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Finanzielle Öffnung von aufstrebenden Volkswirtschaften

Die internationale Integration Osteuropas vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise

Finanzielle Öffnung von aufstrebenden Volkswirtschaften
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Albrecht Wallraf
  • Abgabedatum: November 2009
  • Umfang: 60 Seiten
  • Dateigröße: 896,7 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Frankfurt School of Finance & Management Deutschland
  • Bibliografie: ca. 64
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-1306-9
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wallraf, Albrecht November 2009: Finanzielle Öffnung von aufstrebenden Volkswirtschaften, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Finanzielle Integration, Financial Contagion, Osteuropa, aufstrebend, Volkswirtschaft

Bachelorarbeit von Albrecht Wallraf

Einleitung:

Das Übergreifen von Finanzkrisen auf Volkswirtschaften ist in einer Welt der hochgradig integrierten und somit interdependenten nationalen Finanzsysteme intuitiv einleuchtend. Spätestens jedoch seit des Tequila-Effekts in Mexiko und der Südostasienkrise des vergangenen Jahrhunderts ist das Phänomen des Übertretens von Krisen zwischen Ländern ohne intensive direkte finanzwirtschaftliche Vernetzung bekannt und Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung.

Die Adaption der aktuellen, durch den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes induzierten Finanzkrise in den teilweise durchaus hochintegrierten aufstrebenden Volkswirtschaften Osteuropas scheint einem ähnlichen Muster zu folgen. Die Untersuchung der dafür relevanten Rahmenbedingungen stellt das Thema der vorliegenden Bachelor-Thesis dar. Hierbei besteht das Ziel nicht darin, eine Analyse bzw. Abwägung über den volkswirtschaftlichen Nutzen und die Kosten der finanziellen Integration in den aufstrebenden Volkswirtschaften in Osteuropa anzufertigen. Vielmehr strebt die Arbeit an, wichtige Aspekte der für die Übertragung der andauernden Finanzkrise auf die osteuropäischen Transformationsstaaten relevanten Faktoren und Transmissionswege herauszuarbeiten.

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: In Abschnitt zwei werden, nach einer kurzen Erläuterung der volkswirtschaftlichen Gründe für eine Anbindung an das internationale Finanzsystem, zunächst die Charakteristika der Finanzsysteme der Region in Hinblick auf das Ausmaß und die Struktur ihrer internationalen Integration dargestellt. Schwerpunkte liegen diesbezüglich bei der Untersuchung des de-facto Öffnungsgrades der Kapitalkonten, der Engagements ausländischer Kreditinstitute sowie des Standes der externen Verschuldung vor dem Höhepunkt der US-Finanzmarktkrise. Anschließend wird in Teil drei mit der Darstellung sowohl modellorientierter als auch empirischer Arbeiten ein Überblick über wichtige Eckpunkte des akademischen Diskussionsstands zur Übertragung von Finanzkrisen auf aufstrebende Volkswirtschaften geboten. Der vierte Abschnitt behandelt anhand ausgewählter Aspekte das Übertreten der andauernden Finanzkrise auf die Finanzsysteme in der beobachteten Region unter Bezugnahme auf die im vorhergegangenen Abschnitt vorgestellten theoretischen Zusammenhänge. Die Arbeit schließt ab mit einer kurzen Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse.

Inhaltsverzeichnis:

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis 3
Abkürzungsverzeichnis 4
1. Einleitung 5
2. Liberalisierung und internationale Integration der Finanzsysteme in den aufstrebenden Volkswirtschaften Osteuropas
2.1 Ratio der finanziellen Öffnung in aufstrebenden Volkswirtschaften 6
2.2 Liberalisierung der Kapitalströme 8
2.3 Privatisierung und internationale Öffnung der Bankensektoren 12
2.4 Externe Finanzierung der öffentlichen und privaten Haushalte 15
3. Internationale Finanzintegration und Finanzkrisen in aufstrebenden Volkswirtschaften: Überblick über die akademische Diskussion
3.1 Finanzkrisen: Definitionen und Auftreten in aufstrebenden Volkswirtschaften 20
3.2 Übertragung durch bilaterale Integration 22
3.3 Theorie des gemeinsamen Gläubigers 24
3.4 Übertragung als Folge internationaler Portfoliodiversifikation 27
3.5 Theorien über ‚Pure‘-Contagion: Multiple Gleichgewichte und Anlegersentiment 28
4. Die Übertragung der aktuellen US-Finanzmarktkrise auf aufstrebende Volkswirtschaften in Osteuropa
4.1 Die US-Finanzmarktkrise und mögliche Effekte auf aufstrebende Volkswirtschaften vor dem Hintergrund der vorgestellten Theorien 31
4.2 Entwicklung der externen Kapitalströme und externen Finanzierung 33
4.3 Effekte westeuropäischer Mutterbanken 38
4.4 Wechselkursimplikationen der Finanzkrise 41
4.5 Wirtschaftspolitische Implikationen der US-Finanzmarktkrise: Ausgewählte Aspekte zur finanziellen Integration 45
5. Zusammenfassung 48

