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Feministische Kriminologie und die Differenz der Geschlechter

Feministische Kriminologie und die Differenz der Geschlechter
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Dagmar Ellen Wittrock
  • Abgabedatum: Februar 1999
  • Umfang: 121 Seiten
  • Dateigröße: 666,5 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Ostfriesland Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5423-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5423-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5423-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wittrock, Dagmar Ellen Februar 1999: Feministische Kriminologie und die Differenz der Geschlechter, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: feministische Wissenschaft, Frauenkriminalität, Geschechterdifferenz

Diplomarbeit von Dagmar Ellen Wittrock

Gang der Untersuchung:

Diese Arbeit geht der Frage nach, inwieweit die Erkenntnisse der feministischen Wissenschaft über vermeintliche oder tatsächliche Differenz der Geschlechter und insbesondere über das Verhältnis der Geschlechter in die Kriminologie eingeflossen sind und somit als feministische Ansätze innerhalb der Kriminologie die kriminologische Disziplin dadurch ergänzen, ihre bisherigen Erkenntnisse korrigieren oder die kriminologische Disziplin sogar verändern.

Zunächst (Kap. 2) wird das statistische Phänomen der Frauenkriminalität beschrieben, da das Phänomen abweichenden Verhaltens, im Sinne eines strafrechtlich relevanten, kriminellen Verhaltens, Hauptgegenstand der Kriminologie ist und darüberhinaus Ausgangspunkt unterschiedlicher kriminologischer Erkenntnisse, Meinungen und Erklärungsansätze über Entstehung von Kriminalität. Anlaß empirischer Untersuchungen zur Frauenkriminalität war z.B. auch, daß man sich durch ihre Erklärung Aufschluß erhoffte über die Entstehung von männlicher Kriminalität. Diese Hoffnung hat sich bis heute allerdings nicht erfüllt, Kriminalität als soziales Phänomen, sowohl in der männlichen als auch in der weiblichen Ausprägung, ist noch immer erst in Ansätzen erklärbar.

Die darauffolgenden Kapitel (3 und 4) beschäftigen sich mit den beiden Grundelementen der feministischen Kriminologie als Kategorie: zum einen der Kriminologie und zum anderen der feministischen Wissenschaft. Sie geben einen kurzen Überblick über Geschichte und grundlegende Inhalte beider Disziplinen. Dabei wird deutlich, daß es sich bei beiden nicht um einheitliche Konzepte handelt, sondern sowohl bei der Kriminologie als auch in der feministischen Wissenschaft unterschiedliche Ansätze inhaltlich als auch methodisch und erkenntnistheoretisch konkurrieren. So unterscheiden sich die Ansätze auch hinsichtlich ihrer Radikalität bzgl. ihrer Einschätzung unserer Gesellschaft und ihrem Einfluß auf die Entstehung von Kriminalität einerseits sowie die Entstehung über Geschlechterdifferenzen andererseits und der Veränderbarkeit bzw. Notwendigkeit zur Veränderung von beiden.

