspektiven-Reformpool-Projekte 112
6.4.2 Managed Care-Integrierte Versorgung 114
6.4.3 Einsatz von Managed Care-Instrumenten 116
6.4.3.1 Instrumente zur Steuerung auf der Anbieterseite 116
6.4.3.2 Instrumente zur Steuerung auf der Nachfrageseite 118
6.4.3.3 Instrumente der Qualitäts- und Kostensteuerung zur Verbesserung der Koordination und Kontrolle der Leistungsgestaltung 120
6.4.3.4 Instrumente der Qualität- und Kostensteuerung auf der Seite der Leistungserbringung 122
6.5 Auswirkung der Reformpool-Projekte und Managed Care-Elemente 127
6.5.1 Auswirkung der Reformpool-Projekte 127
6.5.2 Auswirkung Managed Care-Instrumente 130
6.5.2.1 Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung 130
6.5.2.2 Selbstbeteiligung 133
6.5.2.3 Disease Management-Programm ‘Therapie aktiv’ 133
6.5.2.5 Case Management 135
6.5.2.6 e-Card 138
6.6 Zukunft und Trends 142
7. Schlussfolgerungen 146
8. Quellenverzeichnis 151
8.1 Literatur 151
8.2 Literatur mit Online-Quelle 164
8.3 Online-Quellen 167
8.4 Schriftverkehr per Email 180
9. Anhang 181

Textprobe:

Kapitel 2.3, Der Wettbewerb auf dem Gesundheitsmarkt:

Bis zu einem bestimmten Grad erfährt fast jedes Gesundheitssystem weltweit einen staatlichen Eingriff. Völlig unregulierte Märkte im Gesundheitswesen sind daher sehr selten. Zwar werden die Lösungen des freien Marktes (Wettbewerb) für effizient gehalten, gültig ist das hingegen nicht für alle Wirtschaftsgüter.

‘Gibt es im Wirtschaftsbereich Gesundheitswesen Besonderheiten, die es verbieten, Markt- und Wettbewerb als Steuerungsprinzip ohne Weiteres einzusetzen, oder wird es Zeit die alten Zöpfe einer staatsinterventionistischen Regulierung des Gesundheitswesens endlich abzuschneiden ...’.

2.3.1, Besonderheiten des Gesundheitsmarktes:

In der Literatur wird auf zahlreiche mögliche Marktfehler im Gesundheitswesen hingewiesen, die zum Marktversagen führen. Ein Marktversagen liegt immer dann vor, wenn die Voraussetzungen des vollkommenen Marktes nicht erfüllt sind. Es muss gegeben sein, dass z.B. der Anbieter und Nachfrager unabhängig von einander handeln, dass der Nachfrager vollständig informiert ist und rational handelt, dass die Kosten und der Nutzen auf den jeweiligen Käufer und Verkäufer anfallen und nicht beim Dritten etc.

Folgende Vier sind die wichtigsten Marktfehler im Gesundheitsmarkt: Öffentliche Güter und Externalitäten, Informationsasymmetrien, Marktmacht und Verteilungsungerechtigkeit.

2.3.1.1, Öffentliche Güter und Externalitäten:

Die Kollektivguteigenschaft der öffentlichen Güter führen zu externen Effekten (Externalitäten). Das Kollektivgut oder öffentliche Gut zeichnet sich dadurch aus, dass jeder in der Gesellschaft dieselbe Einheit von diesem nutzen und dass niemand von dessen Nutzung augeschlossen werden kann. Daher entfallen Nutzen und Kosten auf Personen (Trittbrettfahrer), die mit der Kauf-/ Verkaufsentscheidung nichts zu tun haben. Als Beispiel kann die Impfung angeführt werden. Diese schützt nicht nur den Geimpften sondern auch jene Personen, die selbst keine erhalten haben.

2.3.1.2, Informationsasymmetrien:

Fehlende Markttransparenz und Konsumentensouveränität verhindern, dass die Marktteilnehmer ausreichend und in gleichem Maße informiert sind. Dieses beeinflusst das Arzt-Patienten-Verhältnis und steuert womöglich auf eine angebotsinduzierte Nachfrage und adverse Selektion zu. Bei der angebotsinduzierten Nachfrage wird die Nachfrage nach ärztlichen Leistungen durch den Leistungsanbieter aufgrund des Informationsvorsprungs erhöht fanden in ihrer Studie über die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen in der Europäischen Union Hinweise auf Marktversagen in den neuen EU-Mitgliedsländern. Weiter zeigt die Studie, dass eine hohe Arztdichte zu einer erhöhten Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen führt.

2.3.1.3, Verteilungsungerechtigkeit:

Ein Markt in dem Wettbewerb stattfindet, selektiert wer in den Genuß eines Gutes kommt und wer nicht. Das bedeutet, dass der Markt Personen benachteiligt oder bevorzugt. Zum Beispiel kann HIV-Infizierten und AIDS-Kranken die Behandlung verweigert werden, wenn die Betroffenen nicht dafür bezahlen können oder wollen. Hier differenziert der Markt, verteilt unterschiedlich Lebenschancen, wodurch Ungleichheiten verstärkt werden.

Die eben erwähnten Marktfehler zeigen, dass Markt- und Wettbewerbsprinzipien nur eingeschränkt einsetzbar sind. Der staatliche Eingriff beruht auf dem Gerechtigkeitsempfinden und im System der Sozialversicherung auf dem Solidaritätsprinzip. Gleichzeitig führt dieser Eingriff nicht notwendigerweise zu einer effizienteren Produktion. Trotz der genannten Besonderheiten kann Wettbewerb ein belebendes Element sein und die Wirtschaftlichkeit der Versorgung vorantreiben.

Arbeit zitieren:
Marisescu, Denisa Vasilica April 2010: Die Finanzierung von Gesundheitssystemen unter den Aspekten von Managed Care, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Managed Care, Österreichisches Gesundheitssystem, Deutsches Gesundheitssystem, Integrierte Versorgung, Amerikanisches Gesundheitssystem

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