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Family Office

Aktuelle Entwicklungen auf Kunden- und Anbieterseite

Family Office
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Till Singer
  • Abgabedatum: Januar 2009
  • Umfang: 73 Seiten
  • Dateigröße: 1,0 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Liechtenstein, Hochschule Schweiz
  • Bibliografie: ca. 45
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4756-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Singer, Till Januar 2009: Family Office, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Family Office, Private Banking, Wealth Management, Anbieter, Kunden

Bachelorarbeit von Till Singer

Einleitung:

Ein Family Office geht weit über die klassische standardisierte Vermögensverwaltung im Sinne des Private Bankings hinaus. Es hat zum Ziel, die jeweilige Familie ganzheitlich und integriert zu betreuen und ihr Vermögen über Generationen hinweg zu erhalten, zu vermehren, zukontrollieren bzw. zu übertragen. Die Kombination des Privaten mit dem Geschäftlichen führt dazu, die Familie als Organisation bzw. Unternehmen zu betrachten. Family Office Dienstleistungen sind insbesondere geeignet und sinnvoll für weltweit verteilte Familien mit mehreren Wohnsitzen, welche eine regelmässige und persönliche Betreuung erwarten. Nebst einem grossen Vermögen sind komplexe Familienstrukturen und diversifizierte Familienvermögen die relevanten Aspekte, welche die Inanspruchnahme von Family Office Dienstleistungen nahe legen. Die Kundenbedürfnisse unterscheiden sich je nach Komplexität der Familienverhältnisse enorm. Weder die Forschung noch die Literatur haben sich bisher intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Die Arbeit zeigt jedoch auf, dass der Family Office Markt ein grosses Marktpotential für die Finanzbranche besitzt und in Zukunft vor allem auch in Europa stark wachsen wird. Im Rahmen der Literaturanalyse so wie diverser Interviews mit Praxisexperten hat der Autor versucht, die aktuellen Trends, Herausforderungen, Mängel etc. auf Seiten Family Office Anbieter und Nachfrager zu erforschen. Die Synthese von Literaturanalyse und Interviews führt zu folgenden Resultaten: Es kristallisiert sich klar heraus, dass das automatisierte, integrierte Vermögensreporting, die Trennung von Investment Reporting und Controlling, die Selbständigkeit des Family Offices, die Technologisierung, die steigende Nachfrage nach einer Multi Manager Selektion durch das Family Office, das Risikomanagement, die Nachfolgeplanung und Steueroptimierung, die Kostenoptimierung und die steigenden Dienstleistungsansprüche der Kunden zu den alles relevanten Herausforderungen für die Family Office Anbieter und Nachfrager gehören.

Das Marktpotential für Family Office-Dienstleistungen wird von den interviewten Praxisexperten durchwegs als sehr gross angesehen. Die Vermögenswachstumszahlen, Steueroptimierung und Regulierungsfragen, die Vielzahl erwarteter Unternehmensnachfolgen und die steigende Professionalität und Komplexität im privaten Bereich sind Wachstumsfaktoren und Trends, welche das grosse Marktpotential der Family Office Dienstleistungen bestätigen. Gleichwohl sind sich die Marktteilnehmer der anstehenden Herausforderungen bewusst. Diese Trends und Herausforderungen gilt es in Zukunft von Family Office Anbietern und Nachfragern im Auge zu behalten. Des Weiteren bietet es sich an die Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf die Family Office Branche genauer zu untersuchen.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis VI
Abbildungsverzeichnis VII
1. EINFÜHRUNG 1
1.1 Ausgangslage 1
1.2 Problemstellung und Forschungsgebiet 2
1.3 Aufbau und Zielsetzung 2
1.4 Methodologie 3
2. PRIVATE BANKING 4
2.1 Entwicklung des Private Banking 4
2.2 Definition Private Banking 5
2.3 Klassifikation von vermögenden Privatkunden 7
2.4 Der Markt des Private Banking und dessen Zukunft 11
2.5 Das Leistungsangebot im Private Banking 13
2.6 Wealth Management 15
3. FAMILY OFFICE 20
3.1 Historischer Ursprung der Family Offices 20
3.2 Marktüberblick der Family Offices 21
3.3 Definition Family Office 23
3.4 Hauptgrund für die Gründung eines Family Office 26
3.5 Dienstleistungen und Produkte eines Family Office 29
3.5.1 Vermögenserhaltung 31
3.5.2 Vermögenswachstum 33
3.5.3 Vermögenskontrolle 34
3.5.4 Management und Koordination 35
3.5.5 Aufsicht/Familienstrategie 36
3.6 Family Office Formen 37
3.6.1 Das Private Single-User-Family Office 38
3.6.2 Externes Single-User-Family Office 38
3.6.3 Familiengeführtes kombiniertes Multi-User-Family Office 39
3.6.4 Externes Multi-User-Family Office 39
3.6.5 Vor- und Nachteile der jeweiligen Form 43
4. BESTANDESAUFNAHME UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN 45
4.1 Selbstständigkeit des Family Offices 45
4.2 Trennung von Investment Reporting und Controlling 49
4.3 Integriertes und automatisiertes Vermögensreporting 50
4.4 Technologisierung 51
4.5 Steigende Nachfrage nach der Multi Manager Selektion durch das Family Offices 52
4.6 Risikomanagement 52
4.7 Nachfolgeplanung und Steueroptimierung hinsichtlich neuer Entwicklungen vom off-shore zum on-shore Banking 53
4.8 Kostenoptimierung 54
4.9 Zunehmendes Finanzwissen und steigende Dienstleistungsansprüche der Kunden 54
5. SCHLUSSBETRACHTUNG 56
Quellenverzeichnis 58
Bezug von Quellen via Internet 64
Interviewpartner 65
Interviewleitfaden 67