Abschließend (in Kap. 5) wird gezeigt, wie die Erkenntnisse der feministischen Wissenschaft über Geschlechterverhältnisse und -differenzen in den verschiedenen Richtungen der Kriminologie Fuß gefaßt haben, die bisherigen Erkenntnisse über Frauenkriminalität korrigieren oder ergänzen. Der Anspruch der feministischen Kriminologie, die Disziplin darüberhinaus durch ein alternatives Wissenschaftsverständnis, durch eine alternative Erkenntnistheorie zu verändern, wird dargestellt. Den Abschluß stellt der Versuch einer Bewertung dar, ob sie ihrem Anspruch genügt oder ob und wo noch Lücken klaffen zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Phänomene der Frauenkriminalität 6
2.1 Statistisches Erscheinungsbild 7
2.1.1 Quantitativer Unterschied zur männlichen Kriminalität 12
2.1.2 Qualitativer Unterschied zur männlichen Kriminalität 13
2.2 Aussagewert der amtlichen Statistiken 15
2.2.1 Einige Aspekte des Dunkelfeldes 16
2.2.2 Selektion und Zuschreibung 18
2.2.3 Geschlechtsspezifische Straftatbestände 21
3. Kriminologie 23
3.1 Definition 23
3.2 Kurzer Überblick über verschiedene kriminologische Richtungen
3.2.1 Klassische Schule 24
3.2.1 Traditionelle positivistische Ausrichtung 25
3.2.2 Kritische Richtung 27
3.3 Charakteristische Unterschiede 29
3.3.1 Prämissen 29
3.3.1.1 Positivismus kontra Infragestellung von objektiver Erkenntnis 29
3.3.1.2 Dichotomie kontra Infragestellung von 'Kriminell-Sein' 31
3.3.1.3 Ätiologie kontra soziale Prozesse 32
3.3.2 Forschungsschwerpunkte 33
3.3.2.1 Soziale Kontrolle 33
3.3.2.2 Normsetzung und -anwendung 34
3.3.2.3 Herrschafts- und Ökonomieverhältnisse 34
3.3.2.4 Fragen der kriminologischen Forschung und Praxis 35
3.3.3 Methoden 35
3.3.3.1 Ideologiekritik 36
3.3.3.2 Kritik der Ökonomie 37
3.3.3.3 Historische Analysen 37
3.3.3.4 Funktionale Analyse 37
3.3.4 Ziele 38
4. Feministische Wissenschaft 40
4.1 Definition 40
4.2 Geschichtlicher Überblick 40
4.3 Unterschiede zwischen Frauenforschung und feministischer Wissenschaft 42
4.3.1 Wissenschaftspolitische Funktion 43
4.3.2 Sozialökonomische Funktion 45
4.3.1 Soziokulturelle Funktion 46
4.3.2 Sozialpsychologische Funktion 47
4.4 Zentrale Elemente feministischer Wissenschaft 48
4.4.1 Ideologie des Androzentrismus 48
4.4.2 Patriarchat als Herrschaftsstruktur 51
4.4.3 Einige Aspekte der 'gender'-Diskussion 53
4.4.4 Betroffenheit als Grundlage von Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie 54
5. Feministische Kriminologie und die Differenz der Geschlechter 59
5.1 Natürliche Differenz der Geschlechter als ätiologische Erklärungsansätze zur Frauenkriminaliät 60
5.1.1 Weibliche Natur (Physis und Psyche) als kriminogener Faktor 61
5.1.1.1 Körpermerkmale und Frauenkriminalität 62
5.1.1.2 Weibliche Psyche und Frauenkriminalität 63
5.1.1.3 Weibliche Generationsphasen und Kriminalität 65
5.1.1.4 Weibliche Sexualität und Kriminalität 66
5.1.2 Soziokulturelle bzw. sozialstrukturelle Determinanten als geschlechtsspezifische kriminogene Faktoren 67
5.1.2.1 Weibliche Sozialisation und Kriminalität 68
5.1.2.2 Gesellschaftliche Rolle der Frau und ihre Kriminalität 69
5.1.2.3 Gesellschaftliche Stellung der Frau als kriminalitätshemmender Faktor 70
5.2 Feministische Kritik an der Auffassung einer natürlichen Differenz der Geschlechter als Ursache von Frauenkriminalität 72
5.2.1 Androzentrische Ideologien und patriarchale Herrschaftsstrukturen anstelle natürlich bedingter Unterschiede 73
5.2.1.1 Philosophische und (geistes-) wissenschaftliche Mythen von Weiblichkeit 74
5.2.1.2 Doppelte Unterdrückung der Frau 77
5.2.2 Männlicher Blick auf die gesellschaftliche Lage der Frau 79
5.3 Differenz der Geschlechter in definitorischen Erklärungsansätzen zur weiblichen Kriminalisierung 81
5.3.1 Weibliche Stereotype in 'Labeling'-Theorien 82
5.3.2 Männlicher Blick auf weibliche Kriminalisierungsprozesse 84
5.4 Kritische Kriminologie und das Fehlen der sozialen Kategorie Geschlecht 85
5.4.1 Geschlechtsspezifische formelle und informelle soziale Kontrolle 86
5.4.1.1 Strafrecht 87
5.4.1.2 Psychiatrie 89
5.4.1.3 Informelle soziale Kontrolle: Gewalt und Privatsphäre 91
5.4.2 Geschlechtsspezifische Normalitäts- und Abweichungskonstruktionen 95
5.4.2.1 Social censures 97
5.4.2.2 Individuen als Produkte von Machtbeziehungen 99
5.5 Feministische Kriminologie - eine Transformation der kriminologischen Disziplin? 102
6. Fazit 113

Automatisiert erstellter Textauszug:

Wissenschaft garantiert, eine sexistische Grundhaltung nachgewiesen werden müßte, entgegnen feministische Wissenschaftlerinnen, daß innerhalb der Wissenschaften (Natur- und Geisteswissenschaften) deduktive und induktive Erkenntnismethoden miteinander konkurrieren. Dazu kommt, daß solche Erkenntnismethoden kein Privileg von Wissenschaft (und somit untauglich zur Erklärung einer ideologiefreien Position innerhalb der Gesellschaft) sind, sondern: „vermutlich bedienen sich auch Kinder, Affen und Hunde regelmäßig der induktiven und deduktiven Methode“158. Um den Beweis für die Behauptung anzutreten, daß auch die Wissenschaft durch soziale Geschlechterstrukturen geprägt ist, muß also nicht gezeigt werden, daß wissenschaftliche Methoden sexistisch sind. Dem zweiten Argument gegen die feministische Behauptung einer androzentrischen verzerrten Struktur der Wissenschaft, nämlich der Unterscheidung zwischen Physik als Modell für Wissenschaft mit ihrer wertneutralen logischen Struktur, welche klar abzugrenzen ist von gesellschaftlichen Ursprüngen und Bedeutungen und die "weniger strengen" oder „weniger ausgereiften“159 Formen von Wissenschaft wie z.B. den Sozialwissenschaften, begegnen feministische Wissenschaftlerinnen mit dem Hinweis darauf, daß die „Physik als Paradigma“160 und Modell von Wissenschaft ausgedient hat. Ihre Argumentation geht dahin, daß als Modell für zukünftige Wissenschaft eine kritische und selbstreflexive Sozialwissenschaft mit metaphysischen Annahmen und Methoden, die sich grundsätzlich von denen der Physik unterscheiden, gelten muß161. Sollten sich dabei für die Physik „besondere Erfordernisse für angemessene Erklärungen“162 ergeben, „dann sind es eben besondere Erfordernisse“163 (Hervorhebung im Original). Es ist zu fragen, ob der paradigmatische Status der Physik für die Vorstellungen über Wissenschaft für uns heutzutage nicht zu einem Anachronismus geworden ist. Würde die Phy158 159 [...]

