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Feindbild Islam?

Zur Qualität der Berichterstattung in überregionalen Tageszeitungen vor und nach den Anschlägen vom 11. September 2001

Feindbild Islam?
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Maren Imran
  • Abgabedatum: März 2004
  • Umfang: 207 Seiten
  • Dateigröße: 1,6 MB
  • Note: 1,8
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9254-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9254-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9254-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Imran, Maren März 2004: Feindbild Islam?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Moslem, Muslime, Terrorismus, Stereotyp, Journalismus

Magisterarbeit von Maren Imran

Einleitung:

„Gerade in einer solchen Krisensituation müssten die Journalistinnen und Journalisten für Frieden, Völkerverständigung und Toleranz eintreten und pauschale Urteile vermeiden.“ Mit diesen Worten rief der damalige Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Dr. Siegfried Weischenberg, wenige Tage nach den verheerenden Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon dazu auf, die journalistische Qualität nicht unter diesen Eindrücken leiden zu lassen. Doch hat mit dem 11. September 2001 tatsächlich eine Qualitätsbeeinträchtigung in der Berichterstattung der deutschen Tagespresse stattgefunden?

Diese Arbeit setzt sich mit dieser Frage insbesondere in Bezug auf Objektivität in der Islam-Berichterstattung auseinander. Kommunikationswissenschaftlich ist interessant, ob sich ein so prägendes Ereignis auf die journalistische Qualität in Presseerzeugnissen, die für sich den Wert der differenzierten, quasi-objektiven Berichterstattung beanspruchen, auswirkt.

Bisherige Untersuchungen haben sich vorwiegend auf das Nahostbild in den Medien beschränkt. Nur zwei Studien setzen sich empirisch mit dem Islambild in der deutschen Medienlandschaft auseinander, und zwar die Untersuchungen von Detlef Thofern (Islambild in Der Spiegel) und Kai Hafez (Nahost- und Islambild in der deutschen Presse). Die Studie von Hafez ist die einzige kommunikationswissenschaftliche Analyse, bezieht sich aber ebenfalls vornehmlich auf das Nahostbild. Andere Forschungen zum Islambild verfolgen zumeist kultur- beziehungsweise religionswissenschaftliche Ansätze.

Es gibt keine Untersuchung zum Nahost- oder Islambild, die sich mit den Auswirkungen eines besonders einflussreichen Ereignisses außerhalb der deutschen Grenzen auf das Islambild im Inland beschäftigt. Der Aspekt Qualität spielt in den erwähnten Untersuchungen ebenfalls keine Rolle. Hierin unterscheidet sich das Thema dieser Magisterarbeit von den bisher geleisteten Analysen. Gefragt wird, wie sich die Qualität in der Berichterstattung über den Islam in der deutschen Tagespresse nach den Ereignissen vom 11. September entwickelt hat.

Dazu wird die Qualität in der Berichterstattung über den Islam in vier überregionalen Tageszeitungen in Deutschland direkt nach dem 11. September 2001 anhand einer quantitativen Inhaltsanalyse überprüft und mit einer Stichprobe aus demselben Jahr vor den Anschlägen verglichen.

Zur theoretischen Fundierung werden im ersten Kapitel dieser Arbeit Grundlagen des journalistischen Qualitätsbegriffes erörtert und verschiedene Ansätze der Einordnung aufgezeigt. Außerdem wird erläutert, welche Grundvoraussetzungen bestehen müssen, um journalistische Qualität in einem Staat zu gewährleisten. Anschließend geht es um Ansätze zur Qualitätssicherung in der Praxis.

Dabei werden Schwierigkeiten bei der Qualitätssicherung sowie Qualitätsmaßstäbe auf rechtlicher Seite und im Pressekodex aufgezeigt und diskutiert. Dann wird auf die wissenschaftliche Qualitätsforschung eingegangen, wobei zunächst unterschiedliche Betrachtungsebenen erläutert werden, von denen aus Qualitätsmaßstäbe für Medien festgelegt werden können. Danach gilt es, diese Maßstäbe und Kriterien daraufhin zu untersuchen, inwieweit sie für die eigene Untersuchung relevant sind.

Im zweiten Kapitel wird der theoretische Hintergrund für eine Erforschung des Islambildes in den Medien untersucht. Dazu ist es zunächst notwendig, einen kurzen Überblick über die Bildforschung zu geben, in dem die Begriffe Bild, Stereotyp und Feindbild näher erläutert werden. Im Anschluss daran soll gefragt werden, inwiefern diese Theorien auf die Beziehung der deutschen Bevölkerung zum Islam anwendbar sind und welche Annahmen diesem Bild zugrunde liegen.

