Family Offices
Marktstruktur, Kundenanalyse und Anlageverhalten
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Roland Raimondi
- Abgabedatum: Juli 2007
- Umfang: 98 Seiten
- Dateigröße: 775,7 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Zürich Schweiz
- Bibliografie: ca. 36
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4720-5
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Raimondi, Roland Juli 2007: Family Offices, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Family Office, Private Banking, Anlageverhalten, Kundenanalyse, UHNWI
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Diplomarbeit von Roland Raimondi
Einleitung:
Wachsendes Finanzvermögen und neue Finanzprodukte steigern zunehmend die Nachfrage nach adäquaten Finanzdienstleistungen. Einschneidende Vermögensveränderungen wie Erbschaften, Scheidungen oder Verkäufe von Familienunternehmen etc. stellen Privatpersonen vor komplexe Herausforderungen im Umgang mit ihren hinzugewonnenen, hohen Vermögenswerten. Durch die Dimension an zur Verfügung stehendem Kapital eröffnen sich den Dienstleistungssuchenden viele neue Möglichkeiten, ihr Vermögen anzulegen. Nebst den traditionellen Anlageverfahren besteht für sie aufgrund ihrer Finanzkraft die Möglichkeit, in alternative Anlagen zu investieren oder ihr Vermögen als Private Equity zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise können auch unabhängig von den Marktentwicklungen attraktive Renditen erzielt werden. Daneben soll das Vermögen aber auch weiterhin auf lange Sicht über Generationen und familiäre Entwicklungen und Veränderungen hinweg gesichert bleiben.
Die Schweiz mit ihrer langjährigen Tradition in der Vermögensverwaltung, insbesondere geprägt durch die bereits seit dem 18. Jahrhundert bestehenden Privatbanquiers, konnte lange von der politischen und wirtschaftlichen Stabilität, den rechtlichen Rahmenbedingungen und ihrer geographischen Lage profitieren und sich eine entsprechende Reputation aufbauen. Der Schweizer Bankensektor hatte infolgedessen lange eine Vorreiterrolle in der weltweiten Vermögensverwaltung gehabt. Geopolitische Veränderungen und insbesondere verbesserte Mobilität vermindern die Bedeutung einiger Schweizer Erfolgsfaktoren. Gerade in den höheren Vermögensklassen wird das Geld dorthin bewegt und angelegt, wo die besten Konditionen zu finden sind. Der Wettbewerb hat sich damit weiter globalisiert. Um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben, muss das Denken und Handeln auf globale Finanzmärkte und internationale Mitstreiter ausgedehnt werden.
Einer der spezialisiertesten und komplexesten Bereiche des Private Banking ist die Family Office Dienstleistung. Unter den Anbietern dieser Family Office Dienstleistung können das Single Family Offices, das Multi Family Offices und weitere Finanzinstituten wie zum Beispiel Banken unterschieden werden. Die allumfassende Family Office Dienstleistung vereint im Grunde Dienstleistungen, die bereits seit langem bestehen. Die Bewegung vom standardisierten Private Banking hin zu den Family Office Dienstleistungen zeichnet sich insbesondere durch eine Fokussierung auf die Sicht des Kunden sowie durch die Konzentration auf dessen Bedürfnisse ab. Um nachhaltig erfolgreich tätig sein zu können, ist es von Bedeutung, die Kundenbedürfnisse zu erkennen und richtig zu interpretieren.
Die Leitidee der Family Office Dienstleistung entspricht der Zusammenfassung der ganzheitlichen Vermögensplanungen aller kundenspezifisch relevanten Themen zu einer allumfassenden integrierten Dienstleistung. Diese Dienstleistung wird erst ab einer gewissen Vermögensgrösse angeboten. Eine Segmentierung der Kunden in unterschiedliche Vermögensklassen hilft zudem, konkrete Strategien auf die jeweilige Kundenstruktur zuzuschneidern. Personen, die die für die Family Office Dienstleistung notwendige Vermögensgrösse aufweisen, werden als Ultra-High Net Worth Individuals bezeichnet.
Zielsetzung:
Das grundlegende Ziel der Arbeit ist es, einerseits auf der Basis der themenrelevanten Literatur den aktuellen theoretischen Stand der Family Office Dienstleistung als Bestandteil des Private Banking aufzuzeigen. Andererseits soll mittels einer empirischen Untersuchung eine integrierte Betrachtungsweise der Family Offices erfasst werden.
