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Finanzielles Risikomanagement in Industrieunternehmen

Externe Steuerung der Erfolgsrisiken

Finanzielles Risikomanagement in Industrieunternehmen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thorsten Fleischer
  • Abgabedatum: Februar 2009
  • Umfang: 83 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt Deutschland
  • Bibliografie: ca. 50
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2996-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Fleischer, Thorsten Februar 2009: Finanzielles Risikomanagement in Industrieunternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Risikomanagement, Finanzen, Risikoumfeld, Erfolgsrisiken, Industrie

Diplomarbeit von Thorsten Fleischer

Einleitung:

Das Risikomanagement eines Unternehmens ist ein komplexes System. Es befasst sich im Allgemeinen mit den Ursachen und dem Ausmaß möglicher Abweichungen von der Unternehmensplanung. Da die Zukunft nicht genau prognostizierbar ist und diese Unsicherheit stetig zunimmt, erhält das Risikomanagement eine immer größere Bedeutung. Um ein Verständnis für die exakte Funktionsweise des Risikomanagements zu bekommen, müssen zunächst die wichtigen Grundlagen dargestellt werden.

Begriffsdefinitionen:

Um den Aufbau und die Notwendigkeit des Risikomanagements verstehen zu können, sind im Vorfeld einige elementare Begriffe zu erläutern.

Risiko:

Das Risiko stellt schon seit längerem einen Betrachtungsgegenstand der Wirtschaftswissenschaften dar. Das Wort ‘Risiko’ stammt von dem italienischen Verb ‘riscare’ ab und bedeutet umgangssprachlich übersetzt so viel wie ‘etwas wagen’. Somit bedeutet Risiko nicht, einem Zustand hilflos ausgeliefert zu sein, vielmehr steht die Entscheidung für oder gegen ein Wagnis im Vordergrund. Unter Entscheidungen versteht man die Auswahl einer von mindestens zwei Handlungsalternativen, die dem Entscheidungsträger zur Umsetzung eines Ziels zur Verfügung stehen.

Abhängig von der individuellen und somit subjektiven (Risiko-) Wahrnehmung fällt die Einschätzung dessen, was Risiko ist, höchst unterschiedlich aus. Folglich sind auch zahlreiche unterschiedliche Risikodefinitionen zu finden, da der Risikobegriff jeweils vor dem Hintergrund einer bestimmten Problemstellung definiert wird. Allgemein wird Risiko im Unternehmen als die Möglichkeit der Gefahr von Verlusten in Folge der Geschäftstätigkeit, d.h. des negativen Abweichens der Unternehmensentwicklung von Plangrößen, verstanden. Wie in dieser Definition erkennbar, steht bei dem Begriff Risiko zumeist der negative Aspekt im Vordergrund. Ökonomisch sinnvoll ist es jedoch, sowohl positive als auch negative Abweichungen zu berücksichtigen. Grenzt man den Begriff ‘Risiko’ ein, so kann man zwischen ursachen- und wirkungsbezogenen Auffassungen unterscheiden:

Der ursachenbezogene Risikobegriff ergibt sich aus der Tatsache, dass sämtliche in einem Unternehmen anliegenden Entscheidungen in die Zukunft gerichtet sind. Durch diesen Zukunftsbezug unterliegen die Auswirkungen einer getroffenen Entscheidung einer gewissen Unsicherheit, da zukünftige Entwicklungen nahezu immer mehrdeutig sind. Der Entscheidungsträger verfügt somit über einen unvollkommenen Informationsstand, wodurch das Risiko für eine Wahrscheinlichkeitsverteilung der möglichen künftigen Entwicklungen steht.

Der wirkungsbezogene Risikobegriff setzt bei den mit einem Risiko verbundenen Konsequenzen an. In diesem Kontext kann man ein Risiko als die mögliche Gefahr einer ungünstigen Entwicklung interpretieren, d.h. es stellt sich im Nachhinein heraus, dass eine Entscheidung zu einer Zielverfehlung geführt hat. Im Rahmen dieser Risikodefinition können zwei unterschiedliche Risikoarten auftreten: Risiken, die ausschließlich negative Folgen für die Zielerreichung nach sich ziehen können, werden als reine bzw. asymmetrische Risiken bezeichnet. Dagegen werden Risiken, die sich sowohl positiv als auch negativ auswirken können, spekulative bzw. symmetrische Risiken genannt. Symmetrischen Risiken stehen immer unternehmerische Chancen gegenüber, beide sind mit einer unternehmerischen Entscheidung verbunden.

Ein sinnvolles Management von Risiken ist nur dann möglich, wenn quantifiziert werden kann, welche Bedrohung von dem jeweiligen Risiko für ein Unternehmen ausgeht. Der Grad der Bedrohung wird als Risikodringlichkeit bezeichnet. Die Dringlichkeit eines Risikos wird durch die Eintrittswahrscheinlichkeit sowie die Tragweite, d.h. dem Schadensausmaß der Zielverfehlung, bestimmt.

