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Die Filme Jim Jarmuschs

Äussere Reise - Innere Reise ?

Die Filme Jim Jarmuschs
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Melanie Klein
  • Abgabedatum: Mai 2001
  • Umfang: 167 Seiten
  • Dateigröße: 890,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität der Künste Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4586-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4586-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4586-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Klein, Melanie Mai 2001: Die Filme Jim Jarmuschs, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Heimat, Veränderung durch Bewegung und Stillstand, Suche, Identifikation, Flucht

Diplomarbeit von Melanie Klein

Gang der Untersuchung:

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Analyse der Filme Jarmuschs. Diese werden im Hinblick auf ihre äußere und zugleich stagnierende innere Reise untersucht, sowie ihre Aussagen in Bezug auf eine Lebensreise herausgearbeitet. Dabei liegt ein besonderes Interesse auf Jarmuschs Entwicklung der Betrachtung einer insgesamten „Lebensreise“ innerhalb seines Gesamtwerks. Um diese Untersuchung zu führen, werden Jarmuschs Filme in ihrer Chronologie analysiert und jede einzelne Reise herausgearbeitet, um deren thematische Gesamtentwicklung darstellen zu können. Dabei wird seine individuelle Nutzung und Kombination ästhetischer Verfahren der klassischen, parametrischen und der Art Cinema Narration berücksichtigt, sowie seine Modifikation einiger typischer Motive des Road Movie.

Im zweiten Kapitel wird zunächst der historische Kontext des Filmemachers beschrieben. Es werden Jarmuschs Biographie sowie sein gesellschaftliches und künstlerisches Umfeld beleuchtet, um die aus seinen Lebensumständen bzw. seinem Lebenslauf resultierenden Einflüsse auf sein Schaffen aufzuzeigen.

Anschließend werden im dritten Kapitel kinematographische Einflüsse auf Jarmusch anhand seiner Vorläufer untersucht. Da seine Entwicklung seit Stranger Than Paradise zu einem Ansehen als „einflußreicher elder statesman der amerikanischen Independent-Szene“ (Andrew, 1999a: 146) geführt hat, wird deren Entwicklung kurz aufgezeigt, da sie seine eigene Arbeit beeinflusste. Daran anschließend wird ein Überblick über die Strömungen des europäischen Art Cinema sowie des japanischen Kinos gegeben, deren ästhetische Verfahren auf Jarmusch ebenfalls einen wesentlichen Einfluss hatten.

Das vierte Kapitel befasst sich mit dem zentralen Aspekt der Reise, wobei das „Genre“ Road Movie ebenfalls als Einfluss auf Jarmuschs Werk zu betrachten ist. Der Filmemacher bedient sich einiger dort geprägter Verfahren bzw. Motivationen und legt sie seinen filmischen Reisen zugrunde. In dem Kapitel werden daher die Gründe für die Wahl einer Reise dargelegt und die Hauptmerkmale des Road Movie herausgearbeitet.

Mit der Analyse der sieben Spielfilme Jim Jarmuschs stellt das fünfte Kapitel den Hauptteil der Arbeit dar. Hier wird jeder Film im Detail untersucht, um die jeweilige spezifische Reise zu beleuchten. Die dabei zur Anwendung kommende filmanalytische Methode basiert auf dem von David Bordwell und Kristin Thompson entwickelten neoformalistischen Modell, dessen Merkmale dem Kapitel vorangehend kurz vorgestellt werden.

Ein abschließendes Fazit gibt im sechsten Kapitel einen auswertenden Überblick über die „Reise“ des Gesamtwerks bzw. deren Entwicklung in Jarmuschs Filmen, sowie die getroffenen Aussagen über das Leben, unter Berücksichtigung der ästhetischen und thematischen Vorläufer und Einflüsse, obwohl diesen keine explizite Untersuchung gilt.

