Fehlverhalten in der PR
Eine Rekonstruktion der Berichterstattung im Fall Flaskamp: Sind die Moral- und Ethikrichtlinien für die PR mehr Schein als Sein?
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Elisa Minossi
- Abgabedatum: März 2009
- Umfang: 86 Seiten
- Dateigröße: 466,3 KB
- Note: 2,6
- Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
- Bibliografie: ca. 21
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3162-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Minossi, Elisa März 2009: Fehlverhalten in der PR, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Public Relation, Moral, Ethikrichtlinien, Berichterstattung, Flaskamp
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Bachelorarbeit von Elisa Minossi
Einleitung:
Die PR-Branche versucht Moral und Ethik ihrer Arbeit durch Kodizes zu sichern. Allein in Deutschland existieren drei Kodizes und eine Richtlinie, die von der Deutschen Public Relations-Gesellschaft (DPRG) in deren Ethikkommission festgehalten werden. Diese führt unter anderem den Code d’Athènes und den Code de Lisbonne als berufsmoralische Normenkataloge. Hinzu kommen Sieben Selbstverpflichtungen eines DPRG-Mitglieds, welche 1995 als ethische Grundlinien in die DPRG-Leitlinien übernommen wurden. Der Deutsche Rat Public Relations (DRPR) errichtete unter anderem 1997 die DRPR-Richtlinie für den Umgang mit Journalisten. Träger des DRPR sind die DPRG, die Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA), der Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP) und die Deutsche Gesellschaft für Politikberatung (de’ge‘pol).
Aber wie sieht die Einhaltung der Moral und Ethik in der Praxis aus? An einem Fallbeispiel der PR-Agentur Flaskamp AG mit Sitz in Berlin soll ein Regelverstoß dargestellt werden. Das Thema ist deshalb relevant, da es interessant erscheint, ob die aufgestellten Moral- und Ethikgrundsätze und das Verstoßen dagegen gerügt wird und die Institution, die gegen einen oder mehrere Grundsätze verstoßen hat, in der Öffentlichkeit angeprangert wird. Das Exempel: Das Bundesministerium für Wirtschaft bot als Kunde der Agentur Flaskamp im Jahr 2007 deutschen Regionalzeitungen über die Agentur öffentliche politische Veranstaltungen und Redaktionsbesuche durch den Staatssekretär an und stellte dafür Gegenfinanzierungen durch Anzeigen in Aussicht. Im Klartext heißt das: Für positive Berichterstattung der angesprochenen Medien über die Arbeit der Agentur Flaskamp werden im Gegenzug die Schaltung von Werbeanzeigen des Bundeswirtschaftsministerium sowie der mitwirkenden Industrie- und Handelskammer (IHK) in Aussicht gestellt.
Die Kampagne hieß ‘Dialogtour - Impulse für Wachstum’. Flaskamp ist eine Kommunikationsagentur für strategische Beratung (Consulting) und setzt strategisch definierte Maßnahmen über alle Kommunikationskanäle hinweg um (Campaigning). Die Agentur soll den Regionalzeitungen genaue Vorgaben wie Vor- und Nachberichterstattung zu den jeweiligen Veranstaltungen, Berichterstattung über den Redaktionsbesuch des Bundeswirtschaftsministeriums etc. gemacht haben. Eine schriftliche oder mündliche Stellungnahme zu den Koppelungsgeschäften wurde dem Verfasser dieser Arbeit telefonisch von der Agentur verweigert. Mindestens eine Zeitung, die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ), hat sich auf das Angebot von Flaskamp eingelassen und die Kampagne in der Berichterstattung mehrmals genannt. Die ersten Artikel erschienen am 05.07.2007 mit den Titeln ‘Ein Maßnahmebündel für die kleinen Unternehmen’ und ‘Der Osten braucht auch weiter eine besondere Förderung. Staatssekretär Walther Otremba zur Mittelstandspolitik’. Es folgten am 09.07.2007 ‘Mittelstand im Fokus Dialogtour des Wirtschaftsministeriums’, am 11.07.2007 ‘Staatsekretär diskutiert mit Mittelständlern’ und am 13.07.2007 ‘Der märkische Mittelstand ist bester Laune. Auf seiner ‚Dialogtour‘ darf sich Staatsekretär Walther Otremba vor allem Lob für die Politik der Bundesregierung anhören’. Alle Artikel sind im Onlinearchiv der MAZ einsehbar. Anzeigen vom Bundeswirtschaftsministerium erschienen am 07./ 08.07.2007 und 10./ 11.07.2007. Unklar ist, ob weitere Zeitungen auf das Koppelungsangebot von Flaskamp eingegangen sind. Im August 2007 sind nach Angaben des Ministeriums bereits 140.000 Euro in die Kampagne geflossen. Die ‘unmoralischen Angebote’ von Flaskamp kamen ans Licht, weil ein Mitarbeiter der Agentur zwei unterschiedliche Vorgänge - Pressearbeit und Anzeigenschaltung - im Gespräch und Schriftwechsel mit einem Vertreter der Zeitung zusammen besprochen habe, was angeblich nicht mit dem Auftraggeber Bundeswirtschaftministerium abgesprochen war.