Risikomanagement:

Das Prinzip vom Wandel als einzige Konstante ist in der heutigen Zeit aktueller denn je. Aufgrund dessen blicken viele Unternehmen in eine ungewisse Zukunft und versuchen, dieser mit verschiedensten Methoden zu begegnen. Vor allem mit Hilfe eines systematischen Risikomanagement können die Unternehmen diese Unsicherheit bekämpfen und somit bewusster mit den daraus entstehenden Risiken umgehen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 2
Abbildungsverzeichnis 5
Abkürzungsverzeichnis 7
1. Grundlagen des Risikomanagements 8
1.1 Begriffsdefinitionen 8
1.1.1 Risiko 8
1.1.2 Risikomanagement 10
1.1.2.1 Bedeutung des Risikomanagements 10
1.1.2.2 Ziele des Risikomanagements 11
1.1.2.3 Notwendigkeit des Risikomanagements 12
1.2 Einführung des KonTraG 13
1.2.1 Neuregelungen für das Risikomanagement 14
1.2.1.1 Einrichtung eines Risikomanagementsystems 14
1.2.1.2 Darstellung der zukünftigen Risiken 15
1.2.1.3 Erweiterung der Abschlussprüfung 15
1.2.2 Ziele des KonTraG 16
1.3 Prozess des Risikomanagements 16
1.3.1 Risikoanalyse 17
1.3.1.1 Risikoidentifikation 18
1.3.1.2 Risikobewertung 18
1.3.2 Risikosteuerung 19
1.3.2.1 Risiko vermeiden 20
1.3.2.2 Risiko vermindern 20
1.3.2.3 Risiko überwälzen 20
1.3.2.4 Risiko selbst tragen 21
1.3.3 Risikoüberwachung 21
2. Finanzielles Risikomanagement 22
2.1 Treasury 22
2.2 Cash Management 23
3. Risikoumfeld in Unternehmen 24
3.1 Allgemeine Systematisierung der Risikoarten 24
3.2 Finanzwirtschaftliche Erfolgsrisiken 26
3.2.1 Marktpreisrisiken 26
3.2.1.1 Zinsänderungsrisiko 26
3.2.1.1.1 Bilanzielles Zinsänderungsrisiko 27
3.2.1.1.2 Wirtschaftliches Zinsänderungsrisiko 28
3.2.1.1.2.1 Festzinsrisiko 28
3.2.1.1.2.2 Variables Zinsänderungsrisiko 29
3.2.1.1.2.3 Marktwertänderungsrisiko 29
3.2.1.2 Währungsänderungsrisiko 29
3.2.1.2.1 Bildung von Wechselkursen 30
3.2.1.2.2 Einflussfaktoren auf die Wechselkurse 30
3.2.1.2.3 Translationsrisiko 32
3.2.1.2.4 Transaktionsrisiko 32
3.2.1.2.5 Ökonomisches Wechselkursrisiko 33
3.2.1.3 Commodity - Risiko 34
3.2.2 Kreditausfallrisiko 37
3.2.2.1 Bonitätsrisiko 37
3.2.2.2 Länderrisiko 38
4. Instrumente zur Messung der Erfolgsrisiken in Unternehmen 39
4.1 Sensitivitätsanalysen 39
4.1.1 Duration 40
4.1.2 Basis Point Value 41
4.1.3 Optionspreissensitivitäten 41
4.2 Szenarioanalysen 42
4.3 Statistische Szenarien 43
4.3.1 Value-at-Risk-Ansatz 43
4.3.1.1 Varianz - Kovarianz - Modell 44
4.3.1.2 Historische Simulation 45
4.3.1.3 Monte Carlo Simulation 47
4.3.2 Cash-Flow-at-Risk 48
5. Instrumente zur externen Steuerung der Erfolgsrisiken 50
5.1 Grundlagen von Derivaten 50
5.2 Steuerung des Zinsänderungsrisikos 51
5.2.1 Unbedingte Termingeschäfte 51
5.2.1.1 Forward Rate Agreement - FRA 51
5.2.1.2 Zinsfuture 53
5.2.1.3 Zinsswap 55
5.2.1.3.1 Absicherung von Finanzanlagen 55
5.2.1.3.2 Absicherung von Verbindlichkeiten 56
5.2.2 Bedingte Termingeschäfte 56
5.2.2.1 Zinscap 56
5.2.2.2 Zinsfloor 58
5.2.2.3 Zinscollar 59
5.2.2.3.1 Absicherung von Finanzanlagen 59
5.2.2.3.2 Absicherung von Verbindlichkeiten 59
5.2.2.4 Swaption 60
5.2.2.4.1 Payer-Swaption 61
5.2.2.4.2 Receiver - Swaption 61
5.3 Steuerung des Währungsänderungsrisikos 61
5.3.1 Devisen-Kassa-Geschäft 62
5.3.2 Devisentermingeschäft 62
5.3.2.1 Der Devisen-Forward 63
5.3.2.2 Devisenfuture 65
5.3.3 Währungsswap 65
5.3.4 Devisenswap 66
5.3.5 Devisenoption 67
5.3.5.1 Devisen-Call-Option 67
5.3.5.2 Devisen-Put-Option 68
5.4 Steuerung des Kreditrisikos 70
5.4.1 Credit Default Swap 70
5.4.2 Credit Spread Option 72
5.4.3 Total Return Swap 74
5.4.4 Credit Linked Notes 75
5.5 Steuerung der Erfolgsrisiken in der Praxis 76
5.5.1 Steuerung des Währungsänderungsrisiko 76
5.5.2 Steuerung des Zinsänderungsrisikos 76
5.5.3 Steuerung des Kreditausfallrisikos 77
5.5.4 Steuerung der Erfolgsrisiken bei der Lufthansa AG 77
Literaturverzeichnis 80
Online - Quellen - Verzeichnis 84