Textprobe:

Kapitel 3.3, Theorie des gemeinsamen Gläubigers:

Die Annahme, dass international tätige Banken aus Industrieländern bei der Übertragung von Krisen zwischen aufstrebenden Volkswirtschaften eine kritische Rolle spielen können, ist auf Erkenntnisse aus den Folgen der mexikanischen Währungskrise von 1994/95 sowie dem in der Asienkrise mündenden Absturz der thailändischen Währung 1997/98 zurückführen: Während im Zuge der Tequila-Krise beispielsweise Argentinien und im Nachgang zum Baht-Crash auch Indonesien von Währungskrisen betroffen waren, ließen sich zwischen den Volkswirtschaften und den jeweiligen ‘Ursprungsländern’ nur unbedeutende Handelsbeziehungen feststellen. Beispielsweise machten die südkoreanischen Ausfuhren in andere aufstrebende asiatische Volkswirtschaften 1995 gar nur ca. 8% des kompletten Exportvolumens aus. Die bis dato vorherrschende Theorie über realwirtschaftliche Transmissionswege für die regionale Übertragung von Finanzkrisen scheint damit in diesen beiden Fällen nicht zu greifen. Für einen Großteil der zum Tequila-Effekt gehörenden Staaten als auch der von der Asienkrise betroffenen Länder ließen sich jedoch bezüglich der externen Finanzierung in Form von Bankkrediten deutliche Konzentrationen auf US-amerikanischen respektive japanischen Kreditinstituten feststellen: So hatten Bankverbindlichkeiten gegenüber den USA im Juni 1994, kurz vor Ausbruch der Peso-Krise, einen Anteil von ca. 34% an den gesamten externen Krediten Mexikos. Gleichzeitig machten Forderungen gegenüber Mexiko mit ca. 22% den größten Anteil aller US-amerikanischer Bankkredite gegenüber lateinamerikanischen Schuldnern aus. Darüber hinaus hatten amerikanische Banken auch hohe Positionen gegenüber Kreditnehmern aus Argentinien oder Brasilien – also Volkswirtschaften, die in hohem Maße von der Asienkrise betroffen waren. Die Autoren entwickeln auf dieser Basis den Kausalzusammenhang, dass seitens der US-Banken als Reaktion auf die Schieflage in Mexiko, u.U. um Kapitalunterlegungsquoten zu entlasten, in erheblichem Umfang die zumeist bevorzugt kurzfristig installierten Kreditlinien in anderen Länder der gleichen Region fällig gestellt wurden. Diese Maßnahmen haben dann schlussendlich auch in den umliegenden Volkswirtschaften Währungs- und Bankenkrisen verursacht. Ähnliche Tendenzen lassen sich auch im südostasiatischen Raum für 1997 feststellen. In einem Modell zur Ermittlung von bedingten Wahrscheinlichkeiten für Währungskrisen auf Basis empirischer Daten lässt sich bei der Bildung von Verbünden mit gemeinsamem externen Hauptgläubiger darstellen, dass bei gehäuftem Auftreten von Währungskrisen innerhalb einer Gruppe die Wahrscheinlichkeit der Übertragung auf ein weiteres Land bei bis zu 83,5% liegt.

In einer weiteren Ausarbeitung der Autoren werden die gewonnenen Erkenntnisse über die Rolle gemeinsamer Gläubigerbanken für den Fall der asiatischen Finanzkrise hin detailliert untersucht. Hervorzuheben ist hier zunächst die Herkunftsstruktur der externen Verbindlichkeiten gegenüber dem Ursprungsland der Krise: Japanische Kreditinstitute haben ca. 54% der externen Finanzierung in Form von Bankkrediten Thailands getragen, wohingegen europäische Banken lediglich ca. 26% bereitgestellt haben. Darüber hinaus war die Bedeutung Südostasiens für das japanische Bankensystem mit einem Anteil von 65% der gesamten Kreditvergabe an Wirtschaftseinheiten in aufstrebende Volkswirtschaften erheblich, während europäische Institute lediglich auf einen Wert von 45% kamen. Davon entfielen im Falle Japans ganze 27% allein auf den späteren Krisenherd Thailand, wohingegen das Portfolio europäischer Banken lediglich zu 5% aus Positionen gegenüber Thailand bestand. Daraus abgeleitet ließe sich erklären, dass japanische Banken als Folge hoher Belastungen aus thailändischen Engagements zwischen Juni und Dezember 1997 Mittelabflüsse in Höhe von 10,6 Mrd. USD (-10,9%) aus den südostasiatischen Entwicklungsregionen vornahmen, während die von den thailändischen Ausfällen zunächst relativ gering tangierten europäischen Kreditinstitute ihre Engagements im gleichen Zeitraum sogar leicht ausbauten. Es ist offensichtlich, dass somit zunächst die Währungen derjenigen Länder unter Druck gerieten, die ebenso wie die thailändische Volkswirtschaft enge Kreditverknüpfungen mit Japan gepflegt haben.