Textprobe:

Kapitel 3.5 Dienstleistungen und Produkte eines Family Office:

In Bezug auf die Dienstleistungen und Produkte eines Family Office wird zu Beginn dieses Kapitels explizit darauf hingewiesen, dass Family Offices in den seltensten Fällen Standardprodukte durchgehend für den Kunden anbieten. Die Ansprüche einer Familie sind in der Regel sehr spezifisch und einmalig, so dass der jeweilige Dienstleistungsmix sich unterschiedlich pro Familie gestaltet. Da Family Offices oftmals grosse Vermögenswerte bis über 1 Mrd. CHF verwalten, weisen sie oftmals Charakteristika wie institutionelle Kunden auf, z.B. im Hinblick auf vorteilhafte Konditionen in Bezug auf ihre hohen Handelsvolumina, Direktzugang zu Investment Banken etc. verhalten sich aber im Hinblick auf Leistungen wie z.B. massgeschneidertes Steuerreporting, Nachfolgeplanung etc. wie Privatkunden.

Caselli und Gatti meinen dazu: „Families who have achieved a substantial level of prosperity have very unique needs The unique needs of UHNWIs may require high levels of specialization and customization that justify the creation of dedicated structures, in particular if such needs are connected with family business management requirements”.

Somit ist eine einheitliche inhaltliche Definition eines Family Office schwierig bis unmöglich.3 So soll im Folgenden versucht werden die wichtigsten Dienstleistungen zu erläutern und in einen Gesamtzusammenhang der Familienbedürfnisse zu stellen. Im Hinblick auf die Erbringung von Family Offices Dienstleistungen sollten zuerst die Ansprüche der Familie thematisiert werden. Gemäss Bächthold hat eine Familie grundsätzlich den Anspruch, dass ihr Vermögen erhalten, vermehrt und kontrolliert wird.

Im Hinblick auf die Vermögenserhaltung bzw. -wachstum sollte man sich vor Augen halten, das im Verlauf der Expansion der gesamten Familie ein so genannter „Malthus-Effekt“ einsetzen kann, welcher das Vermögen pro Familienmitglied sukzessive reduziert.

Daher ist eine Vermögenserhaltung bzw. -wachstum unabdinglich, will man das Wohlstandniveau für die zukünftigen Familiengenerationen gewährleisten.

Vermögenserhaltung:

Im Sinne des Vermögenserhaltes ist insbesondere auf die Optimierung der Nachfolge- und Steuerplanung zu verweisen, welche typisch für Family Offices ist und eine grosse Rolle spielt, da meist mehrere Familienmitglieder, welche evtl. über die ganze Welt verstreut leben, am Vermögen beteiligt sind und somit Steuern zahlen bzw. in Zukunft Vermögensteile übertragen bekommen. Wie auch bei den anderen Disziplinen des Family Office sollte bei der Nachlass- und Steuerplanung frühzeitig eine Strategie ähnlich der Anlagestrategie festgelegt werden. Hierbei kann die Nachlassplanung bis hin zur Testamentsvollstreckung bzw. deren Planung und Begleitung gehen. Die Vermögensweitergabe an die nachkommenden Generationen gewinnt weiter an Gewicht, wenn man sich vor Augen hält, dass auf der einen Seite die privaten Haushalte immer mehr Vermögen erwirtschaften und auf der anderen Seite eine ansteigende Überalterung der Bevölkerung eine stark anwachsende Erbengeneration bedingt.

Ein weiteres wichtiges Kriterium im Rahmen der Erhaltung des Vermögens ist die Strukturierung und die Auswahl der für jeden Vermögensbestandteil adäquaten Holding-Struktur, z.B. Stiftungen, Trusts etc.

Neben den Holdings für die Steueroptimierung empfiehlt Schaubach generell zu überlegen, ob ein Family Office als ein Holdingkonzern oder als ein Stammhauskonzern geführt werden sollte. Bei der Holdingstruktur übernimmt das Family Office lediglich die „Stabsaufgaben“, wie z.B. die Asset Allokation, die Konsolidierung, das Reporting etc. Das Family Office delegiert die Leitung und Verantwortung für Teilvermögen an Dritte. So legt das Family Office fest, dass z.B. 30 % des Vermögens in Aktien Deutschland investiert werden sollen. Im Anschluss evaluiert das Family Office die geeigneten Vermögensverwalter, welche die dementsprechenden Investments empfehlen und tätigen sollen, und vergibt das Mandat an den jeweiligen Vermögensverwalter, welcher am besten erscheint. Im weiteren Verlauf bestimmt also nicht das Family Office, ob die Aktien Bayer oder Deutsche Bank gekauft werden, sondern der Vermögensverwalter tätigt diesen Kauf eigenständig. Erst beim Reporting bzw. der Konsolidierung, Überprüfung und Einhaltung der Anlagerichtlinien wird das Family Office aktiv.

Beim Stammhauskonzern übernimmt das Family Office auch - zumindest für einen Teil des Vermögens - diese operative Leitung. In diesem Falle entscheidet das Family Office selbstständig, ob die jeweilige Aktie gekauft wird oder nicht. Beim Stammhauskonzern muss besonderer Wert auf den Umgang mit Interessenskonflikten gelegt werden, da das Family Office sich zumindest teilweise selbst kontrolliert. Dieses Modell ist sowohl auf das Finanz- wie auf das Human- und das Sozialvermögen anzuwenden.

Arbeit zitieren:
Singer, Till Januar 2009: Family Office, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Family Office, Private Banking, Wealth Management, Anbieter, Kunden

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