Im Anhang finden sich schließlich als Orientierungshilfe die Sequenzprotokolle aller der Analyse zugrundeliegenden Filme, deren wichtigste Produktionsangaben, sowie ein Nachweis der für diese Arbeit verwendeten Literatur.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 6
2. Historischer Kontext: Prägende Einflüsse auf Jim Jarmuschs künstlerisches Schaffen 10
2.1 Biographie 10
2.1.1 Frühe Einflußfaktoren 10
2.1.2 Entwicklung zum Filmemacher 11
2.1.3 Jim Jarmusch als Independent-Regisseur 13
2.2 Die Künstlerszene an der Lower East Side 16
3. Die filmischen Vorläufer Jim Jarmuschs 18
3.1 Der amerikanische Independent-Film 18
3.1.1 Frühe Mavericks 19
3.1.2 Die „wahren“ Unabhängigen: New Yorker Underground 20
3.1.3 John Cassavetes' „Anti-Hollywood-Haltung“ 21
3.1.4 American New Wave 23
3.1.5 Entstehung einer Independent-Filmszene 25
3.2 European Art Cinema 28
3.2.1 Der italienische Neorealismus 28
3.2.1.1 Der „neue Realismus“ in den 40er Jahren 28
3.2.1.2 Die Weiterentwicklung neorealistischer Tendenzen im italienischen Film 29
3.2.2 Die französische Nouvelle Vague 31
3.2.3 Der Neue Deutsche Film 33
3.3 Literarische Strukturen 34
3.3.1 Das japanische Kino 34
3.3.2 „Poetische Ablenkung“: Yasujiro Ozu 35
3.3.3 Parametrische Narration 36
4. Road Movies - Filme über Reisen 38
4.1 Ein offenes „Genre“ 39
4.2 Ursprünge des Road Movie: Suche nach Freiheit 41
4.2.1 Mythos „Neue Welt“: Der Western 41
4.2.2 Begrenzungen und Außenseitertum: Film noir 42
4.2.3 Rebellion der jungen Wilden: Youthsploitation 43
4.3 Reiseantritt: Die Bedeutung der Heimat 45
4.4 On The Road: Entwicklung des Straßenmythos 47
4.5 Die Landschaft als Spiegel innerer Zustände 48
4.6 Das Leben als Reise 50
4.7 Das Ziel bleibt unerreicht 51
5. Die Filme Jim Jarmuschs 53
5.1 Neoformalistische Filmanalyse 53
5.2 Permanent Vacation 56
5.2.1 Der Drift: Ständige Bewegung 56
5.2.1.1 Exposition 56
5.2.1.2 Ziellose Unverbindlichkeit 57
5.2.1.3 Passive Langeweile 59
5.2.1.4 Leere und Bedeutungslosigkeit 60
5.2.2 Die Heimat als „mentale Wüste“ 61
5.2.2.1 Die öde Außenwelt 61
5.2.2.2 Entfremdung von der Heimat 62
5.2.3 Innere Gefangenschaft: Veränderung durch Bewegung? 63
5.2.4 Das Leben als Momentaufnahme 66
5.3 Stranger Than Paradise 68
5.3.1 Kommentierte Momentaufnahme: Ein Fotoalbum 68
5.3.2 Ein amerikanischer Fluch 69
5.3.2.1 Die Neue Welt: Blues im Walzertakt 70
5.3.2.2 Ein Kammerspiel amerikanischer Kultur 71
5.3.2.3 Das Paradies: Von New York nach Florida 73
5.3.3 I Put A Spell On You 75
5.3.3.1 Die Form als Spiegel des inneren Zustands 75
