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Familientherapie auf systemischer Basis

Familientherapie auf systemischer Basis
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Cornelia Leistner
  • Abgabedatum: August 2000
  • Umfang: 218 Seiten
  • Dateigröße: 9,4 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-3186-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-3186-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-3186-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Leistner, Cornelia August 2000: Familientherapie auf systemischer Basis, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Schulen, systemisch, Psychoanalyse, strukturell

Diplomarbeit von Cornelia Leistner

Einleitung:

Die Familie als primäre Sozialisationsinstanz des Kindes hat aufgrund der vielfältigen sozialen Funktionen in den Erziehungs-, Bildungs- und Ausbildungsprozessen eine herausragende Bedeutung, die Horkheimer (1936) folgendermaßen beschreibt:

„Unter den Verhältnissen, welche die seelische Prägung des größten Teils aller Individuen sowohl durch bewußte als durch unbewußte Mechanismen entscheidend beeinflussen, hat die Familie eine ausgezeichnete Bedeutung. Die Vorgänge in ihr formen das Kind von seinem zartesten Alter an und spielen bei der Entfaltung seiner Fähigkeiten eine ausschlaggebende Rolle. So wie im Medium dieses Kreises die Wirklichkeit sich spiegelt, erfährt das Kind, das in ihm aufwächst, ihren Einfluß. Die Familie besorgt, als eine der wichtigsten erzieherischen Mächte, die Reproduktion der menschlichen Charaktere, wie sie das gesellschaftlich erfordert“.

Muss bezeichnet die Familie sogar als die Lebensform, die „die effektivste körperliche, emotionale, soziale und intellektuelle Entwicklung von Kindern gewährleistet“. So liegt die Vermutung nahe, dass eine gestörte Entwicklung des Kindes im Zusammenhang mit den familiären Bedingungen steht. Bereits Freud wies auf die Bedeutung der Familie für den Kranken hin: „`Vor allem anderen wird sich unser Interesse den Familienverhältnissen der Kranken zuwenden´ (...)“ und verdeutlicht das frühe Interesse von Therapeuten an der familiären Situation. So wird auch die Ursache von Verhaltensstörungen (nach dem pädagogischen Erklärungsansatz) als wesentlich durch familiäre Bedingungen beeinflusst gesehen:

Verhaltensstörungen sind "das Ergebnis eines Interaktionsprozesses (Wechselwirkungen) zwischen dem genetisch einzigartigen Kind oder Jugendlichen mit seinen individuellen Tendenzen und seinen ganz spezifischen Gegebenheiten in der Umwelt auf verschiedenen Systemebenen“ (Myschker).