Da dem bisherigen Maßstab von Objektivität in den Wissenschaften (Wertfreiheit, Neutralität, Subjekt-Objekt-Beziehung) seine androzentrische Verzerrung nachgewiesen wurde (a: anstelle von Wertfreiheit in der Forschung steht sie im Dienst des Patriarchats; b: anstatt von neutraler Warte aus werden Forschungsprobleme, -definitionen und Interpretationen der Ergebnisse durch einen männlichen Blickwinkel gesehen; c: die postulierte Rationalität durch Subjekt-Objekt-Trennung bringt nur partikulare Erkenntnis), stellen feministische Wissenschaftlerinnen dem bisherigen Objektivitätsverständnis das Postulat der „bewußten Parteilichkeit“151 entgegen und erwarten von dieser bewußten Einbeziehung der eigenen Betroffenheit, objektivere „(im Sinne eines umfassenderen) Erkennens und Analysierens gesellschaftlicher Realität und der wissenschaftlichen Reflexion darüber“152, Forschungsprinzipien entwickeln zu können, die der Erkenntnis Rechnung tragen, „daß der wissenschaftliche Erkenntnisprozeß immer in soziale Praxis eingelagert ist“153. Mit diesem Praxisbegriff baut die feministische Wissenschaft auf den von Habermas innerhalb der kritischen Theorie154 formulierten Praxisbegriff auf. Dabei gehen sie davon aus, daß auch die (Natur-) Wissenschaften von der vergeschlechtlichten, d.h., vom sozialen Geschlecht geprägten, gesellschaftlichen Praxis überzogen sind. Kritikern dieser Position, die meinen, daß diese Behauptung dadurch bewiesen werden müßte, daß der Wissenschaft mit ihrer einzigartigen Methode (nämlich „verläßliche Beschreibungen und Erklärungen kausal bestimmer Gesetzmäßigkeiten in der Natur“155 oder „der Bedeutung wertfreier Beobachtungen als Prüfmaßstab für Hypothesen“156 sowie dem „Sammeln von Beobachtungen mittels der ‘experimentellen Methode’“157), welche eine ideologiefreie [...]

Sie baut damit auf die sog. Aktionsforschung146 auf, deren Forschungskonzeption ein auf „Demokratisierung gerichtetes Erkenntnis-, Handlungs- und Forschungsinteresse“147 vorsieht. Folgerichtig werden forschungsleitende Erkenntnisinteressen aus der aktuellen Wirklichkeit genommen. Die in den empirischen Methoden vorherrschende Trennung von Forschungssubjekt und -objekt soll durch eine enge Kooperation von Forschenden und Betroffenen aufgehoben werden; durch den gemeinsamen Lernprozeß ergeben sich Chancen zur Veränderung von gesellschaftlicher Praxis148. Feministische Wissenschaftlerinnen befinden sich nun in einer Situation der vollständigen Aufhebung der Trennung von Subjekt und Objekt im Forschungsprozeß: Ihnen ist eine „doppelte widersprüchliche Bewußtseins- und Seinslage eigen“149: zum einen sind sie durch ihre Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht Betroffene von Unterdrückungsstrukturen und -mechanismen, zum anderen sind sie als Wissenschaftlerinnen befaßt mit Forschungen über diese Strukturen und Mechanismen gerade auch in der Wissenschaft150. Betroffenheit hat für die feministische Wissenschaft eine erkenntnistheoretische Dimension dadurch, daß sie durch die bewußte Einbeziehung und Reflexion eigener Unterdrückungserfahrungen objektivere, (im Sinne von umfassenderen) Möglichkeiten zur Erkenntnisgewinnung hat. Diese Betroffenheit zieht Parteilichkeit, verstanden als bewußte politische Intention, bewußtes Eintreten gegen Unterdrückung in allen gesellschaftlichen Praxisfeldern, auch im Wissenschaftsbetrieb, nach sich, so daß sich eine ständige Wechselwirkung zwischen Erkenntnisprozeß und gesellschaftlichem Veränderungsprozeß ergibt. [...]

Arbeit zitieren:
Wittrock, Dagmar Ellen Februar 1999: Feministische Kriminologie und die Differenz der Geschlechter, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
feministische Wissenschaft, Frauenkriminalität, Geschechterdifferenz

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