5.3.3.2 Ein neuer Impuls für festgefahrene Amerikaner 76
5.3.3.3 Rollentausch: Ein trügerischer Fortschritt 78
5.4 Down By Law 81
5.4.1 Ein märchenhafter Alptraum 81
5.4.1.1 Eine holprige Einbahnstraße 82
5.4.1.2 Der Weg führt abwärts 84
5.4.2 „Un' alma in prigione“: Orleans Parish Prison 85
5.4.2.1 Zwei Versager in innerer Erstarrung 85
5.4.2.2 Die Dualität des Lebens: Märchen oder Alptraum 86
5.4.3 Kreisbewegung im Sumpf 89
5.4.4 Reprise: Die „Frost'sche Straßengabelung“ 90
5.5 Mystery Train 93
5.5.1 Geschichten in Geschichten: Kleine Reisen á la Jarmusch 94
5.5.2 Gefangen in der Form 95
5.5.2.1 Fixierung in Zeit und Raum 95
5.5.2.2 Das Zeit-Puzzle: Herstellung von Gleichzeitigkeit 96
5.5.3 Eine Situation aus verschiedenen Blickwinkeln 98
5.5.4 Reise nach Amerika: Auf den Spuren eines Mythos 100
5.5.5 Resümee: Eine Fahrt im Mystery Train 101
5.5.5.1 Von Bewegung und Stillstand 101
5.5.5.2 „Zug des Lebens“ 102
5.6 Night On Earth 104
5.6.1 Tagebuch des Filmemachers 105
5.6.2 Reisen im Inneren eines Taxis 107
5.6.2.1 Blindheit oder die Chance eines Perspektivwechsels 107
5.6.2.2 Kleine Reisen repräsentieren das Leben 108
5.6.3 Irdischer Lebenszyklus 109
5.7 Dead Man 112
5.7.1 Reise in die Freiheit? 113
5.7.1.1 Ein allegorischer Western 113
5.7.1.2 Zugfahrt mit einem Dead Man 114
5.7.2 Reise in den Tod 116
5.7.2.1 Emotionale Nähe zu einem Sterbenden 116
5.7.2.2 Die Oberfläche eines Spiegels 118
5.7.2.3 Vom Buchhalter zum Gesetzlosen: Unbewußte Veränderung 118
5.7.2.4 Innere Stagnation oder der unvermeidliche Tod 121
5.7.3 Kreislauf des Lebens 123
5.8 Ghost Dog - The Way Of The Samurai 125
5.8.1 Auferstehung eines Killers 126
5.8.1.1 Ankunft des Samurai 126
5.8.1.2 Die Philosophie des Kriegers 127
5.8.2 Die moderne Variante eines alten Samurai 129
5.8.2.1 Ein sanftmütiger Killer 129
5.8.2.2 Die Vermischung der Philosophien im modernen Samurai 130
5.8.2.3 Der Geist des Kriegers in der modernen Welt 131
5.8.3 Das Verhängnis: The Way Of The Samurai 132
5.8.3.1 Mißverständnis: Rashomon 132
5.8.3.2 Following The Code: Gefangen in der eigenen Ideologie 134
5.8.4 Reprise: Generationswechsel 136
6. Fazit: Jim Jarmuschs filmische „Reise des Lebens“ 138
7. Anhang 141
7.1 Sequenzprotokolle der analysierten Filme 141
7.1.1 Permanent Vacation 141
7.1.2 Stranger Than Paradise 143
7.1.3 Down By Law 146
7.1.4 Mystery Train 149
7.1.5 Night On Earth 153
7.1.6 Dead Man 157
7.1.7 Ghost Dog - The Way Of The Samurai 160
7.2 Filmographie Jim Jarmuschs 165
7.3 Literaturnachweis 169
7.4 danke schön! 175