Der dritte Teil dieses Kapitels widmet sich den verschiedenen ‚Ismen’, also Begriffen wie Fundamentalismus und Terrorismus, die im Zusammenhang mit dem Islam öfter genannt werden. Da diese Begriffe in die Analyse einbezogen werden sollen, bedürfen sie einer näheren Erläuterung. Anschließend werden der Forschungsstand zum Islambild in den Medien aufgezeigt und verschiedene Untersuchungen dargestellt. Diese Erkenntnisse werden durch Annahmen verschiedener Forscher zum Islambild nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ergänzt.

Aus den im theoretischen Teil gewonnenen Erkenntnissen werden im dritten Kapitel dieser Arbeit die Hypothesen für die Erforschung des Islambildes nach dem 11. September abgeleitet, die die Grundlage für die nachfolgende Untersuchung bilden.

Hierzu erläutere ich im vierten Kapitel die Medienauswahl und die Stichprobe für die anschließende Forschung, bevor die Methode der Inhaltsanalyse vorgestellt und kritisch hinterfragt wird. Anschließend werden das Forschungsdesign mit dem Kategoriensystem für die inhaltsanalytische Untersuchung sowie der Forschungsvorgang und die Reliabilität der Ergebnisse erklärt.

Im fünften Kapitel werden die Ergebnisse vorgestellt, die einzelnen Hypothesen überprüft und die Erkenntnisse interpretiert. Nach einer Zusammenfassung der Ergebnisse wird abschließend ein Ausblick für die weitere Erforschung dieses Gebietes gegeben.

Dass die Anschläge des 11. Septembers angesichts einer wahren Informationsflut und Schwierigkeiten in der Einordnung dieser Geschehnisse zu Pauschalisierungen geführt haben könnten, wäre durchaus verständlich. Die vorliegende Arbeit soll aber diese Effekte spezifizieren und auf die möglichen Auswirkungen prägender Ereignisse auf die Berichterstattung aufmerksam machen.

„Gerade dann, wenn einige Wahnsinnige unsere Welt in Schutt und Asche legen wollen, müssen wir Journalisten einen kühlen Kopf bewahren und unseren Job so gut wie möglich machen“, ergänzt Weischenberg seine eingangs zitierte Aussage zu den Anschlägen vom 11. September. Ob die Köpfe der Journalisten tatsächlich kühl geblieben sind, soll in dieser Abhandlung analysiert werden.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Qualitätsforschung 4
1.1 Einordnung des Qualitätsbegriffes 4
1.1.1 Definition 4
1.1.2 Grundvoraussetzungen für journalistische Qualität 6
1.2 Qualität in der journalistischen Praxis 8
1.2.1 Problematik der Qualitätssicherung 8
1.2.2 Grundgesetz und Landespressegesetze 10
1.2.3 Pressekodex 12
1.3 Wissenschaftliche Betrachtungsebenen der Qualitätsforschung 13
1.4 Qualitätskriterien 16
1.5 Fazit 23
2. Der Islam in den Medien 25
2.1 Bilder und Stereotype 25
2.2 Islam als Feindbild? 31
2.3 "Ismen": Fundamentalismus, Islamismus und Terrorismus 38
2.4 Der Islam in den Medien – Forschungsüberblick 43
2.4.1 Ursachen und Ausprägungen des Islambildes in den Medien 43
2.4.2 Empirische Forschung zum Islambild in den Medien 48
2.5 Islamberichterstattung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 56
2.6 Fazit 63
3. Hypothesen 66
4. Zur Methode 69
4.1 Auswahl der Medien 69
4.2 Untersuchungszeitraum und Stichprobe 71
4.3 Vor- und Nachteile der quantitativen Inhaltsanalyse 74
4.4 Kategorienbildung 76
4.4.1 Formale Kriterien 77
4.4.2 Inhaltliche Kriterien 78
4.5 Der Codiervorgang 81
4.6 Überprüfung des Messinstruments 81
4.6.1 Pretest 81
4.6.2 Reliabilität und Validität des Messinstruments 82
5. Ergebnisse 86
5.1 Formale Kriterien 86
5.2 Die Islam-Berichterstattung vor und nach dem 11. September 2001 95
6. Schlusswort 122
Literaturverzeichnis 125
Inhaltsverzeichnis Anhang 140
1. Tabellen 142
2. Codebuch 161
2.1 Untersuchungsgegenstand und –zeitraum 161
2.2 Grundgesamtheit 162
2.3 Stichprobe 162
2.4 Analyseeinheit 163
2.5 Allgemeine Codieranweisungen 164
2.6 Reliabilität der Ergebnisse 166
2.7 Das Kategoriensystem 167
3. Codierbogen 203
4. Auswertungsbeispiel 204