Systemische Familientherapie als Medium der Transformation dysfunktionaler Familien und analog dysfunktionaler Verhaltensweisen erscheint in diesem Zusammenhang von großem Interesse für das professionelle pädagogische Handeln. Doch es stellt sich die Frage, wie sich ein familientherapeutischer Transformationsprozess gestalten soll, damit eine `dysfunktionale´ Familie zu einer `funktionalen Familie´ verändert wird. Wie lösen familiäre Interaktionsmuster dysfunktionale Verhaltensweisen bei ihren Familienmitgliedern aus? Wie ist es möglich, dass sich bei Geschwistern, die aus dem gleichen familiären Umfeld kommen, dysfunktionale Verhaltensweisen ausbilden, während ein anderes unauffällig erscheint? Wie kann Familientherapie den Anforderungen der heutigen pluralistischen Gesellschaft (Ferchoff), in der „der Zerfall der Familie“ (Rauchfleisch) alltäglich von der Boulevardpresse thematisiert wird, entsprechen? Diese und ähnliche Fragestellungen werden in der vorliegenden Arbeit anhand der Darstellung verschiedener familientherapeutischer Ansätze beantwortet. Aus der Vielzahl familientherapeutischer Theorien habe ich vier Schulen exemplarisch herausgegriffen. Bei der Auswahl habe ich die folgenden beiden Kriterien berücksichtigt: Zum einen gelten die von mir ausgewählten familientherapeutischen Schulen als Pioniere ihrer Zeit und Richtung. Als klassische Ansätze der systemischen Familientherapie bilden sie das Fundament der weiteren Entwicklung der Familientherapie bzw. der systemischen Therapie. Zum anderen entwickelte sich im Laufe der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts aus einer Initialzündung Paul Dells auf dem Züricher Kongress 1981 die Familientherapie zur eigentlich systemischen Therapie, dessen Gegenstand, in Abhängigkeit zur jeweiligen Schule, nicht mehr ausschließlich die Familie als solches ist (vgl. Ludewig). Die Weiterentwicklung der systemischen Therapie weist große Binnenunterschiede auf, so dass Deissler sogar davon spricht, dass es „ (...) systemische Therapie als einheitliches Verfahren (...) es nie gegeben [hat], (...) es nicht [gibt], und es auch in der Entwicklung und weiteren Ausdifferenzierung nicht geben [wird ]„ (ebd., 126). Gleichzeitig zeigten andere Therapien wiederum Bestrebungen, mit Familien zu arbeiten (vgl. Ludewig). Die ausgewählten familientherapeutischen Schulen erscheinen unter der Berücksichtigung, dass sie die thematischen Anforderungen nach „Familientherapie auf systemischer Basis“ bestmöglich erfüllen.

Aus der Thematik der vorliegenden Arbeit und dem zugrunde liegenden Ansatz ergibt sich folgende Grobgliederung:

Im ersten Teil sollen Familie als Institution und ihre Entwicklung zu pluralistischen Familienformen, ihrem Funktionswandel sowie heutige soziale Bedingungen als Gegenstand der Familientherapie vorgestellt werden.

Im zweiten Teil werden Grundlagen und Entwicklung der systemischen Konzeption und ein Überblick über die verschiedenen systemischen Schulen dargestellt. Im Mittelpunkt steht hier die Darstellung von vier exemplarisch herausgegriffenen Familientherapieschulen: Die psychoanalytische Familientherapie nach Richter und nach Stierlin, die strukturelle Familientherapie nach Minuchin, die systemische Familientherapie der Mailänder Schule und die erlebniszentrierte Familientherapie nach Satir.

Daran anschließend soll die Effektivität und zukünftige Entwicklung unter der besonderen Berücksichtigung der aktuellen berufspolitischen Situation im wissenschaftlichen Diskurs erörtert werden. Die Grundlage dieser Darstellung ist ein Interview mit dem Wortführer der Systemischen Gesellschaft, Dr. Ludewig.

Im Anhang der Arbeit steht die Transkription des Interviews mit Dr. Ludewig sowie der Überblick über derzeitige deutsche Weiterbildungsinstitute.