Welche Kodizes und Richtlinien wurden bei diesem Fall missachtet? Was ist danach passiert? Wer hat reagiert? In der folgenden Arbeit soll diesen Fragen auf den Grund gegangen werden. Untersucht werden sollen mit einer Inhaltsanalyse Reaktionen der DPRG, des DRPR, der de’ge’pol, des Deutschen Journalisten Verband (DJV) sowie Artikel von großen deutschen Regionalzeitungen, landesweiten Magazinen und PR-spezifischen Journalen im jeweiligen Online-Archiv im August 2007 zum Zeitpunkt der Aufdeckung des Falls. Zunächst werden unter Kapitel 2 Begriffsbestimmungen zu Moral und Ethik gegeben und einige wichtige in Deutschland geltende PR-Kodizes und Richtlinien erläutert. Kapitel 2 zeigt weiterhin auf, welche Verstöße Flaskamp getätigt hat. Im nächsten Schritt wird unter Abschnitt 3 die Forschungsfrage für den empirischen Teil dieser Arbeit vorgestellt und die Methode der Inhaltsanalyse mit dem Kategorienschema aufgezeigt. Anschließend folgen die Darstellung der wichtigsten Ergebnisse aus der Untersuchung in Abschnitt 4 und die Zusammenfassung der Resultate mit der Schlussbetrachtung in Kapitel 5.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 3 |
| 2. | Moral und Ethik | 5 |
| 2.1 | Allgemeine Begriffsbestimmungen | 5 |
| 2.2 | Einige Richtlinien und Kodizes der PR in Deutschland | 5 |
| 2.3 | Verstöße von Flaskamp gegen Richtlinien und Kodizes | 6 |
| 2.4 | Verstöße gegen Kodizes und Richtlinien = gang und gäbe? | 8 |
| 3. | Operationalisierung | 10 |
| 3.1 | Forschungsfrage | 10 |
| 3.2 | Festlegung der Forschungsannahmen | 10 |
| 3.3 | Erhebungsinstrument | 10 |
| 3.4 | Kategorienschema | 12 |
| 4. | Analyse des Untersuchungsmaterials | 14 |
| 4.1 | Umfang der Dokumente | 14 |
| 4.2 | Verfasser der Dokumente | 14 |
| 4.3 | Beschreibung/ Wertung des Falls | 15 |
| 4.4 | Überschrift | 18 |
| 4.5 | Schuldige | 19 |
| 4.6 | Art der Thematisierung | 20 |
| 4.7 | Ursachen für das Fehlverhalten | 21 |
| 4.8 | Vorkommen von PR- und Pressekodizes und Richtlinien | 22 |
| 5. | Zusammenfassung und Schlussbetrachtung | 24 |
| Literaturverzeichnis | 32 | |
| Anhang | 34 | |
| Codebuch | 35 | |
| Agenturangebot | 41 | |
| Untersuchungsmaterial | 42 | |
| Kodizes und Richtlinien | 75 |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836631624
Arbeit zitieren:
Minossi, Elisa März 2009: Fehlverhalten in der PR, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Public Relation, Moral, Ethikrichtlinien, Berichterstattung, Flaskamp