Textprobe:

Kapitel 3.2.2, Kreditausfallrisiko:

Nicht nur Banken tragen Kreditrisiken, auch Unternehmen sind davon betroffen: Jede Forderung hat grundsätzlich eine bestimmte Ausfallwahrscheinlichkeit. Im Allgemeinen treten solche Ausfälle im Geschäftsbetrieb eines Industrie- oder Handelsunternehmens sehr selten auf, sie sind jedoch im Falle des Eintritts mit enormen Verlusten verbunden. Gerade durch die geringe Eintrittswahrscheinlichkeit besteht die Gefahr, das Kreditrisiko zu unterschätzen.

Dass das Kreditrisiko eine reale Bedrohung für Industrieunternehmen darstellt, erkennt man am Beispiel der Swissair, die bis 2001 ein Traditionsunternehmen mit exzellentem Ruf darstellte. Dennoch wurde Swissair im Oktober 2001 zahlungsunfähig, worauf der weltweite Flugverkehr zusammenbrach und zahlreiche Aktionäre, Gläubiger und Geschäftspartner finanzielle Verluste hinnehmen mussten. Im Prinzip ist jedes Unternehmen dem Ausfallrisiko seiner Kunden bzw. Forderungsschuldner ausgesetzt. Unter diesem Risiko versteht man die Gefahr, dass die Forderungsschuldner aufgrund von Bonitätsverschlechterungen die zugesagten Zahlungen nicht oder nicht rechtzeitig erfüllen können.

Bonitätsrisiko:

Das Bonitätsrisiko beschreibt die Zahlungsfähigkeit eines Schuldners. Das Risiko drückt somit die Gefahr aus, dass der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen vorübergehend oder endgültig nicht mehr nachkommen kann. Aus dem Risikofaktor Bonität entstehen 3 verschiedenen Risikoformen:

Unter dem Pre-Settlement-Risiko versteht man den Ausfall eines Vertragspartners vor Vertragserfüllung. Hiermit verbunden ist das Eingehen eines Ersatzgeschäftes zu schlechteren Bedingungen.

Das Settlement-Risiko hingegen beschreibt die Gefahr, dass der Geschäftspartner ausfällt, nachdem die eigene Verpflichtung bereits erfüllt wurde. Dies tritt zum Beispiel nach einer Anzahlung an einen Lieferanten auf, der dann anschließend die vertraglich vereinbarte Gegenleistung nicht erbringt.

Desweitern existiert ein Vorleistungsrisiko. Dies tritt auf, wenn der eine Kontraktpartner ausfällt, obwohl der andere bereits Vorleistungen erbracht hat.

Länderrisiko:

Das Länderrisiko entsteht durch Geschäfte mit anderen Ländern, aus welchen danach auch die Zahlung erfolgt. Das Länderrisiko kann in das politische und das wirtschaftliche Länderrisiko unterteilt werden.

Das politische Länderrisiko drückt die politisch bedingte Zahlungsunfähigkeit von Staaten aus. Laut Sperber ist dies meist durch landesinterne Probleme wie politische Instabilität, Unruhen oder durch einen Streik begründet. Aber auch externe Embargo- bzw. Blockademaßnahmen können zu Verlusten im Exportgeschäft führen.

Unter dem wirtschaftlichen Länderrisiko versteht man dagegen die Gefahr, dass ein Staat aufgrund mangelnder Währungsreserven die Fremdwährungsverpflichtungen seiner öffentlichen und privaten Haushalte nicht mehr erfüllen kann. Es gibt verschiedene Faktoren, anhand derer sich wirtschaftliche Länderrisiken ankündigen, z.B.:

- Die Wirtschaftslage.

- Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.

- Die Arbeitslosenquote.

- Die Inflationsrate.

- Die Zahlungsbilanz eines Landes.

Kreditinstitute sowie bekannte Rating-Agenturen führen regelmäßig eine professionelle Beurteilung der Länderrisiken durch, anhand der sich die Unternehmen orientieren können.

Arbeit zitieren:
Fleischer, Thorsten Februar 2009: Finanzielles Risikomanagement in Industrieunternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Risikomanagement, Finanzen, Risikoumfeld, Erfolgsrisiken, Industrie

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