Automatisiert erstellter Textauszug:

Ähnlich seinem Vorgänger konzentriert sich auch Stranger Than Paradise auf eine Reise durch Jarmuschs Heimat Amerika, die sich jedoch im Unterschied zu Permanent Vacation diesmal, nach einem kurzen Aufenthalt an der New Yorker Lower East Side bzw. in einem kleinen dort gelegenen Apartment, ausdehnt auf den Osten der USA. Jarmusch setzt sich einmal mehr mit seiner "Heimat" auseinander bzw. einer damit verbundenen Suche nach Identifikation. Doch der Film beginnt mit der Ankunft der Europäerin Eva in dieser Heimat, während Permanent Vacation mit der Abreise aus dieser geendet hatte. Somit wird der Auseinandersetzung von vornherein ein anderes Vorzeichen gegeben, zu dem besonders die Filmmusik den Auftakt gibt. 5.3.2.1. Die Neue Welt: Blues im Walzertakt Die Dreierrhythmik der drei Kapitel der Fabula spiegelt sich in der Dreierkonstellation der Charaktere sowie im Style des Films: Stellenweise sind die Sequenzen in drei Schritten [...]

geschnitten, sondern jeweils in Schwarzbilder abgeblendet, die zwischen zwei und vier Sekunden dauern. Die Plansequenzen werden jedoch durch John Luries in der Regel von einer Einstellung zur nächsten überleitenden Filmmusik wieder miteinander verbunden. Trotz Isolierung der Szenen wirkt der Film daher nie zerstückelt; die Montage gibt ihm einen eigenen, an parametrische Strukturen erinnernden Narrationsrhythmus93, dessen "poetische Melancholie" (Andrew, 1999a: 124) ähnlich wie z.B. in Ozus Tokyo Monogatari die einzelnen Szenen wie ein Fotoalbum erscheinen läßt, in dem jedes Bild durch langsames Blättern nachhallt. Durch die offene, meist statische Kamera und der Verzicht auf Schnitte sowie Zwischenbilder werden die einzelnen Momentaufnahmen des Lebens in "minimalistisch-Warholscher 'Echtzeit'-Ästhetik" (Andrew, 1999a: 124) in ihrem Hier und Jetzt präsentiert. Wie in Bressons Pickpocket oder bei Cassavetes konzentriert sich hier ebenfalls die erlebte Gegenwart wieder auf die Charaktere, die sich am jeweiligen Schauplatz aufhalten. Über sie erfährt man nur das, was sie im Moment erleben. Durch ausschließlich weite Einstellungsgrößen und die niemals subjektive Kamera, sowie den "Verzicht" auf Montage wird keine suggestive Direktion des Blicks und damit eine "Bewertung" des Gesehenen vorgenommen. Die Szenen sprechen, dem Stil Bressons ähnlich, für sich selbst. Doch Jarmusch kommentiert das Bildgeschehen bzw. die dort dargestellten Inhalte selbstbewußt erstens über die Form eines Fotoalbums, denn die Schwarzblenden heben jede einzelne Szene besonders hervor. Zweitens geben einige Dialogfragmente karikierende Kommentare zu den Bildern, besonders aber verleihen die jeweiligen Zwischentitel den Episoden einen ironischen Unterton94 und geben "en passant dem Betrachter die Wahl des 'Objektivs' vor" (Worthman, 1989: 10). 5.3.2. Ein amerikanischer Fluch [...]

The New World: Die 16jährige Eva Molnar (Eszter Balint) kommt aus Budapest nach New York. Bis sie zu ihrer Tante Lotte (Cecilia Stark) nach Cleveland weiterreist, verbringt sie ungeplant und unfreiwillig zehn Tage in der Wohnung ihres abweisenden Cousins Belá, genannt Willie (John Lurie), da die Tante ins Krankenhaus muß. Eva begegnet flüchtig Willies Freund Eddie (Richard Edson) und wird von Willie in die amerikanischen Bräuche eingeführt, während sie auf ihre Weiterreise wartet. Obwohl Willie sehr langsam Gefühle für Eva entwickelt, bleibt er schroff und sie kommen sich nicht wirklich näher. One Year Later: Willie und Eddie gewinnen durch Betrug beim Pokern $600. Sie werden dabei erwischt, weshalb sie eine Weile untertauchen wollen. Daher besuchen sie Eva im winterlichen Cleveland, wo sie ein paar Tage bei ihr und Tante Lotte verbringen. Sie machen mehrere Ausflüge in die Umgebung und verlassen Cleveland dann aus Langeweile wieder. Als die beiden im Auto sitzen und feststellen, daß sie noch den Großteil des Geldes besitzen, beschließen sie, Eva abzuholen und nach Florida zu fahren. Paradise: Zu dritt gelangen sie nach Florida und mieten ein Motelzimmer am Meer. Willie und Eddie verlieren beim Wetten ihr ganzes Geld, während Eva den Tag mit unfreiwilligem Warten auf sie verbringt. Als die beiden erneut losgehen, um das verlorene Geld zurückzugewinnen, macht sie einen Spaziergang, bei dem sie durch eine Verwechslung einen Geldumschlag von einem Fremden bekommt. Sie hinterläßt den Jungen eine Notiz und etwas Geld und geht zum Flughafen, wohin ihr Willie und Eddie nach ihrer Rückkehr folgen. Als sie Eva verfehlen, geht Willie ihr nach, um sie aus dem Flugzeug zurückholen. Das Flugzeug startet, während er noch an Bord ist. Eva hingegen kehrt ins Motel zurück. 5.3.1. Kommentierte Momentaufnahme: Ein Fotoalbum [...]

Arbeit zitieren:
Klein, Melanie Mai 2001: Die Filme Jim Jarmuschs, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Heimat, Veränderung durch Bewegung und Stillstand, Suche, Identifikation, Flucht

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