Die empirische Untersuchung wird in die drei Themenbereiche Marktstruktur, Kundenanalyse und Anlageverhalten gegliedert. Als Resultate werden Kenntnisse über das Family Office Geschäft, insbesondere über dessen Charakterisierung, dessen Kunden und deren Investitionsverhalten, im Speziellen in alternative Anlagen, erwartet. Damit sollen auch diejenigen Elemente erkannt werden, die für ein erfolgreiches Geschäftsmodell im Family Office nötig sind.
Inhaltsverzeichnis:
| Executive Summary | I | |
| Inhaltsverzeichnis | VI | |
| Abbildungsverzeichnis | VIII | |
| Teil 1: | Überblick | 1 |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Ausgangslage | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung | 3 |
| 1.3 | Empirische Analyse | 3 |
| 1.3.1 | Erhebungsmethode | 3 |
| 1.3.2 | Fragebogen | 5 |
| 1.3.3 | Auswahl der Teilnehmer | 6 |
| 1.4 | Aufbau der Arbeit | 6 |
| 2. | Vom Private Banking zum Family Office | 8 |
| 2.1 | Private Banking Definition | 8 |
| 2.2 | Kundensegmentierung | 9 |
| 2.3 | Marktpotential | 11 |
| 2.4 | Dienstleistungen | 12 |
| 2.5 | Anlageprodukte | 14 |
| 3. | Das Family Office | 19 |
| 3.1 | Herkunft | 19 |
| 3.2 | Bedeutung | 20 |
| 3.3 | Family Office Konzepte | 21 |
| 3.3.1 | Das Single Family Office | 22 |
| 3.3.2 | Das Multi Family Office | 22 |
| 3.3.3 | Weitere Family Office Dienstleistungsanbieter | 23 |
| 3.3.4 | Family Office aus netzwerkspezifischer Sicht | 23 |
| 3.4 | Herausforderungen | 26 |
| Teil 2: | Empirische Untersuchung | 29 |
| 4. | Einleitung | 29 |
| 5. | Marktstruktur | 31 |
| 6. | Kundenanalyse | 40 |
| 7. | Anlageverhalten | 47 |
| 7.1 | Investitionen in alternative Assets | 51 |
| 7.2 | Private Equity | 56 |
| 7.3 | Managerselektion | 58 |
| Teil 3: | Schlussbetrachtung | 60 |
| 8. | Zusammenfassung der Resultate | 60 |
| 8.1 | Charakterisierung des Family Offices | 60 |
| 8.2 | Kundenstruktur | 61 |
| 8.3 | Investitionen in alternative Assets und im Speziellen in Private Equity | 62 |
| 9. | Schlussfolgerungen | 64 |
| Anhang | 66 | |
| Literaturverzeichnis | 85 |
Textprobe:
Kapitel 3.3, Family Office Konzepte:
Es kann grundsätzlich unterschieden werden zwischen Family Offices, die von Familien gegründet werden, und Anbietern der Family Office Dienstleistung wie Banken und weiteren Institutionen. Vermögende Familien können sich daher entscheiden, ihr eigenes Single Family Office aufzubauen, Kunden eines Multi Family Office zu werden oder Family Office Dienstleistungen von finanziellen Institutionen in Anspruch zu nehmen.
Das Single Family Office:
Ursprünglich wurden Family Offices von wohlhabenden Familien bei entsprechendem Bedarf eingerichtet. Family Offices, die nur einer einzelnen Familie, typischerweise ihrer Gründerfamilie zugeordnet sind, werden als Single Family Offices bezeichnet. Das Single Family Office fokussiert sich alleine auf diese eine Familie und widmet sich ganz ihren komplexen Vermögen mit der nötigen Zuwendung und den entsprechenden fachlichen Fähigkeiten und Know-how.