Die aufgedeckten Zusammenhänge liefern auch eine mögliche Begründung für Abweichungen von der Beobachtung, dass Finanzkrisen in aufstrebenden Volkswirtschaften einen zumeist regionalen Charakter haben: Während ein Großteil der entwickelnden Länder im asiatischen Raum nur geringe Folgen der Tequila-Krise zu verzeichnen hatten, litten die Philippinen unter vergleichsweise schweren Wechselkursabwertungen. Eine Ursache dafür kann sein, dass die Philippinen kurz vor Ausbruch der Krise, im Gegensatz zu den anderen Volkswirtschaften dieser Region, mit ca. 37% der gesamten externen Bankkredite primär bei US-amerikanischen Kreditinstituten verschuldet waren – und somit wie Uruguay und Argentinien in den Sog der durch die Entwicklungen in Mexiko induzierten Fälligstellungen gegenüber Schuldnern aus aufstrebenden Volkswirtschaften gerieten.

In einer Messung zur Transmission von Währungskrisen während der Mexiko-, der Thailand- und der Russlandkrise stellen Rijkeghem und Weder einen Indikator auf Basis der BIS-Statistiken vor, der für eine aufstrebende Volkswirtschaft das Ausmaß der Ähnlichkeit ihrer Finanzierungsstruktur in Bezug auf die Herkunft der Gläubigerbanken mit der des Herkunftslandes einer Krise darstellt. Weiterhin stellen sie für die drei Krisenphasen lineare Regressionsanalysen auf, deren abhängige Dummy-Variablen für jede untersuchte Volkswirtschaft den Wert eins annehmen, wenn in dieser eine Währungskrise ausgelöst worden ist (anderenfalls: null). Als Regressoren werden der oben erläuterte Finanzierungsindikator, ein gleichsam konstruierter Indikator zur Messung der Ähnlichkeit von Handelsbeziehungen sowie makroökonomische Kontrollvariablen (z.B. M2/Reserven) eingesetzt. Für alle drei Krisen lassen sich auf dem 10%-Niveau statistisch signifikante Parameter für den jeweiligen Regressor ‘Struktur der externen Finanzierung’ nachweisen, die einen deutlichen positiven Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit für das Entstehen einer Währungskrise ausüben. Gleichzeitig zeigen die Autoren auf, dass die Ähnlichkeitsindikatoren für die externe Finanzierungsstruktur sowie für Exportbeziehungen insbesondere im Fall der asiatischen Krise eine hohe Korrelation aufweisen. Dies wird dahingehend interpretiert, dass die hohe finanzielle Integration zwischen den aufstrebenden Volkswirtschaften und den Industrienationen in Hinblick auf externe Bankkredite in der Finanzierung von Handelsaktivitäten zurück zu führen ist.

Die vorangestellten Ausführungen zur Theorie des gemeinsamen Gläubigers zeigen, dass nicht nur der Grad der externen Finanzierung für die Anfälligkeit zur Übertragung von Finanzkrisen ausschlaggebend ist, sondern auch die Konzentration der Herkunftsstruktur der Gläubiger. Die vorgestellten Forschungsarbeiten zur empirischen Evidenz dieser Theorie lassen jedoch einige für ihre Aussagekraft bedeutende Aspekte unbehandelt: Erstens beziehen die Untersuchung der zu Grunde gelegten Daten aus den BIS-Statistiken keinerlei Informationen über die jeweilige Fristigkeitsstruktur der Verschuldung, mit der sich Schlüsse über die Möglichkeit einer kurzfristigen Fälligstellung ziehen ließen, mit ein. Zweitens wird das Ausmaß der externen Finanzierung der jeweiligen Volkswirtschaften nicht mit in die Modellierung zur Krisenanfälligkeit einbezogen. Rijkeghem und Weder bemerken darüber hinaus, dass Effekte etwaiger Absicherungsinstrumente für Währungs- oder Kreditrisiken bei der Verwendung der rein auf Bankbilanzen beruhenden BIS-Daten nicht in die Untersuchungen mit einfließen können. Während der für diese Bachelor Thesis vorgenommene Literatur-Recherche sind mit keine Studien bekannt geworden, die bereits einen der obigen Punkte explizit behandeln.

Arbeit zitieren:
Wallraf, Albrecht November 2009: Finanzielle Öffnung von aufstrebenden Volkswirtschaften, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Finanzielle Integration, Financial Contagion, Osteuropa, aufstrebend, Volkswirtschaft

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