Der vorliegenden Arbeit liegen die seit dem 1. August 1998 gültigen Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung zugrunde, mit Ausnahme der wörtlich übernommenen Zitate. Weiterhin verwende ich aus stilistischen Gründen bei Personenangaben, die sich inhaltlich auf beide Geschlechter beziehen, die männliche Form.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Entwicklung der Familie 4
2.1 Einführung in die Thematik 4
2.2 Historischer Abriss: Die Entwicklung von der Großfamilie zur industriellen Kleinfamilie 4
2.2.1 Die Ehebeziehung 7
2.2.2 Die Eltern- Kind- Beziehung 7
2.3 Familienkonzept der Kernfamilie: Rückblick auf die Entwicklung in den letzten zwanzig Jahren 8
2.3.1 Formen von Familien 11
2.3.1.1 Kernfamilie 11
2.3.1.2 Ein- Elternfamilie 13
2.3.1.3 Wohngemeinschaft 15
2.3.1.4 Homosexuelle-Elternfamilie 16
2.3.1.5 Nichteheliche Gemeinschaften 17
2.3.2 Die erwerbstätige Frau als Ausdruck der sich wandelnden Rollenverteilung 17
2.3.3 Scheidung und ihre Auswirkungen 20
3. Familientherapie 27
3.1 Einleitung in die systemische Familientherapie 27
3.1.1 Systemische Konzeption 27
3.1.1.1 Offene und geschlossene Systeme 28
3.1.1.2 Kybernetik 29
3.1.1.3 Zirkularität 31
3.1.1.4 Autopoesie 31
3.1.1.5 Homöostase 32
3.1.1.6 Morphogenese und Morphostase 34
3.1.1.7 Pseudogegenseitigkeit 34
3.1.1.8 Isomorphismus 35
3.1.1.9 Schismogenese 35
3.1.1.10 Äquifinalität 36
3.1.1.11 Kommunikation 36
3.1.1.12 Die Theorie des Double-bind 39
3.1.2 Historische Entwicklung der Familientherapie 40
3.1.3 Überblick über die verschiedenen Schulen 43
3.2 Psychoanalytische Familientherapie 46
3.2.1 Psychoanalytische Familientherapie nach Richter 46
3.2.1.1 Grundlagen 46
3.2.1.2 Theoretische Aspekte 47
3.2.1.2.1 Rollentheorien 47
3.2.1.2.2 Symptomneurosen 55
3.2.1.2.3 Charakterneurosen 56
3.2.1.3 Abschlussgedanken 57
3.2.2 Systemischer Ansatz nach Stierlin 59
3.2.2.1 Grundlagen des psychoanalytischen Ansatzes nach Stierlin 59
3.2.2.2 Theoretische Aspekte 61
3.2.2.2.1 Bezogene Individuation 62
3.2.2.2.2 Interaktionsmodi von Bindung und Ausstoßung 63
3.2.2.2.3 Delegation 65
3.2.2.2.4 Mehrgenerationsperspektive von Verdienst und Vermächtnis 67
3.2.2.2.5 Status der Gegenseitigkeit 67
3.2.2.3 Der Therapieprozess 68
3.2.2.3.1 Therapeutische Interventionen 71
3.2.2.3.2 Rolle des Therapeuten 74
3.2.2.3.3 Supervision 75
3.3 Strukturelle Familientherapie nach Minuchin 76
3.3.1 Allgemeine Grundlagen des strukturellen Modells nach Minuchin 76
3.3.2 Systemsicht des strukturellen Ansatzes 77
3.3.2.1 Familie als System 77
3.3.2.2 Symptomfunktion- und entwicklung 78
3.3.2.3 Entwicklung der Familie 78
3.3.2.4 Familienstruktur 79
3.3.2.5 Familiensysteme 80
3.3.3 Theoretische Aspekte des strukturellen Ansatzes 81
3.3.3.1 Grenzen 81
3.3.3.2 Starre Triade, Triangulation, Koalition und Konfliktumleitung 82
3.3.4 Therapieprozess 84
3.3.4.1 Rahmenbedingungen und therapeutischer Kontrakt 85
3.3.4.2 Prozessdiagnostik in der Familie 86
3.3.4.3 Therapeutische Strategien 87
3.3.4.4 Therapeutische Techniken 88
3.3.4.5 Rolle des Therapeuten 93
3.3.4.6 Supervision 94
3.3.5 Abschlussgedanken 94