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Berichterstattung über Islam in den untersuchten Publikationen ist nach den Anschlägen von geringerer Qualität als vor den Anschlägen. Aus den gewonnen Erkenntnissen können Unterhypothesen zur Überprüfung der übergeordneten Haupthypothese herangezogen werden, die die Kriterien für Qualität bezogen auf das Islambild beinhalten. Hypothesen zur Vielfalt: Hypothese 1 (Vielfalt der Länder): Im Zusammenhang mit Islam werden nach den Anschlägen weniger Länder genannt als vor den Anschlägen. Hypothese 2 (Vielfalt der Themen): Im Zusammenhang mit Islam werden nach den Anschlägen weniger Themenbereiche genannt als vor den Anschlägen. Hypothesen zur Ausgewogenheit: Hypothese 3 (Ausgewogenheit in der Ereignisvalenz): Die Berichterstattung über Islam ist nach den Anschlägen stärker mit negativen Ereignissen verbunden als vor den Anschlägen. Hypothese 4 (Ausgewogenheit bei Stellungsnahmen): Muslimische Akteure kommen nach dem 11. September im Vergleich zur Menge der Berichterstattung weniger zu Wort als vor den Anschlägen. Hypothesen zur Sachlichkeit: Die Hypothesen zur Sachlichkeit müssen jeweils vor dem Hintergrund der Unterscheidung zwischen Nachricht und Meinung sowie zwischen Zitat und Eigenleistung betrachtet werden. Hypothese 5 (Typisierungen): Muslime werden nach den Anschlägen stärker mit negativen Typisierungen belegt als vor den Anschlägen. Hypothese 6 (Wertungen I): Muslime und Islam werden nach den Anschlägen stärker mit Wertungen behaftet als vor den Anschlägen. Hypothese 7 (Wertungen II): Muslime und Islam werden nach den Anschlägen negativer bewertet als vor den Anschlägen. [...]

Das journalistische Kriterium der Ausgewogenheit lässt sich demnach auf die das Islambild betreffenden Aspekte der Ereignisvalenz und der Beteiligung muslimischer Akteure übertragen. Vielfalt ist in der Frage nach der Länder- und der Themenvielfalt im Islambild zu suchen. Sachlichkeit steht wiederum im Zusammenhang mit den Aspekten der Bewertung von Islam, der Typisierung von Muslimen und der Verbindung, die zwischen Islam und Terrorismus hergestellt wird. Aus diesen Erkenntnissen können Hypothesen zur Untersuchung von journalistischer Qualität anhand des Islambildes vor und nach dem 11. September gebildet werden, die nachstehend vorgestellt werden. Da die meisten Autoren von einem negativeren Bild des Islam nach den Anschlägen ausgehen („aufgeklärte Islamophobie“), womit eine Einbuße an Qualität in der Berichterstattung stattgefunden hätte, lautet die Haupthypothese: [...]

Nach den Anschlägen soll sich das Islambild laut der verschiedenen genannten Abhandlungen zu dem Thema verschlechtert haben. Vorrangig negative Themen seien behandelt worden, Muslime seien mit zunehmend abwertenden Charakterisierungen in Verbindung gebracht worden, Islam und Terrorismus seien aufgrund der Vermutungen zu den Tätern dieser Anschläge stärker miteinander verbunden worden. Die Menge der Berichterstattung über den Islam sei zwar gestiegen, nicht aber die Qualität in der Darstellung vom Islam: Von Hafez wird dieses Phänomen „aufgeklärte Islamophobie“ genannt. Da noch keine quantitative Inhaltsanalyse zum Islambild in der Presse nach dem 11. September 2001 durchgeführt wurde und somit keine bestätigten Schlüsse aus diesen Annahmen getroffen werden konnten, sollen die eben genannten Einordnungen des Islambildes nun empirisch überprüft werden. Dabei werden sowohl links- als auch rechtsorientierte Zeitungen einbezogen, um ein differenzierteres Bild der Berichterstattung über den Islam in der deutschen Presse zu gewährleisten. [...]

Arbeit zitieren:
Imran, Maren März 2004: Feindbild Islam?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Moslem, Muslime, Terrorismus, Stereotyp, Journalismus

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