Das Multi Family Office:
Ein Multi Family Offices stellt seine Dienstleistungen mehreren, voneinander unabhängigen Kunden bzw. Familien zur Verfügung. Diese Familien müssen dabei theoretisch in keiner Beziehung zum Gründer des Family Offices stehen. Es kann aber durchaus sein, dass eine Familie, die im Besitz eines Single Family Offices ist, die Dienstleistung der Familie nahe stehenden Familien zur Verfügung stellt. Der Hauptvorteil eines Multi Family Offices wird insbesondere im Pooling beziehungsweise dem Zusammenlegen mehrerer Interessen und Vermögen privater Kunden gesehen. Die Familien profitieren dadurch von einem breiteren Zugang und einer grösseren Auswahl an Anlageprodukten und integrierten Dienstleistungen, die sie mit ihrem ihnen effektiv zustehenden Anteil nicht in Anspruch nehmen könnten. Daneben ergeben sich für die Familien aufgrund der Skaleneffekte Preisvorteile, die dem einzelnen Bankkunden nicht gewährt würden. Möchten Kunden einen Teil ihres Vermögens in einen Fond oder Asset Pool mit demselben Risiko-Ertrags-Profil investieren, der von einem erfahrenen Manager verwaltet wird, ergeben sich weitere Kostenvorteile dadurch, dass bei dem Asset Pooling nur ein Asset Manager nötig ist und Transaktionen nur einmal durchgeführt werden müssen.
Weitere Family Office Dienstleistungsanbieter:
Die Dienstleistung des Family Office wird auch von weiteren Institutionen wie Banken, Rechtskanzleien oder Treuhandgesellschaften etc. angeboten. Das Family Office Geschäft stellt dabei oft ein in die Institution integriertes Geschäftsmodell dar, das neben weiteren Geschäftsmodellen besteht. Meist bieten diese Institutionen bereits Private Banking oder dem Private Banking nahe stehende Dienstleistungen an. Die Strukturen ähneln dabei sehr stark einem Multi Family Office. Das ursprüngliche und hauptsächliche Geschäftsfeld bildet die Kernkompetenz und somit das Zentrum des Family Offices. Die zentrale Einheit übernimmt also mehr als ausschliesslich eine Koordinationsfunktion. Zusätzliche Dienstleistungen oder Produkte werden bei entsprechendem Bedarf ergänzt.
Banken können des Weiteren von dem langjährigen Know-how und den Produkten aus ihren anderen Sparten wie zum Beispiel dem Investment oder Business Banking profitieren und mit der Family Office Dienstleistung gleichzeitig ihre Servicepalette erweitern. Es stellt sich hier aber insbesondere die Frage, inwieweit die Unabhängigkeit bei der Wahl der besten Produkte und Dienstleistungen gewährleistet wird. Daneben muss sorgfältig evaluiert werden, ob die in-house, das heisst intern hergestellten Produkte und Dienstleistungen dem externen Markt entsprechen können oder ob diese besser extern bezogen werden sollten. Wichtig ist bei letzterer Entscheidung, dass das Vertrauen und die Diskretion zwischen dem Kunden und der Bank durch die Involvierung Dritter nicht tangiert werden und das Bankgeheimnis weiterhin gewahrt bleibt.
Family Office aus netzwerkspezifischer Sicht:
Aus netzwerkspezifischer Sicht können zwei Modelle über die Buy or Make Entscheidung unterschieden werden. Aus dem theoretischen Blickwinkel bildet das Family Office üblicherweise ein Koordinationszentrum. Dem Multi-Manager Ansatz folgend, sucht das Family Office für jeden zu berücksichtigenden Bereich den besten Manager aus. Werden die Aufgaben an externe Geschäftspartner ausgelagert, die in ihrer Funktion bereits im Markt tätig sind und zur Verfügung stehen, entspricht dies einem externen Netzwerk (siehe Abbildung 6: Externes Netzwerk).
Diese externen Dienstleistungsanbieter behalten weiterhin ihre übrigen Kunden, stellen ihre Dienste dem Family Office aber zusätzlich zur Verfügung. Das Family Office übernimmt dabei die Koordination und Kontrolle dieser externen Dienstleistungsanbieter und lässt dadurch eine Art von Wettbewerb unter den Anbietern entstehen. Dem Kunden wird es so ermöglicht, von den besten Produkten und Preisen zu profitieren. Der Kunde entlöhnt die in Anspruch genommenen Dienstleistungen entsprechend des jeweiligen Preismodells zuzüglich einer Gebühr für die Koordination durch das Family Office.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836647205
Arbeit zitieren:
Raimondi, Roland Juli 2007: Family Offices, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Family Office, Private Banking, Anlageverhalten, Kundenanalyse, UHNWI