3.4 Systemische Therapie der Mailänder Schule 95
3.4.1 Einleitung 95
3.4.2 Systemsicht des puristischen Ansatzes 96
3.4.2.1 Familie als System 96
3.4.2.2 Symptomfunktion und -entwicklung 97
3.4.3 Theorie und Techniken des Systemischen Ansatzes 98
3.4.3.1 Methoden der Informationsgewinnung 98
3.4.3.2 Hypothesenbildung 99
3.4.3.3 Zirkuläres Befragen 100
3.4.3.4 Paradoxe Intervention 101
3.4.3.5 Umdeutung (Reframing) 102
3.4.3.6 Positive Konnotation 103
3.4.3.7 Symptomverschreibung 104
3.4.3.8 Rituale 106
3.4.3.9 Sitzungsabstände 107
3.4.3.10 Paradoxe Vorhersage 107
3.4.3.11 Akzeptieren der verdächtigten Besserung 108
3.4.3.12 Die Erklärung der eigenen Unfähigkeit 108
3.4.3.13 Übernahme des Beziehungsproblems durch die Therapeuten 108
3.4.3.14 Pertubation 109
3.4.4 Therapieprozess 110
3.4.4.1 Ablauf des Therapieprozesses 110
3.4.4.2 Rolle und Aufgaben des Therapeuten 112
3.4.4.2.1 Neutralität 112
3.4.4.2.2 Allgemeine therapeutische Prinzipien 113
3.4.4.2.3 Gefahren 114
3.4.4.3 Teamarbeit und Supervision 114
3.4.5 Abschließende Bemerkung 115
3.5 Erlebniszentrierte Familientherapie 116
3.5.1 Einleitung 116
3.5.2 Grundlagen des Satirschen Modells 117
3.5.2.1 Systemsicht 117
3.5.2.2 Primäre Triade 118
3.5.2.3 Selbstwert 118
3.5.3 Theoretische Aspekte: Kommunikationsmuster 121
3.5.3.1 Kongruente vs. inkongruente Kommunikation 122
3.5.3.2 Beschwichtigen 123
3.5.3.3 Anklagen 124
3.5.3.4 Übermäßiges Rationalisieren 126
3.5.3.5 Irrelevantes Verhalten 127
3.5.3.6 Kongruenz 129
3.5.4 Therapieprozess 132
3.5.4.1 Der Transformationsprozess 132
3.5.4.2 Therapeutische Ziele 135
3.5.5 Techniken 136
3.5.5.1 Rollenspiel 137
3.5.5.2 Familienrekonstruktion 138
3.5.5.3 Parts Party 140
3.5.5.4 Skulpturarbeit 141
3.5.5.5 Reframing 141
3.5.5.6 Arbeit mit Metaphern 142
3.5.5.7 Weitere Techniken 142
3.5.6 Rolle des Therapeuten 143
3.6 Tabellarische Gegenüberstellung der Therapieschulen 144
3.7 Kritische Auseinandersetzung mit der systemischen Familientherapie 148
3.7.1 Kritik an der Systemischen Perspektive 148
3.7.1.1 Zirkularität 149
3.7.1.2 Machtmissbrauch 149
3.7.1.3 Homöostase 150
3.7.1.4 Autopoiese 150
3.7.4.1 Psychoanalytische Familientherapie nach Stierlin 152
3.7.4.2 Strukturelle Familientherapie 153
3.7.4.3 Mailänder Schule 154
3.7.4.4 Erlebniszentrierte Familientherapie nach Satir 154
3.8 Effektivität von Familientherapie 156
3.9 Ausblick 162
4. Resümee 165
5. Persönliches Fazit 170
6. Anhang 172
6.1 Ausbildungsinstitute in Deutschland 172
6.1.1 Berufsstände Familientherapeuten an den Ausbildungsinstituten in Deutschland 172
6.1.2 Weiterbildung 173
6.1.3 Überblick über die derzeitigen familientherapeutischen Ausbildungsinstitute nach den Angaben der Systemischen Gesellschaft 174
6.1.4 Adressenliste der familientherapeutischen Ausbildungsinstitute 181
6.2 Auszug aus einem Interview mit Dr. Kurt Ludewig 186
7. Literaturliste 202

Arbeit zitieren:
Leistner, Cornelia August 2000: Familientherapie auf systemischer Basis, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Schulen, systemisch, Psychoanalyse, strukturell

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